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Evil Angel

von Nathaira
Kurzbeschreibung
GeschichteHumor, Angst / P18 / MaleSlash
Castiel Dean Winchester Gabriel/Trickster Lucifer Michael Sam Winchester
09.10.2013
17.05.2014
16
71.279
26
Alle Kapitel
53 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
 
09.10.2013 3.272
 
Hey^^

Zuerst, dies ist meine erste Supernatural - FF überhaupt, und, wie es der Zufall so will, soll es eine Samifer - FF werden.
Dazu noch Sabriel eventuell und Destiel, Fokus liegt aber strikt auf der Beziehung zwischen Sam und Luzifer.
Aus Sams Sicht geschrieben, Ich - Perspektive.
Spielt während Staffel 7, als die Halluzinationen beginnen, weiß aber nicht, ob ich mich explizit an die Storyline halten werde... es könnte in ein halbes AU abdriften, ihr seid also gewarnt ;)    

Genre : Horror/Angst/Romanze/Humor/Drama/Abenteuer - Allerlei also.

Warnungen für dieses Kapitel : Explizite Gewalt, Blut, Flüche, Einblick in die Hölle

Sooo und nun :

Have fun with Reading the prologue :

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Prolog

Infernal Awakening



Tödliche Stille hat sich ausgebreitet, wabert wie ein unausgesprochenes Omen in der Atmosphäre und füllte jede Pore meines schwitzenden Leibes mit böser Vorahnung auf das Kommende.

Die Luft flimmert vor Hitze, legt sich wie ein dampfendes Tuch auf mein verbranntes Gesicht.
Ich blinzle, wage mich nur langsam aus der düsteren, vergebungsvollen Obhut des Schlafes, werde mir jedoch innerhalb weniger Sekunden gewahr, wo ich mich befinde. Immer noch befinde.

Die Qualen, welche einsetzen, sobald auch nur ein Hauch des übel riechenden Gemischs aus Schwefel, Gift und Rauch auf meine offenliegenden Wunden trifft, kann ich bloß mit einem schmerzvollen Zischen zum Ausdruck bringen.

Zu mehr bin ich momentan nicht fähig.
Meine Zunge ist vor ein paar Stunden von Michael mit einer Rasierklinge abgeschnitten worden.

Der Stumpf im meinem Mund ekelt mich an, ich versuche nicht daran zu denken, überhaupt zu denken. Ketten schlingen sich um meine Handgelenke, ritzen sich in mein nacktes, malträtiertes Fleisch, sodass schmale Rinnsale warmen Blutes über meine Arme perlen, mit einem schnalzenden, endgültigen Geräusch zu Boden prasseln wie glühende Funken, die in einem Kaminfeuer emporstauben.
Träge hebe ich die Augenlider, lasse meinen Blick durch den Raum schweifen, obgleich ich jeden einzigen Zentimeter dieses verfluchten Ortes blind hätte zeichnen können.

Lucifers Käfig besitzt keine Gitterstangen, wie die weitläufige Mehrheit es wohl gedacht haben könnte.
Wenn ich es recht bedenke, so besitzt der Käfig nicht einmal ein in sich abgeschlossenes Terrain. Ich muss es wohl am Besten wissen, immerhin habe ich bereits bei unzähligen Gelegenheiten versucht, hier auszubrechen, bin jedoch niemals weit gekommen, egal, wie viele Kilometer an Strecken ich zurückgelegt habe.

Es herrscht keine abgesteckte Grenze, keine Schlucht, keine verschlossener Ausgang, an dem ich hätte rütteln können. Das Land ist stets dasselbe, trocken, steinig und karg, mit gelegentlichen Flüssen aus dunklem Blut geschmückt, in denen ab und zu abgerissene Gliedmaßen aufgebrachter Opfer schwimmen.
Es hat Jahrzehnte gedauert, bis ich völlig realisierte, dass es kein Entrinnen gibt. Kein Entrinnen vor der Hölle oder meinem Schicksal.
Wie auch? Ich habe es schließlich selbst gewählt.

Dieses Dasein, wo der Tod Erlösung und eine Kugel in die Stirn Barmherzigkeit bedeutet. Alles hätte ich erlaubt, wenn es nur schnell ginge.
Gott, wenn es endlich vorbei wäre... habe ich denn nicht genug gelitten ?

¨Na, Sam? Wie geht's uns denn heute?¨

Anscheinend nicht.

