Die Schamanin

GeschichteAllgemein / P18
06.10.2013
06.12.2018
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Leah
„Was?“, frage ich und sehe meine Tochter irritiert an. „Du hast mich schon verstanden. Ich verwandle mich doch nicht, nur damit du dir mein Fell angucken kannst. Ich bin doch kein Zirkustier.“, antwortet Lilly mir und ihr Selbstbewusst verschlägt mir für einen Moment die Sprache. Wo ist meine kleine, sanfte, manchmal zu leise Lilly hin? „Du hast ja das Foto… Kein Grund zur Aufregung.“, wirft Steven eilig ein als befürchte er, dass Lilly gleich die Küche einreißt. Aber mein Mann meinte ja, dass unsere Tochter eine erstaunliche Selbstdisziplin aufweist und deshalb soll sie morgen schon mit zu einem Training. „Ich rege mich nicht auf… Erklärt mir jetzt mal einer, warum du so nett geworden bist?“, knallt Lilly ihm an den Kopf und Steven öffnet den Mund, um ihn dann zu schließen wie ein stummer Fisch. „Wisst ihr was… Gehen wir Rachel fragen.“, seufze ich und hoffe, dass weder Ryan noch Embry mich gleich deshalb erdolchen wollen als ich aus der Küche marschiere. Paul ist auf Patrouille mit Peeta und manchmal frage ich mich wirklich, was die beiden da bequatschen und wieso Sam mich nie mit meinen Söhnen zusammen einteilt. „Aber Mum. Tante Rachel geht es doch noch nicht so gut.“, protestiert Lilly hinter mir, doch fragen kostet ja nichts und nehme den Haustürschlüssel auf.

Rachel
„Sag jetzt nicht, ich soll wieder gehen. Zwei Tage werden ja wohl ausreichen, damit sie zumindest reden kann.“, zickt Leah Embry an, der ihr die Tür geöffnet hat und eigentlich warten wir ja das Elena endlich Heim kommt. Schließlich wird es draußen schon dämmrig und Embry meinte vorhin, dass es wohl keine gute Idee wäre wenn wir ihr Seth hinterher schicken. „Du führst dich unmöglich auf.“, ist Embrys knappes Kommentar und lässt sie dennoch eintreten, so wie sie ihre Schuhe überlaut auszieht. „Hey. Du siehst ja gar nicht so schlimm aus… Kannst du mir mal erklären, wieso er so stick nett ist? Und sie so eine Zicke?“, ächzt Leah, kaum das sie sich neben mich katapultiert hat und deutet mit einem Kopfnicken in die Richtung ihrer Kinder. Die absolut todunglücklich aussehen und Embry sieht aus als würde er Leah am liebsten gleich wieder rauswerfen. „Du bist tatsächlich unmöglich.“, grummelt Embry und schiebt die Drillinge weiter Richtung Küche. Vermutlich in der Hoffnung, damit sie ihre anscheinend übellaunige Mutter nicht über sich schimpfen hören. „Aha.“, ist Ryans knappes Kommentar, der wohl nachsehen wollte ob Elena da ist und in die Küche verschwindet. „Was soll denn das heißen?!“, grollt Leah und ich glaube meine beste Freundin ist nur so ein ungehobelter Klotz, da sie überfordert ist mit allem und jedem. „Leah. Spar dir deine Kratzbürstigkeit. Sie brauchen deine weiche Seite, da sie genauso verunsichert sind wie du.“, seufze ich und sie sieht mich fast schon empört an. „Ich bin nicht… Sowas gehört nicht zu meinem Wortschatz.“, muffelt sie mich an, aber sie sieht etwas ertappt aus. „Es ist doch eigentlich ganz einfach.“, schiebe ich nach und sie zieht fragend die Augenbraue hoch. „Steven war zweigespalten. Er hat den Wolf gehasst, der Wolf hat ihn nicht verstanden und diese Trennung hat sie verbittert. Deshalb war er manchmal so ruhig, dann plötzlich schlagartig wütend und in der Sekunde hat er Sachen zertrümmert. Sie konnten nicht miteinander umgehen und wollten trennen was zusammengehört. Ich habe nicht mehr getan als zu zu hören und dafür zu sorgen, dass sie beide ihre Differenzen klären… Und Lilly ist nicht zickig. Ein Wolf zu werden ist eine große Veränderung und sie muss sich erst damit abfinden. Ihr Temperament zügeln… Tue doch nicht so als wäre es bei dir damals nicht genauso gewesen.“, erkläre ich ihr und Leah schüttelt den Kopf. „Sie ist eine weiße Zielscheibe im Wald.“, seufzt sie und legt den Kopf in den Nacken als würde das ihre Gedanken sortieren. „Aber im Schnee unsichtbar.“, gebe ich zu bedenken und sie schüttelt leicht den Kopf. „Wie kannst du nur so ruhig und gelassen sein?!“, seufzt sie und bohrt ihre Augen in meine. „Weil sie nicht meine Tochter ist und weil du und Lilly euch tief im Innern zu ähnlich seid, weshalb ihr immer aneinander rasselt.“, schmunzle ich.

