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Escape To The Stars

GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Kiro Luminor Shin Strify Yu
24.09.2013
10.11.2013
9
10.918
 
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24.09.2013 1.636
 
Kapitel 1

„Oh tut mir leid“, ich schaue das Mädchen an, in das ich gerade komplett gedankenverloren hinein gelaufen bin. Doch diese starrt mich nur mit großen, rehbraunen Augen an.
„Tut mir leid, ich hätte aufpassen sollen“, sage ich erneut, doch das Mädchen mit kurzen, braunen Haaren schaut mich fragend an.
„I´m sorry, but I don´t understand you. I don´t talk German“, meint sie dann plötzlich in englischer Sprache. Meine Augen weiten sich um das fünffache und ich spüre die Röte in meinem Gesicht.
„Oh, umm I just said that I´m sorry“, stammele ich vor mich hin und versuche mein Gehirn auf Englisch zu stellen.
„It´s okay, don´t worry“, lächelt sie mich an. Ich nicke und sehe mich um. Auf dem Gehsteig liegen Umzugkartons, die von mehreren Männern in das Haus getragen werden, das bis jetzt eigentlich leer stand.
„Did you move here?“, frage ich sie. Das fremde Mädchen nickt.
„Yes because of my parent´s job.“
Ich lächele sie an, doch merke die Traurigkeit in ihrer Stimmer.
„So umm I would say, welcome to Vienna!“, ich versuche nett und freundlich zu klingen.
„I´m living on the other side“, füge ich hinzu und deute mit meinem Finger auf das Haus von gegenüber.
„Nice to meet you. My name is Nina and you?“, werde ich mit einem leichten Lächeln gefragt.
„Ca.- I´m Kiro“, antworte ich. Das Mädchen namens Nina lächelt mich an.
„Do you need any help?“
Kopfschütteln.
„Okay. If you need something, you can come over. I´ll be there“, meine ich und bin gerade echt froh Englisch gelernt zu haben. Das braunäugige Mädchen nickt.
Danach verabschieden wir uns voneinander und ich gehe nach Hause. Vielleicht schaue ich später noch einmal bei ihr vorbei.
„Kiro? Komm essen. Ich habe gerade den Tisch gedeckt“, so werde ich von meiner Mutter begrüßt, als ich zur Tür hereinkomme.
Ich setze mich zu Mama an den Tisch und rieche das gekochte Essen. Es duftet so gut.
„Ist alles in Ordnung?“, werde ich von ihr gefragt und ich muss seufzen.
„Soweit ja. Wir haben neue Nachbarn“, antworte ich und nehme das Besteck in die Hände.
„Ich weiß. Sie kommen aus Australien. Ich habe heute Morgen mit ihnen geredet. Sind ganz liebe Leute“, meine Mutter lächelt mich an.
„Ich bin gerade in das Mädchen hineingelaufen“, murmele ich vor mich hin.
Mama seufzt und schweigend machen wir uns an das Essen.
„Vergiss deine Medikamente bitte nicht“, warnt sie mich; ich atme tief durch und gehe in die Küche, schlucke dort die Tabletten, die für mich vorgesehen sind.
„Ich gehe auf mein Zimmer und lege mich ein bisschen hin“, sage ich dann im vorbeigehen und laufe die Treppen hoch.
In meinem Zimmer drehe ich ein wenig Musik auf. Im Moment habe ich Lust auf An Cafe. Danach lege ich mich auf mein Bett und schließe die Augen.

„Trying so hard to see blindly into dark
I was waiting for a long time
Hoping and praying to see it on more time but it was in vain
Rays of light shines and warms me up
And the sun brings morning to the streets
Sure I know every night ends with the dawn
Doesn´t the word „eternity“ exist on this earth?“(An Cafe - Clouds Over Moon- Wind On Flowers)

