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The wall that protects my heart

Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Schmerz/Trost / P16 / Gen
Asahina Futo Asahina Hikaru Asahina Tsubaki Asahina Ukyo Asahina Wataru Asahina Yusuke
25.09.2013
15.02.2015
14
37.857
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Dieses Kapitel
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25.09.2013 4.846
 
Kapitel 5

Stilberatung der Extraklasse + die Folgen einer Frage

Es schneite und es war Weihnachten, was hätte man sich mehr wünschen können? Vielleicht einen besseren Moment als diesen, denn Naoko stand seit langer Zeit wieder dem Menschen gegenüber, an welchen sie vor Jahren ihr Herz verloren hatte, doch es war nichts Gutes dabei hinaus gekommen. "Ich habe dich geliebt, doch deine unbändige Eifersucht trieb mich immer weiter fort. Fort von dir, fort von mir und fort von allen die mir nahe sein wollten. Mein Herz ließ ich hinter einer Mauer, hoch wie der Himmel, verschwinden. Auf das niemand an es kommt. Auf das niemand ihm wieder solchen Schmerz zufügen konnte. Immer weiter isoliert von allem was es glücklich macht und nicht dazu in der Lage sich zu öffnen. Bis in alle Zeit dazu verdammt in Dunkelheit zu trauern und seinen Schmerz nicht zu vergessen. Niemals wieder zu Lächeln oder gar zu Lachen. Niemals wieder einen glücklichen Moment erleben zu dürfen. So lebt es dahin, bis der Tod es endlich erlöst und der Schmerz verschwinden kann.", sagte Naoko mit schwacher Stimme, eine Hand auf ihren Bauch pressend, um die Blutung der Wunde ein wenig zu stoppen, doch es hatte keinen Sinn. Sie hatte bereits zu viel Blut verloren, als das sie überhaupt noch weiter leben könnte. Langsam sackte sie zusammen, streckte sich in dem weißen Schnee aus und ließ das Blut Muster in den Schnee zeichnen. Es musste Schicksal sein das sie so endete, erstochen von dem Mann, den sie über alles geliebt hatte, sie jedoch vor Jahren in einen tiefen Abgrund hat fallen lassen. Wer hätte gedacht das ihr 20-ter Geburtstag so enden würde. Mittlerweile spürte sie nichts mehr, weder die Kälte, noch den Schmerz. Alles um sie herum verschwamm langsam und sie wurde schläfrig. Ihr Geist hatte sich schon lange Zeit auf diesen Moment vorbereitetet, denn für sie war es nur eine Frage der Zeit gewesen, wann etwas dergleichen passieren würde. Nun war es also soweit, dachte sie sich und versuchte einen letzten Blick auf die vom Himmel tanzenden Schneeflocken zu werfen. Wenigstens konnte sie ihm endlich von ihren Gefühlen erzählen und so konnte sie, frei von allem, endlich gehen. Ihre Augen schlossen sich und dumpfe Geräusche klangen ihr in den Ohren, was genau es war verstand sie nicht, denn im nächsten Augenblick war alles Still. Ihr Herz hatte aufgehört zu schlagen und es würde nur noch ein paar Minuten dauern, bis sie endgültig diese Welt verlassen würde.