Ich unterdrücke den Impuls, meinen Kopf abrupt zu dem Quell der Stimme zu drehen, ist sie mir doch innerhalb dieser Ewigkeit entsetzlich vertraut geworden.
Sogar der Sarkasmus, den sie versprüht, die sadistische Ader, die sich in jeder einzigen Silbe wiederspiegelt, ist mir beinahe zur Gewohnheit geworden.

Und, zu meiner eigenen Beschämung, empfinde ich sogar einen Anflug von Erleichterung, als ich diese Stimme höre, diesen sanften, unbarmherzigen Bariton.

Zumindest kann ich damit die Möglichkeit ausschließen, dass es sich um Michael handelt.
Irritierenderweise habe ich in dieser endlosen Folterkammer die Gesellschaft des Teufels über die des gottesfürchtigen Erzengels zu schätzen gelernt, wenn auch nur wenig.
Zwar erhalte ich auch von Lucifer ausgesuchte Häppchen perfider Qualen, doch wenigstens vergreift er sich nicht an meinem Körper.
Nur an meiner Seele... und er ist sehr erfinderisch, zu meinem Leidwesen.

Ich höre, wie Lucifer verstimmt schnaubt, da ich keine Reaktion auf seine Worte folgen lasse. Typisch, er hasst es, ignoriert zu werden. Ich weiß das, habe es oft genug ausprobieren können, was mir das eine oder andere abgerissene Ohr eingebracht hat...

Der gleichmäßige Takt seiner Schritte, drängt sich mir auf, als er sich auf mich zubewegt.
Willenlos lasse ich es zu, dass sich zwei eisige Finger unter mein Kinn stemmen und es geradezu behutsam anheben.

Meine Augen verbinden sich mit eisigen Wassern.

Der Ausdruck in Letzteren ist undefinierbar, keinerlei Empfindung scheint in ihnen zu brodeln, noch nicht einmal Abscheu.
¨Ah, er hat dir bereits die Zunge entfernt, nicht wahr? Mein Fehler.¨ sagt Lucifer bloß milde überrascht, als er mein Dilemma realisiert, hebt seine andere Hand und legt sie wie selbstverständlich auf meine Wange, streicht mit dem Daumen über die weiche, von Verbrennungen dritten Grades gebeutelte Haut.
¨Schhh, Sammy. Es wird schnell vorbei sein, okay? Michael ist ungeduldig, heute.¨

Augenblicklich spüre ich, wie ein Zittern meinen Leib durchfährt.
Eine Reaktion, die sich ebenfalls mithilfe der Gewohnheit eingebürgert hat, sobald dieser Mann mich berührt oder mit mir spricht, flüstert, in diesem beruhigenden, einlullenden Ton, der mich zu falscher Sicherheit verführen will, nur, um mich daraufhin noch härter auf den nackten Boden der Tatsachen auftreffen zu lassen.
Ja, dieser Mann... nein, dieses Monster hat meine Seele an die tausend Male wie einen Acker zerpflügt, wie einen Spiegel in Scherben zertrümmert.

Dafür hasse ich ihn und dafür, was er stillschweigend geschehen lässt, obwohl er genau weiß, was sein großer Bruder mir antut.
Paradoxerweise hasse ich ihn sogar dafür, dass er mich nun heilt, meine Zunge regeneriert, mir alle Wunden, alle Blessuren nimmt, als wäre ich ein frisches Opfer, das es für den Meister zu präparieren gilt.
¨Du hasst mich nicht, Sam. Dir ist nur die Gesamtsituation unangenehm, das ist alles.¨

Ich fluche innerlich.
Schon wieder. Ich hab' es schon wieder vergessen!

¨Halt dich aus meinen Gedanken 'raus, Mistkerl!¨ zische ich wütend, wieder zögerlich von meiner neu erworbenen Zunge Gebrauch nehmend, die sich überraschend taub anfühlt, sobald sie an meine Zähne stößt.
Der Teufel lacht nur leise, scheint amüsiert aufgrund meines Aufbegehrens, dem frustlosen Trotz seines Gefangenen.

Verdammter Bastard. Arschloch. Hurensohn. Die Liste meiner Flüche ist endlos.

