Bis der TÜV uns scheidet

von Bibi77
KurzgeschichteHumor / P12
20.09.2013
20.09.2013
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Hallo!
Herzlich willkommen zu diesem kleinen Oneshot und vielen Dank, dass ihr euch hier her verirrt habt!
Da Scotty einer meiner Lieblings-TOS-Charaktere ist, wollte ich ihm auch mal eine kleine Story widmen ;)! Ich hoffe, sie gefällt euch und wünsche euch natürlich ganz viel Spaß beim lesen!!!
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Gut gelaunt und mit einem schottischen Volkslied auf den Lippen wuselte Montgomery Scott durch den Maschinenraum. Voller Hingabe wischte er mit einem Staubtuch über die Amaturen und Maschinen, zog hier und da eine Schraube nach oder überprüfte die Einstellungen.
Da sich die Enterprise gerade in einer Umlaufbahn um die Erde befand und die meisten seiner Arbeitskollegen diesen Umstand für einen kleinen Ausflug auf den Planeten nutzten, war er so gut wie allein bei der Arbeit und fühlte sich vollkommen unbeobachtet.

„Oh Danny Boy, the pipes, the pipes are ca-halling
From glen to glen and down the mountain siiiide
The summer`s gone and all the roses fa-halling
It`s you, it`s you...must go and I must cryyyy....!“ sang er mit großer Leidenschaft, rollendem „r“ und typisch-schottischen Akzent vor sich her, wobei die höchsten Töne auch gleichzeitig die schiefsten waren.
Er war so versunken in die musikalisch untermalte Maschienenpflege, dass er nicht einmal bemerkte wie der Captain an ihn herantrat.
„Na, Scotty! Sie hier und nicht auf Landurlaub in Schottland?“ fragte Jim und grinste.
Erschrocken fuhr Scotty zusammen und ließ den Schraubenschlüssel fallen.
„Captain!? Haben Sie mich erschreckt!“ rief er; hatte sich aber schnell wieder gesammelt.
„Nun ja...ich...ähm, kann doch meine Babies nicht im Stich lassen!“ erklärte er. „Irgendjemand muss sich ja um sie kümmern!“
„Scotty!“ protestierte Jim milde lächelnd und umfasste seinen Chefingenieur an den Oberarmen. „Ich weiß, Sie sind für die Enterprise wie eine Mutti ohne Brust, aber auch Sie sollten sich mal eine kleine Auszeit gönnen!“
„Aber die Inspektion des Maschinenraums ist doch eine Auszeit, Captain!“ widersprach Scotty.
Jim schüttelte den Kopf.
„Die kann warten! Beamen Sie sich ruhig runter und genießen Sie mal wieder einen schönen Scotch in Ihrer Heimatstadt!“ sagte er und fügte noch mit Nachdruck hinzu: „Das ist ein Befehl, Scotty!“
„Aye, Sir!“ gab dieser schließlich nach und seufzte.
Die Aussicht auf einen original-schottischen Scotch war immerhin auch verlockend....
„Macht`s gut, meine kleinen Lieblinge!“ verabschiedete er sich liebevoll von seinen Maschinen. „Papa ist bald wieder zurück! Seid schön lieb und macht mir bloß keinen Ärger, sonst gibt`s für 5 Lichtjahre nur noch halbe Energie, habt ihr verstanden?!“
Schweren Herzens machte er sich auf den Weg zum Transporterraum, schubste Mr. Kyle am Schaltpult beiseite und gab direkt die Koordinaten seines Lieblingspubs in seiner Heimatstadt  ein.

Kaum hatte Scotty sich wieder vollständig im „Drunken Highlander“ materialisiert, stieg ihm auch schon der geliebte Geruch von Alkohol, Zigarettenqualm und Männerschweiß in die Nase.
Der Geruch seiner Heimat.
Eine Live-Band spielte „Whiskey in the yar“; an den voll besetzten Tischen wurde gesungen, getrunken und gelacht. Zwei Männer duellierten sich beim Armdrücken und stießen dabei ihre Biergläser um; drei weitere prügelten sich und eine Schnapsleiche lag bereits neben dem Stuhl und schnarchte.
„Hm...die Jugend von heute verträgt auch nichts mehr.“ brummte Scotty missbilligend, tat einen großen Schritt über den Schlafenden hinweg und steuerte zielstrebig die Bar an.
Dort entdeckte er plötzlich ein vertrautes Gesicht.