"Nako-chan~!!!" Hysterisch schüttelte Chuichi das Mädchen an den Schultern, um sie aus ihrem Alptraum aufzuwecken. Nur langsam wurde ihre Sicht klarer, als sie die Augen öffnete, denn das Licht, welches durch das Fenster schien, war einfach zu hell. "Nako-chan~! Zum Glück bist du jetzt wach." Fest drückte er sie gegen sich und war erleichtert das sie endlich wach war. "Du hast schon wieder von ihm geträumt.", sagte er traurig. "Du solltest ihn endlich vergessen, denn es tut dir nicht gut dich immer wieder daran zu erinnern." Naoko wand sich aus seiner Umarmung und sah sich im Raum um, in welchem auch einige der Brüder waren. "Wie kommst du darauf das ich mich an ihn erinnert habe?" Sie konnte in Chuichis Augen tiefe Traurigkeit sehen. "Du hast im Schlaf gesprochen und gesagt, das du ihn geliebt hast." Ein kleines, trauriges Lächeln schlich sich auf ihre Lippen. "Wie kommen eigentlich immer alle darauf das ich ihn geliebt habe?" Langsam stand sie von dem Bett auf, erst jetzt bemerkte sie das sie nicht in ihrem Zimmer war, doch dieses kannte sie auch. Es war das Zimmer von Chuichis jüngster Schwester gewesen, doch sie war schon vor 3 Jahren hier ausgezogen und seit dem stand dieses Zimmer leer. Langsam ging sie zu dem Kleiderschrank und zog ein Gelbes Kleid heraus. Eigentlich war alles in dem Schrank gelb. "Warum kannst du dir nicht eingestehen das du ihn geliebt hast? Das würde es dir sicher erleichtern von ihm los zulassen." Mittlerweile hatte sie das Kleid wieder zurück gehangen. "Wo ist dein Vater gerade?", fragte sie, während sie den Schrank wieder schloss. "Lenke jetzt nicht vom Thema ab! Gib es endlich zu, verdammt!" Seine Stimme hatte einen gereizten Ton angenommen und er war auch ein wenig wütend. Eigentlich war es unhöflich die anderen nicht zu beachten, doch Naoko wand sich wieder Chuichi zu, sah ihm in die Augen. "Du weißt ganz genau das ich ihn nie geliebt habe und genau aus diesem Grund bist du auch so wütend, denn du weißt wem mein Herz gehörte." Kurz stockte sie, denn er wand den Blick von ihr ab. "Und jetzt wüsste ich gerne wo dein Vater ist, denn ich habe etwas mit ihm zu besprechen." Er gab schließlich nach und sagte ihr das er in seinem Büro sei, woraufhin sie sich fürs Erste von ihnen verabschiedete und sich auf den Weg machte.

Am nächsten Nachmittag
"Und du bist dir sicher das du nicht noch ein wenig hier bleiben möchtest?", fragte Chuichi sie. "Falls es an dem liegt was ich gestern gesagt habe entschuldige ich mich dafür." Ein wenig panisch sah er sie an, doch sie lächelte nur sanft. "Es hat nichts mit dir zu tun, sondern mit meinem Plan. Du weißt doch was nächsten Monat ist, oder nicht?" Ein kurzes Nicken kam seinerseits, doch er verstand nicht ganz. "Gut, ich werde dann gehen." Mit diesen Worten verabschiedete sie sich von ihm und stieg in das Auto. Die Fahrt dauerte eine knappe Stunde und sie kam an einer kleinen Boutique an, vor dessen Eingang schon ein bekanntes Gesicht auf sie wartete. Es war niemand geringeres als Hikaru, welcher jedoch durch seine Aufmachung, wirklich als Frau durchgehen könnte.

"Nako-chan~. Ich freue mich riesig dich zu sehen." Eine herzliche Umarmung seinerseits und schon schliff er sie in die Boutique, bevor sie auch nur irgendwelche Widerworte finden konnte. Das Innere des Ladens war eine Mischung aus super süßem Kitsch, viktorianisch angehauchtem Flair und Punk-Rock Klima. Eine seltsame Mischung, doch sicher nicht die schlimmste die es geben konnte. Eigentlich war es sogar ganz angenehm in diesem Laden und man fand auf jeden Fall etwas, was einem gefiel. Doch einen wirklichen Plan was sie wollte, hatte sie nicht, weshalb sie kurzerhand Hikaru um seine Hilfe gebeten hatte, da Louis zu beschäftigt gewesen war und Ema eindeutig nicht die nötige Erfahrung für ihr Umstyling besaß. Wenn man vom Teufel spricht, hatte besagte Person bereits einen ganzen Stapel unterschiedlichster Kleidungsstücke herausgesucht und schob sein `Model´ nun mit diesen in die Umkleide. Was daraus resultierte war eine 3 Stündige Modenschau, bei welcher Naoko die verrücktesten Kombinationen anprobierte. Doch nach einer Weile fanden sie einen Stil, welcher ihr wirklich gut stand und ihr auch sehr gefiel. Der zusammengewürfelte Einkauf war eine Mischung aus Punk-Rock, Office und Sportswear, also eine ziemlich ungewöhnliche Mischung, wobei Naoko den Punk-Rock Stil von allem bevorzugte. Nachdem sie bezahlt hatte, zog sie auch gleich eines der Outfits an. Als sie wieder aus der Umkleide kam, hatte sie einen knielangen, asymmetrischen Fransenrock an, welcher hier und da ein paar silberne Nieten hatte und in einem wunderschönen mintgrün strahlte. Dazu trug sie ein einfaches weißes Hemd, welches sie locker in den Rock steckte und dazu hatte sie sich eine türkisfarbene Krawatte umgebunden, welche ein wenig locker saß, noch dazu ein paar aufgedruckte Totenköpfe hatte. An ihren Beinen trug sie eine Karostrumpfhose, in den Farben Weiß und royalblau, welche blickdicht war. Bei den Schuhen hatte sie sich für einfache, weiße Stiefel entschieden, welche ihr bis zur hälfte der Waden gingen und mit, ebenfalls mintgrünen, Schnüren zusammen gebunden wurden. Doch der Blickfang an dem Ganzen war der lange Mantel, welcher ihr bis zu den Knöcheln reichte und aus weißem Samt war, mit silbernen Knöpfen in Totenkopfform.