¨Ach Sammy, immer noch so rebellisch?¨

Er unterwirft mich einer ausgiebigen Musterung, begutachtet die geheilte, glatte Haut, das blanke, helle Fleisch, was ich ohne mein Einverständnis preisgeben muss, selbst die Muskeln, welche sich darunter abzeichnen und sich bei jedem Atemzug, den ich tue, sicherlich bewegen, bis er zu meinem Gesicht gelangt, welches von meinen Haaren zu beiden Seiten kinnlang umrahmt wird.
Jetzt scheint es, als wäre ich gesund und munter, gefeit vor jeglicher Prozedurl, die man mir bereiten wird.
Doch die Wahrheit ist, dass sich nichts geändert hat.
Ich bin und bleibe ein Gefangener, welcher der Willkür seiner Kerkermeister ausgeliefert ist.
Ich bin hilflos, auf eine abstruße Art und Weise zerbrechlich... Gott, wie sehr ich mich für diese Gedanken hasse.

Aber je länger der Teufel mich anstarrt, scheinen ebenjene Gedanken in mir hochzukriechen, meine Sinne zu verätzen. Ich wette, er pflanzt sie mir absichtlich ein.
Und als ob das nicht ausreichen würde, um mich um den Verstand zu bringen, frage ich mich doch tatsächlich, was Satan wohl nun über dieses Porträt denken mag, während sein Blick auf mir ruht.
Er scheint zumindest keine Schadenfreude obgleich meiner gefesselten Situation zu empfinden, denn das verräterische Funkeln in seinen Augen bleibt aus.

Eigentlich kann ich überhaupt keine Regung in ihnen erkennen, weder Trauer, noch Freud, noch Leid.
Dabei hat er es sogar in Nicks Hülle geschafft, ab und zu diesen dämlichen Ausdruck geheuchelten Mitleids vorzutäuschen, wenn er mit mir sprach.
Jetzt scheint er aber wohl auch dies verlernt zu haben, abgelegt, wie der Körper, den er jetzt nicht mehr braucht.

Warum musste eigentlich ausgerechnet ich dieser Kerl sein, der ihm die perfekte Hülle offeriert?
Warum nicht jemand anders!?
Das frage ich mich wieder und wieder, doch ich finde keine Antwort darauf, meist hindern mich auch die Schmerzen daran, klare Gedankenstränge zusammenzufassen.
Die Engel, seine Brüder und auch er selbst haben zwar manchmal gesagt, wie täuschend ähnlich ich ihm, dem Teufel, sei, was unser Wesen, unseren Werdegang und unsere Ideale beträfe.
Aber das habe ich nie für bare Münze genommen, es galt für mich als dummes Geschwätz.

Ich meine, mehrere Millenia der Zeitrechnung voneinander entfernt, zwei verschiedene Rassen, er, das Böse in Person und da soll ICH ihm ähnlich sein?
Ich habe zwar mittlerweile akzeptiert, dass ich eine dunkle Seite besitze, hervorgerufen durch das Dämonenblut, aber dass es SO schlimm ist, hätte ich nie geahnt.

¨Weißt du, an wen du mich in dieser Verfassung erinnerst?¨.

Lucifer beugt sich nahe an mich heran, sodass sein kühler Atem mein Ohrläppchen streift. Ich antworte nicht, weshalb er nahtlos mit seiner Erzählung fortfährt.

¨An mich, nachdem ich frisch gefallen war. Ich war verletzlich, gepeinigt und verlassen - aber du bist nicht alleine, Sam. Ich bin bei dir. Bis in alle Ewigkeit.¨

Der tückische, tröstende Klang seiner Stimme mutet wie süßes Gift an, während sie sich in mein Gehör einschleicht, festsetzt und in meiner Schädeldecke nachhallt, ein Echo, das feixend umhergeht.
Fast hätte ich aufgelacht, wenn ich denn zu derart makaberen Scherzen aufgelegt gewesen wäre.
Er fängt schon wieder an.
Wieder dieselbe Leier, die er auf der Erde angewandt hat, um meinen Verstand zu korrumpieren.
Damals, als er... in mir war.
Es beschämt mich immer noch, dass ich damals seinen Worten Gehör geschenkt habe.

¨Tu' mir den Gefallen und töte mich lieber gleich.¨ keuche ich düster, schenke dem Schauer, der meinen Rücken aus unerfindlichen Gründen zu überlaufen droht, keine Beachtung, ¨Reiß meine Seele in Fetzen, trampel auf ihr herum, mir egal, aber mache dem ein Ende. Ich habe es satt, Michaels Boxsack zu spielen. Das müsstest du doch am Besten verstehen, oder?¨
Für einen kurzen Moment flackert leichter Zorn in Lucifers Blick auf, legt sich jedoch so rasch wieder, wie er gekommen ist.
Dennoch, ich habe wohl einen schwachen Punkt getroffen. Gut.  Ich hoffe, es tut scheußlich weh.