„Paddy McLaine?!“ rief er ungläubig, als er seinen alten Freund aus Kindertagen als solchen identifiziert hatte.
„Montgomery Scott?! Was verschlägt dich denn hier her?! Na, das is ja eine Überraschung!“ dröhnte Paddy zurück.
Freudestrahlend fielen sich die beiden Männer in die Arme.
„Schön, dich mal wiederzusehen!“ plauderte Paddy munter weiter und lotste Scotty auf einen freien Barhocker.. „Komm! Darauf trinken wir einen! Scotch oder Guinness?“
„Dein irisches Bonbonwasser kannst du selber saufen!“ raunte Scotty empört. „Ich will einen anständigen Scotch!“
„Na, dann gib uns mal eine Flasche von dem guten Tropfen, Maggie!“ orderte Paddy von der stämmigen Wirtsfrau hinter der Bar.
„Den „Scottish Dream“ oder „Nessie`s Muntermacher“?“ fragte sie.
„Na, „Nessie`s Muntermacher“ natürlich!“ antwortete Paddy wie selbstverständlich. „Scotty ist schließlich ein GUTER Freund von mir!“
„Nessie`s Muntermacher??? Was is das denn für`n Gesöff?“ fragte Scotty skeptisch.
„Das ist der beste Scotch im ganzen Universum, mein Lieber!“ erklärte Paddy und schenkte sich und seinem alten Kumpel jeweils ein Glas des goldbraunen Tropfens ein. „Probier mal!“
Das ließ Scotty sich natürlich nicht zwei Mal sagen!
„Ziemlich gut.“ meinte er, nachdem er das leere Glas wieder abgestellt hatte, und schmatzte.
„Sehr gut sogar!“ fällte er schließlich sein endgültiges Urteil und nickte anerkennend.
Paddy grinste triumphierend.
„Is ja auch von mir! Aus meiner eigenen Brennerei nach einem selbst entwickelten Rezept!“
„Du hast eine eigene Brennerei???“ schoss Scotty zurück und bekam große Augen. „Donnerwetter! Meinen Glückwunsch!“
„Ja, ein Traumjob!“ bestätigte Paddy. „Wir wollten eigentlich mal zusammen in das Geschäft einsteigen, weißt du noch?“
Scotty lachte.
„Wie könnte ich das vergessen?!“ sagte er und seufzte. „Ja...so eine Pulle Scotch mit dem Prädikat: „Scotty`s Bester“, das wär schon was Feines!“ meinte er; besann sich dann aber wieder eines Besseren. „Aber...Nein! MEIN Platz ist im Weltraum! Am Herzstück eines Raumschiffes im Maschinenraum, wo so geschickte, einfühlsame, echte original-schottische Arbeiterhände wie die meinen unentbehrlich sind! Und außerdem....,“ füngte er mit einem breiten Grinsen hinzu. „...trinke ich den Scotch lieber, anstatt ihn selbst herzustellen! Ich glaube, andernfalls wäre ich mir selbst wohl der beste Kunde.“
„Och, naja,“ meinte Paddy und gab eine neue Runde aus. „So ein Scotch in Ehren kann einem doch niemand verwehren, oder?!“

So unterhielten sich beide Männer auch weiterhin über ihr schottisches Nationalgetränk; ihre Berufe bzw. Berufungen; alte Kindheitserinnerungen und ehemalige Klassenkameraden.
Der Scotch floss dabei in Strömen und es dauerte nicht lange, da war die erste Flasche bis auf den letzten Tropfen geleert und vor allem Paddy schon so angeschickert, dass er anfing mit jeder Frau zu flirten, die etwas an der Bar bestellte.
„Mann! Guck dir mal DIESE Glocken an!“ staunte er, als eine Blondine mit üppigen weiblichen Rundungen und aufreizendem Kleid einen ganzen Arm voll Bierflaschen an den naheglegenen Tisch zu ihren Freundinnen schleppte.
„Die könnte die Pullen glatt auf ihrem Vorbau ausbalancieren und servieren!...Und ihre Freundinnen sind auch nich von schlechten Eltern! Guck doch ma`, Scotty! Wär da nich auch Eine für dich dabei?“ stichelte Paddy und flirtete bereits mit einer jungen Brünetten am Nachbartisch, die seine Blicke verführerisch erwiderte und ihm ebenfalls schöne Augen machte.
Darüber konnte Scotty jedoch nur müde lächeln.
„Da weiß ich was Besseres!“ meinte er unbeeindruckt und kippte ein weiteres Glas Scotch hinter.