Embry
„Wir hätten noch Apfelkuchen da.“, überlege ich laut und Ryan ist so schlau, dass Küchenradio anzuschalten um Leahs Gezeter zu übertönen. „Mit Rosinen?“, will Peeta wissen und Lilly schüttelt den Kopf über ihn. „Wir haben doch gerade erst gegessen.“, murmelt sie und weiß ja noch gar nicht, was für Mengen sie alles verdrücken kann, wenn man als Wolf nur ein bisschen Hunger hat. „Pfff. Nachtisch geht immer. Und das kannst du alles ab sofort essen ohne dick zu werden… Wobei wie lange dauert das eigentlich bis sie richtig Muskeln bekommt?“, überlegt Peeta laut und Lilly sieht aus als wäre er verrückt. „Muskeln? Du hast ja noch nicht mal einen Sixpack.“, wirft ihm Steven an den Kopf und zieht zum sichtbaren Beweis sein Shirt hoch. Lilly schlägt nur die Hände vor die Augen und sieht aus als wolle sie im nächsten Erdloch verschwinden. „Du bist so ein peinlicher Angeber.“, meckert Peeta ihn nur kopfschüttelnd an und auch wenn das hier gerade peinlich ist, so muss ich insgeheim Peeta schon Recht geben. Sonst hatten wir immer Wachstumsschmerzen und Fieber, bevor sie zum Wolf wurden. Gut, Ryan hat ja auch einen Blitzstart hingelegt und schneide den Apfelkuchen kurzerhand in 6 Teile.
„So riesige Stücke?!“, stöhnt Lilly als sie sieht was ich da jedem der Jungs auf den Teller lade und Steven verdreht entnervt die Augen, aber dank Ryans Blick bleibt das Kommentar aus. „Es ist doch nur Apfelkuchen. Der macht nicht so satt.“, haut Peeta raus und schnappt sich seinen Teller als befürchte er, dass Steven ihm seine Portion klaut. „Keine Sorge. Du bekommst das kleinste Stück und außerdem war Leah auch nie so verfressen wie wir andren.“, meine ich lahm und Lilly sieht mich an als wäre ich noch etwas Unwirklicheres als ein Wolf.
Wie gerufen klingelt es da und so überlasse ich es Ryan dafür zu sorgen, dass Lilly den Kuchen auch anrührt.
Kaum öffne ich die Tür, steht ein patschnasser Paul da und hat Collin im Schlapptau. „So kommst du mir nicht rein.“, seufze ich, da ich keine Lust habe hinter ihm her zu wischen und Paul guckt verdutzt. „Ich will doch gar nicht rein. Eigentlich will ich nur meine Rasselbande mitnehmen, bevor sie dir den Kühlschrank leer fressen und Leah Rachel noch tot quasselt… Zumindest würde es mich nicht wundern, wenn alle mega aufgekratzt sind.“, entgegnet er und kommt dafür zwei Minuten zu spät. „Sie essen schon Apfelkuchen.“, gebe ich lahm zu bedenken als Lilly ihren Kopf um die Ecke steckt. „Dad? Willst du die Hälfte von meinem Stück? Irgendwie sind die anderen verrückt geworden.“, bietet sie ihm an und hat den Teller vorsichtshalber mitgenommen, da sonst Steven schon längst den Rest geklaut hätte. „Noch verrückter?“, echot Paul und sieht mich fragend an als wäre das meine Schuld. „Sowas nennt man gleichgerechtes aufteilen eines Kuchens.“, meine ich lahm und beschließe ihm ein Handtuch zu holen, damit er den Teller nicht überschwemmt. „Wie siehst du eigentlich aus?!“, kommt es Lilly mal in den Sinn zu fragen und scheint Collin erstmal komplett zu ignorieren. „Wölfe mit Regenschirmen auf Patrouille sehe ziemlich blöd aus.“, scherzt Paul und befürchte er muss länger warten bis Leah sich mal dazu bequemt vom Sofa aufzustehen.

