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Rock for Ages

GeschichteLiebesgeschichte / P12
Lindsay Donner Professor Connor Doyle
28.09.2013
12.10.2013
2
8.799
 
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28.09.2013 4.387
 
Titel: Rock for Ages
Autor: DancingStar
Crossover: PSI Factor/ Sue Thomas F.B.Eye/ Rock of Ages
Pairing: Connor/ Lindsay, Jack/ Sue
Rating: 12
Kategorie: AU, Romance
Inhalt: Connor und Jack verschlägt es nach Las Vegas. Sie treffen dort auf die Tänzerinnen Lindsay und Sue…
Anmerkungen: Vegas, I still miss you and love you!


Rock for Ages

“Warum sind wir nochmal von Zuhause abgehauen?”, fragte Connor ein wenig missmutig und sah zu seinem besten Freund Jack. „Ich weiß nicht. Es gibt viele Gründe“, begann Jack, „Wir haben beide mit unseren Freundinnen Schluss gemacht. Ich habe meinen Job verloren. Wir haben schon lange keinen Urlaub mehr gemacht. Wir haben die Schnauze voll von diesem verschlafenen Kleinstadtnest… Such dir einen Grund aus.“
Jack Hudson kurbelte das Fenster der Beifahrerseite herunter und fühlte, wie die warme Luft um ihn wehte. „Würdest du bitte das Fenster wieder schließen“, beschwerte Connor sich, „Draußen ist es noch heißer als hier drin. Die Klimaanlage hat schon genug zu tun.“ Er hatte keine Ahnung, warum Jack ausgerechnet nach Las Vegas wollte. Vielleicht war es der Traum von der niemals schlummernden Glitzermetropole oder der Wunsch nach einem Millionengewinn am Pokertisch.
„Reg dich nicht auf, okay?“, meinte Jack, „Wir sind gleich da. Es sind nur noch hundert Meilen bis nach Vegas.“
Um ehrlich zu sein, konnte Connor sich gar nicht mehr erinnern, von wo aus sie eigentlich nach Las Vegas aufgebrochen waren und er hatte auch keine Ahnung mehr, wie lange sie nun schon unterwegs waren. Alles, was er wusste, war, dass er die meiste Zeit am Steuer seines Wagens gesessen und die meisten Tankladungen bezahlt hatte. Aber in gewisser Weise hatte er Verständnis für seinen besten Freund: Er kannte Jack bereits seit der Schulzeit und nachdem College hatten sie sich aus den Augen verloren: Beide waren in andere Städte gezogen. Vor einigen Tagen jedoch war Connors Mutter gestorben und weil Jacks Familie mit den Doyles sehr gut befreundet war, bestand seine Mutter, dass er ebenfalls zur Beerdigung erscheinen sollte. Seine Freundin lebte wie er ebenfalls in Washington D.C. und sie sagte ihm, dass wenn er jetzt fuhr wo sie morgen einen großen Auftritt im Frühstücksfernsehen hatte, er die Beziehung beenden sollte. Da Jack am Vortag wegen Budgetkürzungen des FBIs eine Kündigung erhalten hatte, erleichterte diese Tatsache einiges. So brauchte er ihr zumindest nicht beichten, dass sie sich die teure 200 Quadratmeter- Eigentumswohnung nicht mehr leisten konnten oder dass sie wahrscheinlich niemals heiraten würden, weil Jack die Hochzeit nicht mehr bezahlen konnte. Alles war plötzlich so einfach… Also stieg er ins Flugzeug, flog in seine Heimatstadt und traf dort auf seinen besten Freund Connor, der aus fast ähnlichen Gründen mit seiner aktuellen Freundin Schluss gemacht hatte: Sie hatte sich darüber beschwert, dass er beruflich so oft auf Reisen war und dann fing sie sogar wieder mit dem leidigen Thema Hochzeit an, indem sie erneut verlangte, dass Connor nach ihrer Hochzeit sofort damit aufhörte, beruflich durch die Welt zu reisen. „Welche Hochzeit?“, hatte Connor verwirrt gefragt. Er konnte sich nicht daran erinnern, sie überhaupt gefragt zu haben. Seine Freundin aber lief weinend aus dem Zimmer und später am Abend brach sie einen großen Streit vom Zaun. Am Ende beschlossen sie, getrennte Wege zu gehen und sie sagte, dass sie auch nicht mehr zur Beerdigung seiner Mutter kommen würde. An dem Tag, an dem seine Mutter dann beigesetzt wurde, machten sich Connor und Jack auf den Weg zu einer Bar. „Was hältst du davon, wenn wir beide nach Las Vegas fahren?“, hatte Jack nach dem vierten Bier gefragt und aus dem Grund, dass Connor auch ein wenig Abstand brauchte, hatte er zugestimmt. Sie brachen noch am gleichen Tag auf und übernachteten Unterwegs im Wagen. Vor einigen Meilen hatten sie am Extraterestrial Highway angehalten um in einem kleinen Restaurant zu essen, welches über eine seltsame Inneneinrichtung verfügte.
