Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Suddenly friendship

Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft / P12 / Gen
Det. Sgt. Anne- Marie San Sgt. Eva Vittoria
22.09.2013
22.09.2013
1
3.828
 
Alle Kapitel
4 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
 
22.09.2013 3.828
 
Hi Leute! Diese FF basiert auf der neuen Sendung "Crossing Lines" ! Sie behandelt kein bestimmtes Pair und ist daher nur freundschaftlich zu sehen! Sobald ich die gebetate Version habe kommt die hier hin :D wenn ihr einen Titel vorschlag habt nur zu. [Auch für das Ende wenn's euch nciht gefällt ]

LG Jeanne
__________

Eva Vittoria lehnte sich gegen die kalte Wand des Krankenhauses. Es war schon spät am Abend und die meisten Besucher waren auf dem Heimweg. Nur sie nicht. Noch einmal blickte sie in Richtung Ausgang. Vor etwa einer Woche wurde Anne-Marie hier eingeliefert. Heute sollte sie wieder auskommen, doch wann das war wusste keiner. Louis hatte nur gesagt, es würde heute sein. Ein dunkelgrauer Wolkenschleier kündigte den ersten Schnee an. Ob Anne-Marie heute noch kommen würde? Eva kurz zum Himmel und zog dann fröstelnd ihren Mantel enger um ihren Körper. In Italien war es nie so kalt. Zu mindestens nicht von dort wo sie her kam.  Seufzend vergrub die hübsche Italienerin ihre Hände und ihren Jackentaschen, als es begann zu schneien.  Das Licht der Rezeption wurde ausgeschaltet und  die Geschäfte wurden Geschlossen.  

Anne-Marie San zog ihre Mütze tiefer ins Gesicht. Man hatte sie Entlassen – endlich. Die junge  Französin durchstreifte den schwach beleuchteten Gang, der zum Treppenhaus führte. Sie drückte die Tür auf¸ huschte hin durch und eilte die Treppen hinunter. Anne-Marie freute sich schon auf ihre Wohnung. Zwar musste sie sich erst eingewöhnen, aber es war ihr neues Zuhause. Ein Ort, wo sie sich geborgen fühlen konnte. Aber zu Erst musste sie die fertig bearbeiteten Akten zurück zum Hauptquartier bringen.  Dorn hatte sie ihr vorbeigebracht und auch Hickman und Daniel hatten ihr welche zukommen lassen, so wie einen Koffer, mit ein paar Anziehsachen. Und genau diesen Koffer zog sie nun hinter sich her. Spärliches Teil, dachte sie. Schließlich durchquerte sie die Eingangshalle des Krankenhauses. Kurz blieb sie noch stehen und blickte nach durch die Scheibe. So große Schneeflocken rieselten vom Himmel, so dass sie beschloss, ihren Mantel bis oben zu zuknöpfen.  
Anne-Marie San drückte die große Glastür auf und stolperte in die Nacht.