¨Nein,¨ antwortet er schlicht, lässt jegliche Gemütsregung in seinen Worten vermissen, ¨damit würde ich mich nur selbst bestrafen. Außerdem wäre es hier so schrecklich einsam ohne dich. Mein Bruder und ich würden uns nur anschweigen.¨

Er ist mir plötzlich so nahe, dass ich seinen Atem gegen meine Lippen branden spüre. Nur wenige Millimeter trennen unsere Gesichter voneinander.
Was er nun wohl zu tun gedenkt? Sicher nichts Erstrebenswertes.

Ich weiß nicht, was er mit dem Teil der
Selbstbestrafung meint, geschweige denn der Einsamkeit, aber es ist meiner Meinung nach sowieso nur eine Farce, mit der er mich verwirren will.

Auch wenn er mir einmal praktisch geschworen hat, mich nicht zu belügen - wer vertraut schon dem Teufel?

Denn falls dies tatsächlich eine ernst gemeinte Bekundung ist, kann ich erst recht nichts damit anfangen.

Doch wenn ich ehrlich bin, ist es mir im Moment auch scheißegal, denn ich kann instinktiv die Anwesenheit eines anderen Individuums spüren, das sich auf uns zubewegt.
Diese Aura ist unverwechselbar. Selbst in der Hölle machtvoll und einschüchternd.
Es... nein, er ist ganz in der Nähe.
Auch Lucifer scheint es zu ahnen, denn ehe ich ein Blinzeln zustande bringe, ist Satan mehrere Meter von mir weggetreten.

¨Oh, ist mein Spielzeug etwa schon wach?¨

Die Temperatur des Raumes steigt um mehrere hundert Grad, so fühlt es sich zumindest für mich an, während sich meine Brust vor Entsetzen zuschnürt und ich zusehen muss, wie Michael eintritt.
Dieser streckt sich genüßlich, sodass seine Knochen knacken, nickt Lucifer kurz zu, bevor er mir, seinem auserkorenen Opfer, jegliche Aufmerksamkeit schenkt.

¨Hallo, Sam. Bereit für Schmerzen?¨.

Jeder Silbe hängt eine summende Schwingung an, getränkt in diabolischer Vorfreude, düsterer Vergeltung.

Oh, verdammt.

Ich schlucke, meine Kehle ist staubtrocken.
Seitdem wir hier sind, haben Michael und Luzifer anscheinend beschlossen, einen gegenseitigen Waffenstillstand einzuberufen um mich beide in gegenseitigem Einvernehmen systematisch zu brechen, sei es auf physischer oder psychischer Ebene.
Ich glaube, Michaels Intention beinhaltet vor allem das in seinen Augen unverzeihliche Verbrechen, dass ich ihn mit in den Käfig gezogen habe, Lucifers wiegt wahrscheinlich mit der Vereitelung der Apokalypse und seiner nunmehr zweiten Inhaftierung auf.

Pfeifend bewegt sich der Erzengel auf eine Auslage breit gefächerter Folterinstrumente, Waffen und ätzenden Substanzen zu, überlegt nicht lange und wählt eine kleine Axt, die ihm gut in der Hand liegt. Ich kann sehen, wie sich das Flackern der Flammen im Stahl spiegelt.
Mir ist speiübel.

¨Willst du wirklich nicht, Bruder?¨ fragt er ohne aufzublicken, grinst süffisant, ¨Es entspannt so schön, du solltest es selbst ausprobieren.¨

Das... Angebot ist an Lucifer gerichtet, doch der winkt, zu meiner ehrlichen Verwunderung, ab.

¨Kein Interesse. Ich halte mich lieber daran, seinen Geist zu zerstückeln. Das macht mehr Spaß.¨

Seine Mundwinkel fördern ein Lächeln zutage, doch nur der rechte hebt sich tatsächlich empor. Der linke bleibt wo er ist, was ein makaberes Gegenstück zur anderen Hälfte präsentiert.
Natürlich, meine Seele zu foltern ist allein sein Privileg. Dieser Mistkerl braucht nichts anderes um sich zu amüsieren.
Michael bekommt... den Rest.

