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Angriff der Geißel - Die Schlacht um Goldhain (The Ayron Saga 1)

von Ayron1986
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Fantasy / P12 / MaleSlash
07.10.2013
07.10.2013
10
11.625
 
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07.10.2013 1.051
 
Die Morgensonne, die eifrig dabei war die Berge am Horizont  zu erklimmen, warf das erste Dämmerlicht über die Klippen und tauchte den Wald von Elwynn in ein milchiges Orange. In dem Dorf Goldhain wurden die ersten Ladenklappen aufgeschoben  und die wenigen Händler, die früh morgens aus Sturmwind mit ihren Wagen zu Pferde ins Dorf herunterfuhren, bauten ihre Stände auf.

Schließlich war die Sonne hoch genug am Himmel, um ihre Strahlen durch ein Fenster zu werfen, mitten ins Gesicht eines 12-jährigen Jungen. Ayron kniff die Augen zusammen und wälzte sich auf die andere Bettkante, in der Hoffnung, noch etwas Ruhe zu finden. Ein Hahn krähte erbarmungslos in der Ferne und Ayron schlug widerwillig die Augen auf. Er setzte sich auf, ließ die Füße seitlich aus dem Bett baumeln und rieb sich die graugrünen Augen. „Ich hätte meinen Geburtstag nicht bis in die frühen Morgenstunden feiern sollen. Und auf meinen ersten Becher Bier hätte ich auch gut verzichten können…“, dachte er mürrisch, während er verschlafen durch seine vom Schlaf zerzausten, braunen Haare fuhr, die bis zum Halsansatz reichten. Von der Statur her war er eher schlank, aber für sein Alter gut durchtrainiert.

Jetzt hörte er von unten eine Frauenstimme. „Ayron, bist du wach? Komm runter! Vater wartet schon auf dich! Du sollst in die Schmiede kommen!“ „Jaaa, Mutter, ich bin gleich unten!“ rief er zurück, stand auf, bewegte sich zur Waschschüssel, die einen Meter entfernt von seinem Bett auf einem  Hocker stand, schöpfte mit seinen geschlossenen Handflächen die kühle Flüssigkeit und klatschte sie sich mitten ins Gesicht. Danach strich er sich mit den nassen Händen die Haare glatt und zog sich um. Er verließ sein Zimmer durch den Korridor und trabte die Holztreppe herunter, die in den letzten Jahren verdächtig zu quietschen begonnen hatte.

Das Haus bestand nur aus Erdgeschoss, einem Stockwerk mit zwei Zimmern und einem Dachboden. Im unteren Bereich des Hauses war nur ein einziger großer Raum vorzufinden, mit einer Kochnische an der linken Seite, einem großen Tisch, der in der Mitte stand und drei Stühlen.

„Guten Morgen, Schatz!“ sagte die Frau im mittleren Alter mit langen, blonden Haaren und drückte im Vorbeigehen ihrem Sohn einen Kuss auf die Backe. „Morgen…“ antwortete Ayron verschlafen und setzte sich an den Tisch. Auf seinem Platz stand ein Teller mit einer Scheibe Brot, einem Stück gebratenem Hammelfleisch von gestern und Käse. Als er zu Ende gefrühstückt hatte, stand er auf, verabschiedete sich flüchtig und verließ das Haus.

Als Ayron die kühle Morgenluft einatmete, verschwand allmählich seine Schläfrigkeit und er schlenderte mit immer besserer Laune zur Schmiede, die nur zwanzig Meter westlich entfernt war. Die Schmiede war im Grunde nichts Anderes als eine gigantische Eisenkuppel mit einem Loch als Eingang und oben einer Öffnung, um den Rauch abzulassen.  

Als der Junge die Schmiede betrat, sah er einen muskulösen Mann, dessen braunes Haar und Vollbart an den Spitzen erste Anzeichen eines Grautons bekamen. Seine Kleidung bestand wie bei Ayron aus einfacher brauner Lederweste und –hose. Er hielt konzentriert einen breiten Streifen Metall mit der Zange auf einem Amboss fest und schlug mit einem eisernen Schmiedehammer darauf ein. Als er Ayron bemerkte, leuchtete ein Lächeln durch den dichten Bart.