Lilly
„Wieso essen wir nochmal so viel?“, frage ich und liege mehr auf meinem Stuhl als das ich sitze, weil ich glaube zu platzen. Ist der Apfelkuchen in meinem Bauch aufgegangen? Gott, ich hätte Dad mehr abgeben müssen. „Wir sind sozusagen selbst, wenn wir null Sport machen, durchtrainiert. Und mehr Muskeln verbrennen mehr Kalorien und deswegen haben wir eben mehr Hunger als normale Menschen.“, antwortet Dad, während er jetzt allen Ernstes noch ein Vanilleeis mit Sahne und Smarties verdrückt und aussieht als würde er am liebsten noch so eine riesen Portion haben wollen. Zum Glück hat Onkel Embry nur diesen Rest Eis da gehabt und die Kekspackung in seinen Händen ist auch so gut wie leer. „Keine Sorge. Du wirst nicht dick… Du bist eher der athletische Typ. Nicht so wie Steven, der halbe Schrank.“, schiebt Dad nach und ich weiß ja nicht, ob mich das jetzt beruhigen soll oder mich noch mehr aufwühlt. „Ich bin kein halber Schrank. Sam ist ein Schrank.“, grummelt Steven, der die ganze Zeit schon auf die Kekse in Onkel Embrys Händen schielt. Aber es wäre ziemlich unfair, wenn er ihm jetzt die Kekse klaut nachdem er uns alles vom Apfelkuchen und dem Eis geopfert hat. „Das ist doch alles verrückt.“, urteile ich und Onkel Embry schmunzelt als fände er das mega lustig. „Weißt du, das denken wir alle am Anfang und dann gewöhnt man sich dran. Aber ihr habt wenigstens den Vorteil, dass eure Eltern halbwegs wissen was mit euch passiert… Wir waren damals absolut planlos.“, sagt er und Dad schnaubt als würde er ihm nicht ganz zustimmen. „Also ich behaupte, wir hatten es vielleicht in manchen Punkten schwerer. Sam war ja der Erste und der hatte niemanden. Er hat sich ja nicht getraut zu fragen, was ihm da passiert ist… Eigentlich wussten wir erst so richtig, was das soll als Jack sich verwandelt hatte und Billy den Mund aufgemacht hat.“, erwidert Dad und Ryan runzelt die Stirn als würde er das nicht ganz verstehen. „Aber… Ich dachte Sam wusste es. Woher hat er denn sonst immer gewusst, dass ihr euch verwandelt? Er hat das zumindest mal nicht so dramatisch dargestellt.“, denkt er laut nach und Embry und Dad tauschen einen unergründlichen Blick aus. „Sagen wir einfach, Sam hat beschlossen das wir euch die Geschichten abgemildert beibringen sollen.“, brummt Dad dann und meine Brüder stöhnen auf. „Wir sind doch keine Welpen mehr.“, gibt Peeta empört von sich, während Steven die Schultern zuckt und ich die Wortwahl komisch finde. „Welpen?“, echoe ich also und ich glaube, meine Brüder fragen sich gerade echt wo ich die letzten Monate war. Anscheinend nicht zu Hause oder ich habe alles erfolgreich vergessen. „Ja, Welpen. Weil ihr noch klein, putzig und unerfahren seid. Wozu hat man den Eltern, wenn sie nicht auf einen aufpassen?“, seufzt Dad und schaufelt sich gefühlt ein ganzes Eisbällchen auf einmal in den Mund, um erstmal nichts zu sagen. „Putzig?!“, schnauzt Steven ihn aufgebracht an, aber Ryans Blick bringt ihn ganz schnell wieder runter von der Palme. Was ist das überhaupt für ein Blick? Als wäre Ryan so ein bisschen wie Dad, dabei ist es doch die Sache unserer Eltern uns zu erziehen und nicht seine. Oder? „Lilly, hast du überhaupt irgendwas mitbekommen?“, wundert er sich jetzt auch mal und ich glaube, dass ist eine Fangfrage. „Wie wäre es, wenn ihr das morgen klärt?“, schlägt Onkel Embry vor und ist für die Sekunde mein persönlicher Held als ein Schlüssel im Schloss zu hören ist. „Ich dachte schon, dass Eis dient zur Bestechung für einen nächtlichen Suchtrupp.“, murmelt Dad als Onkel Embry schneller als man gucken kann das Haus durchquert. Wieso? Wer fehlt denn? Ist Elena nicht in ihrem Zimmer um zu schmollen?