Ihr Auto fuhr über einen Berg und in der Ferne konnten sie bereits die Stadt sehen. Es war taghell und die Luft erzitterte vor Hitze. Der Stratosphere Tower ragte in den Himmel und streckte sich der Sonne entgegen. “Das ist eine tolle Stadt”, sagte Jack.
“Ja, warte es ab, bis wir dort sind”, murmelte Connor. Er griff nach dem Radio und schaltete es ein. Eine durch einen Elvis- Imitator gesprochene Werbung wiederholte sich immer wieder, bevor der Sender endlich zu seinem regulären Musikprogramm überging.

I'm waking up, I feel it in my bones
Enough to make my systems blow
Welcome to the new age, to the new age
Welcome to the new age, to the new age
Whoa, whoa, I'm radioactive, radioactive
Whoa, whoa, I'm radioactive, radioactive          (“Radioactive” by Imagine Dragons)

Als es am Abend etwas kühler war, machten sie sich zu zweit auf, sich die Stadt anzusehen. Sie wohnten in einem kleinen Hotel etwa eine Querstraße vom Las Vegas Strip entfernt. Die Hotels waren günstiger, wenn sie sich nicht direkt am Strip befanden.
„Sieh sie dir an, Connor. DAS ist Las Vegas. Das ist Entertainment, Elvis, Rock und….“
„…jede Menge verschwendetes Geld“, fiel Connor ihm ins Wort. Sie standen auf einer Brücke, die über eine vielbefahrende Straße vom New York New York- Hotel zum MGM führte. Innerlich schallte Jack seinen besten Freund einen Moralapostel und eine Spaßbremse. „Ich frage mich, warum ich ausgerechnet DICH mit nach Vegas genommen habe“, meinte er, „Was hast du heute vor? Sag mir nicht, du möchtest dir die David Copperfield- Show ansehen.“
Connor fragte ihn daraufhin, ob er etwa eine bessere Idee hatte und selbstverständlich nickte Jack: Er plante, seinen letzten Cent in einem Casino zu verprassen in der Hoffnung, den großen Gewinn an Land zu ziehen. „Ich würde sagen, du hast freie Auswahl“, antwortete Connor, „In welchem Casino möchtest du dein Geld verzocken?“ Eigentlich hätte er ihn aufhalten sollen, aber er kannte Jack: Wenn er etwas vorhatte, dann ließ er nicht einmal durch gutes Zureden von seinen Ideen ab. Auf die gleiche Art war er auch zum FBI gekommen.
Jack ging voraus zu einem Casino namens O´Sullivans Casino, welches auf der rechten Seite des Las Vegas Strip lag. Sie aßen zuerst für drei Dollar einen Hot Dog und tranken ein Bier, dann suchte Jack sich einen Spielautomaten in dem kleinen Themencasino aus. Wie der Name bereits vermuten ließ, war es ein irisch anmutendes Casino.
Zuerst setzte er sich vor einen Einarmigen Banditen und steckte eine Münze nach der anderen in das Gerät. Aber der Spielautomat schluckte die Münzen und spuckte keine mehr aus. „Das ist doch ein Witz“, murmelte Connor in Hintergrund und schüttelte den Kopf.
