two days out of thousands

KurzgeschichteFreundschaft / P18 Slash
Klaus von Wolfstadt Taki Reizen
13.10.2013
10.12.2013
2
11697
 
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
 
So, hier ein schöner kleiner OneShot... Dieses mal eine Alternative Universe Sache...
Einfach mal so...
Hoffe sie gefällt! Allen ansonsten schöne Ferien, wenn ihr schon erlöst seid, und allen anderen, haltet durch!
T.R.


Es ist schön mal aus dem tristen Alltag zu entfliehen. Ich wohne bei meinem Onkel, er ist der Minister dieses Staates und hat so viel zu tun, dass er es alleine kaum schafft. Deswegen helfen meine Schwester Yura und ich ihm wo wir nur können.
Vor einigen Jahren hat er uns bei sich aufgenommen, als unsere Mutter gestorben ist. Da unser Vater schon lange tot war und sonst keiner da war, der uns hätte aufnehmen können, hat er sich dazu bereit erklärt, sich um uns zu kümmern.

Ich bin nun 18 Jahre alt. Und ich kenne die Welt aus Büchern und Regierungsplänen. Ich wünschte, ich hätte mehr von der Welt sehen können, doch leider geht das nicht.
Wir haben genug Geld, daran liegt es nicht. Es liegt an der Zeit.
Unser Onkel sieht sich in der Verantwortung, immer auf uns aufzupassen. Er hat einen Angstellten für uns eingestellt, der auf Yura und mich aufpassen sollte. Tachibana-san ist vor zwei Jahren in den Ruhestand gewechselt und seither ist sein Sohn unser Diener, wenn man so will.

Ich habe ihn vor acht Monaten endlich davon überzeugen können, dass er sich auf Yura konzentrieren sollte, da ich doch schon volljährig bin.
Aber Tachi-kun ist sehr pflichtbewusst. Ich vertraue ihm Yura gerne an, weil ich sie so in sicheren Händen weiß.

Die Stadt ist ruhig, ich bin nach meinem Privatunterricht aus dem Haus gegangen, um in einem der Cafés etwas Kleines zu essen oder zu trinken.
Jetzt sitze ich hier, an einem der Tische auf der Terrasse und stochere in dem Marmorkuchen herum, den ich vor gut zehn Minuten bestellt habe.
Der Milchkaffee, den ich mir bestellt hatte schmeckt zu sehr nach Kaffee und ich hoffe, bald den Kellner erwischen zu können, um noch etwas Milch hinzu bestellen zu können.

„Darf ich?“ ich bemerke als erstes den Akzent der tiefen Stimme, die mich den Kopf heben lässt. Der westliche Akzent hat mich nicht belogen. Auch das Äußere des Mannes vor mir zeugt von westlichem Blut in seinen Adern.
„Warum nicht...“ murmle ich und ziehe die Tasse und den Teller etwas weiter zu mir, damit er Platz hat um seine eigenen Bestellungen irgendwo hinzustellen.
Erst als ich mich danach nach dem Kellner umsehe fällt mir auf, dass es durchaus noch genügend freie Plätze gegeben hätte, wo er sich hätte hinsetzen können.
„Warum ausgerechnet hier?“ frage ich ihn.
Er sieht auf und schält sich lächelnd aus seinem sandfarbenen Mantel, der für den heutigen Tag tatsächlich viel zu warm erscheint.
„Ich bin ungern allein, mag aber die große Masse nicht.“ erklärt er dann und legt sich den zusammengefalteten Mantel auf den Schoß.
„Ach so...“ murmle ich als ausweichende Antwort, da seine Augen mich irgendwie nicht verlassen wollen. Als hätte er es selbst eben erst bemerkt sieht er schnell weg und schiebt ein leises 'Entschuldigung' hinterher.

