Wie ich um mein Leben lief.

GeschichteDrama, Angst / P6
Mayu
09.10.2013
09.10.2013
1
1068
 
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
Ein kleiner Oneshot zu Mayus Flucht von zuhause. Viel Vergnügen!
LG
Lady C.




Weinend lief Mayu über die stark befahrene Straße. Autos rasten an ihr
vorbei und bespritzten sie mit dem dreckigen Wasser aus den vielen Pfützen.  Ein paar von ihnen mussten kräftig auf die Bremse treten um Mayu nicht um zufahren. Lautes Hupen mischte sich zu dem allgemeinen Verkehrslärm. Ungeachtet dessen lief Mayu weiter bis auf die andere Seite. Hinter ihr lag das was einmal ihr zu hause gewesen war. Wenn sie über den Lärm der Autos hinweg hörte,konnte sie die lauten und wütenden Rufe ihres Stiefvaters hören. Allerdings wollte Mayu gar nicht über diesen Lärm hinweg hören!
Nein..nie wieder wollte sie diese Stimme hören müssen!
Die zitternden Hände in den Taschen ihres Pullovers verborgen eilte Mayu in eine dunkle Seitenstraße. Zum Glück kannte sie sich gut in der Stadt aus.
Plötzlich fuhr Mayu erschrocken zusammen, als sie unweit hinter sich laute Polizeisirenen  aufheulen hörte. Der Polizeihauptsitz  war nicht weit von hier, also musste sie sich beeilen. Das war nicht das erste Mal das sie von zuhause weg lief. Die vorigen Male war sie allerdings immer wieder aufgefangen worden. Heute jedoch sollte alles anders sein!  Schon seit Tagen hatte sich Mayu Nacht um Nacht den Weg zurecht gelegt. Diesmal war sie sich ganz sicher es bis zum Bahnhof zu schaffen. Dieses Mal musste es einfach funktionieren. Für Mayu gab es keine andere Option. Sie musste auf Gedeih und Verderb raus aus dieser Stadt, weg von diesen Menschen.
Am anderen Ende der Gasse lugte Mayu vorsichtig auf die Straße. Nur wenige Leute waren unterwegs. Ein paar Penner lagen mit halboffenen  Augen auf den Bürgersteigen und bettelten vergebens um ein paar Yen. Die werden mich nicht bemerken, dachte Mayu und ließ ihren Blick weiter über die Straße schweifen. Plötzlich schien sie eine Taschenlampe von hinten an und die Stimme ihrer Mutter erklang : „ Mayu..was machst du denn schon wieder?“ Erschrocken drehte Mayu sich um. Ihr war klar, dass sie sich nicht aufhalten lassen durfte. Auch nicht von ihrer Mutter. Sie glaubte Mayu doch ohnehin kein Wort. Nein..schlimmer noch! Sie beneidete Mayu. „ Wenn du nicht wärst, würde er das mit mir tun!“ hallte es in ihrem Kopf wieder. „ Ich..ich komm nicht mehr zurück!“ rief Mayu ihrer Mutter zu und begann zu laufen. Direkt mitten über die Straße und über den Bürgersteig. Hinter ihr bog gerade ein Polizeiauto in die Straße ein. In ihrem hellgelben Pullover sahen sie die Polizisten sofort. Mayu sah nicht nach hinten. Das durfte sie sich nicht erlauben. Das Auto und ihre Mutter verfolgten sie von hinten. Vor ihr tauchte im selben Augenblick ihr Vater wie aus dem Nichts auf. „ Mayu!“ rief er freudig und breitete die Arme aus. In Mayu schüttelte sich alles als sie diese Stimme hörte. Blitzschnell reagierte das Mädchen und lief in eine weitere Seitenstraße. Es war eine Einbahnstraße, da konnte ihr die Polizei schon mal nicht  mehr folgen. Außer Atem lief Mayu diese Straße entlang. In nicht allzu weiter Entfernung bimmelten schon die Bahnhofsglocken. Mayu erschrak..sie musste sich beeilen! Zu allem Überfluss fing es auch noch an zu regnen. Dicke Regenvorhänge erschwerten ihr die Sicht. Fahle Lichter der Straßenlaternen dienten ihr zur Orientierung. Bis zum Bahnhof waren es bloß noch zwei Einbiegungen. Doch diese zwei Einbiegungen erschienen der völlig erschöpften Mayu wie zwei endlose Kilometer. Nach Atmen ringend bog das Mädchen zurück auf die Hauptstraße ab.
