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Angst

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteAllgemein / P12 / Gen
07.10.2013
07.10.2013
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Als er die Station betrat, wartete das Team bereits auf ihn. Es gab noch keine Neuigkeiten, da der Arzt hatte sich noch nicht hatte sehen lassen. Sie warteten weiter, Minute um Minute, bis endlich ein Arzt erschien und dieser sagte ihm, dass ihre Chancen, wieder aufzuwachen, nicht sonderlich gut waren.

Sein Blick war leer, weshalb er nicht hörte, was sein Team ihm sagte.

Fast jeden Tag war es der selbe Ablauf: er wartete direkt zu Beginn der Besuchszeit im Krankenhaus um zu ihr zu dürfen, ging zum Dienst und nach dem Dienst besuchte er sie wieder, bis sie ihn baten zu gehen.

Er betrat das Krankenzimmer und sah auf das Bett. Das regelmäßige Piepen der Monitore und das Zischen der Beatmungsmaschine war das einzige, was ihm mitteilte, dass sie noch am Leben war.

Nachdem er durchgeatmet hatte, ging er zum Bett und nahm wieder auf dem Stuhl daneben platz. Er nahm ihre Hand und berichtete ihr von seinen Tagen und dass sie ihm fehlte und er es hassen würde, in ein leeres Haus zu kommen.

Das Team machte sich Sorgen um ihn, das wusste er, denn er schlief wenig und vor allem nicht durch. Er wusste auch, dass man darüber nachdachte, ihn vom Dienst frei zu stellen, aber Greg war dagegen.


* * * * * * * * * * * * * * * * * * *


Monate waren vergangen, die Monitore piepten, die Beatmungsmaschine zischte, aber an ihrem Zustand hatte sich nichts geändert. Der Arzt betrat das Zimmer und sprach mit ihm „Wir können warten, bis Sie zum Dienst gegangen sind, wenn“, aber er schüttelte den Kopf „ich werde bleiben.“

Der Arzt nickte verstehend „ich werde alles vorbereiten lassen“, sagte er noch, ehe er ihn wieder allein ließ.

Er nahm sein Handy aus der Tasche und wählte und wartete, bis am anderen Ende abgenommen wurde. „Ich bin es. Sie wollen es gleich machen, also falls du“, er hörte kurz zu und bedankte sich, ehe er auflegte.

Nachdem er sich wieder ans Bett gesetzt hatte, nahm er ihre Hand. „Du kannst mich nicht allein lassen. Wir hatten das einander versprochen. Kämpfe, bitte“, flehte er sie an, mit Tränen in den Augen, während seine Daumen über ihre Hand strich.

Einige Minuten später kamen zwei Schwestern, machten sie fertig. Er stand ebenfalls auf, hielt weiter ihre Hand, während die Schwestern sie über den Flur schoben, wer von seinem Team ihm folgte, wusste er nicht.

„Tut mir leid, aber hier dürfen Sie nicht herein“, entschuldigte sich die Schwester. Jemand legte ihm von hinten die Hand auf die Schulter und drückte sanft zu, damit er ihre Hand los ließ. Mit Tränen in den Augen, sah er ihr nach, wie sie weiter geschoben wurde und die Flügeltüren hinter ihr zufielen.

Er, das Team und ihre Familie warteten schweigend auf dem Flur, denn niemand wusste, was sie ihm sagen sollten.

Die Minuten vergingen, bis die Tür irgendwann wieder aufging, eine Schwester das Bett wieder zurück aufs Zimmer schob und die andere mit einem Bündel auf ihn zukam. „Ich gratuliere, es ist eine gesunde Tochter“, sagte sie ihm, während sie ihm das Bündel in die Arme legte.

Er starrte es an, unfähig irgendwas zu sagen, ließ den Tränen nur freien Lauf. Mechanisch folgte er ihr ins Zimmer und setzte sich aufs Bett. Der Monitor piepte vor sich hin, auch die Beatmungsmaschine tat weiter ihren Dienst.