„Ich fange jetzt erst richtig an“, widersprach Jack und fütterte den Automaten nun mit Scheinen. Als auch das nicht das gewünschte Ergebnis brachte, stand er auf um sich einen anderen Automaten zu suchen. Er hatte den Stuhl kaum verlassen, als sich eine alte Lady darauf setzte, eine Münze in den Einarmigen Banditen warf und der Automat fröhlich blinkend einen dicken Gewinn auswarf.
„Das ist mein Geld!“, rief Jack und wollte zu dem Automaten zurückhechten, aber Connor hielt ihn auf. „Lass es gut sein, mein Freund“, sagte er zu ihm, „Wie viel Geld hast du noch?“
„Zwanzig Dollar.“
„Insgesamt oder heute Abend bei dir?“, fragte Connor zurück.
„Insgesamt.“ Während Jack überlegte, an welchem Automaten er als nächstes sein Glück versuchen sollte, beschloss Connor, ihm zu einem weiteren Bier einzuladen. Sie setzten sich an eine Bar und eine blonde Frau kam sogleich zu ihnen und fragte sie, was sie trinken wollten. Connor bestellte zwei Gläser Bier. Er bemerkte, dass ziemlich wenige Menschen in dem Casino anwesend waren.
„Ist wohl ein ruhiger Abend heute, was?“, fragte er die Kellnerin.
„Naja,“ sie rollte mit den Augen, „Die Leute sind heute alle im Rio- Hotel. Dort findet ein Pokerturnier statt. Warum seid ihr nicht dort?“
„Ich Interessiere mich nicht für Poker“, Connor zeigte nun zu Jack, „Und der hier ist Pleite.“
„Hey!“, Jack war beleidigt.
„Lass mich raten: Ihr seid in der Stadt weil ihr euch von euren Freundinnen getrennt habt. Andererseits könntet ihr aber auch eure Jobs verloren haben“, vermutete sie. Eine weitere Blondine brachte zwei Flaschen Jack Daniels, die sie in den Kühlschrank stellte.
„Fast richtig“, Connor grinste, „Er hat Job und Freundin verloren“, er zeigte wieder zu Jack, „Ich nur die Freundin.“
„Das ist schlimm genug.“
„Woher wusstest du das?“
„Ich arbeite seit Jahren in diesem Casino und habe es täglich mit Leuten wie euch zu tun… Ich bin Sue.“
„Das ist Jack. Ich bin Connor.“
Sie drehte sich nun zu ihrer Kollegin herum. „Das ist Lindsay.“
Lindsay lächelte. „Hi. Schön, euch kennen zu lernen.“
„Ich vermute, das meinst du nicht ernst“, schlussfolgerte Connor, „Wie auch deine Freundin hast du es seit Jahren mit Typen wie uns zu tun und du sagst das nur, um uns abzufüllen damit auch dein Trinkgeld steigt.“ Nachdem er das gesagt hatte, äußerte Lindsay die Vermutung, dass er hoffentlich nicht bei der Polizei arbeitete und Connor lachte.
„Ich hoffe, ihr seid uns nicht böse“, begann Lindsay plötzlich, „Aber unsere Schicht ist gleich zu Ende und wir haben heute noch etwas vor.“ Lindsay ging an ihr vorbei.
„Damit meint sie unseren zweiten Job“, klärte Sue sie auf, „Wir sind Tänzerinnen in einer Show im Planet Hollywood.“
„Seid ihr Showgirls?“
„Nein“, Sue lachte, „Um ein echtes Las Vegas Showgirl zu sein, muss man noch dünner sein… Außerdem sind die Glanzzeiten der Showgirls längst vorbei.“
„Sue?“, Lindsay rief nach ihr und Sue winkte ihren Gästen. Sie sagte ihnen, dass sich die Spätschicht nun um sie kümmern würde und wenn sie wollten, könnten sie morgen wieder ins O´Sullivans kommen.

„Mein Gott, da sind die beiden schon wieder“, murmelte Sue am nächsten Tag, als sie und Lindsay ihre Schicht im O´Sullivans antraten, „Als ich ihnen gestern sagte, sie könnten heute ja wiederkommen, hatte ich keine Ahnung, dass sie ernst machen würden.“
„Tja, weil du immer mit allen flirten musst…. Sehe ich gut aus?“, fragte Lindsay. Sie zupfte an ihrem blauen Top. Ein gutes Aussehen erhöhte die Chancen auf ein gutes Trinkgeld.