Die Polizei fuhr im selben Augenblick an ihr vorbei. Das laute Quietschen der Reifen zerriss die Stille. Verzweifelt versuchte der Cop den Wagen zu wenden, doch die Reifen drehten bei dem Regen durch. Mayu nutzte diese einmalige Chance und rannte. Obwohl sie ihre Beine schon lange nicht mehr spürte und ihre Lungen nach Erlösung ächzten ,gab sie alles. Bei jeden Schritt schwabbte das Wasser in ihren Schuhen. Ihr war eisig kalt, doch ihr Herz brannte...nicht vor Liebe..nein..sondern vor lauter Schmerz und Hass.
Dieses Brennen trieb Mayus schmerzende Knochen an weiter zu laufen. Von nun an war es nicht mehr weit. Sie konnte den Zug schon sehen in den sie gleich einsteigen würde. Männer und Frauen mit Regenschirmen und Koffern warteten schon am Gleis. Keuchend lief Mayu nach links, dann eine Treppe hinauf und auf das Gleis. Vor ihr eine dicht gedrängte Menschenmenge. Daran hatte sie nicht gedacht. Für einen kurzen Augenblick blieb Mayu stehen und sah zurück.
„Mayu...Mayu! Warte doch..“ Ihr Vater drängte sich die Treppe hinauf. Schnell machte Mayu sich klein  und tauchte in der Masse unter. Ungeachtet auf wen sie stieß drängte sie sich durch die Menschen. „ Hey!“ und „ Pass doch auf,du kleine Göre!“ raunten die Leute gestresst, während sie sich in den Zug drängten. Jetzt wurde es langsam aber sicher knapp. Die Leute achteten kaum auf sie und stürmten in die Wagons. Mayu drohte einfach um getrampelt zu werden. Mal trat ihr jemand auf den Fuß und viele stießen sie einfach umher. Vor lauter Schmerz stiegen ihr noch mehr Tränen in die Augen. Leise wimmernd drückte sie sich mit den vielen Menschen in den viel zu kleinen Zug. Die Luft dort drinnen war unangenehm stickig und drückend. Das beachtete Mayu allerdings kaum. Eher panisch als erleichtert riss sie den Kopf nach hinten um zu sehen ob ihr jemand gefolgt war. Hinter ihr sah sie nur ein einziges Gewirr aus Beinen und Aktentaschen bis plötzlich ein uniformiertes Paar Beine aus dem Grau und Kaki herausstach. Ein Polizist! Er eilte, so weit das denn möglich war, in Mayus Richtung. Unfreundlich drückte er die Menschen um sich beiseite. Hecktisch sah sich Mayu um. Überall waren die Sitze belegt..das war gut für sie! Schnell eilte sie nach vorne und dann unter den Sitz einer älteren Dame, die sie gar nicht bemerkte. Wenige Augenblicke später fuhr der volle Zug auch schon los. Mit schnellen Schritten ging der Polizist an der sich unter den Sitz kauernden Mayu vorbei. Sie hielt die Luft an,ihr Herz raste. Noch nie hatte sie es soweit geschafft. Jetzt war ihr Ziel nicht mehr weit. Mayu fand das unfassbar...unglaublich. Sämtlichen Anspannung fiel auf einmal von ihr ab.  Am liebsten wäre sie geplatzt vor lauter Glück,doch erst musste sie die fahrt überstehen. 15 Minuten würde es dauern. Und tatsächlich..es passierte nichts. Der Zug leerte sich zunehmend und nach 15 Minuten stieg Mayu ganz ruhig und gelassen aus. Vor ihr lag ein wunderschöner Strand. Die klare,kalte Nachtluft beruhigte sie. „ Endlich..“ sagte sie und sah zufrieden in de Nacht.
Review schreiben