Fassungslos

KurzgeschichteFreundschaft, Schmerz/Trost / P16 Slash
Himuro Tatsuya Murasakibara Atsushi
25.09.2013
25.09.2013
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Kuroko no Basuke und damit die in dieser Geshichte vorkommenden Charaktere sind geistiges Eigentum von Fujimaki Tadatoshi.
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„Yōsen, Time Out!“
Tatsuya hörte das fassungslose Raunen der Zuschauer über das, was soeben passiert war. Er fühlte diese Fassungslosigkeit ebenfalls, und ein Blick in Atsushis Gesicht verriet ihm, dass dieser sie berechtigterweise auch fühlte.
Taiga hatte seine Verteidigung durchbrochen. Das hatte noch nie jemand getan. Seit sie gemeinsam für Yōsen spielten, war Atsushi ungeschlagen, stand vor dem eigenen Korb wie eine unüberwindliche Mauer und nichts und niemand hatte es geschafft, ein einziges Mal an ihm vorbei zu kommen. Bis auf Taiga. Und deshalb war Atsushi mit Recht fassungslos, und deshalb erlaubte auch Tatsuya sich selbst, fassungslos zu sein. Und da war er nicht der einzige.
„Warte… Was hast du grade gesagt?“, fragte Fukui in diesem Moment und sein Gesicht war exakt so fassungslos, wie Tatsuya sich fühlte. Alle Augen des Teams richteten sich auf Atsushi, der auf der Bank hing – sitzen wäre schon zu viel gesagt – und sich ein Handtuch über den Kopf geworfen hatte.
„Ich hab gesagt, dass ich genug habe“, murmelte er genervt und Tatsuya musste eine Hand zur Faust ballen, weil es ihn wütend machte. „Ich bin fertig. Wechsel mich aus.“
„Willst du mich verarschen?! Was denkst du dir eigentlich?“
„Es ist langweilig geworden“, maulte Atsushi mit geschlossenen Augen. Er meinte das ernst. Das war das schlimmste an dieser Situation. Er meinte das vollkommen ernst, und diese Tatsache war es, die Tatsuya so unglaublich wütend  machte, sodass er sich zusammenreißen und wirklich zurückhalten musste, weil er Atsushi sonst sicher geschlagen hätte. Sonst war er immer nachsichtig mit ihm und verzieh ihm seine kleinen, idiotischen, kindischen Momente, aber jetzt
„Wenn wir dich jetzt auswechseln, verlieren wir das Spiel, das wir eigentlich grade gewinnen.“ Es war faszinierend, wie sie alle auf Atsushi einredeten, wie Okamura sogar versuchte, ihn mit Sachlichkeit zu überzeugen – obwohl man bei Atsushi mit Sachlichkeit niemals weit kam, weil er nur seiner eigenen, kindischen Logik folgte. „Ist es dir wirklich egal, ob wir gewinnen oder nicht?“
„Ja“, murrte Atsushi und schielte unter seinem Handtuch hinweg zu seinen Teamkollegen. „Ich meine, niemand kann Kagami jetzt noch stoppen…“
Und in diesem Moment war es Tatsuya egal. Ihm war sein Team egal, das um ihn herum stand und ihm war das gegnerische Team egal, das sie vielleicht schon beobachtete, ihm waren die Schiedsrichter egal, und die Zuschauer auch und es war ihm verdammt nochmal egal, dass jeder in diesem Stadion ihn gleich anstarren würde. Mit zwei Schritten stand er vor Atsushi und schlug ihm in seiner ganzen, ungezügelten Wut ins Gesicht, in der Hoffnung, vielleicht ein kleines bisschen Verstand in ihm zu finden, irgendein Fünkchen normalen Denkens, damit er wieder auf dieses Feld hinausging und bis zum bitteren Ende spielte, weil sie ohne ihn nicht einmal den Hauch einer Chance hatten.
Er ignorierte die erschrockenen Ausrufe seiner Teamkollegen, als er Atsushi am Kragen packte – und in diesem Moment war es ein Segen, dass er stand und Atsushi nicht, denn auf diese Weise konnte er zumindest einmal auf ihn herabsehen.
„Reiß dich zusammen!“, fuhr er ihn unwirsch an. „Das Spiel ist noch nicht vorbei!“
„Weißt du“, murrte Atsushi und diesmal schien er wirklich ein wenig ärgerlich zu sein – immerhin eine Gefühlsregung auf dem ansonsten so gelangweilten Gesicht, „dieser Eifer ist das, was mich am meisten nervt. Und überhaupt bist du für Kagami noch viel weniger eine Herausforderung als ich, Muro-chin. Verstehst du diese Unterschiede zwischen unseren Talenten?“
Im ersten Moment war er fassungslos.
Er verstand, aber Atsushis Worte machten Tatsuya noch fassungsloser als die Tatsache, dass Taiga seine Verteidigung durchbrochen hatte, weil sie ihn an irgendeinem Punkt trafen, den er hatte geheim halten wollen. Atsushi hätte davon niemals erfahren sollen… Niemand hätte davon erfahren sollen, aber jetzt war es dafür zu spät und allein die Tatsache, dass ausgerechnet Atsushi es herausgefunden hatte, trieb die Tränen in seine Augen.