Paddy horchte auf und riss sich wieder von seiner Flirtpartnerin los.
„Nein! Sag bloß, du bist schon in festen Händen?!“ fragte er verblüfft.
„Hm-Hmmm!“ brummte Scotty grinsend und nickte.
„Ooooh! Du verdammter Cassanova!!!“ frohlockte Paddy. „Nun sag schon: wer ist sie? Wie sieht sie aus?“
„Nun, sie ist die schönste Lady im ganzen Universum!“ sagte Scotty und lächelte verträumt. „Da können deine Weiber da drüben nicht mithalten! Und ein paar Gondeln hat sie! Ich sage dir: so groß, dass die gar nich hier in diesen Schankraum passen würden!“
Er streckte die Arme aus, um die gigantische Größe anzudeuten und stieß dabei die Scotch-Flasche um.
„Hey! Pass doch auf!“ rief Barfrau Maggie verärgert und stellte die Flasche wieder aufrecht auf den Tresen zurück.
„Übertreibst du da nich`n bisschen, Schotti...äh, ich meine Scotty?“ fragte Paddy. „So große Titten gib`s doch gar nich!“
„Und ob es die gibt!“ protestierte Scotty energisch. „Wenn ich`s dir doch sage, kannst du`s mir ruhig glauben!“
Gedankenverloren ließ er seinen Blick nach oben schweifen....
„Nein, ich übertreibe nich! Sie is einfach ein Prachtstück! So schön und elegant...ohne jeden Makel! Perfekt konstruiert! 1A-Proportionen! Da kann kein Modell mithalten! Ich liebe sie einfach...und sie liebt mich!“
„Hat sie dir das gesagt?“ fragte Paddy und war schon jetzt hin und weg von Scotty`s Beschreibungen.
„Naja, nich direkt natürlich.“ musste Scotty zugeben. „Aber sie lässt es mich einfach spüren, weißt du?! Wenn ich sie erstmal auf Hochtouren gebracht habe, dann vibriert und stöhnt sie unter mir und schnurrt wie ein Kätzchen!“
„Wow!“ hauchte Paddy hingerissen und leckte sich die Lippen. „Du weißt, was einer Frau gefällt und wie du sie richtig anpacken musst, wa?!“
„Na, aber Hallo! Natürlich weiß ich das!“ sagte Scotty. „Ich kenne sie besser wie meine Hosentasche! Jedes Detail an ihr ist mir vertraut und ich verbringe jede freie Minute mit ihr. Ich bin immer für sie da und ich weiß: ich kann mich auch hundertprozentig auf sie verlassen! Sie würde mich niemals enttäuschen!“
„Wie lange kennst du sie denn schon?“ wollte Paddy wissen.
„Mehr als drei Jahre schon.“ verkündete Scotty stolz. „Zwei weitere liegen noch vor uns!“
„Wie jetzt?“ wunderte sich Paddy. „Danach machst du mit ihr einfach so Schluss?“
„Naja, ich würde sie wirklich nur sehr ungern verlassen.“ gab Scotty zu und seine Augen füllten sich plötzlich mit Tränen. „Mir wird jetz schon ganz schwer um`s Herz, wenn ich daran denke....Aber ich werde alles versuchen, um auch nach diesen gemeinsamen fünf Jahren noch bei ihr zu bleiben. Ich...ich könnte es nicht ertragen, wenn ich sie danach verlassen müsste.“
„Das versteh ich sehr gut.“ sagte Paddy verständnisvoll. „Sie scheint dir ja wirklich ganz schön den Kopf verdreht zu haben?!“
„Ja, das kann man so sagen.“ stimmte Scotty zu. „Aber is das ein Wunder? Wenn du sie sehen würdest, würdest du mich ganz sicher verstehen! Nur manchmal...naja....“ er zögerte und lächelte ein wenig verlegen. „Da brennen ihr halt auch mal die Schaltkreise durch, wenn du verstehst, was ich meine?“
„Oh ja!“ bestätigte Paddy. „Das kenn ich! Aber da sind ja alle Frauen gleich! Die sind eben auch mal zickig und können sehr temperamentvoll sein.“
„Also temperamentvoll ist sie auf jeden Fall!“ stimmte Scotty zu. „Warp 8 und mehr ist kein Problem, wenn`s drauf ankommt!“
„Verstehe!“ sagte Paddy und lachte. „Das klingt wirklich nach einem besonders aufbrausendem Exemplar, dass du dir da an Land gezogen hast!“
„Jaaa! Anlegen sollte man sich mit ihr lieber nicht!“ meinte Scotty. „Sie kann ganz schön austeilen, wenn man sie provoziert! Dann gibt`s nich selten `ne volle Breitseite!“
„Lass mich raten: sie selbst ist dabei nie Schuld?“ sagte Paddy augenzwinkernd.
