Die Farben des Regenbogens

KurzgeschichteDrama / P12
21.09.2013
21.09.2013
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Dies ist ein Beitrag zu dem Fandom-Turnier, das von Pooky ausgeführt wird.

Das waren die Aufgaben:
> Entweder zu dem Genre Komödie oder Drama schreiben
> Es müssen mindestens drei Personen vorkommen. Eine muss „Du solltest dich langsam mal entscheiden“, sagen. Die zweite muss „Mach das verdammte Licht aus!“, von sich geben und die dritte muss aus einem frei wählbaren Grund in hysterisches Lachen ausbrechen.
> Es müssen die Wörter Brücke, Fälschung, Seitenhieb, Lärm, Vorschlag und Realist vorkommen.
> In dem OS muss es regnen. Wann und wie lange spielt keine Rolle.

Ihr werdet lachen, mir ist das verdammte Licht am schwersten gefallen.
Ich warne schon einmal vor: Wer das hier liest, darf sich auf Verwirrung freuen.
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Die Farben des Regenbogens


Das Atelier ist in Dunkelheit gehüllt, als sich der Mann mit einem Glas Wein in der Hand vor eine seiner Leinwände setzt. Normalerweise denkt er sehr schlecht von dem Licht, wenn es um seinen Körper herumwabert. Wieso sollte man sich der Sonne oder einer schäbigen Lampe bedienen, wenn in einem selber alles so viel heller und farbenfroher ist?
Doch nun vermisst er das Leuchten in seinem Innersten.  An diesem Tag wurde es zu Grabe getragen. Dem Mann fällt es schwer, sich überhaupt daran zu erinnern, was dieses eigenartige Wort ‚Licht’ zu bedeuten hat. Sogar die Beerdigung, hilft seiner Erinnerung nicht. Ein wenig abseits hat er gestanden, um den Lärm der Lebenden zu nicht ertragen zu müssen. Ihre albernen Gesten haben ihn nur angewidert. Sie wurde zum Beispiel mit weißen Lilien bedeckt! Ein wütendes Schnauben verlässt alleine bei dem Gedanken daran seinen Mund.  Was für eine unpassende Symbolik! Nun liegt sie unter der Erde und wird wahrscheinlich von Maden zerfressen. Die Vergänglichkeit ist grausam und das Schicksal erst Recht! Die Blicke des Mannes wandern zu seinem Weinglas. Er trinkt einen Schluck, wendet seine Aufmerksamkeit wieder der Leinwand zu. Noch wird nur das Weiß auf seine Lieder reflektiert. Er hat es heute füllen wollen, aber womit? Für wessen Augen lohnt es sich noch zu malen?

Das Mädchen wartet auf ihn. Ihr Blick ist starr geradeaus und tief in den Abgrund gerichtet. Er möchte die Augen wieder schließen, wie unpassend ihm die Bilder doch scheinen, die sich heimlich auf die Leinwand stehlen wollen.
Doch da!
Da bewegt sich die Hand des Mädchens. Alles beginnt zu leuchten, als sie ihren Regenschirm öffnet. Mit dem Licht füllen auch Wörter den Kopf des Mannes. „Weißt du noch, wie wir mitten im Regen spazieren gegangen sind? Du hast dich geärgert, weil dein Mantel keine Kapuze hatte und ich habe dir angeboten, dich unter meinen Regenschirm zu stellen. Du hast gezögert und unschlüssig hin und her geblickt.“. Es regnet mitten in den Raum hinein. Das Papier wird nicht nass, aber er kann die Tropfen auf seiner Haut spüren. Sie rinnen seine Wangen hinunter und tropfen von seinem Kinn. Der Blick des Mädchens verändert sich nicht, aber dieses eine Mal scheinen die Worte durchdringender zu sein. „>Du solltest dich langsam mal entscheiden<, habe ich dir entgegen gerufen, als deine Haare schon klitschnass waren. Dann hast du betreten zu Boden gesehen und abgelehnt. Deine Worte waren, dass mein Anblick unter dem Schirm dir wichtiger sei, als eine trockene Haut“. Er versucht die Augen zu öffnen, zu schließen, die Bilder und Erinnerungen von seiner Netzhaut zu verbannen, aber das Mädchen sieht weiter in die Ferne, ein Lächeln hat sich auf ihre Lippen gelegt. Auch wenn alles still ist, prasselt der Regen eine traurige Melodie. Dort, wo die feinen Tropfen den Waldboden berühren, beginnen Rosen zu sprießen.