"Was machen wir als nächstes?" Mit einem strahlendem Lächeln sah sie zu Hikaru, welcher ihr ebenfalls strahlend zurück lächelte. "Nach so einem wunderbaren Shoppingerlebnis und zur Feier für deinen neuen Stil, sollten wir etwas essen gehen, findest du nicht auch?" Dies war wirklich eine gute Idee und so fuhren sie zu einem Ryotei*. Als sie vor dem Eingang standen sah Naoko etwas ungläubig zu Hikaru. "Du hättest mir ruhig vorher sagen können wo wir hinfahren, dann hätte ich mir etwas anderes angezogen." Angesprochener lächelte nur ein wenig Schadenfroh und ließ sich von der Empfangsdame zu einem Platz führen. "Aber, aber, Nako-chan~. Wir sind doch hier um deinen Stilwandel zu feiern, was würde es da für einen Sinn ergeben, wenn du dir etwas anderes anziehst? Nur weil wir hier in etwas gehobenerer Gesellschaft sind." Er hatte definitiv seinen Spaß dabei, doch Naoko ließ sich nicht weiter davon beeindrucken, schließlich fühlte sie sich in ihren neuen Sachen wohl. Die beiden verbrachten eine knappe Stunde in diesem Restaurant, bis sie sich schließlich am Abend zur Sunrise Residence aufmachten, in welcher die anderen schon warteten. Hikaru hatte ihnen gesagt das er mit Naoko shoppen würde und sie sich auf ein total neues Image der jungen Frau gefasst machen sollten. Vor allem Louis freute sich schon auf die Verwandlung, da er ihr am nächsten Tag die Haare machen wollte, um ihren Look abzurunden. Fröhlich und mit festem Schritt betraten sie schließlich das Gebäude und fuhren mit dem Fahrstuhl in den 5-ten Stock. Die Kleidungsstücke hatte Hikaru bereits in ihr Zimmer bringen lassen, während sie noch beim Essen waren. Die Geschwister saßen bereits im Wohnzimmer und warteten ungeduldig auf ihre Ankunft. Doch als sie Naoko erblickten, waren alle sprachlos. Das Mädchen hatte sich vom reinen Business Look, zu einer Punk-Rockerin entwickelt.

"Wow, ich glaube sie stehen unter Schock.", sagte Naoko zu Hikaru, welcher seine Geschwister belustigt ansah, konnte er doch sehen wie sich in einigen Blicken etwas anderes als Entsetzten widerspiegelte. Es dürfte interessant werden, dachte er sich, da er die selben Reaktionen bei Emas Umstyling Tour vor einem knappen halben Jahr ebenfalls gesehen hatte. Nach einigen Minuten des Schweigens, brach schließlich Louis dieses und befand ihren neuen Stil für unglaublich passend. "Ich habe schon einige schöne Ideen, wie ich dein Haar gestalten könnte." Sein sanftes Lächeln, welches er jedesmal auf seinen Lippen hatte, wenn er von einer seiner Ideen sprach, ließ in Naoko eine innere Ruhe entstehen. Nun tat auch Tsubaki seine Meinung kund. "Ich hätte nicht gedacht das du auf diesen Kleidungsstil stehst, doch es sieht unglaublich gut aus und ich denke wir werden eine menge Spaß zusammen haben." Nach diesen Worten fing sie sich eine stürmische Umarmung von ihm ein, welche Azusa gerade durch einen Schlag auf seinen Hinterkopf unterbinden wollte, als Naoko diese erwiderte. Nach einem kurzem Moment lösten sie sich von einander und Naoko sah Tsubaki in die Augen. "Ich habe schon ein paar verrückte Ideen im Kopf, welche wir unbedingt umsetzen sollten. Und..." Sie dreht sich so das sie jeden einzelnen Anblicken konnte. "...ich weiß das von Tama, also braucht ihr euch keine Gedanken darum zu machen, wie ihr es mir am besten beibringt." Leicht legte sie ihren Kopf schräg und lächelte. Die Blicke der Geschwister wurden von Traurigkeit gezeichnet und Naoko konnte spüren wie sehr es jeden einzelnen bedrückte. Um die Stimmung wieder etwas zu lockern, schlug sie ihnen vor, etwas über Tama zu erzählen.