„Ich verstehe“, murmelte er schwach. „Ich verstehe, was du meinst… Ich war immer…“ Die Tränen liefen jetzt über seine Wangen und sie waren lästig, aber er konnte dagegen nichts tun; sie liefen, obwohl er sie zu verhindern versucht hatte. „Ich war immer eifersüchtig auf sein Talent... Und du hast das, was ich so unbedingt haben möchte, wonach es mich so sehr verlangt, und du würdest dieses Spiel einfach wegwerfen? Das macht mich so wütend…“
Diese Tränen. Sie flossen unaufhaltsam und stärker als vorher, und einige von ihnen tropften auf Atsushis Wange und… Tatsuya war das scheißegal. Atsushis Blick war regelrecht erschrocken, zumindest für einen Moment, als würde dieser Gefühlsausbruch ihn fassungslos machen – und dann seufzte er schwer, als würde ihn all das hier total gegen den Strich gehen.
„Widerlich“, sagte er. „Das ist der Eifer, der mich so nervt. Ich meine, ich kann das gar nicht glauben… Du weinst? Ich habe das geahnt, aber dass es so schlimm ist…“ Er machte eine Pause und sah Tatsuya direkt an, und unter diesem genervten Ausdruck in seinen Augen lag etwas, von dem Tatsuya sich gar nicht traute, es in Worte zu fassen: Einfühlungsvermögen. „Zum ersten Mal in meinem Leben sehe ich etwas, dass viel zu nervig ist. Es ist so nervig, dass ich es schon fast wieder für großartig halte... Ich schätze, ich kann es nicht ändern. Ich bleibe bis zum Schluss auf dem Feld.“
Er befreite sich aus Tatsuyas Griff und stand auf, lieh sich ein Haarband vom Coach und machte sich bereit, wieder auf das Feld zurückzukehren. Das Team war fassungslos. Tatsuya war fassungslos.
Er hatte in Atsushi immer einen kindischen Idioten gesehen, der sein Leben um Berge aus Süßigkeiten herum aufbaute und der die Einfühlsamkeit eines Trampeltiers besaß, doch dieser Moment eben hatte ihm gezeigt, dass unter der kindischen Schale nicht nur Yōsens beeindruckender Center steckte, sondern auch ein Mensch mit Verstand und einer merkwürdigen Art von Empathie. Das hätte er ihm niemals zugetraut.
Doch auch er musste sich wieder auf das Spiel konzentrieren. Er wischte sich mit dem Handrücken über die Augen, um diese lästigen Tränen loswerden zu können und damit kehrte auch die Entschlossenheit zurück. Taiga zu besiegen würde sicherlich nicht einfach werden, doch er hatte Atsushi an seiner Seite – und Atsushi war jetzt noch unüberwindlicher als zuvor. Seirin würde lernen, was es bedeutete, gegen Yōsens Center zu spielen, gegen den Center der Generation der Wunder. Und selbst wenn Taiga einen Weg finden würde und selbst wenn er Atsushi vernichten würde…
Tatsuya musste lächeln.
„Ich werde einfach damit weiter machen, dich zu vernichten“, sagte Atsushi in diesem Moment zu Kuroko, aber Tatsuya hatte das Gefühl, dass es nicht nur das war. Es war etwas, das Atsushi für ihn und sein Ziel, Taiga zu schlagen, tat – auch wenn er das vermutlich selbst nicht bemerkte. Tatsuya sah es als Zeichen dafür, dass sie eben doch nicht nur einfache Teamkollegen waren, und dieser Gedanke war der Grund, aus dem er lächeln musste.
Und irgendwann würde er sich dafür bedanken.

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Ich wollte eigentlich eine Story über die Beziehung von Murasakibara und Himuro aus der Sicht von Kagami schreiben... Wie ihr seht, ist dieser Versuch gründlich daneben gegangen, weil das hier dabei raus kam. Ich mochte diese Szene im Manga wirklich gerne, weil ich so viel Mura/Muro hineininterpretieren konnte weil Murasakibaras Charakter total interessant zur Geltung kam, aber ich hatte trotzdem nie wirklich das Bedürfnis, darüber zu schreiben... Das kam jetzt ganz plötzlich, während ich eigentlich eine andere Idee umsetzen wollte.
Nun ja. Es war ein kleiness spontanes Ding, mal wieder zur Überwindung meiner merkwürdigen Schreibblockade, aber im Nachhinein bin ich eigentlich ganz zufrieden. Und das ist ja auch schon mal was wert. xD
Aber ich möchte "dramatischer Kitsch" als Genreauswahlmöglichkeit haben! xD

Wissen, das die Welt nicht braucht: Die erste Story, die ich komplett mit meiner neuen Tastatur geschrieben habe! Feelings! xD