Ich nippe an meinem Milchkaffee und beschließe den etwas zu bitteren Geschmack zu ignorieren. Mein Mund fühlt sich seltsam trocken an. Ich bin es nicht gewohnt vor jemand anderem zu essen. Nur Yura und Tachi-kun sind manchmal da, aber das auch nur sehr selten. Da Tachi-kun meistens bei Yura ist und sie andere Schulzeiten hat als ich. Ich gehe bald auf die Universität, weil der Privatunterricht mit dem Stoff an seine Grenzen kommt.
Ich habe die Prüfungen der verschiedenen Abschlüsse mit gemacht und bin demnach befähigt auf eine Universität zu gehen.

Das Schweigen wird langsam recht erdrückend, doch ich weiß einfach nicht, wie ich es brechen sollte. Ich bin Schweigen eigentlich gewöhnt. Aber diese Situation ist weitaus anders als das was ich ansonsten auch gewöhnt bin. Ich wage es, meinen Tischnachbar nochmal anzusehen. Unsere Blicke streifen einander direkt und ich will sogleich wieder weg sehen.
„Ist alles in Ordnung?“ fragt der Mann jedoch und zwingt meinen Blick wieder in seine Richtung. Wenn jemand mit einem spricht, tut man gut daran, ihn anzusehen.
„Ich... es ist... ungewohnt.“
Ich will aufstehen und gehen. Meine Güte, noch alberner kann ich mich gar nicht aufführen. Aber wie auch nicht? Ich bin nie viel unter Leuten gewesen. Und wenn, dann waren sie alle so eintönig und alle gleich. Kannte man einen, kannte man sie alle. Ausnahmen gab es nur wenige und das ist soviel ich weiß heute auch nicht viel anders.
Wie also soll ich gelernt haben, mit einem Gesprächspartner umzugehen?
„Bist du nicht mit dem Minister verwandt?“ fragt der Mann weiter und ich sehe weg. Auf so ein Gespräch kann ich jetzt wohl verzichten. Wenn die Leute anfangen mich an meinem Onkel zu messen und zu beurteilen, habe ich keine Lust das Gespräch weiter zu führen.
„Ich habe ihn letztens in einer Übertragung gesehen, du siehst ihm sehr ähnlich.“ ich zucke mit den Schultern. Wenn er meint.
Was mir viel mehr auffällt, ist, dass er mich von Anfang an duzt. Als wäre ihm egal, dass wir uns erst geschlagene 15 Minuten kennen.
„Hey...“
Endlich sehe ich wieder auf und erschrecke mich, als ich die ausgestreckte Hand des Mannes vor meinem Gesicht bemerke.
„Geht's dir irgendwie schlecht oder so?“ fragt er mich und ich schüttle rasch den Kopf.
„Ich war in Gedanken.“ antworte ich ausweichend.
„Das müssen dann aber düstere Gedanken gewesen sein.“ stellt mein Gegenüber fest und als ich ihn ansehe lächelt er mir breit zu.
„Ich bin Klaus von Wolfstadt.“ erklärt er einfach, ohne das ich ihn danach gefragt hätte. Perplex antworte ich ihm: „Taki Reizen.“
„Freut mich.“ sagt er dazu und wirkt so, als würde er das wirklich ernst meinen. Es wirkte nicht wie normale Etikette.
Ich zwinge mich meinen Marmorkuchen langsam mal aufzuessen, damit ich hier auch irgendwann mal fort komme. Die Gesellschaft des Mannes ist mir nicht unangenehm, dennoch will ich nicht den Rest des Nachmittags hier verbringen.