„Selbstverständlich nicht! Niemals!“ behauptete Scotty. „Und wenn man sie angreifen will, hat sie stabile Schutzschilde! Sie lässt selten mal was zu nah an sich ran, was eine ernsthafte Gefahr für sie darstellt!“
„Ja, ja! Typisch Frau: austeilen, aber nicht einstecken können!“ kommentierte Paddy. „Aber macht ja nichts! Hauptsache ihr versteht euch bestens! Mann, du hast aber auch ein Schwein, sag ich dir, dass du so eine tolle Frau abgekriegt und ganz für dich allein hast! Wirklich beneidenswert!“
„Naja..., so ganz allein für mich hab ich sie leider nicht immer.“ musste Scotty gestehen. „Nur, wenn der Captain oder der 1. Offizier, Mr. Spock, mal nicht an Bord sind.“
Plötzlich verschluckte sich Paddy an seinem Scotch und prustete ihn hustend quer über die Theke.
„Bitte, WAS???“ fragte er entsetzt. „Du teilst sie einfach so mit zwei anderen Männern???“
Scotty holte tief Luft und nickte langsam.
„Ja....Aber was soll ich machen? James Kirk ist nun mal der Captain! Da hat er ja nun mal auch Anspruch auf unsere Lady! Aber er ist immer sehr gut zu ihr und in der Regel auch sehr rücksichtsvoll. Bei ihm brauch ich keine Angst haben, das er bei ihr irgendwas kaputt macht. Er liebt sie ja genauso wie ich.“
Paddy schien allerdings immer noch nicht so ganz überzeugt.
„Na, da biste aber tolerant, Scotty.“ meinte er. „Wenn meine Frau noch ein anderer Kerl anfassen würde, würde ich ihm ordentlich eine reinhauen, das kannst du aber glauben!“
„Aber doch nicht dem Captain!!!“ rief Scotty entsetzt. „Das gehört sich doch nicht! Dafür könnte er mich vor`s Kriegsgericht zerren! Und außerdem is Jim Kirk `n feiner Kerl. Den kann ich ganz beruhigt an sie ranlassen. Bei diesem vulkanischen Spitzohr sieht das allerdings schon etwas anders aus! Ich hab es gar nich gern, wenn er sie so jagt und bis zum Äußersten treibt!“
„Aber...ich dachte immer, Vulkanier sind ziemlich verklemmt und zurückhaltend, wenn es um Frauen geht?“ wunderte sich Paddy.
„Pah! Mr. Spock doch nicht!“ schoss Scotty zurück. „Ich hab ihm schon 1000 Mal gesagt, er soll meine Lady nicht so hart ran nehmen, aber wenn es drauf ankommt, da kennt er nichts! Der verlangt ihr alles ab, wenn er das will und es ist ihm völlig egal, wenn ihr dabei die komplette Energieversorgung zusammenbricht! Aber was soll ich machen? Er steht ja in der Rangordnung über mir und wenn er den Befehl gibt, kann ich nichts machen!“
„Na, diese Dame möchte ich ja mal gerne kennenlernen, die gleich drei Männern auf einmal den Kopf verdreht und sogar einem Vulkanier die Hormone durchgehen lässt!“ sagte Paddy.
„Wie heißt sie denn eigentlich?“
„Sie heißt Enterprise!“ verkündete Scotty und strahlte vor Stolz. „Wenn du willst, beam` ich mit dir mal zu ihr an Bord und stell  sie dir vor?!“
Paddy entgleisten sämtliche Gesichtszüge.
„Die ENTERPRISE???“ rief er geschockt. „Wir reden hier die ganze Zeit von einem...einem RAUMSCHIFF??? Ich dachte, wir sprechen über eine Frau!??“
„Aber das tun wir doch auch!“ protestierte Scotty.
Er konnte die Reaktion seines Freundes überhaupt nicht verstehen.
„Sie ist MEINE Lady!!!“ verkündete er und legte mit einer theatralischen Geste die Hand an sein Herz. „Ich könnte niemals eine andere lieben und werde immer bei ihr bleiben...bis der TÜV uns scheidet!“
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