„Was ich?“, wollte Sue wissen und Lindsay erinnerte sie daran, dass sie gestern ziemlich viel mit Connor geredet hatte, aber Sue gestand, dass ihr sein bester Freund Jack besser gefiel. Sie machten sich an die Arbeit und Sue versuchte, Connor und Jack nicht allzu offensichtlich zu begrüßen.
„Hi“, sagte sie zu ihnen, „Was führt euch hier her? Es ist erst zwei Uhr nachmittags.“
„Das war seine Idee“, meinte Connor und zeigte zu Jack. Sein bester Freund lehnte sich nun halb über die Theke zu Sue und Lindsay. „Ihr müsst mir helfen“, begann er, „Ich habe gestern Abend all mein Geld an einem Automaten verspielt. Wir sind aber noch mindestens zwei Wochen in der Stadt und nun brauche ich ein wenig Geld… Gibt es hier im O´Sullivans noch zwei freie Stellen?“
„Wie bitte?“, fragten Connor, Lindsay und Sue gleichzeitig. Connor war erstaunt, dass sein bester Freund tatsächlich so viel Skrupel besaß und ihn mit in die Sache zog. Sue und Lindsay waren erstaunt, dass er ausgerechnet sie um Hilfe bat. Er erklärte ihnen, dass sie einen netten und seriösen Eindruck auf ihn machten und gewissermaßen waren sie die ersten Personen, die sie in Vegas kennen gelernt hatten.
„Naja, soweit ich weiß, gibt es hier keine freien Stellen. Wir müssten den Boss fragen“, sagte Lindsay. Nun bemerkte Connor, dass es auch heute relativ wenige Gäste ins O´Sullivans verschlagen hatte. Er glaubte nicht daran, dass dies an der gestrigen Pokermeisterschaft im Rio- Hotel lag.

Sie waren überrascht, dass der Chef des O´Sullivans tatsächlich zugesagt hatte: Zwei Arbeiter waren ausgefallen und der Chef hatte schon überlegt, ob er Ersatz bei einer Zeitarbeitsfirma anheuern sollte. Dass nun zwei Männer in seinem Casino auftauchten und für den gleichen Lohn arbeiten wollten, ersparte ihm einiges an Zeit. Er beschloss deshalb, dass er Connor und Jack mit Lindsay und Sue arbeiten lassen würde: Die beiden waren am längsten im Casino beschäftigt und kannten den Laden in- und auswendig.
Connors erste Aufgabe war es, gemeinsam mit Lindsay eine Getränkebestellung zu überprüfen und die Kästen vom Lieferwagen ins Innere des Casinos zu schaffen. „Versteh mich bitte nicht falsch, aber ein Job im O´Sullivans ist kein Kindergeburtstag“, sagte Lindsay zu Connor, „Du und dein Freund seht nicht aus wie die Jungs, die sonst unsere Kisten schleppen.“
Er bedankte sich für das Kompliment.
„Ich kann deinen Freund verstehen. Das Leben in Vegas ist teuer. Sue und ich sind seit fünf Jahren in der Stadt und manchmal habe ich drei Jobs, damit ich mich über Wasser halten kann.“
„Wirklich? Was machst du sonst noch?”
„Ich schreibe Bücher”, sie rollte mit den Augen, “Kochbücher um genau zu sein. Falls dir die Serie Penny´s Kitchen etwas sagt… Die ist vor mir.”
„Das kenne ich“, antwortete Connor und hob eine Kiste vom Laster, „Meine Ex- Freundin besitzt alle Bücher aus dieser Reihe. Die erscheinen monatlich am Kiosk und kosten drei Dollar.“
„Warum habt ihr Schluss gemacht?“
„Sie hatte andere Vorstellungen...“, Connor stieg auf den Laster um die nächste Kiste zu holen, „Sie wollte, dass ich sie heirate. Sie wollte, dass ich mein Hobby für sie aufgebe…“
„Das klingt nicht sehr kompromissbereit“, stellte Lindsay fest.