Eva blickte zum Eingang. Da war jemand. Die Agentin blinzelte und machte den kleinen Koffer auswendig, den sie für Anne-Marie zusammengestellt hatte. Sie Stützte sich von der Wand ab und schritt auf die Französin zu.
„Hey Anne-Marie!“ rief sie, als sie nicht mehr weit voneinander entfernt waren. Anne-Marie sah auf, schob ihre Mütze etwas zurück und lächelte.
„Eva, hey. Was machst du denn hier?“ fragte sie und stellte den Koffer ab.
„Ich wollte dich abholen.“
„Musst du doch nicht. Wie geht‘s den Anderen?“
„Denen geht es wie immer. Dorn, Hickman und Daniel haben sich Sorgen um dich gemacht. Besonders Hickman.“ Erzählte Vittoria und nahm San den Koffer ab.
„Oh, okay. Was hast du vor?“ Die Französin trat einen Schritt auf ihre Kollegin zu und blickte sie an.
„Dich entweder nachhause fahren oder irgendwo absetzen wo du willst. Ich mein es nur gut.“ Antwortete Eva und sie unter drückte ein gähnen.
„Em. Okay. Ehrlichgesagt wollte ich heute nicht alleine sein.“ Gab die französische Agentin zu und wirkte mit einem Mal schüchtern.
„Das will doch keiner. Wenn du willst kannst du heute bei mir übernachten.“ Schlug Eva vor und rieb ihre Hände an einander, um sie aufzuwärmen.
„Würde es dir etwas ausmachen?“
„Nein, es macht mir nichts.“ Versicherte Eva und blickte in den Himmel. „Los komm ich hab da vorne geparkt.“
Zusammen gingen die beiden Agentinnen zu dem kleinen Porsche.  Die Vorderscheibe war schon zugeschneit, so dass Eva erst mal den Schnee entfernte, ehe sie den Koffer einlud und sich hinter das Lenkrad setzte. Anne-Maire stieg mit kurzem Zögern ein. Sie kannte die Italienerin doch kaum! Aber sie waren Kolleginnen. Und diesen konnte man doch vertrauen.
„Hast du Angst? Oder tut dir was weh?“ erkundigte sich Agent Vittoria lächelnd, als sie sah, dass Anne-Marie ein wenig zitterte.
„Nein, mir ist nur kalt. Die ganzen Wochen durfte ich das Krankenhaus nicht verlassen. Dort war es angenehm war drin.“ Murmelte San und senkte den Blick und rieb ihre Hände an einander.
„Wenn das alles ist. Aber sobald irgendwas ist sagst du es ja?“
„Warum? Ich kann alleine auf mich aufpassen.“ Stellte Anne-Marie beinahe empört fest und ihr Akzent kam stark heraus.
„Weil wir –das Team und ich– nicht wollten, das du noch einmal umkippst und fast verblutest.“
San antwortete nichts darauf.  Sie sah zwar zierlich aus, aber sie war nicht zerbrechlich!

Schweigend fuhren sie zu Evas Wohnung. Das treiben des Schnees wurde Stärker.  Gedankenverloren sah San aus dem Fenster. Sie erinnerte sich nicht, was passiert war, bevor sie im Krankenhaus aufgewacht war.

„Wir sind da. Kommst du?“ Eva legte ihrer Kollegin die rechte Hand auf den Arm. Diese nickte und wandte sich zu ihr.
„Warum tust du das?“
„Weil ich dich mag. Und  weil wir ein Team sind, was zusammen halten muss.“
Wieder nickte Anne-Marie San stumm. Was sollte sie denn auch sagen? Es war ihr schon peinlich genug gewesen, am Arbeitsplatz zusammen gebrochen zu sein, aber nun? Noch zögerlicher löste sie den Sicherheitsgurt und stieg aus. Eva sprang regelrecht aus ihrem Auto und holte noch schnell den Koffer aus dem Kofferraum, ehe sie den Wagen abschloss, Anne-Marie an die Hand nahm und zu ihrer Wohnung brachte.

An ihrer Wohnungstür angekommen hielt Eva Vittoria inne und starrte völlig  benommen auf ein Foto, was mit Tesafilm an die Tür geheftet war. Dann riss sie es ab und packte es in ihre Jackentasche.
„Entschuldige bitte die Unordnung, ich packe gerade aus.“ Sagte sie Zu ihrer Kollegin, als sie sie rein ließ.
„Kein Problem, bei mir sieht es nicht besser aus.“ Anne-Marie blickte sich in dem Geräumigen Flur um. An den Wänden hingen Teilweise schon Bilder, Lampen und sonstiges. Ihr fiel sofort ein Bild ins Auge. Ein junges Kind, mit seinen Eltern.
„Bist du das?“ fragte sie die Agentin, welche aus der Küche kam. In der Hand hielt sie zwei Tassen mit Tee, wovon sie eine ihr gab.
„Ja. Es ist aber schon ewig her, dass das aufgenommen wurde.“ Lächelte Eva, „Lass uns doch ins Wohnzimmer gehen.“

Die beiden Frauen ließen sich auf dem mittelgroßen, blauen Stoffsofa nieder und beobachteten sich gegenseitig erst mal. Zum ersten Mal fielen Eva die zierlichen Gesichtszüge ihrer Kollegin auf, genauso wie die kleinen, braunen Augen. Die perfekte Tarnung, dachte sie und schmunzelte etwas. Aber dennoch wirkte Anne-Marie wie ein Schulmädchen, was sich schnell erschrecken ließ.

