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John Stillman und die Briefe

GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P18 / Gen
John Stillman Kat Miller Lilly Rush Nick Vera Scotty Valens Will Jeffries
20.09.2013
20.12.2013
7
13.553
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20.09.2013 1.628
 
AN:

Mir gehört wie immer nix- erst recht keine Rechte an Serien oder Songs!

Das ist das Ende von „John Stillman und die Briefe“.
Ich hoffe, es gefällt Euch, und Dir kwieenie,
im Besonderen.


Ich wünsche uns allen ein gesegnetes Weihnachtsfest.

Und auch auf die Gefahr hin, dass es unrealistisch klingt-

Frieden auf Erden.



Song: I'll be home for christmas by Lady Antebellum http://youtu.be/nqD9I2KEpVo


8 Jahre später


Die dicken, dunkelbraunen Locken unter der hübschen Häkelmütze breiteten sich auf dem schmalen Rücken des dunkelgrauen Wollmantels des Mädchens aus, als es sich zu dem Grabstein hinab bückte und geschickt einen Strauß blauer Rosen in der Vase unter dem Mamorstein platzierte,
bevor es sich beinah feierlich wieder aufrichtete und zu der Frau im langen, schwarzen Mantel
mit rotem Innenfutter aufsah.

Der Mann, der ihr eben noch eine Hand auf die Schulter gelegt hatte, ihr Vater-,
denn es war einfach, zu diesem Schluss zu kommen, fand Diane,
verglich man die sich gleichenden Gesichtszüge, das dichte, dunkle Haar,
abgesehen von den blauen Augen, welche die Farbe eindeutig von denen der Mutter
geerbt hatten, denn sie glichen einer dunklen, stürmischen See im Eismeer und den Sommersprossen-,
hielt ihr ein Feuerzeug hin, umhüllte die kleine, verloren wirkende Flamme mit seinen
behandschuhten Händen und lächelte herzlich, als sie eine wächserne,
cremefarbene Kerze damit entzündete, welche sie an ihre Mutter weiter reichte.

Die Frau bückte sich daraufhin ebenfalls, schirmte die kleine, hoffnungsvolle Flamme der Kerze mit einer Sorgfalt mit ihren Händen ab, als beschütze sie ein kleines Kind vor dem kalten Winterhauch, welcher den Schnee voran trieb,
und senkte den flackernden Kerzenschein zu dem kleinen Windlicht,
welches Diane selbst wie ihren Augapfel pflegte.

Es war ein handgeblasenes Kristallglas, das John ihr zu Weihnachten geschenkt hatte-
oder besser- das er ihr hatte schenken wollen, in dem Jahr, als er von ihnen gegangen war.

Acht Jahre und der Schmerz war zu Weihnachten jedes Jahr wieder so frisch,
wie an dem Morgen, als sie neben ihm aufgewacht war... damals.

Mühsam schüttelte sie die Erinnerung ab.

Sie hustete kurz und leise und warf einen Blick auf die kleine Gruppe,
doch niemand hatte sie hinter dem Stamm der dicken Weide entdeckt,
in deren Nähe er unbedingt hatte beerdigt werden wollen.

Diane lächelte leicht, als sie nun sah, wie die Mutter ihrer Tochter dankbar und stolz
über die Wange strich und deren Mütze ein Stück weiter nach rechts über ihre Ohren zog.

Dann reichte die blonde Frau dem jungen Mädchen, das bald sicher ein wunderhübscher Teenager werden würde, der allen Jungs den Kopf verdrehte- Diane grinste, als sie daran dachte,
nein, es förmlich vor sich sah, wie ihr Vater mit gezogener Waffe ums Haus schlich,
um etwaige Verehrer in die Flucht zu schlagen- was ihm durchaus gelingen dürfte-
die Hand und alle drei hielten einander bei den Händen.

Sie betrachteten stumm, die Köpfe gesenkt, das Grab mit der tanzenden, tapferen kleinen
Kerze vor sich.

Schneeflocken tanzten über ihren Köpfen, längst lagen die Gräber unter der friedvollen winterlichen Decke des Schnees, von der Straße kam ein warmer Schein der Weihnachtsbeleuchtung her,
welcher die Dunkelheit des Friedhofes erhellte und den Besuchern erlaubte,
die Namen auf den Steinen zu lesen.