Flashback 3 Jahre zuvor
Es war ein verregneter Frühlingstag und der Wind blies kalt die Tropfen gegen die Haut des Mädchens. Sie war schon einige Zeit unterwegs gewesen. Ihre Kleidung war bereits vollkommen durchnässt und doch befand sie es nicht für nötig wieder zurück ins Warme zu gehen. Seit dem Tag vor einem guten Jahr, war ihr eigentlich alles egal. Sie hatte alles verloren, auch wenn es nicht gerade das schönste und beste war, war es doch etwas, was ihr fehlte. Ihre Schritte wurden langsamer und als sie ein leises Wimmern hörte blieb sie stehen. Einen kurzen Moment überlegte sie woher es kam und suchte nach dem Auslöser des wimmerns, bis ihre Augen schließlich an einem völlig durchweichten Pappkarton hängen blieb. In diesem saß ein kleines, schneeweißes Hündchen, welches am ganzen Leib zitterte und es sah auch sehr abgemagert aus. Eigentlich war ihr alles egal, doch als sie dieses Hündchen sah, regte sich etwas in ihrem Herzen. Konnte sie wirklich so Herzlos sein und es einfach hier draußen zurück lassen, was seinen sicheren Tod bedeuten würde? Nein, dazu war sie nicht in der Lage und so nahm sie es mit sich, um es wieder aufzupäppeln.

Es dauerte ganze 7 Wochen, bis es wieder ganz gesund war und nachdem sie dieses Hündchen so verletzlich und hilflos wieder im Kopf hatte, fasste sie einen Entschluss: Sie wollte Tierärztin werden, um den armen Wesen zu helfen, welche sich nicht selber helfen konnten. Nach und nach lernte sie immer mehr über verschiedene Tiere und nach einem guten Jahr, hatte sie es geschafft ein Tierheim zu eröffnen, in welchem sie nicht nur ausgesetzte Tiere, sondern auch verletzte Waldtiere aufnahm. Jedes wurde mit der gleichen Sorgfalt behandelt und es sprach sich schnell herum, was sie hier auf die Beine gestellt hatte. Tama war jeden Tag an ihrer Seite und sie brachte ihm viele Tricks bei. So konnte er Türen öffnen und ihr Sachen bringen die sie brauchte, wenn sie gerade keine freie Hand hatte. Doch auch die üblichen Kommandos saßen perfekt und Tama entwickelte sich auch zu einem perfekten Begleiter für die jüngeren Kinder des Waisenhauses. Der schneeweiße Akita hatte sich prächtig entwickelt, doch fiel Naoko nach einer Weile auf das er des öfteren Kommandos durcheinander brachte. Da sie ratlos war und auch die Verwirrung Tamas immer schlimmer wurde, suchte sie bei einem Spezialisten Rat. Nach einer guten Woche und endlosen Tests stand es schließlich fest: Er hatte einen Gehirntumor. Doch es gab noch Hoffnung, denn er war Operabel. So ließ sie die Operation durchführen und kümmerte sich aufopfernd um seine Rehabilitation.