Auch Anne-Marie musterte ihre neue Kollegin. Sie hatte lockiges, Rotes Haar und blau-graue Augen, welche immer dunkle Ringe trugen, ließen sie ahnen, das Eva schon lange im Beruf war. Sie sah aus wie eine Typische Italienerin. Sie schien vor nichts Angst zu haben.
„Und wie findest du das Team?“ durch brach Eva die bedrückende Stille.  Sie nahmen einen Schluck von ihrem Tee und lehnte mit ihren Kopf gegen die Rückenlehne.
„Naja, ich würde mal sagen ganz okay…“   Anne-Marie musterte die Frau weiter und stellte fest, dass sie ihre Mimik lesen konnte. Sie hatte schon oft gesehen, wie ein Gesicht aussah, wenn es zu stimmte und genau so eine Mimik hatte Evas Gesicht grade.
„Und wie findest du Hickman?“
„Wie soll ich ihn denn finden? Ich kenne ihn kaum.“
„Also ich finde, das er etwas zu viel mit dem Morphium zu tun hat, als mit dem Team. Er ist immer so abwesend.“ Meinte Vittoria Schultern zuckend.
„Ja, das stimmt. Ich glaube er ist abhängig...“  stimmte die Agentin zu und wieder entstand peinliche stille. Die Französin sah sich ein wenig
Im Wohnzimmer um. Die Wände waren anscheinend frisch gestrichen worden, denn die Farbe hatte Flecken auf dem Boden hinterlassen. In jeder Ecke standen Kisten mit den Aufschriften „Wohnzimmer“ und „Kabel“, was  darauf schließen ließ, das Eva gerade erst hier hergezogen war. Anders als sie. Sie selbst hatte die Wohnung ihrer Cousine übernommen, als diese zurück in die Heimat gezogen war.

„Und hast du dich schon eingelebt?“ fragte San dann ihre Kollegin, welche kurz ihre Augen geschlossen hatte.
„Nein, nicht wirklich.“ Gab Eva zu und öffnete wieder ihre Augen. Sie war müde, das gab sie auch gerne zu.
„Und warum nicht?“
„Naja, ich war nicht sehr oft im Ausland und es kam alles so…überraschend.“  Erklärte Eva leise und seufzte kaum merklich. Ihre ehemaligen Kollegen hatten sie einfach für die Stelle vorgeschlagen, ohne ein Wort zu ihr zu sagen. Grade hatte sie sich richtig ihr damaliges Zuhause eingelebt, sich wohl gefühlt und dann musste sie wieder umziehen.
„Oh, meinst du damit du wolltest nicht in diese Einheit?“
„Doch, doch. Es ist nur meine Kollegen haben sich in meinem Namen beworben. Jetzt bin ich Glücklich, hier zu sein.“ Versicherte die Italienerin schnell. „Und wie sieht es mir dir aus?“
„Ich hab mich selbst beworben. Die Arbeit zuhause ist toll, aber ich wollte mal was Neues ausprobieren.“
„Vermisst du deine Heimat?“
„Ein bisschen. Meine Familie vermisse ich besonders.“
„Rufst du sie oft von hier an?“
„Ja, natürlich. Und du? Vermisst du deine Familie?“ Anne-Marie nahm einen Schluck aus ihrer Tasse. Den Tee kannte sie irgendwoher, aber woher wusste sie nicht.
„Klar vermisse ich meine Familie. Wer tut das nicht?“
„Du hast recht…Urinstinkt, was?“
„Ja. Ich hol dir das Bettzeug. Das Sofa ist ausziehbar.“  Eva Vittoria stand auf, stellte ihre Tasse auf dem Tisch ab und ging aus dem Zimmer.

Schneller Themenwechsel, dachte Anne und brachte sie Tassen in die Küche. Etwas stimmte mit Eva nicht, ihre Mimik hatte sich verkrampf, um das freundliche Gesicht zu halten. Naja sie ist Müde, genau wie du, Anne, sagte sie sich in Gedanken selber, sie will schlafen.