„Carsten! Steh auf! Du hast Besuch“, ich reiße die Augen, als ich die Stimme meiner Mutter höre. Ich drehe meinen Kopf zur Tür und sehe sie und ein weiteres Mädchen da stehen. Das Mädchen von gegenüber.
Nina.
„Erstens, du weißt wie sehr ich es hasse Carsten genannt zu werden und zweitens“, ich breche den Satz ab und versuche mich aufzusetzen, doch schaffe es nicht, Mein Körper ist zu schwach. Ich kann mich kein bisschen bewegen. Kein weiteres Wort muss ich sagen; meine Mutter ist sofort bei mir, greift mir unter die Arme und hilft mir mich aufzusetzen.
„Geht es so?“, fragt Mama mit besorgten Blick, als sie mich gegen die Wand lehnt, damit ich aufrecht sitzen kann und polstert alles um mich herum.
„Ja es geht schon, Danke“, antworte ich ihr flüsternd. Mama versucht mich anzulächeln, doch in ihren Augen erkenne ich Angst, Traurigkeit und Besorgnis.
„Ich lasse euch beide jetzt alleine. Ich bringe euch später etwas zu trinken und zu knabbern“, sagt meine Mutter und verlässt den Raum, sodass ich mit dem Mädchen alleine zurückbleibe.
Nina steht bei meinem Schreibtisch und blickt verunsichert und fragend zu mir herüber.
„Komm, setz´ dich zu mir“, sage ich mit einem Lächeln, doch merke erst jetzt, dass sie doch nur Englisch redet. Gerade als ich den Satz noch einmal in der anderen Sprache sagen möchte, kommt die Braunhaarige mit langsamen und vorsichtigen Schritten auf mich zu. Wahrscheinlich hat sie verstanden, was ich gesagt habe, oder hat es durch meine Handgestik verstanden.
Nina setzt sich an die Bettkante und scheint mich zu mustern. Das Gleiche mache ich auch bei ihr. Eine schwarze, bei den Knien, zerrissene Hose, ein Band T-Shirt von der Band „Bring Me The Horizon“ und ein Nietenarmband, genau wie ein Banda um ihren Kopf, schmücken ihren eigentlich dünnen und zierlichen Körper.
„Is everything alright with you?“, werde ich dann plötzlich gefragt. Ich atme tief durch und weiß einen Moment lang nicht, was ich ihr antworten soll. Wie soll ich mich fühlen? Wie soll alles in Ordnung sein, wenn man seit zwei Jahren an einer Muskeldystrophie leidet? Wie soll alles in Ordnung sein, wenn man weiß, dass jeder Muskel im Körper langsam, aber sicher aufhört zu arbeiten und das nur, weil mir ein bestimmtes Eiweiß fehlt?
Auf Nina´s Frage antworte ich mit einem stummen Kopfschütteln.
„What´s wrong? You don´t have to tell me, if you don´t want to“, sagt sie mit großer Besorgnis, aber auch Neugier in ihrer Stimme.
„I´m sick. My muscles don´t work like that how they have to“, lautet meine Antwort.
„I´m sorry“, sagt die Braunäugige traurig und blickt dabei zu Boden.
„Hey, but except that thing I´m alright. Don´t worry about me“, ich versuche sie aufzumuntern. „Tell me do you like it here in Vienna?“
Mit trauriger Miene sieht sie mich an und schüttelt den Kopf. Ich seufze und lege meine Hand auf ihren Rücken und versuche sie anzulächeln.
„You´ll like it here. You just need time, I promise you, everything will be okay!, ein weiterer Versuch das Mädchen neben mir zum Lächeln zu bringen.
„Kiro?“, fragt Nina nach einer Stille zwischen uns und wir beide schauen uns an.
„Can I hug you?“, die Frage kommt verunsichert und komplett unerwartet, aber ich nicke zustimmend. Anschließend werde ich vorsichtig in die Arme genommen und zu ihr gezogen. Ich versuche mich anzustrengen, um ein Stückchen näher zu ihr zu rücken, doch mein Körper spielt einfach nicht mit. Also bleibt mir nichts andere übrig, als meine Arme um ihren Körper zu legen und so die Umarmung zu erwidern.
„D-Danke“, stottert die Braunhaarige in einem süßen Akzent.
Einige Momente verharren wir beide in dieser Postition und lächeln uns gegenseitig an.
„I know, we barely know each other, but could we try to be friends?“, fragt Nina, während sie nervös mit ihren Fingern mit dem einem Loch in ihrer Hose spielt.
„Sure. I would love to be your friend“, lautet meine sofortige Antwort. Ein Strahlen breitet sich im Gesicht des Mädchens aus.
Nina steht auf und fängt an sich in meinem Zimmer umzusehen und bleibt bei meiner CD-Sammlung stehen.
„Antic Cafe and the GazettE and oh my gosh you listen to Mejibray?“, Verwunderung liegt im Raum. Einerseits von ihr und andererseits auch von mir.
„Yes I do. They´re all great bands! And as I can see, you have a great music taste too!“, sage ich mit einem Grinsen und deute dabei auf ihr T-Shirt.
„Awesome, that we´ve so much in common! I can´t believe it!“, sie scheint ein wenig zu hyperventilieren, natürlich im positiven Sinne. Doch bevor ich noch irgendwie nach Luft schnappen kann, werde ich ganz stürmisch umarmt.Auf der einen Seite überfordert mich diese Gestik, aber auf der anderen Seite finde ich es ganz okay. Nina, aber löst sich auch ganz schnell von mir und schaut mich verunsichert an.
„Did I hurt you?“
Ich atme tief durch und schüttele den Kopf.
„Do you feel any pain in your sickness?§, lautet die nächste Frage. Doch auf diese gibt es die gleiche Antwort. Nein.
Eine Krankheit ohne Schmerzen ist, glaube ich, die schlimmste Art, die es gibt. Es ist eine größere Qual, weil man nicht weiß, wann der nächste Schub kommt. Von einem Tag auf den anderen gibt ein Muskel plötzlich den Geist auf und arbeitet nicht mehr. Gäbe es Schmerzen bei der Muskeldystrophie, könnte ich mich noch irgendwie auf alles vorbereiten und darauf einstellen. Doch hier geht das schlecht. Es kommt alles unerwartet.
Als mir die die Krankheit diagnostiziert wurde, brach eine Welt für mich zusammen. Mur wurde klar, ich könnte viele Aktivitäten nicht mehr so nachgehen, wie damals. Wie zum Beispiel das Bass spielen.
Auch wenn ich einen benignen Krankheitsverlauf habe, weiß ich dass es schlimmer werden könnte und eines Tages meine Atemmuskeln nicht mehr arbeiten werden und ich langsam und qualvoll ersticken werde. Deshalb lebe ich jeden Tag so, als wäre er mein letzter.
Es ist nur die Frage der Zeit, wann der nächste Schub einsetzen wird. Bis jetzt ist mein Becken, meine Oberschenkel und auch zum Teil mein Rücken betroffen, weshalb ich Probleme habe mich aufzusetzen, Ab und zu habe ich auch Schwierigkeiten irgendetwas in die Hände zu nehmen.
Irgendwann werden auch meine ganzen Arme und Beine betroffen sein und ich werde zum Pflegefall.
Ich kann nicht beim Sport in der Schule mitmachen und auch da kann ich manchmal nicht hin, weil ich es oft nicht aus dem Bett schaffe. Eines Tages werde ich im Rollstuhl sitzen müssen und dann werde ich ans Bett gefesselt sein.
Dass alles erkläre ich Nina in meinem besten Englisch und hoffe sie versteht was ich ihr sage.
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