Sie hatte ihn jetzt schon ganze 3 Jahre an ihrer Seite und es ging ihm wieder ziemlich gut, doch er war nicht mehr so ausdauernd. Naoko litt sehr unter dem Anblick, dass er sich abmühte um Schritt zu halten und überlegte ob es nicht besser war ihn zu erlösen, entschied sich jedoch gegen diesen Schritt, da er es verdient hatte ein glückliches Leben zu führen. Da er ja keine direkten Schmerzen hatte, dachte sie über eine andere Lösung nach und kam schließlich darauf, ihn in ein Altersheim zu geben. Die meisten alten Leute konnte eh nicht mehr so schnell laufen und Tama war ein gut erzogener Hund, welcher die Menschen aufmuntern konnte und so brachte sie ihn dort unter.

Flashback Ende
Nach ihrer Erzählung sah sie in nachdenkliche Gesichter, einige sahen sogar traurig aus und Wataru weinte sogar. "Das ist so traurig.", heulte er und fiel Naoko in die Arme. "Wataru-kun. Es ist nicht so traurig wie du denkst." Der Kleine sah aus verheulten Augen zu ihr auf, um sie fragend anzusehen. "W-wie meinst du das?" Ein kleiner Seufzer kam ihr über die Lippen. "Egal was auch mit ihm passiert ist, ich werde ihn immer als den kleinen, süßen, schneeweißen Welpen in Erinnerung behalten und wie prächtig er sich entwickelt hat. Ich werde die kostbare Zeit mit ihm niemals vergessen und ihn für immer in meinem Herzen tragen. Außerdem bringt mir dieses ganze Trauern Tama auch nicht wieder zurück und wie heißt es so schön: Das Leben geht weiter, egal wie sehr du dir manchmal wünscht, die Zeit zurückdrehen zu können und alles zu ändern." Wataru sah sie kurz aus beeindruckten Augen an, wischte sich dann die Tränen aus dem Gesicht und lächelte sie Aufmunternd an. "Du hast Recht! Man sollte nicht zu viel trauern, denn das Leben geht weiter, stimmts? Außerdem wird damit niemandem geholfen!" Überrascht über diese Erkenntnis seinerseits, lächelte sie etwas beeindruckt zurück. "Es stimmt zum Teil. Jeder sollte sich so viel Zeit zum Trauern nehmen wie er braucht, doch man sollte sein Leben nicht aus den Augen verlieren. Denn wenn man sein Leben aus den Augen verliert, ist wirklich niemanden damit geholfen und ich spreche aus Erfahrung." Ein wenig nachdenklich sah Wataru sie an. "Gibt es etwas das du gerne ändern würdest?" Sie zögerte ihm zu antworten. Sollte sie ihnen die Wahrheit sagen oder lieber Schweigen? Es war keines Falles eine leichte Entscheidung, doch sie war noch nicht bereit dazu über diesen Abschnitt zu reden und ihre Augen spiegelten den Schmerz wieder, welchen ihr Herz in diesem Moment empfand. Die Tränen jedoch, welche eigentlich nach außen dringen wollten, unterdrückte sie. Wataru entschuldigte sich schon bei ihr, da er die Veränderung in ihren Augen sehen konnte und sagte er würde nicht weiter auf eine Antwort bestehen, wenn sie nicht antworten will. "Es geht nicht darum das ich nicht darüber reden will, sondern das ich noch nicht dazu fähig bin, über dies zu reden." Schon schloss sich die Mauer um ihr Herz wieder ein Stückchen mehr. War sie überhaupt schon wirklich zurückgegangen oder spielte sie nur diese Fröhlichkeit der letzten Stunden? Sicher war sie sich selbst nicht mehr, doch sie wusste mittlerweile das es keinen Sinn hatte sich von ihnen abkapseln zu wollen, da sie nicht nachgeben würden. So gut kannte sie die Geschwister bereits. Naoko tätschelte noch kurz Watarus Kopf und verabschiedete sich danach in ihr Zimmer, außerdem sagte sie das sie müde sei, wodurch sie heute das Abendessen ausfallen lassen würde.