Eva biss sich auf die Unterlippe, um nicht los zu heulen wie ein kleines Kind. Ihre Familie. Wütend über den Gedanken vergrub sie ihr Gesicht kurz in ihren Händen. Warme Tränen fühlten sich fremd auf ihrer Haut an und sie schüttelte nur den Kopf. Dann durchwühlte sie ihren Schrank, fand das gesuchte Zeug und nahm es mit zu Anne-Marie.
„Hier,“ lächelte sie, „Ich denke das ist das passende. Brauchst du noch was zum Anziehen?“ Sie legte die Decken und das Spannbetttuch auf das Sofa und zog dieses dann aus.
„Nein, nein. Das passt schon alles.“ Anne-Marie bezog in Windeseile das Sofa und musste lachen, als sie Evas Gesichtsausdruck sah. „Kannst du das etwa nicht so schnell?“
„Nein, ich brauch immer eine geschlagene Stunde dafür. Ach ja, das Bad ist die letzte Tür rechts. Mein Zimmer ist das gegenüber, falls was ist.“ Damit drehte Eva sich wieder um und ging in ihr Zimmer und Zog sich um.
„Danke nochmal.“
„Schon gut.“ Damit schloss sich die Zimmertür und Anne-Marie wühlte in ihrem Koffer nach einer Leggins und einem Weiten Shirt.

Eva hatte sich ähnliches angezogen: ein etwas zu großer hellgrauer Pulli mit der Aufschrift „Carabinieri“ und eine abgetragene alte Stoffhose. Den Pulli hatte ihr altes Team ihr geschenkt. Als Erinnerung an die Gemeinsame Zeit hatten alle ihren Namen darauf verewigt.  Rückwärts ließ die Agentin sich auf ihr Bett fallen, kuschelte sich in ihre Decke und schaltete das Licht aus. Noch einmal dachte sie an ihre Heimat, ihre Freunde und vor allem an ihre Familie, ehe sie endlich einschlief.
Agent San hatte es dagegen einfacher: sie hatte sich auf die Couch gelegt, die Decke bis zur Brust hochgezogen und war dann eingeschlafen.

Gegen halb 2 wurde Eva auf einmal von einem Schrei geweckt. Die Italienerin sprang regelrecht aus dem Bett, stieß sich dabei den rechten Fuß an der Kommode und riss ihre Zimmer Tür auf und lief in den Flur. Aber es war nichts. Im schwachen Laternenlicht, was in ihr Wohnzimmer fiel, sah sie Anne-Marie, welche sich völlig zusammen gerollt hatte und etwas auf Französisch murmelte. Sie hat geschrien!, wurde es Eva auf einmal klar. Schnell knipste sie im Wohnzimmer das Licht an und setzte sich zu ihrer Kollegin und rüttelte sie leicht.
Anne-Marie San durchlebte den schlimmsten Albtraum den sie bis jetzt hatte. Sie rannte vor jemanden weg. Ihre Beine überschlugen sich beim Laufen, so eilig hatte sie es, hier weg zu kommen. Ihr Verfolger kam näher. Viel schneller, als sie laufen konnte. Auf einmal  stolperte sie über eine Baumwurzel, verlor das Gleichgewicht und landete unsanft auf dem Boden.
„Du kannst mir nicht entkommen!“ die furchterregende Stimme ihres Verfolgers hallte der Agentin in die Ohren und sie versuchte sich auf zu rappeln, doch es war zu spät. Ihr Verfolger drehte sie herum, so dass sie sein Gesicht sehen konnte. Kurz darauf zerschmetterte er ihr mit einem kräftigen Tritt den Brustkorb. Agent San schrie auf und spürte, wie ihre Rippen sich in ihre Lungen bohrten und das Blut in ihre Luftröhre strömte…