Auf diesem stand:

Ich werde bei Euch sein, bis ans Ende aller Tage.

In ewiger Erinnerung an
Lt. John Stillman

Diane wischte sich mit dem Jackenärmel ihrer dicken Daunenjacke über die Augen und ärgerte sich, wie jedes Jahr, darüber, dass sie kein Taschentuch eingesteckt hatte.

„Nein danke. Es wird schon gehen.“ hatte sie Adam,
ihrem Arbeitskollegen,
einem sehr guten Freund, vielleicht sogar mehr als das, zumindest meinte sie zu wissen,
dass er sich mehr von ihr erhoffte-
doch daran glaubte sie seit John nicht mehr,
denn sie glaubte nicht mehr an die Liebe als Solche-
geantwortet, als dieser ihr mit wissendem Blick
eine Packung reichen wollte und sie-
wie jedes Jahr- dankend ablehnte.

Sie hatte ihm eine scheues Lächeln geschenkt,
als er sie, wie jedes Jahr an Weihnachten, vor dem Friedhof absetzte.

Der Wind frischte auf, und Diane betrachtete mit angehaltenem Atem den Kampf des friedvollen Lichtes im Glas gegen die Elemente und freute sich wieder einmal, als sein Schein weiter leuchtete und die stummen Gesichter von John Stillmans Besuchern an diesem Weihnachtsabend weiter erhellte.

Immer wieder nahm sie sich vor, eines Tages danach zu fragen, warum die Rosen blau waren.

Aber ein Teil ihrer Selbst wusste, dass sie darauf nie eine Antwort erhalten würde-
denn sie fragte nie.

Ausgerechnet blau.
Es musste ein Geheimnis sein, das John mit ins Grab genommen hatte.

Wo bekam man so kurz vor den Feiertagen in Philadelphia bloß blaue Rosen her?

Aber sie wusste die Geste dennoch jedes Jahr zu schätzen.

Plötzlich knirschte der Schnee unter schweren Stiefeln zur Rechten der kleinen Gruppe und die kleine Familie sah lächelnd auf, umarmte mehrere Personen, die sich ihnen anschlossen und
obwohl sie alle fröhlich wirkten, ging diese Prozedur ungewöhnlich leise von statten.

Diane prägte sich den Anblick von Johns Freunden und Kollegen von der Philadelphia Mordkommission genau ein, die sich umarmten, lächelten, einander schließlich Halt gaben,
als alle sich um das Grabmal versammelten und leise, ohne Stichwort,
einer nach dem anderen, vortraten und leise eine Geschichte zu erzählen begannen.

Jeder hatte seine Angehörigen mitgebracht,
die jedoch geschlossen, wie heimlich verabredet,
zurück traten, als Johns ehemalige
Mitarbeiter an sein Grab traten.

Diane lauschte, obwohl-

Sie kannte sie alle auswendig.
Jede einzelne ihrer Geschichten,
aber es gab ihr einen merkwürdigen Frieden,
als wäre er plötzlich wieder bei ihr,
während sie hier unter dem Baum stand und
seinen Freunden bei ihren Anekdoten lauschte.

Es war, als sei sein Wohlwollen,
welches er diesen Leuten entgegen gebracht hatte,
noch immer präsent.

Als Erste trat Lilly Rush Valens vor,
die mit klarer, fester Stimme erzählte,
wie John sich ihrer annahm, als sie noch ein Kind
gewesen war, nachdem man sie verprügelt hatte.
Der Tag, als Lillian Rush das Wort
Vertrauen wieder in ihren Wortschatz aufnahm.

Scotty nahm dabei ihre Hand, legte seiner Frau einen Arm um die Schultern und stützte sie,
wie er es immer tat.
Dann begann auch er zu sprechen, leise, eindringlich, stockend erzählte er
von der Zeit, als John IHM eine Stützte gewesen war,
der Zeit nach Elissas Tod.
Die Zeit, als Scotty jede Hoffnung verlor
und diese erst durch die Hilfe seines Vorgesetzten wiederfand.