Embry
„Auch mal da?“, begrüße ich meine Tochter, die aussieht wie… Wo um alles in der Welt war sie nur? „Sie ist ausgerutscht...“, fängt Seth an, aber Elenas wütender Blick bringt ihn zum Verstummen. „Ausgerutscht?! Damit fängst du an?!“, knallt sie ihm an den Kopf und ich runzle die Stirn. Was soll das denn heißen? „Ich bin fast die Klippe runtergefallen, dann habe ich mich verlaufen und irgendwann hat er mir dann mal gesagt, dass ich im Kreis laufe… Und natürlich bin ich ausgerutscht! Ich bin ja keine dumme Katze! Und eine Taschenlampe fällt nun mal nicht mitsamt diesem bescheuerten Dauerregen vom Baum.“, faucht sie ihn an, wobei sie tatsächlich Ähnlichkeit mit einer Katze aufweist ehe sie so würdevoll wie irgendwie möglich durch das Haus marschiert. Um dabei eine feuchtfröhliche Schlammspur zu hinterlassen…
„Sie hat das jetzt alles dramatischer dargestellt als es tatsächlich war.“, meint Seth leise, der ja selber pitschnass ist und aussieht wie das Elend persönlich. „Dann komm mal rein und erklärs mir.“, brummle ich nur und gehe am Besten erstmal ein Handtuch holen, sowie den Wischmob.
Zwei Minuten später ist Seth soweit abgetrocknet, dass man ihn gefahrlos auf das Sitzpolster auf einen der Esszimmerstühle setzten kann. Er sieht zwar erstaunlicherweise noch immer aus wie ein nasser Pudel, aber wenigstens einer der nicht mehr tropft als wäre er eine Gewitterwolke. Elena hört man derweil lautstark oben herumtoben und Rachel verpennt zum Glück erstmal alles. Sie würde sich eh nur unnötig aufregen… „Ist das meine Schuld?“, will Lilly gerade von Seth wissen als ich den Eimer mit Regen- und Schlammwasser im Garten entsorgen will und halte inne. Wie kommt sie denn darauf? „Sie hat Elena gesagt, dass sie Seth nicht verdient hat… Wobei… Ich dachte immer, dass denkt nur Collin.“, verteidigt Paul seine Tochter lahm und Lilly wird leicht rosa. „Ja… Aber… Ihr hättet sie heute mal erleben müssen. Also nicht nur nach dem ich mich verwandelt hatte… Vorher war sie fast so unterirdisch übel gelaunt wie Mum.“, wiederspricht Lilly und sieht aus als wolle sie sich schon wieder ins Mauseloch verkriechen. „Dich trifft keine Schuld… Elena ist eben wie sie ist und deswegen ist sie auch fast die Klippe runter gestürzt. Sie wollte mir partout nicht glauben, dass sie soweit durch das Reservat gestampft war… Manchmal ist es wirklich verwunderlich, dass sie die ganze Zeit über wüste Beschimpfungen vor sich hinmurmelt… Also ist sie weitergelaufen und ich habe mir gedacht, wenn sie mir nicht zuhört. Dann ist sie irgendwo Selbstschuld.“, erwidert Seth und mein Wolf knurrt ungehalten auf. Wie kann er ihr denn so einen Schrecken einjagen?! „Sie ist nur erschrocken. Ich hatte sie ja. Ihr wäre nichts passiert… Nach 2 Minuten hat sie wieder rumgeschimpft und schnurstracks weitergelaufen als könne sie mich abhängen… Dann hat sie mir mal wieder nicht zugehört und ist im Kreis gelaufen. Da mir das zu blöd wurde, habe ich mich eben hingesetzt und gewartete das sie im 5 Minutentakt an mir vorbeiläuft. Das ging dann ungefähr zehn Runden lang so und dann hat sie beschlossen, dass es vielleicht doch mal ganz schlau wäre mich zu fragen wie sie nach Hause kommt… Und nur um das klar zu stellen, ich hätte sie am liebsten erstmal zu Mum verfrachtet damit sie endlich mal ins Trockene kommt. Aber nein. Sie hat beschlossen, wir laufen jetzt zurück egal wie sehr es regnet und natürlich nicht auf einem Waldweg. Das sie da andauernd über die Wurzeln fällt, war ja zu erwarten. Aber versuch das mal in Elenas Dickkopf reinzubekommen… Am liebsten hätte ich sie mir unter den Arm geklemmt und sie hierhergetragen. Aber da sie es schafft, selbst nach drei Stunden Zetterei noch immer wie eine Furie aufzutreten hatte ich einfach keine Lust mehr mir das auch noch anzutun.