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Lovis

von nyleve
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P12
Lovis Mattis
30.09.2013
11.10.2013
6
5.342
13
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30.09.2013 756
 
Sie hatte ihr Körbchen mit Hagebutten gefüllt, die sich für Tees trocknen wollte. Die Dämmerung hatte sie schneller als erwartet überrascht. Nun kehrte sie um und ging wieder nach Hause, als sie den starken Rauchgeruch wahrnahm. Es verwunderte sie, denn um diese Jahreszeit beheizte doch niemand sein Haus. Aber vielleicht wurden irgendwelche Tierabfälle nach der Schlachtung verbrannt.
Ja näher sie dem Waldrand kam, desto intensiver wurde der Gestank. Zwischen den Bäumen sah sie es schon orange leuchten. Plötzlich ergriff sie ein ungewisses, schreckliches Ahnen. Sie rannte die letzte Strecke.
Lovis brach durch die letzten Bäume und blieb entsetzt stehen. Ihre Hütte brannte lichterloh!
Bestürzt ließ sie ihr Körbchen fallen und rannte auf ihr Haus zu. Da bemerkte sie plötzlich die Menschen die um das Feuer standen. Hoffentlich haben sie schon begonnen zu löschen, dachte Lovis hoffnungsvoll. Doch dann sah sie etwas Schreckliches: Brennende Fackeln wurden auf das Gebäude geworfen.

„NEIN!“, schrie sie wie von Sinnen. „NEIN!“
„Da ist die Hexe!“, brüllte plötzlich eine Männerstimme.
„Sie soll brennen!“, kreischte eine Frau.
Wie angewurzelt blieb Lovis stehen. „Warum tut ihr das? Was wollt ihr von mir?“, rief sie verzweifelt.
„Du hast mein Kind umgebracht!“, kreischte die Frau, „Du hast es mit deinen Kräutern vergiftet!“
„Ja, und die Kühe hast du verhext, sodass sie jetzt krank sind“, schrie ein Mann wütend.
„Und du steckst mit den Räubern unter einer Decke!“, brüllte ein anderer, „Du Hure! Ich hab genau gesehen, wie er dich zu dir gekommen ist!“
Lovis glaubte ihr Herz müsse stehen bleiben. All diese Anschuldigungen waren reine Erfindungen. Die schwangere Frau hatte unglücklicherweise ihr Kind verloren, Lovis hatte ihr lediglich beruhigende Kräuter gegeben. Dass unter den Kühen eine Seuche ausgebrochen war, dafür konnte niemand etwas. Und auch was sie über Mattis sagten, war erlogen.
Entrüstet wollte sie sich rechtfertigen, doch da merkte sie wie einige Männer mit Fackeln, Mistgabeln und Knüppeln bewaffnet auf sie zugingen.
Sie bekam es mit der Angst zu tun. Diese Dorfbewohner würden ihre Drohung noch wahrmachen und sie töten. Sie machte auf dem Absatz kehrt und lief in den Wald zurück, so schnell ihre Beine sie trugen.
Tränen strömten über ihre Wangen während sie mit ausgestreckten Armen durch den finsteren Wald hastete. Oft stolperte sie, aber sofort sprang sie wieder auf und lief weiter. Immer weiter und tiefer hinein lief sie, voller Angst, dass sie verfolgt werden würde.
Wie kamen die Leute nur auf den Gedanken, sie sei Schuld an erkrankten Kühen? Hexe, hatten sie sie genannt, obwohl sie doch zeitlebens in diesem Dorf gelebt hatte. Niemals hatte sie jemandem etwas Böses getan. Sie hatte sich bloß nicht immer den gesellschaftlichen Normen gefügt.
Was sollte sie jetzt bloß tun? Sie hatte alles verloren. Ihr Haus, ihre Tiere, ihren Garten, ihre Münzen, also ihren gesamten Besitz. Sie hatte nun nichts mehr als die Kleider, die sie trug. Und wohin sollte sie gehen?
Sie stolperte wieder über eine Unebenheit und stürzte. Ihre Hände ruderten durch die Luft, suchten nach einem Halt. Plötzlich stieß ihr Kopf gegen etwas Hartes und mit dem stechendem Schmerz versank auch die ganze Erde.

Lovis erwachte von Armen die sie vorsichtig hochhoben. Sofort kehrte der pochende Schmerz wieder. Wie durch einen Schleier sah sie ein bärtiges Gesicht, das sie anblickte. Im ersten Moment dachte sie es sei Vater, doch der konnte es nicht sein.
„Mattis?“, murmelte sie.
„Ja, Lovis, ich bin‘s. Was ist passiert? Geht es dir gut?“ Noch immer hielt er sie in den Armen und besah die Wunde auf ihrer Stirn besorgt.
Lovis blinzelte ein paar Mal. Ihr Blick wurde klarer, ihre Gedanken ebenfalls. Und dann kam auch die Erinnerung an die letzte Nacht.
„Geht schon“, sagte sie und versuchte aufzustehen. Doch Mattis hielt sie auch stehend noch immer vorsichtig fest.
„Was ist passiert?“, fragte er noch einmal, „Ich fand dein Haus völlig abgebrannt. Ich fürchtete schon du bist auch…“ Er ließ den Satz offen.
Tränen stiegen ihr in die Augen und das ärgerte sie. Ihre Stimme zitterte leicht, als sie erklärte: „Sie haben es abgebrannt und sie haben mich eine Hexe genannt.“ Die anderen Anschuldigungen verschwieg sie.
Mattis verwünschte die Täter und meinte dann zu ihr: „Komm, ich bring dich auf meine Burg, dort bist du sicher.“ Er hob die Hand um ihre Erwiderung aufzuhalten: „Ruh dich einfach einmal aus und werde gesund. Dann kannst du immer noch machen was du willst und gehen wohin du willst.“
Er hob sie auf sein Pferd und saß hinter ihr auf. Dann ritten sie quer durch den Wald bis sie die Mattisburg erreichten, die auf einem kleinen Berg erbaut war.
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