Als ich aufgegessen habe lasse ich mir die Rechnung bringen und zahle, ehe ich mich erhebe. Zu meinem nicht geringen Erstaunen erhebt sich auch mein Gegenüber. Und mir fällt auch auf, dass er die ganze Zeit nichts gegessen oder getrunken hat.
„Sie müssen nicht...“ will ich anfangen, doch er winkt ab.
„Ich will nicht wieder alleine sein. Wenn es dir nichts ausmacht, würde ich gerne noch etwas Zeit in deiner Gesellschaft verbringen.“
Ich bin für einen Moment zu erstaunt und überrascht um etwas angemessenes zu antworten, also lasse ich es einfach zu, dass er mich begleitet.
„Wo möchtest du eigentlich hin?“ fragt er mich dann, als wir schon eine Weile gegangen sind.
„Ich weiß es nicht.“ antworte ich ehrlich und er ändert die Richtung.
„Dann hast du doch nichts dagegen mich etwas zu begleiten?“ fragt er.
Er steht seitlich vor mir, zu mir herumgedreht und sieht mich abwartend wie vorfreudig an.
Ich senke den Blick und überlege kurz.
Ist es nicht etwas übereilt ihn jetzt schon irgendwie zu begleiten oder so? Andererseits, was schadet es mir, etwas Zeit in Gesellschaft zu verbringen?
Ich schließe zu ihm auf.

„Danke.“ Und wieder klingt er so ehrlich, so aufrichtig dankbar.
Ich will etwas sagen, doch mir fällt nichts angemessenes ein, also bleibe ich still.
„Wo möchten Sie denn hin?“ frage ich ihn dann, als ich sein Ziel an der Richtung seiner Bewegung nicht einschätzen kann. In der Richtung die er eingeschlagen hat liegt nichts, wo man seinen Nachmittag verbringen wollen würde.
„Ich habe nicht mehr lange Freigang. Und wenn ich meinen Rückweg schon mit freundlicher Gesellschaft bestreiten darf, dann will ich es so lange wie möglich genießen.“
Da bleibe ich stehen.

Freigang?!

Er bemerkt mein Zögern.
„Entschuldigung. Ich habe es bis jetzt verschwiegen. Wer würde schon seinen Nachmittag mit einem Irren verbringen wollen?“ murmelt er dann und lässt den Kopf hängen.
Jetzt weiß ich, wohin er geht. Er geht zur Psychiatrischen Klinik 'Erufoso Erumana'.
„Aber ich verspreche dir, ich tue niemandem etwas. Ich bin dabei mich zu bessern. Wirklich. Ich bin kein Psychopath oder so. Wirklich nicht.“ beteuert er.
Ich sehe ihn an. Klaus von Wolfstadt.
Ist das nicht der Name einer westlichen, hoch angesehen Adelsfamilie? Warum sollte...?!

Ich schlucke.
Er hat mir bisher nichts angetan. Er hat etwas bedrohliches an sich, das schon. Er ist breit gebaut, hat durchdringende goldene Augen und ein wölfisches Lächeln. Dennoch wirken seine Augen im Moment sehr sanft.

Er sieht auf seine Armbanduhr, an der ich einen kleinen Kasten ausmachen kann, auf dem das Emblem der Klinik aufgebracht ist.
Langsam setzt er sich wieder in Bewegung. In sich zusammengesunken. Mit hängenden Schultern und hängendem Kopf, die Hände in den Hosentaschen, den Mantel über einen der Arme gehängt.
Und ich folge ihm, schließe zu ihm auf und seufze.

Warum sollte er mir jetzt etwas antun? Warum sollte er es ausgerechnet jetzt tun?
Was kann es schaden, ihm diese Freude zu machen?
Also begleite ich ihn noch.

Aber ich bleibe etwas auf Abstand. Ich kann deutlich sehen, wie seine Arme, seine Schultern zittern. Wir kommen der Klinik immer näher.
Plötzlich bleibt Klaus einfach stehen.
Ich verharre ebenfalls, sobald ich sein Stillstehen bemerke.

Er zieht die Hände aus den Taschen und ich sehe erschrocken, wie heftig sie zittern. Der Mantel rutscht einfach von seinem Unterarm und er tut nichts um ihn daran zu hindern. Er hebt ihn auch nicht wieder auf und starrt einfach nur seine Hände an.
Als könne er sie damit beruhigen.
Sein Gesicht verzieht sich zu einem wütenden, oder zornigen Ausdruck und ich mache unbewusst einen Schritt zurück.
Doch er scheint es bemerkt zu haben.
Er atmet tief ein und streckt eine zitternde Hand nach mir aus.
„Es richtet sich nicht gegen dich. Ich tue dir nichts, nur bitte... lass mich... nur für einen Moment...“ damit überbrückt er den Abstand zwischen uns und hebt eine meiner Hände in seine.