„Ah, guten Morgen, Ayron! Bist spät dran, aber heute will ich mal nicht so sein.“ Er legte sein Werkzeug beiseite, ging zu seinem Sohn und streichelte grob seinen Kopf. „Das Donnerbräu, was mein Kumpel Sheldonor aus Eisenschmiede mitgebracht hat, scheint seine Wirkung getan zu haben, was?! Ein Becher und schon bist du eingeschlafen! Hat doch Vorteile, mit einem Zwerg befreundet sein, die machen den besten Stoff, wie?! “, lachte er. „Hör auf, ich hab mir die Haare gerade gerichtet!“, beschwerte er sich, und schlug die Hand beiseite. Ayron hatte seinen Vater gern, aber seine ständige Grobheit ging ihm auf die Nerven, auch, wenn er´s nicht böse meinte. Anscheinend hängt das mit der harten Schmiedekunst zusammen, die er und seine Familie schon seit fünf Generationen betreiben. Insgeheim mochte er die Arbeit nicht besonders, aber Ayron brachte es nicht übers Herz, dem Familienbetrieb die kalte Schulter zu zeigen.

„Hast du nicht gesagt, dass ich heute ausschlafen kann? Ich wäre vorhin gern noch ´n bisschen liegen geblieben!“ „Ich weiß, was ich gesagt habe. Aber ich wusste nicht, dass heute die Lieferung aus der Tiefenschachtmiene eintrifft. Sieh dir das an, Junge!“ Sein Vater zeigte in die linke, hintere Ecke des Raumes. Dort standen angereiht vier Waggons von jeweils zwei Metern Länge und einem Meter Höhe, alle randvoll mit Kupfererzen.  „Die Erze müssen eingeschmolzen werden, das ist deine Aufgabe. Ich verarbeite sie dann weiter. Abends kommen wieder Söldner, Krieger und Jäger von Nordhain hier runter. Wenn wir bis dahin fertig sind, könnten wir noch ordentlich an ihnen verdienen! Los, Sohnemann, an die Arbeit!“ Wie eh und je sprühte sein Vater vor Enthusiasmus. Eine Eigenschaft, die Ayron gefiel und er ließ sich davon anstecken. Während der ältere Herr sich wieder seinem Rohmetall und dem Amboss zuwandte, begann Ayron damit, die Kupfererze zur Schmelzwanne zu tragen. Dass jedes einzelne zwanzig bis vierzig Kilo wog, merkte er schon lange nicht mehr. Er hatte sich an die harte Arbeit gewöhnt.

„Eric hat mir gestern auf der Feier von Sturmwind erzählt. So viele Menschen hat er noch nie an einem Fleck gesehen und dort gibt es für jeden etwas! Zwei Gasthäuser, einen großen Marktplatz und die riesige Burg von König Varian Wrynn. Eric zieht bald mit seinen Eltern in die Altstadt.  Dort eröffnet sein Vater ein Lederrüstungsgeschäft. Ich beneide ihn. Können wir nicht auch unseren Laden nach Sturmwind verlegen? Das würde Mutter bestimmt gefallen!“ schlug Ayron vor und versuchte sich dabei die prächtige Großstadt der Menschen vorzustellen. Der Mann musterte seinen Sohn kurz irritiert, dann verzogen sich die Mundwinkel zu einem Lächeln. „Ich fürchte, das wird nicht gehen. Ich bin nur ein einfacher Kupferschmied. In Sturmwind gibt´s zu viel Konkurrenz in unserem Gewerbe. Über kurz oder lang werden wir zu Bettlern und das willst du doch nicht, oder?“ Ayron kannte die Antwort, aber war jedes Mal trotzdem darüber enttäuscht. „Ich würde die Stadt so gerne mal anschauen…“, träumte er vor sich hin. Die Miene seines Vaters wurde ernster. „Du willst immer irgendetwas, was du nicht hast, genau das ist dein Problem. Mein Vater hat mir immer gesagt: Sei mit dem zufrieden, was du hast. Also hör auf zu träumen und konzentrier dich auf die Arbeit!“ „Ja, Vater…“
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