"Es ist also immer noch schwer für sie, über ihre Vergangenheit zu reden." Ein tiefer Seufzer kam von Natsume. "Was habt ihr erwartet? Das sie uns gleich alles über ihr Leben erzählt?", fragte Fuuto nur etwas spöttisch in die Runde, woraufhin er wieder einige vielsagende Blicke erntete. "Was?! Ich habe nur die Wahrheit gesagt!" Gereizt stand er auf und verschwand in Richtung seines Zimmers, jedoch drehte er sich noch einmal kurz um, um einen unnötigen Kommentar abzulassen. "Sie zieht uns alle mit runter, also wäre es besser wenn sie so schnell wie möglich verschwindet." Er ging und seine Brüder sahen ihm etwas geschockt hinterher. Hasste er sie so sehr oder konnte er sich einfach nur nicht eingestehen das sie ihm am Herzen lag? Sie waren ratlos und Ukyo machte sich mit Ema ans Essen machen, was auch nach einer halben Stunde fertig war und alle, bis auf Fuuto und Naoko, saßen am Tisch. Ukyo hatte am Tag zuvor extra von Chuichi ein paar von Naokos Lieblingsspeisen erfragt und so sahen die Gerichte auf dem Tisch auch entsprechend aus. Während des Essens herrschte ein bedrückendes Schweigen und alle waren in ihren eigenen Gedanken gefangen.

Auf Naokos Zimmer
Nachdem sie auf ihrem Zimmer angekommen war hatte sie gleich die Tür hinter sich verriegelt. Sie wollte jetzt niemanden sehen, da alles wieder hoch kam. Die ganzen Zweifel, der Selbsthass und dieses unglaublich tiefe Gefühl, welches ihr fast die Luft zum Atmen nahm. Es war zuviel! Einfach zuviel! Sie wollte doch gar nicht wieder diese Gedanken fassen und sich damit nur noch mehr Schmerz zufügen. Dieser Selbsthass war es doch bis jetzt auch gewesen, der sie von einem glücklichen Leben ferngehalten hat. Konnte sie sich doch nie verzeihen das ihre Familie an ihr zerbrochen ist oder gar das durch sie Leute sterben mussten. Naoko ballte ihr Hände zu Fäusten und sah sie sich an. "Warum muss ich nur immer alles zerstören?" Ihre Fäuste schlug sie abwechselnd immer wieder gegen die Wand und nach einer Weile fing das Blut aus einzelnen Wunden um die Fingerknöchel herauszufließen. Die Hände schmerzten stark, doch es war ihr egal, war dieser Schmerz doch nichts zu dem, welchen sie allen Menschen in ihrer Umgebung immer aussetzte. "Warum kann ich nicht anders sein? Warum bin ich überhaupt noch auf der Welt?" Als sie das Blut beobachtete, wie es so ihre Hände hinab lief, fühlte sie sich ein wenig besser. "Vielleicht wäre es besser so?" Ein schmales Lächeln lag auf ihren Lippen und sie ging langsam ins Bad, in welchem sie nach den Rasierklingen suchte. Die glänzenden, schmale Metalklinge in ihrer Hand setzte an ihrem Handgelenk an und sie zögerte keinen Augenblick, schnitt sich tief ins Fleisch, sodass die rote Flüssigkeit nur so herausströmen konnte. Doch als sie das Gleiche an ihrem anderen Handgelenk auch machen wollte, kamen ihr die Bilder der Vergangenheit ins Gedächtnis. Wie sie sich die Pulsadern vor Jahren schon einmal auf schnitt, in der Hoffnung ihre Familie würde so endlich wieder ihr Glück finden. Das Glück welches seid dem Tag ihrer Geburt verloren war. Doch Als sie damals zum zweiten Schnitt ansetzte, hielt sie jemand auf.