Ich spüre bald, wie sein Zittern sich durch meinen Körper zieht.
Seine Pranken umfassen meine eine Hand, sodass die gänzlich darin verschwindet.
Ich schlucke und versuche ruhig zu bleiben.
Ein hohes Piepsen kommt von seiner Uhr.
„Verdammt.“ faucht er, lässt meine Hände jedoch nicht los, sonder klammert sich noch fester an mich.
Ich kann förmlich spüren, wie sehr es ihm widerstrebt zurück zu gehen.

Langsam hebe ich meine freie Hand und lege sie auf seine verkrampften Hände, die meine umklammern.
Dass er erstaunt aufsieht ignoriere ich und versuche so beruhigend wie möglich seine Hände zu halten, damit er sich beruhigen kann.
„Klaus-kun? Klaus-kun? Ist alles in Ordnung?“ tönt es nach einem schrillen Ton aus einem kleinen Lautsprecher im kleinen Kasten an seinem Handgelenk.
„Klaus-kun?“
Klaus antwortet nicht und ich überlege, ob ich an seiner Stelle antworten sollte.
„Klaus-kun? Hast du wieder einen Anfall?“ als er weiterhin schweigt, beschließe ich zu antworten.
„Er zittert.“ antworte ich.
„Wer sind Sie?“ wird mir sogleich geantwortet.
„Taki Reizen, ich habe ihn ein Stück begleitet.“
„Oh... Hat er Sie verletzt, ist er verletzt? Warum antwortet er nicht?“ fragt die kratzige Stimme.
„Er zittert einfach nur. Und er hat mir nichts angetan. Aber ich glaube er beruhigt sich langsam.“ erkläre ich.
„Ich habe ihm nichts getan! Ich habe ihm nicht weh getan!“ braust Klaus auf und legt eine Hand auf sein Handgelenk, als könne er so den Lautsprecher zum Verstummen bringen.
„...ken...er...bit...Ruhe...urt...“ Klaus' Hand schließt sich fester um die Lautsprecheröffnungen und dämpft die Stimme so, dass ich sie nicht mehr verstehen kann.
„Entschuldige, aber, könntest du bitte hier bleiben? Sie kommen gleich... und holen mich, oder so. Es tut mir Leid, dass ich dich da mit rein ziehe... und dass du das mitbekommen musstest...“ stammelt er und wirkt, als müsse er sich stark beherrschen.
Ich sehe mich nach einer Bank um oder etwas wo man sich hinsetzen könnte. Neben einem der steinernen Blumenkrüge, die zur Verschönerung der Stadt dienen sollen, steht eine Bank und ich ziehe ihn langsam in die Richtung.
Wir setzen uns und als ich auf seine Hände sehe, merke ich, dass sie fast gänzlich zur Ruhe gekommen sind.
Er wirkt ganz ruhig.
Nur noch sein leichtes Zittern zeugt von dem Anfall den er eben hatte. Ich sehe auf und als sich unsere Blicke zum ersten Mal seit seinem Anfall treffen lächelt er mir zu.