„Anne-Marie! Anne-Marie wach auf!“ Eva schüttelte ihre Kollegin nun schon seit geschlagenen fünf Minuten. „Wach auf!“ Ihr Herz schlug wie verrückt.
Endlich wachte Anne-Marie auf. Sie schnellte keuchend nach oben und rutschte panisch vor Eva zurück, denn im ersten Moment dachte sie, Eva wäre ihr Verfolger.
„Anne-Marie, ganz ruhig! Ich tu dir nichts. Ich bin‘s, Eva!“ Eva rückte Näher zu ihr und nahm die Hände der Französin. Diese riss sie aber los und schrie nur irgendwas auf Französisch, was Vittoria als ‚Fass mich nicht an‘ interpretierte. Trotzdem zog sie Anne-Marie zu sich und umfasste sachte das Gesicht der Frau. „Schau mich an. Ich tue dir nichts! Es war nur ein Traum!“

Wieder Willig sah Anne-Maire ihre Kollegin an. Es war so real
gewesen! Dieser Schmerz, als sich ihre Rippen in die Lunge bohrten war auch mehr als real gewesen. Sie wusste ja auch wie es sich anfühlte!
„Lass mich los.“ Brachte San nur heraus. Mit zittrigen Händen umfasse sie die Hände, welche ihr Gesicht fest hielten. „Lass los. Bitte.“
Eva kam der bitte ihrer Kollegin nach und ließ ihr Gesicht los, aber hielt die Hände der Französin fest. „Was hast du geträumt? Was hat dich verängstigt?“
„Ich…wurde verfolgt.“ Agentin San begann noch mehr zu zittern.
„Und weiter? Was ist noch passiert? Hey,  es war nur ein Traum.“
„Er hat mir den Brustkorb zerschmettert und ich bin innerlich verblutet.“
„Anne-Marie, dir wird so was nie passieren.“
„Woher willst du das wissen? Es ist schon einmal passiert.“
„Anne-Marie, du hast bei der Sache nicht auf die Ärzte  gehört.“
„Weil ja auch alles gut war. Du hast ja keine Ahnung!“  

Eva ließ die Hände los und fuhr sich durch das Haar. Sie wusste wie das war. Wie sollte sie es auch vergessen?
„DU sagst niemandem was davon, ja?“ begann die Agentin dann leise aber bestimmend. Anne-Marie nickte eingeschüchtert. Was wollte Eva ihr nun erzählen?
„Wir hatten einen Fall in Italien. Mein Team und ich haben den Fall übernommen und sind Undercover gegangen. Doch bevor wir noch mit den Ermittlungen zu fertig waren, sprengte der Typ unser Hauptquartier. Die Bombe war in der Etage über meinem Büro platziert worden, so dass die Explosion mich begrub. An dem Tag starb meine beste Mitarbeiterin und Freundin. Ich hätte dabei sterben sollen, das war mir klar. Aber die Polizei hat mich retten können. Ich hatte viele innere Blutungen und lag Wochen lang im Komma. Ich weiß also wie das ist, fast Innerlich zu verbluten.“ Die junge Agentin rückte von der Französin weg und wirkte mit einem Mal tief Traurig und verstört.
„Was hat das mit mir zu tun?“  
„Ich will dir damit sagen, dass das nur eine Phase ist, die jeder nach so einem Unfall durchlebt. Das Erlebte wird verarbeitet und oft durch diese Albträume. Aber du musst dir klar sein, das dein Team hinter dir steht. Wir helfen dir dabei. Es wird immer so sein, so lange das Team existiert und auch danach.“ Dann wandte sich Vittoria wieder ab, ging in die Küche und machte noch einmal Tee.  