„Du musst sie sehen, sie ist wirklich wunderhübsch. Sie sieht dir ähnlich“, sagte er zu ihr. Einige Minuten später betraten auch die anderen Wartenden das Zimmer und der Arzt stellte die Beatmungsmaschine ab. Es war von vornherein klar gewesen, dass sie sie nur so lange daran angeschlossen lassen würden, bis das Baby soweit war, dass es per Kaiserschnitt geholt werden könnte.

Einige Minuten später erfüllte ein durchdringendes Piepen den Raum, das Baby fing an zu Weinen, so wie er auch. Wer genau versuchte ihn zu trösten, bekam er nicht mit. Auch der Rest des Tages ging völlig Erinnerungslos an ihm vorbei.


* * * * * * * * * * * * * * * * * * *


Dunkle Wolken bedeckten den Himmel, während alle sich auf dem Friedhof versammelt hatten, der Pastor hielt eine bewegende Rede.

Der Sarg wurde in die Erde gelassen, jemand nahm ihm das Baby ab, bevor er vortrat um sich endgültig zu verabschieden. Er warf die Rose auf den Sarg, während Tränen sich ihren Weg bahnten und sich mit dem eingesetzten Regen vermischten. Er starrte weiter auf den Sarg, bis jemand ihn sanft aber bestimmt weiter geleitete.


* * * * * * * * * * * * * * * * * * *


„Du solltest sie auch aufwachsen sehen. Sie braucht dich“, sagte er mit brüchiger Stimme, während er vor dem mittlerweile hergerichteten Grab kniete. „Du fehlst uns, verdammt noch mal“, schrie er sie wütend an, wohl wissend, dass es absolut nichts bringen würde.

Durch seine Gedanken glitten Bilder und Erinnerungen von ihr, die Zeit, die er mit ihr verbringen durfte und war dankbar für jede Minute. Die Kleine quengelte, was ihn wieder in die Realität zurück holte.

Er stellte die Lilien in eine Vase „ich werde dafür Sorgen, dass sie erfährt, was für ein wundervoller Mensch du warst“, stand auf und ging zu den beiden Wartenden und nahm seine Tochter wieder auf den Arm. Mit einem letzten Blick auf den Grabstein, verließen sie den Friedhof.

Julianna „Jules“ Callaghan-Braddock
*06.10.1975
+ 15.01.2013

Ehefrau, Schwester, Tochter & Kollegin

gab ihr Leben um den Frieden zu wahren



* * * * * * * * * * * * * * * * * * *


Sam schreckte aus dem Schlaf und setzte sich auf. Es war mitten in der Nacht. Sein Blick glitt zur Seite, wie um sich davon zu überzeugen, dass wirklich jemand da war. Durch seine abruptes aufsetzen, wurde sie ebenfalls wach.

„Wieder der selbe Traum?“, fragte sie sanft, setzte sich auf und umarmte ihn von hinten. Der Mond tauchte wieder hinter der Wolke hervor und erhellte das Schlafzimmer ein wenig, weshalb sie sein nicken sehen konnte.

Nachdem er vor einigen Monaten erfahren hatte, dass sie schwanger war, suchte dieser Traum ihn immer wieder heim.

Jules wusste, dass er nicht glücklich über ihre Entscheidung war, noch weiter zu arbeiten. Es ging auch soweit alles gut, bis Marcus Faber auf die Idee kam, einige Bomben in der Stadt zu deponieren und eine davon hochgehen zu lassen, was den Einsturz eines Gebäudes nach sich zog und eine Kindertagesstätte von allem abschloss.

Sam stand Todesangst aus, als sie sich zu den Kindern durcharbeitete und dann auch noch ein Stück Decke nachgerutscht war.

Nachdem sie Marcus Faber endlich gefasst hatten, einigten sie sich darauf, dass sie nur noch im Hintergrund bleiben würde.

Dennoch hatte er immer wieder Angst, dass noch irgendetwas passieren könnte, was sich seit dem Tag in dem wiederkehrenden Traum zeigte.

Sie drückte ihm einen Kuss auf die Schulter und er seufzte. „Ich hätte dich an dem Tag verlieren können“.

Jules hatte das Kinn auf seine Schulter gelegt und ließ ihre Hand leicht wandern. „Ich werde nirgendwo hin gehen, Sam.“
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