Und er lacht! Er lacht das Mädchen mit dem Regenschirm in der Hand aus. Mit einmal verblasst das Licht wieder, das Bild löst sich. Die Leinwand ist trist und weiß geblieben. Das, was dort aus seinem Mund taumelt, kreischt beinahe belustigt und beinahe verzweifelt. Sein hysterisches Lachen verpasst der Melancholie einen Seitenhieb. Sie hat diesem Lachen nichts entgegen zu setzen. Die Trauer, die Hoffnung, die Verzweiflung, die Erleichterung und vor allen Dingen die Erschöpfung schwingen in diesen Lauten mit. Der Mann vor der Leinwand bekommt kaum noch Luft. Eine Fälschung! Was ist eine billige Kopie schon gegen das Original? Was kann ein falsches Herz bewirken? Mit so einem Ende wird er sich  nicht zufrieden geben, eher zerstört er seine eigene Vergangenheit und die Erinnerungen an das Mädchen, was ihm einst so wichtig war. Der Regen des Mädchens ist salzig! Der Boden besteht aus Beton! Niemals werden unter solchen Bedingungen Rosen wachsen können.

Das Licht flackert ein wenig. Unruhig blickt er umher. Was soll dieser Spuk jetzt noch? Hat er ihn nicht vertrieben? Das sanfte Hin und Her des Lichtes ist doch viel zu schön für diesen Augenblick! Aus welchem Grund flimmerte das dumpfe Licht so stark? Ist dieser letzte Hoffnungsschimmer es wert, in alle Farben des Regenbogens gebrochen zu werden? Sollte er ihn auf seiner Leinwand verewigen? „Mach das verdammte Licht aus! Breche es! Erschaffe Neues in die Dunkelheit hinein!“ Woher kam dieser Vorschlag? Von vorne? Von hinten? Von innen? „Wir warten doch schon so lange!“ Der Klang dieser Worte ist so sanft und so vertraut, dass man die Härte des Inhaltes ignorieren kann. Die rote Dame steht lächelnd vor ihm, wiederholt, was sie eben schon gesagt hat. Sie versucht seine Hand zu berühren, aber noch ist er sich der Tatsache bewusst, dass er nicht imstande dazu ist, die Hand der Dame zu ergreifen. Der Abgrund zwischen dem Atelier und seinem Kopf ist nicht zu überwinden. Nicht so! Auch wenn er noch nie ein Realist gewesen ist, verspürt dieser Mann Angst vor der Dunkelheit vor ihm. Er erinnert sich nur zu gut daran, sie mit eigenen Pinselstrichen auf ein Blatt Papier gebracht zu haben. Strich für Strich. Und jetzt soll er nicht nur einen Teil seiner Seele sondern auch sein Licht für die Dame in rot opfern?

Mein Herz gehört der Kunst.
Meine Seele gehört meiner Schöpfung.

Das Atelier ist in Dunkelheit gehüllt, aber hinter den Augenliedern des Mannes ist es so hell, wie uns noch nicht einmal der Tag zu erleuchten vermag. Das Glas fällt zu Boden, bricht klirrend auseinander, genau wie dieses Licht, als der Mann seinen Pinsel in die Farbe taucht. Erst entsteht ein grüner Strich. Schnell folgt, grau, lila, rosa, weiß, gelb, blau…
…rot.
Die Augen sind geschlossen, die Gefühle wurden geöffnet und fließen dahin. Der Abgrund ist so tief! Wird die Brücke aus Farben den Mann halten können? Mit zögernden Schritten geht er über sie hinweg und empfängt mit offenen Armen seine Geliebte, während alles um ihn herum dunkler wird.

                                        

ENDE: In den Abgrund
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