„Klaus-kun! Reizen-san!“ Ein Auto hält auf der Straße in unserer Nähe. Hastig schmeißen der Beifahrer und der eine Herr auf dem Rücksitz ihre Türen zu und hasten über die Fußgängerzone auf uns zu.
„Oh Kami-sama... ich sagte doch, dass das der Neffe des Ministers ist!“ jammert der eine von beiden als er mich sieht.
Klaus lässt langsam meine Hände los.
„Klaus-kun? Ist alles in Ordnung?“ fragt der ältere der beiden. Das Schild an seinem Kittel weist ihn als Dr. Hartmann aus.
„Ja! Verdammt...“ faucht Klaus giftig und steht widerwillig auf. Ich erhebe mich ebenfalls und sehe leicht besorgt der Szene zu, die sich vor mir abspielt.
Die beiden versuchen Klaus irgendetwas einzuflößen, wahrscheinlich ein Beruhigungsmittel oder ähnliches. Klaus schluckt das Zeug ohne Wiederwehr, wirkt dabei jedoch sehr unglücklich.
Ich versuche ihm ein aufmunterndes Lächeln zu zuwerfen.
„Bitte Enschuldigen Sie die Umstände, Reizen-san. Klaus-kun hat sich in den letzten Monaten verbessert und es hatte auch keine Probleme gegeben, wenn er Freigang hatte. Wir wissen auch nicht so recht warum er jetzt wieder Probleme bekommt.“ Ich sehe es genau.
Sie erkennen mich als den Neffen des Ministers und bekommen jetzt eine Heidenangst, dass wir sie verklagen oder ähnliches.
„Er hatte sich doch in der Gewalt.“ sage ich lächelnd.
„Taki!“ ruft Klaus mich zurück, als wir schon auseinander gehen. Ich drehe mich zu ihm um. Er stemmt sich gegen den Rahmen der Autotür und weigert sich, einzusteigen.
„Taki... ich...“ er schüttelt den Kopf.
Erstaunt sehe ich, wie die beiden Männer seine Arme umklammern müssen, um das Beben seiner Muskeln zu unterbinden.
Schnell überschlage ich meine Überlegungen.
„Hat er morgen wieder die Möglichkeit raus zu gehen?“ frage ich, ehe ich meinen Gedanken wirklich zu Ende geführt habe.
„Wahrscheinlich schon, warum fragen Sie?“ antwortet Dr. Hartmann.
„Ich wüsste gerne wann.“ gebe ich zurück und ernte drei bestürzt, überraschte Gesichtsausdrücke.
„Warum fragen Sie?“ verlangt Hartmann nun energischer zu wissen.
„Nur so, ich fand diesen Nachmittag recht unterhaltsam.“ antworte ich lächelnd.
Klaus' Mundwinkel ziehen sich nach oben und er wirkt fast schon wie ein fröhliches Kind.

Doch ich bekomme keine Antwort.
Die Männer drängen Klaus ins Auto und sobald die Türen zu sind braust der Wagen davon.

Ich seufze.
Irgendwie erscheint es mir falsch. Klaus hatte sich doch perfekt in der Gewalt und er wirkte auch nicht irgendwie so, als wolle er irgendwem irgendwas antun.
Ich werde mal versuchen herauszufinden, warum man ihn so behandelt, oder meint behandeln zu müssen.


Zuhause angekommen streife ich die Schuhe ab und stelle sie neben die meines Onkels und Yuras.
„Taki!“ ruft Tachi-kun aus dem Korridor heraus und läuft auf mich zu.
„Wo zum Henker warst du?!“ empfängt er mich.
„In der Stadt...?“ antworte ich etwas verwundert. Wo ist denn hier die Stelle solche Panik zu bekommen?
„Ja, das haben sich Yura und ich schon gedacht, aber warum haben wir einen Anruf von der Psychiatrischen Klinik bekommen?!“
„Keine Ahnung!“ antworte ich wahrheitsgemäß. Was weiß ich bitteschön, warum die hier angerufen haben?
„Sie meinten du wärst bei einem potenziell gefährlichen Mann!“ braust Tachibana auf.
„Er hat mich gebeten ihn zu begleiten, weil er keine Lust hatte alleine zu sein, was ist daran so schlimm?“ antworte ich leicht angesäuert.
„Keine Ahnung, jedenfalls hat hier ein Typ namens Hartmann oder so angerufen, gefragt ob du da wärst und nachdem wir ihm sagten du wärst in der Stadt ist er fast ausgeflippt und meinte du wärst in potenzieller Gefahr oder so.“
Ich seufze tief und gehe ins Wohnzimmer, wo Yura auf mich wartet. Sie wirft sich in meine Arme und schluckt heftig.
„Taki... Nii-sama... du kannst nicht...“ sie wirkt als wolle sie mir irgendetwas um die Ohren hauen, beruhigt sich dann wieder und sinkt auf dem Sofa in sich zusammen.
Ich setze mich neben sie.
„Nee-chama, mir ist nichts passiert, ich war nicht in Gefahr.“ beschwichtige ich so gut ich kann und ignoriere Tachi-kun weiterhin.
„Dieser Mensch muss doch besser wissen, welche seiner Patienten gefährlich sind oder nicht!“
„Tachi-kun. Du passt auf Yura auf, ich passe auf mich selbst auf. Wir hatten diese Diskussion schon und du weißt auch, dass ich mich selbst gut genug verteidigen kann.“
Endlich habe ich ihm das geschlagene Seufzen abgerungen, nach dem ihm einfach die Argumente fehlen.