„Was ist mit dir? Warum bist du nach Vegas gekommen?“, erkundigte Connor sich.
„Ich habe schon immer von der Glitzermetropole geträumt“, Lindsay lächelte, „Der endgültige Anstoß zu meinem Traum kam, als mein damaliger Freund mit mir Schluss gemacht hat.“
„Hat sich dein Traum in Vegas erfüllt?“
„Fast“, sie schob eine Kiste mit Cola- Flaschen über die Ladefläche, „Ich wollte Tänzerin werden… Stattdessen kümmere ich mich im O´Sullivans um die Bar um im Planet Hollywood habe ich eine winzig kleine Statistenrolle in einer Show.“
Sie hatten insgesamt 10 Getränkekisten aus dem Lastwagen geholt. Der Rest des Lasterinhaltes gehörte anderen Bars. „Das sind ziemlich wenige Kisten“, stellte Connor fest und lehnte sie gegen den LKW, als er ihn verlassen hatte. „Ja, mehr brauchen wir in den nächsten zwei bis drei Tagen nicht“, antwortete Lindsay. Sie bemerkte, dass ihm die Hitze ein wenig zu schaffen machte. Dann lächelte sie: „Warte, bis die Kästen in der Bar sind.“

Im Inneren des Casinos war es angenehm kühl. Die Klimaanlagen liefen auf Hochtouren, während Sue die Spülmaschine ausräumte und unzählige Biergläser in den Barschrank stellte. Sie hatte Jack den Rücken zugewandt, also konnte sie ihn nicht sehen, als er den Barbereich betrat und einige leere Tabletts brachte, die er zwischen den unbenutzten Spielautomaten gefunden hatte. Sue beachtete ihn noch immer nicht. „I need a Dollar, Dollar. A Dollar is what I need. Hey hey“, begann er zu singen und sie drehte sich noch immer nicht um. Er rollte mit den Augen. „Ach komm schon, so schlimm singe ich doch gar nicht“, beschwerte er sich.
„Ich muss dich enttäuschen“, sagte plötzlich eine andere Stimme. Es war Lindsay. Connor trug einen Kasten voller Getränke für sie zur Bar.
„Was?“
„Ich sagte, ich muss dich enttäuschen….“
„Weshalb auch immer… “, widersprach Jack, „Sue mag meine Stimme nicht.“ Er sah zu Sue, die immer noch die  Spülmaschine einräumte.
„Ich denke nicht, dass es an deiner Stimme liegt“, meinte Lindsay, während sie und Connor die Getränke in den Kühlschrank stellten, „Sie kann nicht hören. Sue ist taub.“ Sie erkannte in Jacks Gesicht, dass er ihr nicht glaubte. Also wandte sie sich an Sue, rief ihren Namen und forderte sie auf, sich herumzudrehen. Aber Sue kümmerte sich weiter um die Gläser in der Spülmaschine.
„Siehst du?“, fragte Lindsay ihn, „Nichts. Ein Job in einem lauten Casino ist ideal für sie.“
Sue war nun mit der Spülmaschine fertig und kam zu ihnen, als sie sie am Tresen stehen sah. Sie lächelte. „Wie weit seid ihr mit den Getränken?“, fragte sie.
„Wir sind fertig. Wir hatten heute nur 10 Kisten“, erklärte Connor. Und er fügte auch hinzu, dass er es seltsam fand, dass sie so wenige Getränke bestellt hatten. Sue berichtete, dass sie tatsächlich nicht mehr brauchten. Sie schlug vor, dass sie den Teppich reinigen konnten. Sie und Lindsay waren heute für die Tagesschicht zuständig, die um 8:00 Uhr morgens begann. Zu dieser Zeit waren nicht sehr viele Besucher im Casino, also kümmerten sie sich um die Reinigung, während die Menschen an den geöffneten Türen des O´Sullivans vorbeiströmten.
Connor hoffte, dass zur Mittagszeit etwas mehr im Casino los sein würde, doch bis auf eine Gruppe Touristen, die einen Schluck trinken wollte, blieb das O´Sullivans leer.