Flashback (Naokos Sicht)
"Tue es nicht! Dadurch wird nichts besser und du zerstörst nur dein eigenes Leben dadurch!", mahnte mich die sanfte, warme Stimme Daikis. Ich sah auf meine Hand, in welcher ich die Rasierklinge hielt und welche von ihm davon abgehalten wurde, meinem anderen Arm ebenfalls einen tiefen Schnitt zu verpassen. "Warum?" Meine Stimme war brüchig und nicht mehr als ein Flüstern. "Weil du leben sollst, verdammt!", schrie er mir entgegen. Mit sanfter Gewalt nahm er mir die Rasierklinge aus der Hand und schmiss sie in den Müll. Er zog mich an meinem, noch blutendem Handgelenk, ein Stück zu sich und griff sich ein Handtuch, mit welchem er die Blutung versuchte zu stoppen. Nachdem er es damit umwickelt hatte umarmte er mich einen kurzen Augenblick fest, nahm dann jedoch einen seiner Arme weg und rief einen Krankenwagen. Er wand sich wieder mir zu, strich mir mit einer Hand das blonde Haar aus dem Gesicht. "Mach das nie wieder, klar? Du bist etwas besonderes, egal was andere sagen oder dir für ein Gefühl vermitteln." Doch ich sah ihn nicht an, ließ mich einfach in seinen Armen liegen und meinen Kopf auf seiner Brust ruhen. Nach kurzem hörte ich jedoch ein Schluchzen von ihm kommen und ruckartig sah ich ihm in sein total verheultes Gesicht. Ich hatte ihn noch nie weinen sehen. Er war sonst immer so lebensfroh und brachte sogar mich zum Lachen, doch was ich jetzt sah zerbrach mir fast das Herz. "Was denn?" Er sah mich aus seinen Tränen erfüllten Augen an und ein freundliches Lächeln lag auf seinen Lippen. "Meinst du etwa ich könnte nicht auch weinen? Vor allem dann, wenn sich der wichtigste Mensch in meinem Leben umbringen will?" Seine Worte ließen mir das Blut in meinen Adern gefrieren. Ich war der wichtigste Mensch in seinem Leben? Wie konnte das möglich sein? Er musste mein fragendes Gesicht wohl gedeutet haben, denn er antwortete mir auf die Fragen, welche ich mir gerade gestellt hatte. "Ja, du bist der absolut wichtigste Mensch in meinem Leben und es ist möglich, weil ich dich über alles Liebe." Wieder drückte er mich fest an seine Brust und ich konnte seinen Herzschlag hören. "Ich liebe dich, Imouto-chan. Versprich mir, dass du dein Leben ab sofort nicht mehr versuchst so einfach aufzugeben, okay?" Er hauchte mir diese Worte ins Ohr und ich nickte nur.

Flashback Ende (Immer noch Naokos Sicht)
Langsam entfernte ich die Klinge von meinem Arm und besah mir meinen anderen, an welchem das Blut nur unaufhörlich herunterlief. Ich hatte es ihm versprochen und sollte dies Versprechen auch nicht brechen. Sofort glitt mein Blick im Raum umher und blieb bei einem Handtuch hängen. Mit leicht zittrigen Händen Band ich das Handtuch so gut es ging um mein Handgelenk. Wie sollte ich ihnen das nur erklären? Eigentlich war es ja auch egal. Ich musste mich beeilen, denn während ich mich an alles erinnert hatte, habe ich eine menge Blut verloren. Mit leicht weichen Knien machte ich mich auf den Weg ins Wohnzimmer. Der Weg dorthin kam mir unglaublich lang vor und meine Sicht wurde ab und an ziemlich neblig. Kurz vor dem Fahrstuhl quittierten meine Beine ihren Dienst und ich sackte zusammen. Meine Sicht verschwamm immer mehr. Sollte das jetzt wirklich mein Ende sein? Sollte ich mein Leben wirklich so beenden? Ich hörte eine Tür aufgehen und Schritte, welche, nachdem sich die Tür geschlossen hatte, in meine Richtung bewegten. Als sie sich ziemlich nah anhörten, verstummten die Schritte plötzlich.

"Naoko-chan?", hörte ich eine überraschte Stimme hinter mir, doch ich konnte sie nicht wirklich zuordnen, denn in meinen Ohren rauschte es ziemlich. Eine Hand legte sich auf meine Schulter und ich sah in die Richtung. Es dauerte einen Moment bis ich Fuuto erkennen konnte. Seine Augen waren geweitet und sein Mund bewegte sich. Er schien etwas zu rufen und schüttelte mich an den Schultern, bis ich ihn schließlich nicht mehr sah, denn um mich herum wurde alles Schwarz.

