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Der Schleier fällt

GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Mrs. Danvers
20.09.2013
20.09.2013
1
1.231
 
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3 Reviews
Dieses Kapitel
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Kurzbeschreibung: Mrs. Danvers' Tod. Wie dachte sie in diesem Moment über ihre Entscheidung...?

Rating: P12

Autor: WickedWitchOfTheWest

AN: Meine erste Fanfiction zu Rebecca. Und eigentlich ein bisschen ein Crossover zu Elisabeth, aber da Mrs. Danvers eindeutig die Figur im Vordergrund ist, hab ich es hierher gesteckt. An sich ist es ein Oneshot, aber falls mir noch was einfällt, kommt noch ein Kapitel dazu... kommt auch drauf an, ob das gewünscht ist ;) Viel Spaß :D

Disclaimer: Ich hab geträumt von Manderley/ich hoffte, es wäre mein/doch die Vernunft, die sagte mir/So wird es niemals sein! (Ehrlich, hat irgendjemand geglaubt, ich hätte die Rechte da dran? Nein? Eben.)



Der Schleier fällt


Rebecca...
Jetzt bist du nicht mehr hier
Worauf noch warten
Wenn ich dich nie wiederseh'?
Sinnlos ist dieses Haus so wie ich!
Rebecca
Nach dir, Rebecca
Soll nichts bleiben, wie es war
In Manderley...


Rot. Die Welt war rot, und sie flackerte um sie herum wie ein Blatt im Sturmwind. Egal, wohin sie sich drehte, sie sah keinen Ausweg mehr. Eigentlich brauchte sie gar keinen suchen, sie hatte es von Anfang an nicht auf einen angelegt. Sie hatte befürchtet, er würde sie dazu verleiten, ihn auch zu benutzen...

Sie merkte, wie das Rot langsam einer Schwärze wich, die von den Rändern ihres Blickfeldes her auf sie zukroch. Weit entfernt konnte sie noch immer die Schreie der Bewohner von Manderley hören, der anderen Bediensteten, Robert, auch Mr. Crawleys Stimme bildete sie sich ein zu hören. Dann ein lauterer Ton, befehlend und herrisch, aber noch immer kontrolliert. Ja, Maxim de Winter verlor selten die Fassung... und das Stimmchen daneben, hoch und klar, jedoch nicht so hysterisch, wie sie erwartet, wie sie erhofft hatte, ließ in ihr erneut den altbekannten Zorn aufsteigen... vermischt mit Hoffnungslosigkeit und Resignation. Das kleine verhuschte Reh, das Mr de Winter in Monte Carlo aufgegabelt und geheiratet hatte, war zu Mrs de Winter herangereift. Nun, da Rebeccas Geist das Anwesen verlassen hatte, gab es nichts mehr, was das Mädchen zurückhielt, und auch die ehemalige Haushälterin hatte nun keine Chance mehr.

Du hast gewonnen, flüsterten ihre Gedanken. Du hast gewonnen. Ich gebe auf. Ich bin besiegt, und Rebecca... Rebecca de Winter ist fort. Für immer, diesmal.
Aber was war mit Rebecca? Mrs Danvers runzelte hustend die Stirn, während der Rauch in ihre Lungen drang, die doch so verzweifelt nach reiner Luft schrien. Was war mit Rebecca, der einzigen Mrs de Winter, die anzuerkennen sie bereit war? Sie war fort, hatte Manderley verlassen, nachdem sie ihre Anwesenheit noch ein Jahr nach ihrem Tod gespürt hatte. War sie es, die von der neuen Mrs de Winter geschlagen worden war? Hatte sie dieses eine Mal selbst eine Niederlage erleben müssen und sich zurückgezogen, oder hatte sie sich, enttäuscht von deren Niederlage, von Mrs Danvers abgewandt...?

Während sich ihr Körper in langsamen Schritten eingestehen musste, dass er der Anstrengung nicht mehr gewachsen war, und schließlich inmitten der gierig lodernden Flammen zusammenbrach, wurde ihr Geist im Gegensatz dazu immer wacher. Sie begann, ihre Entscheidung anzuzweifeln, doch es war zu spät, sie ungeschehen zu machen, wie sehr sie sich auch dagegen wehrte. Vielleicht wollte Rebecca sie gar nicht, nachdem sie sie so bitter enttäuscht hatte? Vielleicht würde sie gar nicht erst bis zu ihr durchdringen? War Rebecca doch immer so weit über ihr gestanden, hatte so viel mehr bedeutet als sie...
Sie meinte zu fühlen, wie Tränen aus ihren Augen traten, doch das konnte nicht sein... sie hatte ihre Tränen vor langer Zeit schon geweint, es waren keine mehr übrig.