„Ist das etwa jeden Tag so?“, fragte Connor, als ihre Schicht um 18:00 Uhr zu Ende war und sie abgelöst wurden. Als er und Jack zum ersten Mal ins Casino gekommen war, war es ebenfalls nicht sehr reich frequentiert.
„Ja, was mit dem O´Sullivans los?“, wollte nun auch Jack wissen, „Mir ist aufgefallen, dass es immer ziemlich leer ist.“ Sie verließen das Casino durch die Hintertür und Connor rollte mit den Augen. Die Sonne war am Untergehen und es wurde langsam dunkel, aber es war noch immer ziemlich warm. Die Hotels und Casinos am Las Vegas Strip waren bereits mit vielen bunten und schillernden Lichtern beleuchtet. Sie mischten sich unter die Menschen, die auf dem Bürgersteig unterwegs waren.
„Vor vielen Jahren war das O´Sullivans ein gut besuchter Laden“, erzählte Lindsay ihnen, „Aber das war vor unserer Zeit. Unser Chef erzählt oft davon.“
„Wirklich? Warum hat sich das geändert?“, fragte Jack.
„Ein Rockstar ist vor neun Jahren im O´Sullivans erschossen worden. Der Laden musste einige Tage dicht machen und als er neu eröffnet hatte, blieben die Gäste aus: Die schlechte Publicity hatte sich in der ganzen Stadt herumgesprochen. Das O´Sullivans ging fast pleite, unser Boss hat sogar sein ganzes Erbe in das Casino investiert, es renoviert und neueröffnet. Das hat aber leider nicht viel geholfen…“
„Seitdem läuft das O´Sullivans nicht mehr gut. Aber es reicht um acht Angestellte über die Runden zu bringen“, fügte Sue hinzu. Es war früher Abend, doch sie war trotzdem müde.
„Ist es hier immer so warm?“, beschwerte Connor sich und Jack hatte sofort eine Idee: „In unserem Hotel gibt es einen Pool…“ Er sah zu Sue.
„Nein danke“, lehnte Lindsay ab, denn sie glaubte, ihn durchschaut zu haben, „Sue und ich steigen normalerweise nicht in die Autos von Männern, die wir erst seit einem Tag kennen. Und wir gehen auch nicht mit ihnen schwimmen.“
„Lasst uns etwas essen gehen“, schlug Sue stattdessen vor, „In Blondies Bar gibt es tolles Steak.“
Connor und Jack stimmten zu und sie stellten lachend fest, dass sie dann in die falsche Richtung gingen. Sie drehten um und gingen den Strip Richtung Süden entlang.

„Ich habe eine Idee“, sagte Jack am nächsten Nachmittag zu Sue. Sie hatten heute die Spätschicht, deshalb mussten sie erst um 18:00 Uhr mit der Arbeit beginnen.
„Du und deine Ideen“, Sue lachte. Trotzdem war sie gespannt, von seiner Idee zu erfahren.
„Wir machen das O´Sullivans wieder zu dem, was es einmal war… Bevor dieser Rockstar hier erschossen wurde“, meinte er, „Wer war das eigentlich? Jemand, den man kennt?“
„Er hieß Drew Walker und seine Band hieß Phoenix Hills.“
„Kenne ich“, stimmte Jack zu, „Die waren mal mit Guns N´Roses auf Tour. Mein Dad hatte die Schallplatte.“
Ihr Chef ging an ihnen vorbei und stellte einen großen Karton auf die Bar. „Was ist das?“, fragte Lindsay. „Eine neue Spielanlage“, antwortete ihr Chef, „Ein Techniker kommt gleich vorbei und baut es auf.“ Er machte sich auf den Weg zu seinem Büro.
„Aber wir haben dafür kein Geld!“, rief Lindsay ihm nach und ihr Chef prophezeite, dass die neue Maschine wieder Geld in ihre Kassen spülen würde. Karaoke sei modern meinte er.