Am nächsten Tag kann ich nur Raten, wann sie Klaus wieder raus lassen, also gehe ich gleich nach meinem Privatunterricht dorthin, wo Klaus und ich auseinander gegangen waren.
Mein Herz macht einen kleinen Hüpfer als ich ihn tatsächlich auf der Bank sitzen sehe.
Lächelnd gehe ich auf ihn zu.
Als er meinen Schatten auf sich zukommen sieht, sieht er langsam auf, als wagte er es gar nicht zu hoffen, dass ich tatsächlich wieder gekommen bin.
Als unsere Blicke sich dann treffen legt sich ein erst ungläubiger Ausdruck auf sein Gesicht, dann kräuseln sich seine Mundwinkel zu einem glücklichen Lächeln und er steht auf.
„Du bist tatsächlich gekommen!“ stellt er erfreut fest.
„Ja. Ich konnte leider nicht früher kommen. Ich hatte noch Unterricht.“ er nickt verstehend.
„Aber du bist gekommen.“

„Ich habe jetzt wieder genauso lange wie gestern. Also noch drei Stunden.“ erklärt er und ich werfe einen Blick auf meine Uhr.
„Wie sind denn deine Zeiten? Vielleicht kann ich es so einrichten, dass ich dich früher treffen kann.“ schlage ich vor und merke erst bei seinem überraschten Ausdruck, dass er nicht erwartet hat, dass sich unsere Treffen wiederholen könnten.
„Ich darf sechs Stunden raus...“ murmelt er und wirkt noch immer ganz überrascht.
„Dann hast du jetzt drei Stunden auf mich gewartet?!“ rufe ich bestürzt aus. Klaus nickt.

Wir gehen zum Fluss, der sich durch die Stadt zieht und stellen uns an das Geländer davor. Dunkel, schmutzig grün ziehen die Wellen unter uns vorbei. An der Mauer wachsende Algen wiegen sich im Strom und vereinzelte Enten schwimmen hier und da herum.
„Hast du keine Angst, dass ich dich in den Fluss stoße oder so?“ fragt Klaus ins Blaue und sieht mich an, als erwarte er wirklich eine Antwort.
„Natürlich nicht.“ antworte ich schnell, sehe dann jedoch erst, dass seine Hände wieder zittern.
„Du siehst es, Taki. Du siehst es und du tust nichts.“ wispert er.
Ich schweige, sehe ihm dann in die traurigen Augen und strecke beide Hände nach seinen aus. In der Hoffnung, ihn auch Heute beruhigen zu können.
„Was ist das denn? Was hast du?“ frage ich ihn so sanft wie möglich.
Ich habe zwar keine Angst, ich bin mir aber durchaus bewusst, dass dieser Mann in der Lage ist, mir ernsthaften Schaden zuzufügen.
„Ich habe getötet. Ich habe Menschen verletzt.“ gibt er zu.
„Warum? Was hast du?“ frage ich weiter. Ich bin sicher, dass er nicht der Kranke ist, als den man ihn behandelt.
Ich habe ihn viel zu beherrscht kennen gelernt.
„Ich habe vor einigen Jahren noch Morphium genommen, aber das hat recht bald aufgehört. Manchmal kommt's wieder, aber das ist nicht so schlimm. Schlimmer ist es, wenn die... Davon anfangen.“ Mir wird klar, dass es etwas geben muss, was tief in seiner Vergangenheit liegt.
Leider bin ich aber kein Psychologe, oder so, der ihm helfen könnte.
„Was ist Es?“ frage ich ihn dennoch ganz vorsichtig.
„Wehrdienst. Fliegerstaffel. Abgeschossen. Tot. Und ich bin Verantwortlich.“ fasst er zusammen als denke er, ich würde das jetzt verstehen.
„Wofür bist du verantwortlich?“ frage ich weiter.
„Ich war der Anführer, der Leiter der Mission... Und dann war da dieser Angriff und wir konnten sie nicht mal bergen, weil die Wellen sie verschluckt haben!“
Klaus verstummt einfach und legt den Kopf auf meine Schulter.
Ich stehe tatenlos an das Geländer gelehnt und lasse ihm seine Zeit.
Er mag psychische Probleme haben, aber er ist sicher nicht krank. Nicht so, wie man ihn behandelt.