Damals hatte sie wie Hickman an der Nadel gehangen und trotzdem war sie davon weggekommen. Ihr Vater hatte mit Drogen gehandelt. Mit Drogen, die sie heute mit der Polizei einsammelte. Ihre Hände zitterten, bei jedem einzelnen Gedanken und Eva wusste, dass sie sich nicht lange Kontrollieren konnte, wenn es so weiter ging.  Bleib ruhig!, sagte sie zu sich selbst. Bleib ruhig! Im nächsten Moment fielen ihr die Tassen aus der Hand und zerschellten auf dem Boden. Der heiße Tee spritzte herum und Eva sprang erschrocken zurück.
„Scheiße!“ stieß sie  aus und schnappte sich einen Lappen, um die Sauerei auf zu wischen.  Grob schob sie die Scherben bei Seite und auch noch die letzte Feuchtigkeit auf zu nehmen.
„Was ist passiert?“ Anne-Marie kniete sich zu ihr auf den Boden und blickte ihr direkt in die Augen.
„Ich hab mich vor einer Spinne erschreckt mehr nicht…Ist alles okay! Ich mach das schnell.“ Eva sammelte die Scherben auf und ließ sie in einen Plastikbeutel Fallen.  Sie konnte sich nicht beruhigen.
Anne-Marie sah es ihr sofort an und Eva am linken Handgelenk fest.
„Es tut mir leid, dass ich dir zur Last falle. Ich werde dann jetzt auch gehen.“
Sagte sie. Die französische Agentin ließ das Handgelenk los und wollte zurück ins Wohnzimmer gehen, um ihre Sachen zu holen, doch Eva ließ sie nicht los.
„Bleib hier. Du fällst mir nicht zur Last, aber ich musste an meine Freundin denken…“ murmelte Eva. Sie ging an San vorbei und zog sie mit sich. Im Wohnzimmer zog sie das Sofa ganz aus und holte ihr Bettzeug.
„Was hast du vor?“ frage Anne-Marie und half ihr, die Decke auf das Sofa zu legen.
„Ich schlaf hier im Wohnzimmer.“ Erklärte Vittoria und  setzte sich auf ihre Decke und  lehnte sich nach hinten. Ihre Kollegin tat es ihr nach.

„Willst du darüber reden?“ fragte die schüchtern wirkende Frau schließlich.
„Worüber? Worüber sollte ich denn reden wollen, Anne-Marie?"
"Über deine Freundin vielleicht. Du bist traurig und verstört. Das sehe ich."
"Was soll ich denn großartiges sagen? Das ich schuld bin an ihrem Tod? Dass ich sie auf dem Gewissen habe?"
"Nein, Eva, hey. Du bist nicht schuld. Niemand hat die Schuld. Nur der Kerl, der die Bombe platziert hat! Red dir das nicht ein." San kam zu ihr hinüber und nahm ihre Hand.
"Du verstehst das nicht. In Italien...da ist das alles wesentlich anders als hier oder in Frankreich.  Mein Chef hat mich wegen dieser versetzt. Ich war nicht mehr tragbar.“ Erklärte Eva und schüttelte den Kopf. Ihre Haare wirbelten etwas um ihr Gesicht und blieben verwirbelt und leicht abstehend hängen.
„Hey, das ist die Schuld von deinem Chef. Wer bitte versetzt eine so gute Agentin?“
„Ich bin nicht so gut wie alle denken. Du bist aber eine gute Agentin.“
„Das bezweifle ich. Ich hab mich von einem Irren Serienkiller entführen lassen. Einem Guten Agenten passiert das nicht!“
„Ach, ist mir auch schon Passiert.“ Evablickte auf die Uhr. „Wir sollten versuchen zu schlafen…morgen früh ruft wahrscheinlich Daniel oder sonst wer  an.“ Sie schlüpfte unter ihre Decke und beobachtete die Französin. Dann fügte sie hinzu: „Wenn du willst kannst du mehr hier rüber rücken.“
„Nein…ist schon okay so.“ antwortete Anne-Marie und legte sich auf ihre Bezogene Seite des Sofas.  
Eva stand noch einmal auf und machte dann das Licht aus und kam wieder zu ihr. Beide Frauen versuchten zu schlafen, wo bei eigentlich nur Eva versuchte zu schlafen, während Anne-Marie schlief und wieder schrie.

Die Italienerin rückte näher zu ihrer Kollegin und strich ihr sachte über den Arm und sprach leise mit ihr.  Es schien wirklich zu klappen, denn die Französin wurde ruhig und gab schließlich bis auf Atemgeräusche keinen Mucks mehr von sich.  Traurig lächelte Eva. Anne-Marie erinnerte sie stark an ihre verstorbene Freundin. Sie legte ihren Kopf auf ihre Armbeuge und los die Augen – und schließ schließlich ein.

