Lovis

von nyleve
GeschichteAbenteuer, Fantasy / P12
Lovis Mattis
30.09.2013
11.10.2013
6
5453
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Lovis

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Disclaimer: Die Personen und Orte sind Eigentum von Astrid Lindgren, mir gehört allein die Handlung an sich, die auch nicht mit den Gedanken oder Ideen Astrid Lindgrens übereinstimme müssen. Aber ich hoffe, dass ich in ihrem Sinne mit den Personen umgehe.

Zeit: Jahre vor den Ereignissen in "Ronja Räubertochter"

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1.

Die junge Frau schlug mit dem Stab so heftig auf den Teppich ein, dass es von den umliegenden Häusern wiederhallte. Ihre Nachbarin schüttelte missbilligend den Kopf, ob ihrer lärmenden Reinigungsmaßnahmen. Sie jedoch lachte nur dazu. Zufrieden legte sie den Teppich wieder an seinen angestammten Platz. So, das war das Ende des Hausputzes, jetzt wollte sie Brot backen. Der Teig wurde mit derselben Kraft durchgeknetet, wie der Teppich geschlagen.
Man konnte wirklich nicht sagen, dass Lovis eine zarte Frau war. Sie steckte voller Energie und Kraft, und ihre Wildheit und Unabhängigkeit befremdeten viele Mitbewohner des Dorfes. Doch das interessierte Lovis nicht, sie fügte sich nicht in gesellschaftliche Regeln und kümmerte sich nicht um den Tratsch, den es ihretwegen immer wieder gab.
Lovis lebte allein in ihrer kleinen Hütte. Ihr Vater war Schmied gewesen, von ihm hatte sie wohl auch die Kraft und Wildheit geerbt. Doch seit seinem Tod war sie allein, denn ihre Mutter war schon sehr früh verschieden. Weil sie so anders war, als die anderen Mädchen und Frauen, hatte sie keine Freunde. Obwohl man sie schon bemitleidet hatte, als ihr Vater starb und sie allein und fast mittellos zurück lies. Noch dazu war sie schon 22 Jahre alt gewesen, ein Alter in dem andere Mädchen schon längst verheiratet waren. Heute, gute drei Jahre später, hatte Lovis keine Hoffnung, noch einmal zu heiraten. Doch sie war zufrieden mit ihrem Leben. Sie hatte ein Haus, eine Ziege, drei Hennen und einen Gemüsegarten. Was brauchte sie mehr? Sie tauschte Gemüse und Eier gegen Fleisch, Mehl, Salz und alles andere, was sie brauchte. Außerdem half sie so manchem Bauern bei Arbeiten aus und sie war wegen ihrer Kraft und Ausdauer immer wieder gern gesehen.
Beim Backen sang Lovis, laut, tief und wohlklingend. Wenn sie allein im Wald war, versteckt vor aller Augen, dann tanzte sie auch. Wild sprang sie herum, dass ihre krausen, langen Locken flogen. Sie war sehr lebensfroh, sie liebte den Wald und alles was in ihm wuchs und lebte. Sie kannte alle Heilkräuter und deren Wirkung und sammelte auch essbare Beeren und Wurzeln. Mit dem Bogen ihres Vaters schoss sie sogar manchmal ein Kaninchen oder ein wildes Huhn. All das war den Dorfbewohnern nicht geheuer, daher mieden sie die meisten. Nur wenn viel Arbeit zu tun war, wurde nach ihr gefragt.
So sehr sie die Arbeit und ihr Leben liebte, fühlte sie sich doch oft einsam. Lange sah sie den Kindern bei ihren Spielen zu, den jungen Mädchen, wie sie einander kichernd Geheimnisse zuflüsterten und den Jungen, wenn sie voreinander prahlten und Streiche spielten. Sie sah den Frauen zu, die tratschend beisammen standen, zusammen spannen, strickten oder andere Hausarbeit erledigten. Die Männer hingegen saßen bei einem Bier und fachsimpelten oder spielten Karten. Dann wünschte sie oft, sie würde auch dazugehören. Doch sie konnte nicht ihre Persönlichkeit verleugnen und brachte es nicht über sich, sich den gesellschaftlichen Normen zu fügen. Dazu war sie viel zu stolz. So trotze sie weiterhin der Mehrheit und blieb allein. Sie hielt sich immer vor Augen, dass ihr Vater sie genauso geliebt hatte.
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