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Mein Leben bei den Expendables

GeschichteAbenteuer, Familie / P12 / Gen
Barney "The Schizo" Ross Gunnar Jensen Hale Caesar Lee Christmas Toll Road Yin Yang
05.10.2013
27.10.2013
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05.10.2013 1.308
 
An einem Nachmittag im Winter schlenderte ich durch den Park. Die Männer hatten wieder einen Einsatz, Gunnar blieb bei mir, war jedoch damit beschäftigt ein paar Experimente zu machen, also passte er nicht wirklich auf mich auf. Ich schlich  mich aus dem Haus, eingehüllt in einen dicken Mantel von Billy, einer warmen Mütze von Toll und Handschuhen von Hale. Meine Schuhe hinterliesen tiefe Abdrücke im Schnee und ich freute mich, selbst mit 18 Jahren, wie ein Kind über das Geräusch wenn man über Schnee geht, über dieses leise Knartschen. Ich mag zwar im Gegensatz zu einigen anderen in meinem Alter sehr erwachsen wirken, wie denn auch nicht wenn man mit einem Haufen erwachsener Kleinkinder leben muss, aber bei solchen Sachen wie Schnee oder Geschenken, Weihnachten, Geburtstag, da bin ich immer noch das kleine, verletzliche Kind was ich nie so wirklich sein konnte.
Der Schnee fiel stärker je länger ich draußen war. Man konnte kaum zehn Meter weit sehen, und so war es auch keine Überraschung, dass ich den jungen Mann nicht gesehen habe und in ihn reingestolpert bin.
"Oh, pardon", sagte er mit einem lieblichen, französischen Akzent. Mein Blick schnellte hoch und ich blickte in ein junges, aber ernst aussehendes Gesicht. Seine Augen waren dunkel, ebenso wie seine Haare und die leichten Bartstoppeln an Kinn und Wange. Ein Lächeln entstand auf seinen schmalen Lippen als er mich dann in meiner viel zu großen Winterkluft ansah.
"Kein Problem, ist ja nichts passiert", meinte ich lächelnd und zog den Schaal aus meinem Gesicht.
"Glaub ich dir, so wie du gepolstert bist unter den ganzen Sachen" Er lachte etwas und dieser Akzent ließ meine Wangen röter werden. Sowas ist schon echt niedlich, glaub mir. Hast du schonmal jemanden mit einem süßen, französischen Akzent gehört? Einfach zum dahin schmelzen, glaub mir.
Ich grinste einfach nur dümmlich. Und wie dumm ich wohl gegrinst haben muss, denn augenblicklich fing er an zu lachen. "Ich bin Jacques. Und du?" Immer noch grinsend reichte er mir seine Hand. "Veronica.", lächelte ich zurück und legte meine Hand in seine. Unerwarteter weise hob er meine Hand an seinen Mund und drückte einen sanften Kuss auf meinen Handrücken. Hast du so etwas schonmal erlebt? Ich meine in der heutigen Zeit? Solche Typen sind echt verdammt selten geworden und ich hatte so einen direkt vor mir stehen und ich sah aus wie ... Tja, wie aus der Gosse geangelt.
Er ließ wieder meine Hand los und ich stopfte sie wieder in die Jackentasche. "Du bist nicht von hier, oder?", wollte ich wissen. Als würde so ein Gentleman wie er, noch dazu mit süßem französischem Akzent aus Amerika kommen ...
"Nein, ich bin nicht von hier. Ich komme aus Brüssel", war seine Antwort. Ah, Brüssel. Das liegt doch in Belgien, oder? Ich hatte mich da natürlich nicht getraut nachzufragen, das wäre irre peinlich gewesen. Wir gingen ein wenig spazieren, ich meine, was könnte es schon groß schaden etwas mit einem jungen, netten Mann im Winter bei Schnee spazieren zu gehen? Wir verabredeten uns für den nächsten Tag und wollten in ein Café gehen. Ich schlich mich also wieder von Gunnar weg, es war so einfach wie einem Kind die Süßigkeiten wegzunehmen. Knapp eine Stunde stand ich an dem Tag im Badezimmer, schminkte mich, machte mir eine hübsche Frisur und zog mir auch was hübsches an. Zuvor hatte ich noch nie ein Date, oder auch nur etwas vergleichbares. Und dann kommt da dieser Jacques. Gunnar saß mal wieder im Keller, experimentierte etwas rum, also war es wieder mal ein Leichtes mich raus zu schleichen. Ich warf mir im Flur den schwarzen Mantel über, schlüpfte in meine Stiefel und setzte flauschige Ohrenwärmer auf, damit meine Frisur nicht kaputt geht. Mit jeder Sekunde schlug mein Herz schneller vor Aufregung, meine Wangen wurden immer wärmer und mein Grinsen immer breiter und dümmlicher.