Im Wohnzimmer (Normale Sicht)
Die Geschwister saßen nun gemeinsam auf dem Sofa und unterhielten sich darüber, was sie mit Naoko unternehmen konnten, damit sie wieder auf anderen Gedanken kam. Doch sie kamen nicht sehr weit, da Fuuto wie ein Irrer nach unten gesprintet kam. Seine Hände waren blutig und sein Gesichtsausdruck von Furcht und Schrecken gezeichnet. "F-fuuto!", riefen ihm einige entsetzt entgegen. Masaomi war ein wenig blass um die Nase, ging jedoch gleich zu ihm und sah sich seine Hände an. Fuuto jedoch brachte kein Wort heraus, denn der Anblick von vor einigen Minuten hatte ihn ziemlich geschockt. "Wo kommt das Blut her?! Wessen Blut ist das?!", schrie ihm Masaomi entgegen, al er merkte das er nicht verletzt war und rüttelte seinen jüngeren Bruder ein wenig an den Schultern, doch von Fuuto kam nur ein leises Stottern. "N-n-nao-ko s-sie hat..." Weiter konnte er nicht, denn das Bild vor seinem inneren Auge, ließ ihn erstarren. Masaomi hatte sich sofort auf den weg zum Stockwerk gemacht, in welchem ihr Zimmer lag und ihm folgten Ukyo, Tsubaki, Natsume, Kaname und Azusa. Die anderen kümmerten sich erst einmal um Fuuto, welcher immer noch dort stand und seine blutigen Hände ansah. "Ist das meine Schuld?", fragte er sich flüsternd.

Eine gefühlte Ewigkeit später im Krankenhaus
Masaomi war gerade dabei die nötigen Papiere auszufüllen, als der behandelnde Arzt kam. Alle hatten nur eine Frage: Wie geht es ihr. "Sie hat um die 2 Liter Blut verloren und wir haben ihr einen Plasmaersatzstoff gegeben, doch ihr Zustand bleibt bis aufs weitere kritisch." Er sah den Geschwistern ernst entgegen. "Ich habe unserem psychologischem Dienst bescheid gegeben und er wird sich um die psychosomatischen Aspekte kümmern, sobald sie dazu in der Lage ist." Nachdem er alles weitere mit ihnen geklärt hatte, führte eine Schwester sie zu ihrem Zimmer auf der Intensivstation. Doch Fuuto verkraftete diesen Anblick eher weniger, denn er fühlte sich schuldig für ihren Zustand, hatte er doch nur wenige Stunden zuvor gesagt, dass es besser sei wenn sie nicht hier wäre. Er erlitt einen Nervenzusammenbruch und musste für diesen Abend ebenfalls im Krankenhaus bleiben. Ema leistete ihm bis zum Ende der Besuchszeit Gesellschaft und versuchte ihn wieder aufzubauen. Wataru war nur kurz bei Fuuto, denn er hielt es jetzt für wichtiger seiner großen Schwester zur Seite zu stehen. Masaomi und Iori blieben ebenfalls bei Naoko. Kaname blieb ein wenig bei Ema und Fuuto, ging jedoch schon eine halbe Stunde bevor die Besuchszeit zu ende war. Die restlichen Brüder waren schon vorher zurück gefahren, um das Blut im Haus zu entfernen, wobei Ukyo ihnen sagte wie sie diese am Besten weg bekamen. Sie brauchten bis tief in der Nacht, bis die letzten Blutflecken auch endlich entfernt waren. Die Wände würden sie am nächsten Tag streichen, damit auch die Flecken dort verschwanden.


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*Ryoteis sind sehr teure und traditionelle japanische Restaurants.

Da haben wir auch schon das nächste Kappi. ^^
Ich hoffe doch das es euch gefallen hat, wenn nicht, freue ich mich auch über eure ehrliche Kritik und werde versuchen die nächsten Kappis besser zu machen. :D
Ja, ich weiß: Schon wieder etwas dramatisches in dieser Geschichte und dabei noch in einer so kurzen Zeitspanne für unsere Naoko, wenn es euch zu viel wird, schreibt es mir einfach in die Kommentare. Denn ich kann schon jetzt sagen das es nicht das letzte Mal sein wird. Doch wenn es in zu kurzen Abständen für euch ist und ihr gerne auch etwas fröhliches lesen wollt, kann ich das gerne auch mit einbringen. ;) Ansonsten werde ich die Geschichte so fortsetzen, wie ich es für richtig halte.

Wie immer freue ich mich über eure Reviews und außerdem bedanke ich mich für eure Favo Einträge, ohne euch würde ich sicher nicht weiterschreiben. ;) Also, vielen Dank für eure Unterstützung. *Kekse und Kuchen hinstell*

Wir sehen uns im nächsten Kappi, bis dahin. ^^
Eure Nila^^
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