„Francis Danvers.“ Sie fuhr zusammen und verharrte ein paar Sekunden lang reglos. Niemand nannte sie mehr so. Rebecca hatte sie niemals mit diesem Namen angesprochen, und nach ihrem Tod hatte sie selbst sich geweigert, ihn weiterhin zu verwenden. „Oh, Verzeihung...“ Die Stimme, ein Mann, wenn sie sich nicht irrte, klang schwach amüsiert. „Danny.“
Nun drehte sie sich doch nach dem Sprecher um. Vage registrierte sie, dass der Schmerz aufgehört hatte, das unerträgliche Brennen des Feuers, doch dieser Gedanke rückte sofort in den Hintergrund ihres Bewusstseins.

Neben ihr stand ein hoch aufgewachsener junger Mann... jedenfalls nahm sie zunächst an, dass es ein junger Mann war. Bei näherer Betrachtung ließ sich sein Alter aus irgendeinem Grund nicht mehr bestimmen – er besaß den Körper eines Jünglings, doch zugleich strahlte er eine Erfahrung und Weisheit aus, die kein Mensch in einer Lebenszeit je erreichen könnte. Oder lag es an dem dunklen Schleier, der ihn zu umgeben schien wie ein zu Stoff gewobener Schatten? Blondes, etwas zu langes Haar umrahmte ein glattes, androgyn wirkendes Gesicht, das aussah wie das von einem genialen Meister aus Marmor geschnittene Gesicht einer Statue.
Seine feinen Züge verzogen sich zu einem Lächeln, das allerdings kaum belustigt schien. „Wie schade. Wieder ein Mensch, dem es einfach nur die Sprache verschlägt. Ich muss zugeben, ich hatte mir mehr von dir erwartet.“
Unwillig verzog sie das Gesicht. Er hatte mehr von ihr erwartet, so. War das etwa ihr Problem? Was wollte er hier? Sie kannte ihn nicht, hatte ihn noch nie gesehen, weder auf Manderley noch irgendwo anders.
„Was haben Sie hier zu suchen?“ Sie verfluchte innerlich den unsicheren Klang ihrer Stimme. Sie war so verwirrt... sie war doch noch immer in Manderley, nicht wahr? Ja, natürlich... um sie herum loderten weiterhin die Flammen, flackerten und griffen um sich... doch nicht mehr nach ihr. Sie versuchte, dem Fremden einen entschlossenen Blick zuzuwerfen, Antworten zu fordern, und stellte fest, dass sie ihn deutlicher erkennen konnte als zuvor. Seine Lippen waren bleicher, als gesund sein konnte.
„Der Schleier fällt, Danny“, sagte er leise und scheinbar ohne auf ihre Frage einzugehen. „Du hast lange genug auf ihre Rückkehr gewartet.“ Er machte einen Schritt auf sie zu, und im Gegenzug wich sie automatisch einen zurück. Lächelnd ging er weiter, und sie wich ihm aus, bis sie an die Wand gedrängt stand und er so nah war, dass er sie beinahe berührte. Sie presste die Handflächen an den Stein und zog sie reflexartig wieder zurück, als ihr einfiel, dass er heiß war. Der Fremde zog eine Augenbraue hoch. Mrs Danvers dachte nur, dass das außerordentlich arrogant aussah. Dann beugte er sich zu ihr herunter und legte seine Lippen auf ihre.

Was zwischen ihnen geschah, konnte man nicht einmal als Kuss bezeichnen. Wie konnte er es wagen?! Nur einen Sekundenbruchteil später hatte Francis dem Fremden eine schallende Ohrfeige verpasst und starrte ihn nun an, die Hand noch immer erhoben, während er das Gesicht zu einem Grinsen verzog und schließlich tatsächlich ein leises, zufriedenes Lachen vernehmen ließ.
„Das passt schon eher zu dir“, sagte er. Francis hob die zitternden Fäuste, doch er schüttelte den Kopf. „Du brauchst dich nicht zu verteidigen.“
„Wer sind Sie?“, stieß sie zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor, doch sie hatte den Eindruck, die Antwort bereits zu kennen. Es wollte ihr im Augenblick nur nicht einfallen.

„Du willst sie doch wiedersehen?“
Sie blickte in seine tiefblauen Augen, deren dunkles, silbriges Schimmern sie verunsicherte und beruhigte zugleich. Fast unmerklich senkte und hob sie den Kopf, ein Nicken. „Ja...“
„Dann bin ich der, auf den du gewartet hast.“

Als ihre Lippen erneut die des Todes berührten, wehrte sie sich nicht dagegen, sondern erwiderte den Kuss, der sich so falsch und gleichzeitig doch so richtig anfühlte. Eigentlich sollte nur sie sie so küssen dürfen... doch er würde sie schließlich zu ihr bringen.

Francis Danvers schloss die Augen, als auch der letzte Schleier fiel.
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