Jener hebt eine Augenbraue, zuckt jedoch nur die Achseln.
¨Von mir aus.¨ meint er, bevor er sein Augenmerk erneut auf mich richtet.
Instinktiv verspannt sich jeder Muskel in meinem Leib.
Der Blick des Erzengels verspricht nichts Gutes. Nun, der Wahrheit halber hat er es nie.

Übrigens, ich weiß, dass auch Adam hier irgendwo sein muss, doch ich habe ihn die ganze Zeit über nicht gesehen.
Michael scheint ihn absichtlich vor mir, und sogar Lucifer, zu verstecken.
Weiß der Geier, was er mit ihm anstellt... ich hoffe aber, er lässt wenigstens bei ihm etwas Gnade walten, schließlich hat mein Bruder alles richtig gemacht. In den Augen des Erzengels, zumindest.
Für mich besteht da keinerlei Hoffnung mehr. Ich bin bei ihm unten durch.

Wie von Sinnen rüttele ich an meinen Ketten, so, wie ich es etliche Male zuvor getan hatte, eines blöden, in meiner Natur verankerten, Reflexes wegen.
Doch es hilft nicht. Es hilft nie. Ich bin ihm ausgeliefert, kann nicht fliehen.
Panisch huscht mein Blick hin und her, mein Atem gestaltet sich hektischer, mein Pulsschlag unkoordinierter.

Pures Adrenalin, herbeigeführt durch bittere Furcht und Verzweiflung, pumpt sich durch meine Adern.
Michael schreitet betont langsam auf mich zu, das Hackebeil in einem Halbbogen gelassen an seiner Seite schwenkend.
Ich bin mir bereits darüber im Klaren, was gleich passieren wird. Es ist schon oft passiert. So oft, dass ich aufgehört habe zu zählen und was nützt eine Zahl, wenn sie doch in die Ewigkeit abzudriften droht?
Aber ich muss zugeben, der Schmerz, mit welcher fragwürdigen Routine er mir auch tagein tagaus beigebracht wird, entartet stets als neue, nie gekannte Folter, unerträgliches Brennen, grausames, blutiges Spektakel.
Als wolle sich mein Körper partout weigern, sich daran zu gewöhnen.

In meiner Hoffnungslosigkeit wende ich mein Gesicht schließlich absichtlich zu der Stelle, an der Lucifer steht.

Er hat seine Hände in den Hosentaschen vergraben, sein Blick ruht in ungewöhnlicher Passivität hinsichtlich des Geschehens am Boden.
Mein Mund öffnet sich wie von selbst und ich hasse mich jede Sekunde mehr für die Worte, die diesem ungehindert entströmen, kann sie aber nicht aufhalten.

Selbst Dean hat irgendwann nachgegeben, weil er es nicht mehr ertragen konnte.
Warum sollte ausgerechnet ich dann die heroische Ausnahme bilden?

¨Hilf mir! Ich tue alles, ALLES nur lass mich nicht - !¨

Der letzte Teil seines Satzes bleibt mir abrupt im Halse stecken, eigene Erkenntnis lähmt meine Zunge.
Beinahe quält sich ein ungläubiges Lachen meine Kehle hinauf, doch ich unterdrücke es, lasse es verstummen, bevor es mir zwischen den Lippen hervorquellt.

So weit ist es also schon mit mir gekommen.

Jetzt flehe ich doch tatsächlich den Teufel um Gnade an, während ein Engel geschärftes Eisen in meiner Bauchdecke versenkt.

Ein Schrei entkommt mir, der bekannt gewordene Geschmack bittersüßen Metalls spült sich auf meine Zunge, Blut bahnt sich einen Weg durch meine Mundhöhle, läuft an meinen Mundwinkeln hinab.
Der Schmerz ist unbeschreiblich, Tränen treten mir in die Augen, kann sie nicht zurückhalten.
Doch ich lasse trotzdem nicht von Lucifer ab, starre ihn die ganze Zeit über unverwandt an, obgleich meine Sicht mehr und mehr verschwimmt, während Michael wieder und wieder ausholt und das Übelkeit erregende Schmatzen meines zertrennten Fleisches dabei durch die Luft hallt.
Lucifer schenkt mir keinen einzigen Blick, keine Sekunde lang kreuzen sich unsere Augen.
Es mutet fast so an, als würde ihn dieses Szenario nichts angehen, als müsste er sich während Michaels Arbeit anonymisieren.

Warum?

