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John Stillman und die Briefe

GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P18 / Gen
John Stillman Kat Miller Lilly Rush Nick Vera Scotty Valens Will Jeffries
20.09.2013
20.12.2013
7
13.553
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20.09.2013 947
 
-2.- Scotty

Der Schnee vor dem Fenster fiel lautlos und der Punsch in seiner Hand wurde langsam kalt-
er konnte spüren, wie das Glas, das seine Finger umklammerten, immer kälter wurde.

Es war eine gute Umschreibung seines eigenen Zustandes-
er fühlte, wie das Leben immer schneller aus ihm wich und es fühlte sich unaufhaltsam an.
Er glaubte beinah, zu sehen, wie der Atem, der jetzt am Fensterglas kondensierte,
einen weiteren Atemzug vergehen ließ, der nie wieder kommen würde.

Ewigkeit.

Für wen gab es schon Ewigkeit?

Aber er hatte noch etwas zu erledigen, bevor ihn das Leben endgültig verließ.

„Hey, Boss, es tut mir leid, dass Sie so lange warten mussten, aber meiine Familie ist...“
der junge Mann, der jetzt von hinten an ihn heran trat, fuhr sich verlegen durchs kurze schwarze Haar, „... nun ja. Ich denke, Sie haben sicher in der letzten halben Stunde einen Eindruck davon bekommen, womit ich es zu tun habe.“

John lächelte nachsichtig und hob sein Glas.
„Ich war in guter Gesellschaft und habe mich prächtig amüsiert Ihnen zu zu sehen, wie Sie von Ihrem Bruder und seiner Frau ausgequetscht wurden.“ gab er zu bedenken und winkte mit dem halb leeren Glas. Eigentlich sollte er keinen Alkohol zu sich nehmen, erst recht nicht auf die Tabletten,
die noch in seinem Magen Samba tanzten, aber es kümmerte ihn nicht.

Den Wagen hatte er vor Dianes Wohnung stehen lassen und hatte den Weg hierher mit dem Taxi bewältigt. Er hatte sie nicht wecken wollen und hatte nur eine kurze Nachricht auf dem Nachttisch hinterlassen, dass er rechtzeitig zum Frühstück wieder da sein würde.

„Nun, Sie sagten, Sie hätten noch etwas für mich?“ wollte Scotty Valens gerade von ihm wissen,
als sich zwei kleine Hände um sein linkes Hosenbein schlangen.
„Wann spielen wir mit meiner neuen Konsole, Onkel Scotty?“ drängte Emilio,
Scottys Neffe und warf John einen vorwurfsvollen Blick zu.

Scotty verpasste dem vorlauten Jungen einen Klaps auf den Hinterkopf und deutete auf John.
„Em, wir haben Besuch! Sei gefälligst höflich und warte, bis ich fertig bin!“
schalt er den Jungen aus und machte sich los.
„Kommen Sie, Boss, ich weiß, wo wir uns einigermaßen ungestört unterhalten können!“

John folgte Scotty durchs Haus und sie gelangten am festlich geschmückten Tannenbaum vorbei durch eine Tür in die Garage. John hob die Augenbrauen, aber Scotty zog eine Grimasse.
„Ich hoffe, hier werden sie mich nicht so schnell finden.“

Die beiden Männer sahen einander stumm an, bis der Ältere den großen, wattierten Briefumschlag aus seiner eilig vom Garderobenhaken gezogenen Jackentasche nahm.

Wie Lilly vor ihm bekam auch Detective Scotty Valens große Augen, als er das Format des Schreibens erkannte und selbst sein leicht gebräunter Teint erbleichte.
„Boss!“


Doch diesmal war John auf diese Form der Reaktion vorbereitet und hob beschwichtigend beide Hände: „Alles ist in Ordnung, Scotty, kein Grund zur Panik! Niemand ist tot, okay?“

Langsam holte Valens Luft und John rechnete es ihm hoch an, dass seine Hände kein Zittern erkennen ließen, als er jetzt nach dem Papier griff. Es in den Händen drehte, ungläubig,
als er Lilly Rush's filigrane Handschrift erkannte.
Ja, Valens war erwachsen geworden.
Seine Miene war ruhig und abgeklärt- früher hätte er sicher begonnen, unruhig im Kreis herum zu laufen. Heute beruhigte er sich sofort selbst und schien beschlossen zu haben, John zu vertrauen.
„Aber ich dachte... als ich Ihnen so einen ähnlichen Umschlag aushändigte...“

„Ich weiß, wonach es für Sie aussehen muss. Aber ich versichere Ihnen, es ist nicht das,
wofür Sie es halten.“
erklärte John leise und legte Scotty eine Hand auf die Schulter
„Es war sehr nett von Ihrer Mutter, mich herein zu bitten, aber ich muss jetzt gehen, Valens.
Schöne Frauen soll man nicht warten lassen, oder?“

Er drückte Scottys Schulter noch einmal und dieser Griff glich einem Schraubstock.
„Merken Sie sich das.“

Verwirrt zog der jüngere Mann den Kopf ein und runzelte die Stirn, während John in seine Jackenärmel schlüpfte und sich über die Nasenwurzel fuhr. Die Kopfschmerzen würden bald
zurück sein und bis dahin wollte er wieder im Taxi sitzen, auf der Heimfahrt.
Vor ihrer Wohnung nur noch aus dem Auto klettern müssen, ihr Sorgenvolles Gesicht ignorieren,
seine Tabletten nehmen und sich schlafen legen, bis am Morgen der Aufbruch in ein neues Leben auf ihn wartete.

Er drehte sich noch einmal zu Valens um und musterte ihn.
„Machen Sie es gut, Scotty. Ich vertraue darauf, dass Sie sich gut um alle kümmern werden.“
Dann zog er mit den Worten: „Frohe Weihnachten, Scotty.“ die Tür hinter sich zu.

Bevor er sein Handy zückte, um sich erneut ein Taxi zu rufen, warf er noch einen schnellen Blick durch das kleine Seitenfenster der Garage und im schwachen Schein der Lampe, die an der Decke baumelte, konnte er sehen, wie Valens sich auf die Motorhaube seines Wagens setzte und den Umschlag öffnete. Er hob die erste Seite ins Licht und begann zu lesen.

Eine Schneeflocke traf John im Genick und er schlug zufrieden seinen Kragen hoch,
um sich gegen die wirbelnden Flocken zu schützen.
Er sah rote Leuchten eines Taxis und warf einen Blick nach oben.

„Danke. Das ist wirklich äußerst zuvorkommend.“ grinste er und hastete den Bürgersteig entlang auf das Gefährt zu. Seine Hand streckte sich nach dem Türgriff und er sprang behände hinein.
Der Taxifahrer, ein alter, dicker Mann mit weißem, lockigen Haar und buschigem Bart sah ihn
gutmütig an.

„'Nabend, Sir. Frohe Weihnachten! Nach Hause?!“
fragte der Fahrer und rückte seine runde Nickelbrille zurecht.
John seufzte und lächelte freundlich.
„Ja, Ihnen auch frohes Fest. Ja, nach Hause, bitte. Das ist eine gute Idee.“
Der Fahrer nickte verständnisvoll, als John ihm Dianes Adresse gab und dann fuhr er los, verschwand mit seinem Fahrgast im Schneesturm.
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