“, murrt Seth und wirkt ausnahmsweise wirklich am Ende mit seinen Nerven. Er sieht fast so fertig aus, wie damals als er Elena mit einem anderen knutschend aufgefunden hat und frage mich, wieso meine Tochter nur so eine große Zicke ist. Ist das meine Schuld? Habe ich was falsch gemacht bei der Erziehung? „Mach dir keinen Kopf. Ich rede mit ihr… Embry, wann bist du nochmal die ganze Woche weg auf Lehrgang?“, mischt sich da Rachel ein, die Huckepack auf Leahs Rücken thront und Leah aussieht als wäre sie heilfroh Rachel vom Hals zu bekommen. „Das ist in drei Wochen.“, gebe ich perplex von dem Themenwechsel von mir und nach wie vor behagt mir der Gedanke nicht eine ganze Woche weg zu sein. Da kann so viel passieren… „Prima. Ryan. Kinder. Seht gefälligst zu, dass ihr irgendeinen Zeltausflug macht und nehmt eure Grazien mit.“, beschließt Rachel und mein Sohn sieht sie verunsichert an. „Wir sollen was?“, japst Steven und Rachel schenkt ihm einen Blick als wüsste sie nicht was daran schwer zu verstehen ist. „Ihr geht zelten. Es ist draußen warm genug… Seht es doch als so eine Teambuilding-Maßnahme. Dann nehmt ihr Violetta, Charlotte, Fiona und Kirby mit und habt einfach Spaß… Ihr könnt doch ein Lagerfeuer machen, oder?“, erklärt Rachel nochmal und Leah sieht aus als fände sie die Idee richtig gut. „Aber… Was ist, wenn sie zelten nicht mögen?“, wirft Peeta lahm ein und das ist eine berechtigte Frage. „Sie werden es euch zu lieben bestimmt testen… Wenn euch der Wald zu unbehaglich ist. Campt ihr einfach im Garten.“, gibt Leah ihren Senf dazu und Ryan sieht aus als wisse er so gar nicht was er davon halten soll. „Rachel. Ist ja schön und gut. ABER das Rudel kann nichts dazu, dass Elena und ich nicht miteinander klarkommen.“, sagt Seth etwas kleinlaut von sich und Rachel sieht ihn an als wäre er unser drittes Kind, dass eine Portion Aufmunterung braucht. „Erstens ja. Aber hat schonmal einer von euch daran gedacht, dass Elena Abstand zu diesem ganzen Wolfsthema guttun würde? Und da ich ja schlecht verreisen kann, müsst ihr eben euch mal für zwei Nächte ausquartieren. Zweitens… Ihr kommt wunderbar miteinander aus, wenn ihr euch zusammen rauft… Und was das zelten angeht. Wieso seid ihr denn so unspontan? Wenn ich mich richtig entsinne, habt ihr alle mal eine ganze Woche uns durch den Garten gescheucht, weil ihr unbedingt einen ganzen Schwarm Glühwürmchen als Haustiere haben wolltet… Und wann habt ihr zum letzten Mal den Sternenhimmel bewundert?“, zählt Rachel auf und ich muss zugeben, der Punkt geht an meine Frau. „Und wenn sie krank werden? Ich bekomme doch andauernd schnupfen.“, denkt Lilly laut nach, weshalb ihre Eltern den Kopf schütteln. „Wölfe werden nicht krank… Und ihr habt ja Decken mit. Außerdem haben wir eh nur ein 6-Personen-Zelt, da verfrachten wir dann alle weiblichen Wesen, die an dem Spektakel teilnehmen, rein und dann könnt ihr Welpen eh nicht schlafen, weil sie die ganze Zeit nur am Kichern sind.“, seufzt Paul und Lilly sieht aus als könne sie sich nie an den Gedanken gewöhnen jetzt im Rudel zu sein.