Der Weg zum Café war etwas weiter, aber wenn ich mein Fahrrad nehmen würde wäre es etwas zu laut und Gunnar würde es merken, also ging ich zu Fuß. Wieder knirschte der Schnee unter meinen Schuhen und die Luft roch so sauber. Das Nächste was mir jetzt einfällt ist erst die Begegnung  mit Jacques. An den Ganzen Weg und meine Gedanken kann ich mich nicht mehr so ganz erinnern, ich war zu aufgeregt und bin es jetzt noch ein bisschen wenn ich daran denke. Nach gefühlt einer Ewigkeit stand ich dann also vor dem alten Café. Gebaut wurde es scheinbar in den 1920'er Jahren, ein schönes altes Gebäude, klein, schlicht, mit einer Fassade die schon an einigen Stellen abbröckelt und die Ziegeln dahinter zum Vorschein bringt. Das Gebäude hat nur Untergeschoss und eine Wohnung dadrüber. Die Wohnung gehört aber nun mittlerweile auch zum Café und wird als Tanzsaal benutzt. In den Schaufenstern hingen kleine Girlanden aus Tannenzweigen, kleinen Geschenken, Weihnachtskugeln und Zuckerstangen. Im Eingang stand eine Elvis Statue mit Weihnachtsmütze und einem Glas Punsch in der Hand. Das Café war damals schon ein typisches Café für Liebhaber der 1950'er Jahre. Die Einrichtung ist teilweise sogar noch aus der Zeit und auch die Musik ist original aus den 1930'ern bis in die 1960'ern. Hier fühle ich mich selbst heute noch pudel wohl und gehe regelmäßig zum Tanzen dort hin. Jacques hatte einen dunkelgrauen Mantel an und stand vor dem Eingang. Unter einer Pudelmütze guckten ein paar seiner dunklen, lockigen Haarsträhnen raus und ein breites Grinsen umspielte seine schmalen Lippen als er mich sah.
"Guten Tag, Miss June Carter-Cash", begrüßte er mich, deutete eine kleine Verbeugung an und drückte mir einen sanften Kuss auf den Handrücken. Meine kleine Hand lag danach noch weiterhin in seiner großen und wirkte fast wie die Hand einer Puppe. Es dauerte einige Augenblicke bis ich seine Begrüßung mit einem gestotterten "Hei" erwiderte. Sein Grinsen wurde breiter ebenso wie meines. Er hatte mich mit June Carter-Cash vergleicht, es war einfach ein schönes Gefühl endlich jemanden wie ihn kennen gelernt zu haben. Mein Herz sprang damals auf und ab und ich hatte das schreckliche Gefühl es könnte mir aus dem Mund springen wenn ich Lache.
Wir setzten uns an einen Tisch weit hinten in dem kleinen Café und hatten den gesamten Raum im Blick. Er nahm mir die Jacke ab und hängte diese dann zusammen mit meinen Ohrwärmer, seiner Jacke und seiner Mütze auf. Eine Kellnerin brachte uns die Karten und lächelte uns mehr als freundlich an.  
Ich bestellte mir eine heiße Schokolade mit extra viel Sahne und Streuseln, dazu einen warmen Apfelkuchen, ebenfalls mit viel Sahne. "Wie kannst du so viel Sahne essen aber immer noch so schlank sein?", fragte Jacques mich dann als ich meine Bestellung aufgegeben hatte. Ich zuckte mit den Schultern und fing an zu lächeln. "Ich weiß es nicht. Liegt wohl am ganzen Training." Er lachte etwas und wenige Minuten später brachte uns die  Bedienung auch schon unsere Bestellung. Wir saßen dort bis es draußen dunkel wurde und redeten über alles mögliche. Es war ein wirklich schöner Tag. Er bezahlte am Ende alles und bot mir an, mich noch nachhause zu begleiten, da es ja schon sehr dunkel war. Ich stimmte zu, wieso auch nicht, oder? Was kann es denn schon schaden nach Hause begleitet zu werden?
Wir gingen also durch den Park, in dem wir uns das erste Mal begegnet sind. Alles war leise, nur der Schnee knartschte bei jedem Schritt und mein Herz dröhnte mir in den Ohren. Doch nach ein paar Minuten gesellten sich weitere Schritte dazu, Jacques verstummte und umfasste meine Hand so doll, dass es schon ziemlich weh tat. Ich verzog das Gesicht vor Schmerz und wollte mich aus seinem Griff befreien, doch da schlug mir schon irgendetwas kühles in den Nacken und ich wurde sofort bewusstlos.
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