Lovis

von nyleve
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P12
Lovis Mattis
30.09.2013
11.10.2013
6
5.342
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30.09.2013 870
 
Der nächste Tag war ein Markttag. Lovis hatte auch einen kleinen Stand und wollte wieder einiges Gemüse und Eier loswerden. Ihre Waren gingen an dem Tag überhaupt nicht, gerade einen Kohlkopf hatte sie verkauft, und es war schon nach Mittag.
Da übertönte plötzlich ein Schrei den Lärm am Marktplatz.
„Reiter kommen! Reiter kommen! Sie sehen aus wie Räuber“ Ein Junge von vielleicht zehn Jahren schrie das aus voller Kehle. Die Menschen fuhren zusammen und suchten schnell ein Versteck. Mit Räubern war nicht zu spaßen. In den tiefen Wäldern westlich ihres Dorfes hausten gefürchtete Räuberbanden. Es gab immer wieder schlimme Überfälle auf der Straße, die den großen Wald teilte, damit man von einer Seite auf die andere kommen konnte. In das Dorf kamen die Räuber eigentlich nie, außer es war schon lange niemand mehr durch den Wald gezogen.
Da erschienen auch schon einige wild aussehende, bärtige und grobe Männer zu Pferd auf den Marktplatz. Die ganzen Dorfbewohner hatten sich aus dem Staub gemacht. Allein Lovis war noch an ihrem Stand. Diese Räuber sollten es nicht wagen, sich an ihren Sachen zu vergreifen.
Die Männer zügelten ihre Pferde und Lovis bemerkte den jungen, kräftigen, gutaussehenden Mann, der an der Spitze geritten hatte. Jetzt sprang er vom Pferd und kam auf sie zu. Lovis stemmte die Hände in die Seiten und starrte ihn mit hocherhobenem Kopf an.
„Was wollt ihr? Wollt ihr Gemüse und Eier kaufen?“, fragte sie mit fester Stimme.
„Wenn du es uns anbietest, gut. Männer ladet die Sachen auf!“, wies der Hauptmann seine Männer an und sogleich sprangen ein paar aus dem Sattel und gingen auf ihren Stand zu.
„Halt!“ rief Lovis und stellte sich breitbeinig vor dem Räuber auf. „Zuerst wird bezahlt!“
„Wer hat was von kaufen gesagt? Wir sind Räuber, wir nehmen uns was wir wollen.“ Der Hauptmann lachte. Ein zweiter Räuber griff mach einer Gurke.
Doch schneller als er denken konnte, hatte er eine schallende Ohrfeige bekommen. Lovis drohte den Männern mit der Faust und rief: „Nichts da! Entweder ihr zahlt oder ihr bekommt auch kein Gemüse von mir!“
„Du gefällst mir“, schmunzelte der Hauptmann und warf Lovis einen Beutel voll klingender Münzen zu. Jetzt war Lovis daran, verdutzt zu schauen. Sie machte den Männern eine Handbewegung auf ihre Waren. Sofort stürzten die sich darauf und stopften alles in Säcke um es mit zu nehmen.
„Ich bin Mattis, Räuberhauptmann auf der Mattisburg und das sind meine zwölf Räuber“, stellte sich dieser nun vor, er zog sogar seine Mütze und verbeugte sich kurz. „Du gefällst mir, du bist stark. Willst du nicht mit mir in die Mattisburg kommen und meine Frau sein?“, fragte er sie ohne Umschweife.
Lovis sah ihn erstaunt an und ein wenig wütend auf seine Unverfrorenheit. „Was fällt dir ein? Ich will keine Räuberfrau sein. Nimm deine Männer und geh!“
Doch Mattis gab noch nicht auf. Diese Frau gefiel ihm außerordentlich gut. Sie hatte eine Meinung, die sie auch sagte. Sie hatte Stärke und fürchtete sich nicht vor 13 Räubern. Und sie hatte dieses wunderbar wilde Aussehen. Am liebsten hätte er sie gleich mitgenommen. Aber vielleicht brauchte sie ein bisschen Zeit um sich daran zu gewöhnen, Räuberfrau zu sein. So sagte er nur: „Denk darüber nach.“ Und als er aufs Pferd gesprungen war, fragte er noch: „Wie heißt du?“
„Lovis“
„Ich komm wieder, Lovis!“, damit wendete er sein Pferd und verschwand mit den anderen Räubern so schnell wie er gekommen war.
Lovis sah den Räubern nach, bis sie verschwunden waren. Dann packte sie ihren Stand zusammen. Da sie nun schon alles verkauft hatte, konnte sie ja nach Hause gehen.
Die Bürger des Dorfes trauten sich nach und nach wieder aus den Verstecken. Bei keinem fehlten Waren, nur Lovis Stand war leer. Aber sie wagten nicht zu fragen, was geschehen war, auch wenn sie vor Neugierde fast platzen. Doch sie schämten sich, alle davon gerannt zu sein und so redeten sie nicht mehr darüber.

Zu Hause zählte Lovis die Münzen in dem Beutel. Es war ein kleines Vermögen, so viel war nicht mal ihre ganze Hütte wert. Aber wenn die Räuber es ihr schenken wollten, so sollte es ihr Recht sein.
Sie dachte an den Räuberhauptmann Mattis. Er war wahrscheinlich nicht viel älter als sie selbst. Sein muskulöses, wildes, unbändiges Aussehen gefiel ihr ungemein. Und er hatte gesagt, sie heiraten zu wollen.
Lovis musste lachen, nach einem Mal sehen konnte man doch nicht ans Heiraten denken. Aber wahrscheinlich gab es auf der Mattisburg auch keine Frauen. Vielleicht war er einsam, obwohl er so viele Räuber um sich hatte. Doch dann schob sie diese Gedanken beiseite und beschloss, sich aus dem Geld etwas zu kaufen.
Sie erstand zwei weitere Hennen, eine neue Schürze und einen warmen Wintermantel auf dem Markt. Alle fragten sich, woher Lovis wohl das Geld hatte.
„Die Räuber haben es mir gegen“, war ihre ehrliche Antwort. Doch dieses Thema war den anderen zu peinlich, als dass sie genauer nachgefragt hätten.
Voller Freude betrachtete Lovis ihre neuen Besitztümer. Durch die weiteren Hennen würde sie noch mehr Eier verkaufen können. Ihre alte Schürze zerfiel sowieso schon fast in alle Fäden und der warme Mantel würde garantieren, dass sie in diesem Winter nicht würde frieren müssen. Ja, sie war froh über die Begegnung mit den Räubern.
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