Rachel
„Und?“, frage ich als Embry das Schlafzimmer betritt und wie üblich sofort sieht, dass ich es wieder einmal nicht geschafft habe die Decke komplett über mir auszubreiten. „Sie schläft, hat kein Fieber und scheint auch nicht eine verstopfte Nase zu haben.“, antwortet er, während er die Decke zurecht zupft und sich dann galant neben mich rollt. „Also keine fette Erkältung… Dabei hätte sie es sich verdient, wenn sie wirklich so grässlich zu Seth war.“, murmle ich und sehe Embry an, dass ihm das ganze Thema nicht behagt. „Findest du die Idee mit dem Zelten denn so schlimm? Elena und ich kommen die zwei Tage schon klar… Vorallem wenn sie wirklich in Leahs Garten campen, sieht Ryan vermutlich eh abends nach uns. In diesem Punkt kommt er ganz nach dir und Jacob bietet ja eh andauernd seine Hilfe an, dann kann er das auch gerne tun.“, fange ich an aufzuzählen, doch Embrys seufzendes Kopf schütteln unterbricht mich. „Rachel, es geht mir nicht so sehr darum… Doch schon. Mich nervt der Gedanke eine ganze Woche weg zu sein… Ich war noch nie solange getrennt von euch. Weder von dir, noch den Kindern… Es sind 6 Stunden Fahrt. Bis ich da bin, kann sonst was alles passiert sein oder auch nicht… Ich will diese Fortbildung nicht besuchen. Ich will mich in keinem Hotel in einer großen Stadt aufhalten. Das ist nichts für einen Wolf.“, sagt mein Mann und ich verstehe ihn, aber wir wissen beide das die Fortbildung dringend nötig ist. „Embry. Es wird nichts passieren… Und du musst diese Fortbildung endlich besuchen. Du hast dich schon die letzten zwei Jahre davor gedrückt und du hast selbst gesagt, dass es unglaubliche viele neue interessante Ansätze gibt auf deinem Fachgebiet… Hör auf dir Sorgen zu machen. Ich verspreche dir, dass weder mir noch den Kinder etwas passiert. Wir passen auf uns auf und ehe du dich versiehst bist du wieder da.“, erwidere ich in beruhigendem Tonfall und kuschle mich soweit ich kann an ihn. „Schatz, nimm es mir nicht übel. Aber du kannst momentan ja noch nicht mal wirklich dich selbst beschützen. Wie willst du da auf unsere Kinder aufpassen?“, murmelt er und schlingt seine starken Arme um mich. „Ryan passt auf das Rudel auf, das Rudel passt auf ihn auf und wenn sie wirklich bei Leah im Garten campen, ist er so gut wie zu Hause. Jacob wird bestimmt gerne jeden Abend vorbei kommen und Elena wird dieses lange Wochenende nicht ausflippen können, da Seth ja nicht ums Haus schleicht… Eigentlich ist unsere Tochter eine genauso aufmerksame, einfühlsame und freundliche Persönlichkeit wie unser Sohn. Ich glaube, wir müssen ihr nur mal den Raum geben frei zu atmen und nicht das Gefühl zu haben andauernd mit dem Thema Wolf konfrontiert zu sein… Das alles ist kompliziert und wenn selbst Lilly, ihre allerbeste Freundin, sie nicht mehr aushält. Glaubst du wirklich, dass würde Elena kalt lassen und sie rennt weiter vor Seth weg? So ist sie nicht, dass wissen wir beide… Ich glaube, sie hat einfach nur furchtbare Angst und fühlt sich absolut hilflos. Sie will nicht so werden wie ich Embry. Genauso wenig wie ich jemals so werden wollte wie meine Mutter. Aber wenn wir ehrlich sind, dann hatte sie zwar eine schönere Kindheit als ich. Aber ich spüre in ihr die selbe Angst, wie ich sie hatte als ich hierher zurückkam und als ich glaubte dich in Gefahr zu bringen, wenn du in meiner Nähe warst… In dem Punkt habe ich als Mutter komplett versagt.“, urteile ich und es tut weh, dass zu sagen aber es ist die Wahrheit. „Sag sowas nicht. Du hast nicht versagt.“, grummelt Embry und dennoch ist es so.
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