Ich verstehe das nicht.
Ich verstehe nicht, warum sich der Teufel nicht an meinen Qualen weidet, nicht an meinen Schreien labt, so wie dessen Bruder es mit unerschöpflicher Freude tut.
Ich verstehe nicht, warum Satan selbst mir den Augenkontakt verweigert, den er einst auf der Erde ununterbrochen gesucht hat, sobald wir uns von Neuem begegneten.

Obwohl, die bloße Erinnerung daran scheint Äonen von Jahren her zu sein.

¨Lucifer!¨

Der Name brandet ähnlich einem Mantra wiederholt von meinen Lippen, die sich Hieb für Hieb mit weiterem Blut besudeln. Es ist ein Gebot der Tod Geweihten, derjenigen, die unweigerlich im Sterben liegen und ein allerletztes Gebet murmeln.
¨Lucifer, schau mich an!¨
Er soll gefälligst dabei zusehen, wenn er schon nichts tut, um es zu verhindern. Es mag selbstgefällig klingen, aber das ist er mir schuldig.
Doch Lucifer weigert sich, meinen Worten Folge zu leisten.

Eigentlich nicht der Rede wert, schließlich hat er stets allergisch auf Befehle reagiert, nicht wahr?

Stattdessen dreht er sich einfach um, kehrt mir unverfroren den Rücken zu und geht, verschwindet schweigend in der nächstgelegenen Wand, welche sich wie von Geisterhand für ihn aufteilt.
Ich rufe dennoch weiter, auch, als der Teufel komplett in den namenlosen Weiten unseres Gefängnisses verschwunden ist.
Ich rufe, rufe mit Inbrunst, Hass, Trauer und Zweifel, weil meine Stimme das Einzige ist, was ich noch einigermaßen unter Kontrolle habe.

Und weil er, ausgerechnet Satan persönlich, der Einzige ist, der mich von meinem Elend hätte befreien können, wenn er es nur gewollt hätte. Wenn er nur -

Mein Rufen bricht erst ab, als Michael für den finalen Akt ausholt und die stumpfe Schneide der Axt quer in meine Brust schlägt.
Damit reißt er ein großes Stück meines rechten Lungenflügels heraus, sodass Blut sprudelt und ich fühlen kann, wie ich langsam ersticke. Wenige Minuten später sackt mein Kopf zur Seite,
Blut gerinnt in meiner Luftröhre.

Ich habe genug Tote in meinem irdischen Leben gesehen, um mit Sicherheit sagen zu können, dass meine Augen gleich wie milchiges Glas schimmern werden. Einen Ort betrachtend, weitab von Himmel, Hölle und Erde.

Bevor ich einen letzten, rasselnden Atemzug nehme, denke ich daran, dass Lucifer in wenigen Stunden wiederkehren wird, um mich mithilfe einer Berührung und einer fadenscheinigen, rätselhaften Bemerkung ins Leben zurückzurufen, bloß, um seine eigene, psychische Foltervariante bei mir in bildgewaltige Tat umzusetzen.
Er hat mir einst versprochen, mir nicht weh zu tun.
Und bei Gott, das tut er auch nicht.
Jedenfalls nicht auf die Art und Weise, wie man Verletzungen im eigentlichen Sinne zufügt.
Seelen bergen keine sichtbaren Wunden.

Aber hey, warum sollte er sich auch diese Mühe machen?

Michael ist allzu gerne bereit, den brutaleren Part zu übernehmen, der meine Knochen brechen, mein Fleisch zerfetzen und meine Stimmbänder reißen lässt.
Er ist es nie müde. Wird es nie sein. Engel kennen keinen Schlaf.

Was im Inneren des Käfigs geschieht, fußt auf einer ununterbrochenen Schleife, einem Kreislauf, dem ich nicht entkommen kann, wie sehr ich auch dagegen ankämpfen mag .
Denn die Gitter sind verschlossen und niemand wird jemals dazu fähig sein, einzudringen und mich auf Händen hinauszutragen.

Ich bin gefangen. Auf ewig.
Doch wenigstens hat Lucifer mit einem Recht.

Ich bin nicht allein.
Ich werde nie allein sein.

Nie wieder.



---


Hey ^^

So, das war jetzt mal der Prolog ^^
Würde mich echt interessieren, wie ihr ihn fandet (okay, ich bin gespannt wie ein Flitzebogen).
Wollt ihr mehr lesen? Wissen, wie es weitergeht?

Wenn ja, lesen wir uns beim nächsten Kapitel.

Eure Jazmine :)
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