Am nächsten Morgen wachte Anne-Marie gerädert auf. Wo war sie? Doch ihr wurde es schnell klar. Sie war bei Eva Vittoria, welche neben ihr lag und noch immer schlief.  Draußen rieselte wie gestern Abend der Schnee unaufhaltsam.
Plötzlich klingelte ihr Handy und sie hätte erwartet, das Eva  aufwachte doch das tat sie nicht.  Fester Schlaf, dachte die Agentin und ging an ihr Handy.
„San?“ meldete sie sich und  strich sich das Haar aus den Augen.
„Hey Anne-Marie, hier ist Sebastian. Ich soll dir Bescheid sagen, dass wir uns um 9 Uhr hier im Büro treffen. Kannst du Eva Bescheid sagen?“  Die Stimme des Mannes ließ sie Lächeln. Sie mochte den Deutschen sehr. Neben Hickman vertraute sie ihm ebenfalls sehr.
„Klar mach ich.“ Dann legte sie auf und weckte ihre Freundin. Diese verstand erst mal nur Bahnhof und setzte sich auf, murmelte etwas auf Italienisch und wünschte ihr dann einen Guten Morgen.
„Dir auch einen Guten Morgen.  Sebastian hat grade angerufen. Wir treffen uns um 9 Uhr im HQ.“ Lächelte sie und Stand dann auf um sich zu recken.
„Oh…Okay. Komm ich gebe dir was Frisches zum Anziehen.“ Eva stand auf und zog Anne-Marie wieder einmal mit sich.
„Das brauchst du nicht…da sind sicherlich noch Klamotten in seinem Koffer.“
„Ach komm die hast du lang genug getragen.“ Die Italienerin öffnete in ihrem Schlafzimmer den Großen Kleiderschrank und kramte eine Weile darin. Dann fand sie etwas und reichte es ihrer Kollegin.
„Hier das müsste passen.“ Fügte sie hinzu und  packte sich wahllos etwas und ging damit ins Badezimmer, wo sie sich schnell fertig machte und anzog. Anne-Marie zog sich ebenfalls so schnell um, so dass die beiden Frauen wenig Später im Esszimmer saßen und einen Kaffee tranken.
„Sollen wir deine Sachen schnell zu dir bringen?“ frage Eva schließlich und deutete auf den Kleinen Koffer.
„Nein, das geht so.  Wollen wir dann los?“
„Klar, wenn du soweit bist. Wir können mit dem Roller –“
„Hast du schon mal aus dem Fenster geschaut? Es schneit wie verrückt.“
Eva blickte an ihr Vorbei und nickte dann. „Hast Recht. Wir fahren mit dem Auto.“

Nach einer halbstündigen Fahrt kamen sie schließlich im HQ an. Es war schon Hochbetrieb in den oberen Teil des Gebäudes, doch in dem Kellerbüro war es noch etwas ruhig.
Als Anne-Marie unten ankam, wurde sie erst mal von Sebastian begrüßt. Er schloss sie in die Arme und lächelte.
„Hey, geht es dir wieder gut?“ fragte er und grüßte dann schnell Eva die ihm nur ein Lächeln schenkte, sich auf ihren Stuhl setze und die Augen wieder Schloss, um ein kleines Schläfchen zu machen.
„Ja. Mir geht es wieder gut.“ Lächelte Anne-Marie und war sich nicht sicher, ob das Gefühl in ihrem Magen Freude oder sogar Zuneigung  war.
„Komm kurz mal mit ich Mus dich mal was fragen…“ Sebastian ging in eine Verdunkelte Ecke des Raumes und Anne-Marie folgte ihm.
„Was gibt’s?“
„Es mag vielleicht komisch klingen, aber ich glaube ich hab mich in dich…naja Verliebt!“ erklärte der Deutsche und wurde rot im Gesicht.
„Dann muss ich gestehen, dass ich dasselbe fühle.

Von diesem Moment an, war Anne-Marie San sich sicher, dass sie zum Team gehörte, einen Fuß gefasst hatte und einen Freund gefunden hatte, den sie liebte und der sie ebenfalls liebte.
Review schreiben
 
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast