Bartimäus - Der Kristall der Ewigkeit

GeschichteHumor, Fantasy / P12
Bartimäus Dschinn
06.10.2013
22.04.2014
7
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06.10.2013 1.507
 
Ja, diese Geschichte spukte mir so im Kopf herum. Erwartet kein regelmäßiges Posten, aber wenn ich was hab, dann erscheint es auch hier. Viel Spaß!!

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Ich verspürte das unangenehme Ziehen im Magen deutlich wie immer bei einer Beschwörung und seufzte innerlich - äußerlich noch nicht möglich, ich hatte mich noch nicht für eine Gestalt entschieden. Was jetzt dran kam.
Ach, die Gruselgestalten sind auch nicht mehr das was sie mal waren… früher konnte man noch jedem mit einem witzigen Skelett Angst machen, aber die Menschen wurden robuster. Ich entschied mich nach einigem Hinundher, das nach Erdenzeit vermutlich nur Sekunden dauerte, für eine Schlange aus schwarzem Nebel, deren Smaragdaugen gefährlich blitzten, und deren Giftzähne überdimensional und Furcht einflößend waren. Ha! Das würde wohl selbst diesen dämlichen, modern-unängstlichen Menschen Angst machen.

Ich materialisierte mich und ließ gleich zu Anfang mit einem boshaften Grinsen meine spitzen Zähne sehen, während ich den anmutigen Kopf drehte und mich umsah.
Ich befand mich in einem Pentagramm - wo auch sonst - das klar und deutlich auf festen Holzboden gemalt worden war. Ich überprüfte es zunächst kritisch, fand zu meinem Bedauern nichts, wie oft. Dann wandte ich mich dem Rest des Raumes zu.
Ein hübscher Raum wie ich zugeben musste. Die Wände waren in einem dunklen goldorange farbenen Ton bemalt und Bilder - vermutlich von berühmten Möchtegernkünstlern, irgendwelche Portraits - hingen an den Wänden. Die gegenüberliegende Wand war mit einem sehr breiten Regal vollkommen verdeckt, aus dem die dicken Bücher nur so herauspurzelten. Ein Tisch stand mitten im Raum - ein Holztisch, die Beine kunstvoll verziert - und drei Stühle um ihn herum. Auf ihm stand eine Blumenvase, die marineblauen Blüten der Blumen die darinnen standen, passten wundervoll in das schmuckvolle Bild dieses Raumes.
Nach dieser eingehenden Betrachtung meiner Umgebung wandte ich mich zum ersten Mal meinem gegenüber zu.
Zuerst einmal war es eine sie, eine junge Frau um die zwanzig, dunkelblonde, dicke Haare, hübsche Gesichtszüge, eine zierliche Statur*, leicht gebräunte Haut und eine Brille mit ovalen Gläsern, die ihr Erscheinungsbild sogar noch verschönte. Ihre grauen Augen hinter den doch recht dicken Gläsern wirkten gestochen scharf, als sähen sie alles und jeden, als würden sie die Bewegung jedes einzelnen Staubpartikels analysieren. Einzig diese Augen waren es, die diesem kindlich naiven Gesicht einen strengen, wissenden Ausdruck verliehen, die erahnen ließen, das diese Dame schon viel gesehen, erlebt und erduldet hatte. Und das sie nicht gerade zimperlich war.
Das alles erläuterte und beobachtete ich innerhalb von Sekunden. Mein Gegenüber hatte sich derweil nicht gerührt, war lässig stehen geblieben und hatte mich mit ironischem Gesichtsausdruck betrachtet. „Sollte ich verängstigt sein?“, fragte sie kopfschüttelnd und blickte mich fragend an. „Nun, eigentlich war das der Sinn dieser Erscheinung Fräulein. Warum bist du nicht erschrocken, ist so was heutzutage nicht mehr so in Mode bei erschreckenswerten Gestalten?“, fragte ich zurück und versuchte einen Rest der Würde zu bewahren, die mir durch ihr lässiges Auftreten genommen wurde. „Oh, das kommt darauf an wo man ist und wer man ist“, erwiderte sie recht ernst. Ich beschloss nicht darauf einzugehen, sondern fragte: „Welches Jahrhundert haben wir, wenn ich fragen darf?“
„Du darfst“, erwiderte sie überraschenderweise. „das zwanzigste Jahrhundert ist inzwischen angebrochen Dschinn.“ „Wie poetisch du das gesagt hast“, versuchte ich mich einzuschmeicheln und sie lachte.   
Ein glockenhelles Lachen, eines dieser Gelächter, das andere Damen die nur „Hähähä“ wie eine verhutzelte alte Hexe machen können neidisch macht und die Herzen der vorbeikommenden Männer gefrieren lässt vor Entzücken. Da ich keins von beidem war, blieb ich einfach stehen wie ich war und wartete ob sie denn mit ihrem Auftrag für mich herausrücken würde, bevor das zwanzigste Jahrhundert wieder um war.
Sie wurde wieder ernst und blickte lächelnd zu mir hinüber. „Bevor wir mit dem anfangen, was du tun sollst“ - ah, wenigstens war sie ehrlich und fing nicht mit „vielleicht könntest du es ja tun wenn deine Zeit es erlaubt“ an - „würde ich gerne ein paar Dinge klar stellen.“ „Tu dir keinen Zwang an“, meinte ich, sorglos mit der Hand wedelnd. Dieses Gespräch begann mir Spaß zu machen.
„Also, erstens: Solange du machst was ich sage, wirst du nichts von dem was ich dir im Interesse der Erfüllung deines Auftrags anvertrauen muss anderen weitererzählen, egal was. Oder du bekommst Ärger, und ich bin nicht zimperlich was Strafen angeht, wenn ich wütend bin und mich nicht beherrsche, klar?“ Da mir klar war, dass das fragende „klar“ am Ende ihres Satzes nur eine rhetorische Floskel war, sagte ich entgegen meines normalen Verhaltens gar nichts - ja, auch ich kann mich beherrschen, ob ihr es glaubt oder nicht - und sie fuhr fort. „Zweitens“, sagte sie, „will ich gesagt haben, dass ich dich kenne, Dämon. Ich weiß alles über dich, was ein menschliches Wesen herausfinden kann und ich kenne deine Tricks. Sarkasmus kannst du dir also sparen. Obwohl ich nichts gegen eine intellektuell wertvolle Unterhaltung habe.“ Oh, die hatte ja einen merkwürdigen Humor. Aber das mit den intellektuell wertvollen Gesprächen würde sich sicherlich machen lassen.
„Wie die gnädige kleine Dame meint“, erwiderte ich mit einer Verbeugung. Sie war sogar recht gelungen, dafür dass ich eine Rauchschlange war, die in einem winzigen Pentagramm eingesperrt ist, dass ihr sämtliche Bewegungsfreiheit nimmt, die sie besitzen könnte.
„Ohne dass „klein“ würde mir dieser Satz besser gefallen“, sagte sie spöttisch lächelnd. Und drittens würde ich jetzt gerne zu Punkt kommen.“ „Wundervoll, ich auch.“ Ich stellte mich aufrechter hin und zog eine fragende Grimasse. Ohne darauf zu achten fuhr sie fort. „Ich möchte, dass du die Zauberin Jane Stella Higgins… sagen wir um einen Gegenstand erleichterst.“ Oh, nur ein Diebstahl?? Die wusste meine Qualitäten wirklich nicht zu schätzen! „Moment, hab ich das richtig verstanden?? Du rufst mich her Kleine“ - „ohne „Kleine“, bitte“ - wegen eines kleinen Diebstahls? Warum verpflichtest du nicht einen Kobold, der würde das sicher auch noch hinkriegen, wobei die Kerle noch doofer sind als sie schmecken!“ Ich schnaubte und hatte das Gefühl, das mir soeben vor Entrüstung Rauch aus der Gestalt entwich. „Es ist kein einfacher Diebstahl!“, wies sie mich zurecht - also ehrlich, was bildete die sich denn ein? - „Es ist hoch kompliziert. Du musst verstehen, das was du stehlen sollst ist kein Schmuck, oder Klamotten oder was weiß ich denn was du denkst, was ich von ihr haben will. Tatsache ist, dass es Dokumente sind, ein Aktenordner über ein archäologisch sehr interessantes Artefakt. Und auch für einige machthungrige Magier wäre es sehr gut, bekämen sie diesen Gegenstand. Die Welt hat sich nämlich verändert Bartimäus“, sagte sie plötzlich, „Die Magier sind nicht mehr sehr beliebt, sie sind beinahe… nun, der richtige Ausdruck wäre wohl „ausgestorben“, aber genau trifft es das auch nicht. Nur im Untergrund agieren sie noch immer, planen ihre herrschsüchtigen Pläne und wollen nicht akzeptieren, dass die Ära ihrer Herrschaft über die Gewöhnlichen vorbei ist.“ „Das ist doch nichts Neues“, sagte ich ruhig, „Das ist doch immer so. Irgendwann werden sie ihre Komplotte aufgeben müssen, weil sie alle sterben und nichts als Schall und Rauch hinterlassen.“
„Genau darum geht es ja“, erwiderte sie, plötzlich ziemlich aufgeregt, „Es geht in diesen Dokumenten um ein Artefakt, dass man angeblich vor Tausenden Jahren einmal entdeckte, doch es wurde geraubt und seither wieder vergessen. Doch nicht von allen. Man nennt es den „Kristall der Ewigkeit“ und er bringt angeblich, wie der Name schon sagt, ewiges Leben.“ „Was für ein theatralisches Ding, dass höchstwahrscheinlich nicht mal mehr als zehn Zentimeter lang und breit ist. Typisch das Magie sich solche Dinge sucht um darin zu nisten.“, war mein trockener Kommentar. „Ich soll also diese Dinge von Frau wie auch immer stehlen“ - „Miss Jane Stella Higgins!“ - „Damit du dir dieses Ding holen kannst, natürlich nur um es vor diesen komischen anderen Untergrundzauberern zu beschützen?“ „Nein“, antwortete sie entgegen meiner Vermutung und brachte mich damit völlig aus dem Konzept. „Ich dachte darum geht es?“, fragte ich unsicher. „Nein. Miss Higgins ist durch diese Papiere in Gefahr gebracht, deshalb sollst du sie stehlen. Ansonsten hast du recht. Ich will mir dieses Ding holen - um es zu zerstören.“
„Wie bitte?“ Jetzt war ich vollkommen verwirrt. Das zwanzigste Jahrhundert hatte ja echt einen an der Klatsche. „Natürlich willst du den verdammt Edelstein von irgendwas! Du wärst eine Idiotin wenn du ihn echt zerstören würdest, vorausgesetzt du findest ihn erst mal.“ „Der Kristall der Ewigkeit“, korrigierte sie mich ohne mit der Wimper zu zucken, „Und vielleicht bin ich eine Idiotin. Trotzdem bin ich der Meinung, dass dieses Ding nicht auf der Erde weilen sollte.
Wie auch immer“, sagte sie dann, „Du musst meinen Befehlen folge leisten. Hier ist es also ganz formell: Stehle Miss Jane Stella Higgins einen Aktenordner, der Informationen über das Artefakt mit Namen „Kristall der Ewigkeit“ trägt. Keine Spielchen, keine Verdrehungen, genauso. Klar?“ Ich murmelte etwas, was sie vermutlich als „ja“ interpretierte, denn sie meinte „Klasse“ und begann dann mit meiner Entlassungsformel. Das Zimmer verschwand vor meinen Augen und ich spürte das wohlbekannte Zerren wieder. Ich hatte es definitiv nicht vermisst.
Während sich die Erde um mich drehte, fragte ich noch: „Wie heißt du eigentlich?“ Sie lachte spöttisch. „Nenn mich Clary“, meinte sie, dann verschwamm mein Blick vollkommen.

*Sie wirkte dadurch… schwach wäre wohl das richtige Wort.
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