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Bartimäus - Der Kristall der Ewigkeit

GeschichteHumor, Fantasy / P12
Bartimäus Dschinn
06.10.2013
22.04.2014
7
5.080
 
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06.10.2013 616
 
Eines konnte man von meiner neuen Meisterin schon mal nicht behaupten: Das sie eine Langschläferin war. Bald nach Sonnenaufgang wurde ich bereits von ihr beschworen. Nicht das ich mich beschweren wollte - im Gegenteil. Je früher sie mir die Aufträge gab desto früher konnte ich sie erfüllen und desto früher war ich wieder am Anderen Ort. *
Also ließ ich mich bereitwillig von der Beschwörung forttragen und stand kurz darauf wieder in dem orange-goldenen Raum mit den Bildern an der Wand. Ich entschied mich dafür, diesmal Menschengestalt anzunehmen. Da seine Erscheinung vermutlich besser zu London passte und ich keine Fragen wollte, verwandelte ich mich in Nathanael. **
Clary befand sich in ihrem Pentagramm mir gegenüber. „Du siehst aus als wärst du in eine Waschmaschine gefallen“, begrüßte ich sie und erntete wütendes Gebrummel ihrerseits. *** „Was ist mit meinem Auftrag?“, fragte sie und gähnte. Ich streckte ihr die Mappen entgegen, aber meine Hoffnungen wurden zunichte als sie auf den Boden deutete. „Leg es hin“, wies sie mich an, „zwischen die Pentagramme.“
Augen verdrehend tat ich was sie wollte und sie band eine der vielen Ketten ab die ihr um den Hals hingen. Es war eine schlichte Kette mit einem Anhänger in Form eines Ankers. Beides war aus purem Silber und ließ mich schaudern, weshalb ich einen respektvollen Schritt zurücktrat und mir die Fußsohlen ansengte. Clary warf den kleinen Anker nach dem Ordner. Sie war geschickt damit, das musste ich ihr lassen. Der Anker verfing sich beim zweiten Wurf an einer Ecke des Ordners und sie zog ihn damit zu sich heran. Ich beobachtete jede Bewegung von ihr. ****
Schließlich hatte sie den Ordner in ihrem Pentagramm. ***** Sie hob ihn vorsichtig auf und blätterte darin herum. Schließlich nickte sie zufrieden. „Gute Arbeit Bartimäus“, sagte sie lächelnd. „Nur an der Unauffälligkeit musst du noch arbeiten.“ Ihr Lächeln war bei genauerer Betrachtung meinerseits innerhalb einer Sekunde von lobend auf sarkastisch umgeschaltet. Obwohl sie nicht mal wütend oder abwertend klang, fühlte ich mich aus irgendeinem Grund angegriffen.
„Tja, du sagtest du willst den Ordner, ich hab ihn dir besorgt. Mach es besser wenn du Lust hast. Vielleicht hast du am Wochenende mal Zeit!“
Sie lachte. Ich war wieder einmal verdutzt. Irgendwie war dieses Mädchen merkwürdig. Ihre Stimmung war wie ein Wetterbarometer, immer schwenkte es hin und her.
„Naja, wie auch immer. Gut gemacht. Aber jetzt…“ Sie blätterte wieder in ihrem - naja, eigentlich nicht ihrem - Ordner herum und fand schließlich was sie gesucht hatte, zumindest schloss ich das aus dem triumphierenden Grinsen das sich auf ihr Gesicht schlich. Sie schob ihre Brille zurück und klappte den schweren Ordner zu. Eine kleine Staubwolke stieg auf.

„Jetzt brauchen wir Flugzeugtickets.“ Ich fasste mein Erstaunen einfallsreich in ein „Was?“ mit mindestens hundert Fragezeichen zusammen. „Wir. Fliegen. Mit. Dem. Flugzeug. Und. Holen. Uns. Den. Spiegel.“, erklärte sie langsam, als wäre ich ein fünfjähriges Menschenkind. Obwohl ich gewisse Argumente gegen das „wir“ hatte, gab ich vorzeitig auf.
Es hatte ja sicherlich eh keinen Zweck.
„Also gut, und wohin?“ Sie lächelte. „Polen. Genauer gesagt Warschau.“ Ich verdrehte die Augen.

*Außerdem ist es unangenehm, sich eine ganze Nacht lang in London zu verstecken. Mülltüten als Decken, dreckige Straßen, die stinkende Kanalisation… naja, das beschreibt in etwa meine Nacht.
**Der Kleine fehlte mir fast ein bisschen. Auch wenn ich nicht unbedingt noch mal in seinem Körper stecken wollte, war er wohl eine gute Erscheinungsform. Und immerhin hatte er mich vorm Sterben bewahrt.
***Sie sah wirklich schlimm aus. Sie hatte riesige Augenringe, ihre Haare waren verwuschelt und ihr Blick trübe. Kurz gesagt hatte sie wohl wenig geschlafen.
****Junge Mädchen sind meistens ziemlich lecker als Zwischenimbiss vor dem Anderen Ort…  
*****Ärgerlicherweise ohne das ich die Chance dazu bekam sie aufzufressen und zu verschwinden. Schade.
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