„Oje“, Jack rollte mit den Augen und Sue fragte ihn, was los war, „Karaoke ist seit Jahren uninteressant.“ Sie beobachteten, wie der angekündigte Techniker kam und die große Maschine aufbaute. Sie bestand aus einem großen, wandhohen LED- Bildschirm und einer Art Tanzfläche. Zwei Gitarren waren an Kabeln befestigt und gehörten ebenfalls dazu. Connor wunderte es überhaupt nicht, dass der Techniker die Anlage bei Tag aufbaute, denn Lindsay hatte ihm erklärt, ihr größtes Geschäft- wenn überhaupt- machten sie im Casino am Abend und in der Nacht. Außerdem kümmerten sich die Menschen auf der Straße nicht um die Geschehnisse im O´Sullivans.
Schließlich war der Techniker fertig und verlange zum Abschluss noch eine Unterschrift von Lindsay. Er ging und die vier blieben alleine zurück. Bis auf eine alte Großmutter hatte sich bis jetzt noch kein Gast in das Irische Casino verirrt.
„Wollen wir mal sehen, was das Baby kann?“, fragte Jack und Connor nickte. Sie wählten ein Programm und die Tanzfläche unter ihren Füßen begann zu leuchten. Der große LED- Bildschirm vor ihnen zeigte zwei Figuren, die zwischen Noten und roten Punkten hin und her hüpften.
„Zumindest die beiden haben ihren Spaß“, sagte Lindsay zu Sue, als sie der alten Frau, die soeben noch am Spielautomaten gesessen hatte, einen Drink zubereitete. Connor und Jack spielten Gitarre  und sangen so laut sie konnten und die roten Punkte verwandelten sich in gelbe: „Gimme all your lovin', all your hugs and kisses, too. Gimme all your lovin', don't let up until we're through.“
Sue nahm an, die gelben Punkte bedeuteten, dass sie die Töne getroffen hatten.
„Welches Lied spielen sie?“, wollte sie dann wissen.
„Ein Lied von ZZ Top”, antwortete Lindsay, „Jack ist nett, nicht wahr?“
„Das ist er“, bestätigte Sue und Lindsay grinste: „Bist du etwa verliebt?“
„Nein“, Sue sah sie hektisch an, „Nein. Er würde sich außerdem nicht für mich interessieren, wenn er wüsste, dass ich taub bin.“
“Hör zu, er weiß es”, sagte Lindsay zu ihr und sie bemerkte, dass das, was sie gesagt hatte, frei von Sinn war, “Er weiß, dass du taub bist. Und bisher verhält er sich nicht wie all die anderen Idioten, denen du dein größtes Geheimnis gebeichtet hast.” Alle Männer, mit denen Sue bisher ausgegangen war und denen sie dann von ihrer Taubheit erzählt hatte, hatten sie ignoriert und waren dann gänzlich aus ihrem Leben verschwunden.
Lindsay bemerkte aus den Augenwinkeln, dass sich einige Menschen am Eingang versammelt hatten und zögerten hereinzukommen. Aber schließlich betraten sie doch das Casino, bestellten Drinks oder setzten sich an die Spielautomaten. Connor und Jack wurden bald von einigen anderen Besuchern abgelöst, weil diese sich auch einmal als Guitar Hero versuchen wollten.

Am nächsten Morgen übernahm die Frühschicht die Reinigung des Casinos. Lindsay konnte nicht glauben, dass ihr Chef tatsächlich Recht behalten und die Karaoke- Maschine wieder etwas mehr Geld in die Kasse des Casinos spülen sollte. Sie entdeckte Connor, der müde auf einer Stufe im Eingangsbereich auf Jack wartete, der sein Auto soeben holen wollte.
“Hey, ZZ Top, wie geht´s dir heute?”, sie setzte sich neben ihn, „Das war eine tolle Vorstellung. Ich wusste gar nicht, dass du so gut Gitarre spielen und so gut singen kannst.“
„Jeder hat ein verborgenes Talent“, er streckte sich müde, „Aber die ganze Nacht durchzuarbeiten, ist nicht meines.“ Jetzt lächelte er. Er dachte daran, dass sie erst morgen Mittag wieder arbeiten mussten und sein grinsen wurde breiter. Er freute sich auf den Schlaf.
