Neuanfang

KurzgeschichteDrama / P12
10.10.2013
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Hallo ihr Lieben =)


Ein kleiner OS, welcher einst für den Literaturunterricht entstanden ist :) Ich hoffe, dass euch diese Kurzgeschichte gefällt; mir persönlich gefällt das Zitat von Goethe so sehr, ich liebe es, denn diese zwei Sätze sagen so viel aus, das kann man nicht treffender beschreiben <3

Und ich fand es einfach passend zu den folgenden Zeilen =)


Ich hoffe, ihr mögt meine kleine Geschichte, welche mir gleichzeitig den ersten offiziellen Schritt in den Prosa-Bereich auf FF.de ermöglicht. Natürlich bleibe ich meinen FFs treu; und wie gesagt, es ist nur ein kleiner Ausflug, welcher mir durch den Unterricht in Literatur sozusagen „aufgezwungen“ wurde – und dennoch hat es Spaß gemacht.

Der Banner zum OS: http://s7.directupload.net/file/d/3402/dhcmmt43_jpg.htm

Jetzt genug geredet – viel Spaß beim Lesen!
Und wer mag, der kann mir auch ein kleines Kommentar hinterlassen, ich würde mich persönlich sehr darüber freuen =)











~





Neuanfang






>>Was immer du tun kannst oder wovon du träumst, fang damit an. Mut hat Genie, Kraft und Zauber in sich.

- Johann Wolfgang von Goethe -







Ihre Finger zitterten, als sie auf Zehenspitzen stehend den Koffer vom Schlafzimmerschrank herunter zog. Eigentlich zitterte ihr ganzer Körper – ihre Lippen, ihre Beine, einfach alles.


Das Herz hämmerte unermüdlich in ihrer Brust, fast so, als wollte es ihr demonstrieren, dass es unermüdlich war. Dass es schlagen würde, voller Kraft, auch wenn sie vollkommen erschöpft am Boden zusammenbrach.


Denn so fühlte sie sich in diesem Augenblick – als würde sie unmittelbar im nächsten Atemzug zusammenbrechen.


Sie fühlte sich müde, ausgelaugt und erschöpft.


Erschöpft von den letzten zwanzig Jahren Ehe. Und es fühlte sich so an, als hätte sie diese Erschöpfung nie wirklich mitbekommen über die zwei Jahrzehnte hinweg, sondern als würde jetzt, an diesem Tag und in dieser Stunde in ihrem Leben, alles über sie herein brechen.


Wie ein Kartenhaus, das seinen Halt verlor und in sich zusammenbrach.


All die unterdrückten, versteckten Empfindungen prasselten nun auf sie herab und brachten sie vollkommen durcheinander.


Kaum hielt sie den alten Koffer in den Händen, endeten ihre Überlegungen in einem Hustenanfall. Achtlos schmiss sie das verstaubte Stück auf das erst gestern frisch bezogene Ehebett, denn das erste Mal seit zwanzig Jahren empfand sie so etwas wie Gleichgültigkeit – hatte sie je jemand dafür gelobt, dass sie sich die Mühe gab, das ganze Haus in Ordnung zu halten?


War ihr da je etwas wie Dankbarkeit begegnet?


Sie überlegte einen Augenblick, ehe sie im nächsten resigniert seufzte – nein, natürlich nicht. Und wen, außer ihr selbst, hatte eigentlich je interessiert, wie es hier aussah? Ihren Ehemann?


Bei dem bloßen Gedanken daran, in dem sie sich vorstellte, wie ihr Mann sich Gedanken über den Haushalt oder speziell Sauberkeit machte, entglitt ihr ein klangloses Lachen.


Ein guter Witz. Wirklich, brilliant!


Hastig wischte sie ein paar Staubflocken von dem Koffer, welche – wie sie aus dem Augenwinkel beobachtete – auf dem weiße Laken zu Fall kamen. Die sonst so zuverlässige und immer ordentliche Hausfrau meldete sich in ihr zu Wort, aber nach einer Sekunde der Unentschlossenheit schüttelte sie sie wieder ab.


Immerhin war das nicht ihre Seite des Bettes. Und selbst wenn, ab heute war das sowieso egal.


Ab heute würde sich einiges, wenn nicht sogar alles grundlegend ändern.


Mut und Entschlossenheit fesselten sie, als sie in ihrem Kleiderschrank wahllos Klamotten heraus holte und diese in den Koffer verfrachtete.

Doch die nagenden und plagenden Gedanken ließen sie trotz allem nicht mehr los. Hastig warf sie einen Blick auf die Uhr, nur um mit Erleichterung feststellen zu können, dass ihr noch genügend Zeit blieb, bis ihr Göttergatte das traute Heim aufsuchen würde.


Und obwohl sie heute endlich die Kraft dazu hatte, ihr schon lange geplantes Vorhaben in die Tat umzusetzen, wurde die Nervosität in ihrem Inneren immer größer. Tausend Mal war sie diese Szenerie in ihren Gedanken durchgegangen, doch jetzt, wo alles so kurz bevor stand, bemerkte sie, dass sie kalte Füße bekam.