Will Jeffries berührte andächtig den Grabstein, fuhr mit dem Handschuh
über den abgerundeten Bogen, bevor er erzählte,
wie John und er einmal zum Angeln und Campen gewesen waren.
Das war nach dem Tod von Wills Frau gewesen,
Johns Idee, um seinen alten Freund und Weggefährten
auf andere Gedanken zu bringen.
Will gab zum Besten, wie John ihm seinen Köder lieh,
weil Will ganz frustriert feststellen musste,
dass kein einziger Fisch sich blicken ließ, und, wie ihm daraufhin der dickste Fisch ins Netz ging,
den er je gesehen hatte- und sie diesen schließlich christlich
am Lagerfeuer mit Brot und Wein teilten.
Das war der Tag, an dem Will seinen Glauben an Mitgefühl und Gott wiederfand.

Nick Vera hustete und klopfte sich auf das Brustbein,
bevor er grinsend einen Apfel auf dem Grab niederlegte,
sich aber geräuschvoll schniefend die Nase schnäutzen
musste, ehe er davon berichtete, wie John ihn zur ärztlichen
Untersuchung für den Commissioner genötigt hatte
und er lapidar meinte, sein Arzt hätte ihm verordnet,
jeden Tag einen Apfel zu essen- das würde schon passen.
Seit dem Jahr, in dem John ihm von seinem Hirntumor erzählte,
war Nick Vera vorbildlicher Vorsorge- Stammpatient in seiner Hausarztpraxis:
Und trotz seines Donut Konsums, dank des Apfels?, kerngesund.

Kat Miller tupfte sich verzweifelt die Augen,
doch die Tränen, die auf ihren Wangen dicke
Streifen hinterließen, waren dennoch deutlich.
Ihre Geschichte begann mit dem Tag,
als John sie damit überraschte,
dass er sie zur Leiterin der
Abteilung beförderte,
und sie zitierte
seine gesamte Rede.
Auswendig.
Sie hatte keines seiner Worte
an sie je vergessen. So, wie sie ihn nie vergessen hatte.

Als nun alle Anwesenden sich auch wortreich noch einmal von ihrem Freund
verabschiedet hatten, ihm, wo immer er sei, frohe Weihnachten gewünscht hatten,
und den Friedhof als geschlossene Einheit verlassen wollten,
tat Diane etwas Unerwartetes-

Sie kam hinter dem Baum hervor, bevor alle gegangen waren
und zum ersten Mal bemerkte die Gruppe ihr Erscheinen an diesem besonderen Tag,
zu diesem Ritual, welches sie alle miteinander verband,
und Diane beugte sich vor, gab dem kalten Stein
einen Kuss, steckte einen Brief,
den sie klein gefaltet in ihrer Jackentasche bei sich getragen hatte,
zwischen den Stein und das Windlicht und wandte sich an alle,
als sie selbst zum ersten Mal ihre eigene Geschichte
von John zu erzählen begann, dem Tag, als er sie
verließ und doch immer bei ihr blieb- in ihrem Herzen.

Niemand unterbrach sie, niemand wagte es, sich ihr zu nähern,
aber alle hörten gebannt zu.

Und als sie endete, kam Lilly zu ihr und sah ihr tief in die Augen:
„Glauben Sie einem Mann, wenn er Ihnen sagt, dass er sie liebt.“
Und als hätte er nur darauf gewartet, nahm Valens sie am Arm
und murmelte kryptisch: „Schöne Frauen soll man nicht warten lassen.“

Das war der Tag, an dem Diane Yates ihren Glauben an die Liebe wiederfand.


Damit nahmen sie Diane in ihrer Mitte auf und Will sah zum Himmel hinauf,
und alle taten es ihm gleich und er sagte laut in die friedliche, stille Nacht:
„Denn was bleibt, sind Glaube, Hoffnung, Liebe. Doch die Liebe ist die Stärkste unter ihnen.“

Sie gingen langsam dem Ausgang zu.

Da war es, als erhellte ein Lichtschein von den Sternen ihre Gesichter
und wärmte ihre Herzen und sie hielten allesamt gleichzeitig inne,
wandten sich noch einmal dem Friedhof zu,
sahen zur Weide hinüber,
deren Zweige im Wind zu ihnen zu flüstern schienen,


und dort stand John,


sah ihnen nach und lächelte,

bevor sein Geist
im Wirbel der Schneeflocken

langsam verschwand.




Ende
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