Echte Helden

von cricri
GeschichteHumor, Romanze / P12 Slash
Hauptkommissar Frank Thiel Herbert Thiel Kommissaranwärterin Nadeshda Krusenstern Rechtsmediziner Professor Karl-Friedrich Boerne Rechtsmedizinerin Silke Haller Staatsanwältin Wilhelmine Klemm
11.10.2013
20.10.2013
9
9812
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 Datenschutzinfo
 
Rating: P 12
Genre: Slash, Humor
Länge: ~ 700 Wörter
Zeit: 75 Minuten


***



Einige Tage später ...

Ein unbarmherziges Geräusch weckte ihn. Es brauchte einige Zeit bis ihm klar wurde, daß das nicht sein Wecker war, sondern das lautstarke Schimpfen eines Vogels, der vermutlich die Katze der Nachbarn im Garten erspäht hatte. Thiel seufzte und warf einen Blick auf den Wecker. Kurz nach sieben. Da hatte man schonmal Urlaub, und dann sowas. Er drehte sich auf die andere Seite, was nicht ganz einfach war, weil er festgehalten wurde, und versuchte das Geschrei zu ignorieren, um wieder einzuschlafen. Aber das war einfacher gedacht als getan. Er war wach. Hellwach. Die Amsel steigerte die Lautstärke noch um einige Dezibel, und ihm war zu warm. Er versuchte, vorsichtig ein paar Zentimeter von dem warmen Körper neben ihm abzurücken, mit dem Erfolg, daß er noch näher gezogen wurde.

 "Wieso schläfst du nicht?" murmelte Boerne verschlafen.

 "Tschuldigung." Er drehte sich wieder um. "Ich wollte dich nicht wecken."

 "Zu spät." Boerne gähnte, aber er sah nicht unglücklich aus. Und wenn er länger darüber nachdachte, war ihm eigentlich doch nicht zu warm. Wie er das all die Jahre ausgehalten hatte, alleine zu schlafen, war ihm unbegreiflich. Jedenfalls schlief er sehr viel besser, seit er nicht mehr alleine schlief. Boernes Finger wanderten ziellos über seine Haut, und er mußte lachen. "Das kitzelt."

 "Mhm", sagte Boerne und ließ die Hand in seinen Nacken gleiten. "Besser?"

...

 "Hast du auch Hunger?"

 "Du denkst jetzt ans Essen?" fragte Boerne entsetzt und schaute ihn aus großen Augen an.

 "Ich frühstücke immer um die Zeit ... mir knurrt der Magen ..."

Boerne seufzte theatralisch.

 "Wir können doch auch nach dem Frühstück ..."

 "Sehr romantisch."

 "Ich meine -"

Boerne lachte. "In Ordnung. Nicht, daß du mir hier noch einen Schwächeanfall erleidest."

 "Idiot." Er tat sein bestes, beleidigt zu klingen, aber es wollte ihm nicht so richtig gelingen. Boerne zog ihn wieder näher und murmelte "nur noch fünf Minuten", und er wäre in dieser losen Umarmung fast wieder eingedöst, als Boerne plötzlich sagte: "Nächstes Wochenende habe ich Geburtstag. Wollen wir da vielleicht essen gehen?"

 "Wann?" fragte Thiel und hatte im gleichen Moment ein schlechtes Gewissen, daß er das nicht wußte. Irgendwie war Boernes Geburtstag noch nie ein Thema gewesen.

 "Sonntag."

Auswärts essen  - wenn Boerne Lust dazu hatte, so seinen Geburtstag zu feiern, warum nicht. Also nickte er und sagte: "Klar, paßt doch, an dem Wochenende habe ich auch keinen Dienst", als ihm schlagartig etwas anderes klar wurde. Bisher waren auch Geburtstagsgeschenke kein Thema gewesen. Aber angesichts ihrer veränderten Beziehung ... verdammt. Er mußte ein Geschenk besorgen. Und heute war Dienstag. Er rechnete nach - innerhalb von 13 Tagen.


***



Beim Frühstück versuchte er, aus Boerne herauszubekommen, was der an seinem Geburtstag gerne machte. Er hatte eine Weile gegrübelt, wie er das Thema unauffällig ansprechen konnte, und hatte Boerne dann kurzerhand erzählt, woran er sich aus seiner eigenen Kindheit erinnerte. Kindheitserinnerungen waren ein guter Einstieg, dachte er, während er von Topfschlagen und Apfelessen erzählte, und wenn Boerne erst einmal ins Reden gekommen war, würde er sicher das ein oder andere nützliche erfahren.

Aber Boerne kam nicht ins Reden. Offenbar hatte er das eine Thema erwischt, bei dem Boerne zur Einsilbigkeit neigte. Thiel stockte mitten in der Geschichte darüber, wie seine Freunde zu seinem zehnten Geburtstag alle bei ihm übernachtet und wie sie ein riesiges Matratzen- und Deckenlager im Wohnzimmer aufgeschlagen hatten, und fragte: "Und wie hast du als Kind gefeiert?"

 "So weit zurück erinnere ich mich gar nicht", sagte Boerne. "Und später, da habe ich eigentlich kaum noch Geburtstage gefeiert. Es war ja immer Ferienzeit, da waren sowieso immer alle in Urlaub." Er griff nach dem Brötchenkorb. "Willst du noch eins?"

Boernes Stimme hatte völlig normal geklungen, aber er hatte den Blickkontakt vermieden, während er geredet hatte. Und mit einem Mal erinnerte er sich an eine Bemerkung, die der andere vor langer Zeit gemacht hatte, darüber, daß er zu genial für seine Mitschüler gewesen sei. Damals hatte er das als typische Überheblichkeit abgetan, aber jetzt stellte er sich vor, wie andere Kinder wohl auf Boerne reagiert haben mochten, und hätte sich beinahe auf die Zunge gebissen, daß er das Thema überhaupt angeschnitten hatte. Natürlich hatte Boerne keine Kindergeburtstage gefeiert. Wer wäre denn gekommen? Seine Cousine?

 "Ja, danke." Er nahm ein Brötchen.

13 Tage.

Boerne haßte Geburtstage.

Und er hatte nicht den Hauch einer Idee, was er ihm schenken könnte.


* tbc *
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