Willst du dir das wirklich alles weiterhin SO in dem Stil gefallen lassen, wie es derzeit der Fall ist?, meldete sich ihre innere Stimme zu Wort. Und ihre Antwort auf diese Frage fiel eindeutig aus, da brauchte sie nicht lange zu überlegen – nein, das wollte sie nicht. Auf gar keinen Fall.


Entschlossen straffte sie ihre Schultern, schloss den Kleiderschrank und anschließend den vollgepackten Koffer.
Sie musste zugeben, dieser Schritt war gewagt und noch vor ein paar Monaten hätte sie sich das selbst nicht zugetraut. Aber sie hatte prinzipiell keine andere Wahl.


Sie nahm den Koffer in die Hand, als ihr ein Foto auf ihrem Nachttisch ins Auge stach – ein Foto von ihr und ihrem Mann vor knapp achtzehn Jahren. Glücklich strahlten sie in die Kamera, versprühten das pure Glück und Harmonie.


Sie atmete tief durch, während ihr Blick auf dem Foto, welches vergangene Zeiten in Erinnerungen rief, haften blieb. Wie schnell dieser Zauber doch verloren gegangen war... obwohl – war er eigentlich jemals da gewesen? Also wirklich real da gewesen? Oder hatte es sich nur um eine Illusion gehandelt, die sich erst im Laufe der Jahre als Trugbild heraus gestellt hatte?


Sara seufzte, ehe sie sich gedankenverloren von dem Bild abwendete und samt Koffer den Raum verließ. Was brachte es, von Illusionen zu leben und zu versuchen, von den Erinnerungen zu zehren? Das konnte nicht funktionieren, das wusste sie. Und genau deswegen musste sie auch hier raus und das zwar endgültig. Natürlich hatte sie auch schöne Momente mit ihrem Mann gehabt, ohne Frage, aber das Ganze hatte sich dann am Ende in eine vollkommen falsche Richtung entwickelt.


Jeder wusste, dass eine Ehe nicht immer harmonisch verlaufen konnte. Dass es mal Streit gab und sich irgendwann ein gewisser Alltag einschlich. Aber bei Sara und Markus hatte sich das Ganze in einem inakzeptablen Ausmaß ausgeweitet.


Sie fühlte sich in diesem Moment nicht ganz wohl dabei, als sie mit ihrem Koffer die Treppe hinunter schritt. Zweifel plagten sie und doch wusste sie innerlich ganz genau, dass sie das Richtige tat, auch wenn es sich jetzt anders anfühlte.


Fast wäre sie umgekehrt, hätte die Spuren ihres geplanten Auszugs beseitigt und weiterhin die liebe, nette Köchin sowie Putzfrau für Markus gespielt. Doch nur ein Gedanke an die ganzen Demütigungen, die sie über sich ergehen lassen musste, an das unmögliche Verhalten ihres Mannes genügte, um ihr Kraft zu geben, weiter nach vorne zu schauen.


Sie hatte es nämlich satt, seine ewige Trinkerei, seine Redensarten, sein Aussehen – einfach alles. Das war aber nicht der ausschlaggebende Punkt; dieser hatte sich nämlich heimlich und leise unter dem Bett versteckt, der schicke, teuer aussehende Spitzen-BH.


Jede Frau wusste, was so ein Fund zu bedeuten hatte. Und dann gestern Abend noch dieser Geruch des fremden Parfums hatte das Fass zum Überlaufen gebracht.


Sie musste hier raus. Endgültig.


Das, was ihr diesen Gang so schwer machte, war die Angst, alleine da draußen in der Welt nicht mehr anerkannt und akzeptiert zu werden. Ihren Mann vermissen dagegen würde sie auf keinen Fall, im Gegenteil – wenn sie das Geld dazu hätte, würde sie ihn noch dafür bezahlen, dass er ihr fern blieb.


Zu viel Zeit hatte sie mit ihm verschwendet, auch, wenn die ersten Jahre durchaus ihren Charme gehabt hatten.


Und Markus selbst würde sich nicht mehr ändern, dafür kannte sie ihn mittlerweile gut genug. Auch nicht, wenn er sah, dass sie weg war. Und genau deswegen tat sie das Richtige.


Sie schnappte sich ihre Jacke sowie die Autoschlüssel, ehe sie in ihre Schuhe schlüpfte.


Dann machte sie die Tür auf und schritt hinaus in die große weite Welt, welche für sie ein neues Leben bereit hielt.


Und es war das erste Mal seit zwanzig Jahren, dass Sara lächeln konnte – ein Lächeln, dass von Herzen kam.







~








Und, wie hat es euch gefallen?
Ich würde mich sehr über Rückmeldungen freuen :)


Liebste Grüße und vielleicht bis bald,
Catherine <3
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