Jacks Auto bremste nun  vor ihm und Jack rief nach ihm: „Connor, los! Ich darf hier nicht lange parken.“ Tatsächlich standen Connor und Lindsay auf. „Was ist mit dir und Sue?“, fragte er dann, „Kommt ihr irgendwie nach Hause?“
Sue erschien jetzt neben ihnen. „Wir warten auf den Bus“, Sue sah Lindsay zweifelnd an, aber Lindsay schien ihr Angebot, sie nach Hause zu fahren, diesmal anzunehmen. Sie stiegen zu Jack ins Auto und fuhren den Strip in nördlicher Richtung entlang. Das Radio spielte “Welcome to the jungle” von Guns N´ Roses.

Anstelle nach Hause zu fahren, erinnerte Sue sich daran, dass Connor und Jack einmal von einem Pool in ihrem Hotel gesprochen hatten. Also beschlossen sie, zu ihrem Hotel zu fahren und zum Pool zu gehen. Lindsay und Sue wohnten jeweils alleine und in ihren kleinen Wohnanlagen gab es keine Schwimmgelegenheiten. Sue hatte nicht einmal einen Balkon und Lindsay wohnte gegenüber einer ungepflegten Motelanlage.
Das Hotel, in dem Connor und Jack wohnten, war reiner Luxus und Lindsay konnte sich daran gewöhnen, jeden Tag in der Sonne zu liegen und gleich nachdem sie sich am belebten Pool vier Sonnenliegen reserviert hatten, schickten sie Jack und Connor los, um Getränke zu holen. „Es ist ein wirklich schönes Hotel“, schwärmte Sue, „Wusstest du, dass sich die richtigen Las Vegas Showgirls damals ohne Bikini in die Sonne legten um nahtlos braun zu werden?“
„Was möchtest du mir damit sagen?“, fragte Lindsay. Connor und Jack kamen zu ihnen zurück und überreichten jeder einen Cocktail. „Gefällt euch das Hotel?“, wollte Connor wissen und Lindsay nickte.
„Lasst uns noch einmal über meine Idee sprechen“, schlug Jack vor, „Wir sollten das O´Sullivans wieder zu dem machen, was es einmal war. Und ich habe mir überlegt, dass wir dazu Hilfe brauchen. Prominente Hilfe.“ Sie alle fragten sich, woran genau er dachte. „Wir müssen einen Star um Hilfe bitten. Es gibt viele Bands und Musiker aus der Stadt, aber wir könnten auch jemanden aus Los Angeles fragen… Wie wäre es mit Michael Jackson?“, wollte Jack wissen.
„Hey! Du machst Witze über ihn?”, fragte Sue, „Das solltest du in meiner Nähe besser nicht tun. Ich liebe Michael Jackson.“
„Wirklich?“, fragte Jack, „Aber du kannst seine Lieder doch gar nicht hören.“
„Seine Songtexte sind gut und seine Videos genial… Und er ist ein begnadeter Tänzer.“ Sie bemerkte, dass seine Antwort ihn beeindruckte und dass er ihr Handykapp ansprach, störte sie nicht im Geringsten.
„Außerdem ist er tot. Wir können ihn also nicht  mehr fragen“, mischte sich Lindsay ein, „Was ist mit The Police?“ Das war die Band von Sting.
„Die haben sich 2008 aufgelöst“, bemerkte Connor, „Gibt es noch einige berühmte Leute hier in der Stadt?“
„Warum macht ihr es nicht selbst?“, schlug Lindsay vor, „Ihr seid gute Sänger.“
„Aber wir sind nicht berühmt. Niemand kennt uns.“ Als er das sagte, bemerkte Connor, dass Jack diese Idee zu mögen schien: Er sah nachdenklich aus. Vermutlich überlegte er sich einen Namen für ihre Band. „Wie wäre es mit The good and the bad guy?”, wollte Jack dann wissen.
„Wofür? Doch nicht etwa als Band- Name?“
„Klingt wie der Titel eines Actionfilmes“, lachte Sue.
„Naja, Poison ist leider schon vergeben“, meinte Jack und sie alle verfielen in eine Diskussion, ob ihnen nicht noch etwas Besseres einfiele. Connor  fragte sogar, ob er nun der gute oder der böse Typ der Band war. Das Schlimmste an ihrer Diskussion jedoch war, dass ihre Idee immer mehr Form anzunehmen schien.
 
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