Lovis

von nyleve
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P12
Lovis Mattis
30.09.2013
11.10.2013
6
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30.09.2013 698
 
Etwa ein Monat war seit dem friedlichen Überfall der Räuber vergangen. Mehr und mehr Dorfbewohner machen einen großen Bogen um Lovis. Immer öfter sah sie die Menschen über sie tratschen. Doch Lovis beachtete das nicht weiter sondern ging ihren eigenen Angelegenheiten nach.
Die Kartoffeln wurden reif und so hatte sie genug mit ihrem Garten zu tun. Sie kniete auf dem kleinen Acker hinter ihrem Haus. Ihr Eimer füllte sich mit den großen runden Erdäpfeln und das erfüllte sie mit Freude. Ihre Ernte fiel gut aus und sie konnte dem Winter beruhigt entgegenblicken. Dazu trugen natürlich auch die Münzen in ihrem Beutel bei, aber das, was sie sich selbst erarbeitet hatte, erfüllte sie mit mehr Stolz.

„Lovis“, rief ihr plötzlich eine raue Stimme zu.
Erschrocken sah sie auf. Ein Mann zu Pferd war aus dem Wald gekommen und hielt nun vor ihrer Gartenumzäunung an.
„Mattis!“ Überrascht über sein Auftauchen fehlten ihr die Worte.
„Ich sehe, du erinnerst dich“, schmunzelte der Räuberhauptmann. „Ich hab dir was mitgebracht.“ Damit hob er einen großen Lachs in die Höhe.
„Ach so, meinst du ich kann mich nicht selbst ernähren?“, fragte Lovis bissig.
Mattis runzelte die Stirn: „Nein nein, ich bezweifle nicht, dass du das kannst. Eine Frau mit solch einem Mundwerk kann nicht verhungern.“
Lovis grinste: „Dann möchtest du dich selbst zum Essen einladen?“
„Da bist du schon näher dran. Ich hab wirklich einen Bärenhunger. Außerdem können meine Räuber nicht gut kochen.“
„Aha, da sind wir also beim Thema!“, rief Lovis empört, „Du brauchst eine Köchin.“
„Nicht nur eine Köchin. Ich will eine Frau, und zwar dich!“
Lovis winkte ab: „Das haben wir ja schon geklärt, dass ich keinen Räuber heirate. Aber wenn du mir endlich den Fisch gibst, kann ich ihn zubereiten.“
Kurz später saß Mattis bei Lovis in der Stube und sah ihr beim Braten des Lachses zu. Lovis hantierte gekonnt mit der Pfanne, gab dieses und jenes Gewürz dazu. Sie kochte frische Kartoffeln mit Petersilie. Der Duft von gebratenem Fisch füllte das Zimmer und Mattis lächelte in sich hinein. Nun kochte sie schon für ihn. Es fehlt nicht mehr viel und sie kommt mit auf die Mattisfeste, sagte er sich.
Nach dem Essen bedankte er sich und ritt wieder fort mit dem Versprechen, er werde wiederkommen.
Lovis wollte es sich fast nicht eingestehen, dass sie sich schon auf die nächste Begegnung freute. Er ist Räuber, dachte sie immer wieder, er ist ein unmoralischer Betrüger. Trotzdem fühlte sie sich von ihm angezogen.

Sein nächster Besuch ereignete sich nach zwei Wochen und diesmal brachte er ihr ein hübsch verziertes Schultertuch mit.
„Das ist doch sicher Raubgut, das will ich nicht!“, entgegnete sie ihm zuerst wütend.
„Wie du meinst“, Mattis zuckte nur mit dem Schultern, „aber ob du es glaubst oder nicht, das habe ich gekauft, genauso wie dein Gemüse letztens.“
Ihr innerer Widerstand schmolz. „Wirklich? Dann kannst du es mir geben.“
Mattis stieg vom Pferd und kam auf sie zu. Behutsam legte er ihr das Tuch um die Schultern. Lovis hielt den Atem an, als er sie berührte. Sie musste sich zusammenreißen um sich nicht anmerken zu lassen, was sie fühlte.
Schnell trat sie einen Schritt zurück. „Danke!“, murmelte sie und wandte sich ab. Sie fühlte sich auf einmal klein und verletzlich und das gefiel ihr gar nicht. So atmete sie erleichtert auf, als Mattis wieder sein Pferd bestieg und sich auf den Rückweg machte.
Er ließ Lovis ganz schön verwirrt zurück. Was waren das für Gefühle, die in ihr hochgestiegen waren? Hatte sie sich in ihn verliebt? Aber was würde ihr Vater dazu sagen? Er hätte es sicher nicht gern gesehen, wenn sie einen Räuber heiratete. Aber er hätte es wahrscheinlich auch nicht gut gefunden, wenn sie einen dieser spießigen, langweiligen Dorfburschen geheiratet hätte. Er hatte sich auf jeden Fall immer gegen jene Frauen ausgesprochen, die nichts als Tratsch verbreiteten und auch gegen die, die in ihren feinen Kleidern durch die Straßen stöckelten und sich zu gut für alle Arbeiten fühlten. Und sie gedachte nicht, eine solche Frau zu werden.
Lovis wurde ein wenig traurig, als sie darüber nachdachte, dass ihr Vater nicht mehr lebte. Er hätte ihr sicher raten können, doch so musste sie nun selbst ihre Entscheidung treffen.
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