Nach einigen Minuten richtet er sich auf und sieht auf seine Uhr.
„Wir haben noch eine Stunde. Vielleicht essen wir noch etwas Kleines und gehen dann zurück?“ fragt er, als sei er unsicher, ob ich denn überhaupt mit ihm kommen würde.
Ich nicke wie selbstverständlich.

Während wir gehen, schweigen wir beide. Erst als wir uns in dem kleinen Restaurant hinsetzen sieht er mich an.
„Ich bin froh, dass du da bist.“ erklärt er dann leise seufzend.
„Ach ja?“
Ich kann mir ein leichtes Lächeln nicht verkneifen.
„Ja. Normalerweise hätte ich jemanden wie dich schon längst irgendwie verletzt. Also, wegen den Fragen. Aber du merkst ja selber, dass es dir noch gut geht.“ er lächelt verlegen.

Ich schweige kurz, stimme ihm dann jedoch zu.
„Ja.“

Wir essen etwas eilig, da unsere Zeit jetzt doch langsam knapp wird.
Nachdem wir, das heißt ich, bezahlt haben gehen wir mit zügigen Schritten in die Richtung der Klinik.
Und irgendwie muss ich fast lachen. Wir haben die ganze Zeit so ruhig miteinander verbracht und jetzt rennen wir fast nur um nach gut hundert Metern zu sehen, dass noch kaum eine Minute seit den letzten hundert Metern vergangen ist.
So werden wir bald langsamer und schlendern vor den Toren der Klinik etwas auf und ab.

„Heute war schön.“ murmelt Klaus mit einem traurigen Blick auf seine Uhr.
„Ja.“ pflichte ich ihm bei und seufze.
„Es wird Zeit.“ murmelt er und sieht widerwillig zum grauen Gebäude herauf, „Das Zimmer da, im fünften Stock, ganz neben dem Treppenhaus da, ist meins.“ fügt er dann hinzu und zeigt nach oben.
Ich zähle die Stockwerke ab. Das Treppenhaus ist klar zu erkennen, da seine Fenster sehr hoch sind und man dort die Treppen sehen kann.
Vor Klaus' Fenster sind keine Gitter oder ähnliches, im Gegensatz zu den Fenstern der oberen Etagen.
„Ich muss gehen.“ sagt er dann und macht einen Schritt auf das Tor zu.
„Ich versuche morgen früher zu kommen!“ rufe ich ihm nach, als er schon hinter dem Tor verschwunden ist.

Ich weiß nicht warum, aber ich bleibe einfach hier stehen und sehe zu, wie er die Treppen im Treppenhaus hoch steigt und dann nach einer Weile in seinem Zimmer auftaucht.
Er sieht aus dem Fenster und ich meine ihn lächeln zu sehen.

Zufrieden mache ich Kehrt und gehe den vertrauten Weg nach hause.


Freue mich über revis^^ und hoffe, dass es euch gefallen hat!
Review schreiben