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John Stillman und die Briefe

GeschichteFamilie, Liebesgeschichte / P18 / Gen
John Stillman Kat Miller Lilly Rush Nick Vera Scotty Valens Will Jeffries
20.09.2013
20.12.2013
7
13.553
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20.09.2013 2.110
 
Die Briefe

Story by Sarahsassy

AN:

Hi Leute!
Ich weiß, ich weiß. Ich bin euch dringend ein neues Kap.zu Lucky Stars schuldig,
aber bevor ich das hier nicht aus dem Kopf habe, wird das nix!

Bussis an meine Rasselbande! We are the Lucky Ones!

So, kwieenie, ich hoffe, ich hab John einigermaßen getroffen!
Nur noch eins...
Das erste Kapitel, ach was sag ich, die Story, ist mein Geschenk an dich,
also dann:

Für den größten John Fan, den ich kenne!



1. Abschied und Neubeginn


Lt. John Stillman griff nach dem Schalter seiner Schreibtischlampe und löschte das Licht.

Nur noch Phillys niemals schlafende Beleuchtung flutete sein Büro im PPD und er nahm die Brille ab und rieb sich die schmerzende Nasenwurzel mit zwei Fingern, bevor er sich von seinem Ledersessel erhob und nachdenklich seinen Blick über die Skyline schweifen ließ.

Er seufzte tief und strich mit rauen Händen über sein Notizbuch.

Seine Finger waren schwielig geworden, trotz des Papierkrams, der sich immer noch auf seinem Schreibtisch aufhäufte, doch sie kannten noch immer das Gefühl der Waffe in seinem Handteller, den Widerstand des Abzugs.

Für einen Moment fröstelte er und besah sich seine alten Hände.
Schwielen, Falten, Altersflecken... kein schöner Anblick, sollte man meinen.

Aber da waren Lebenslinien, auf der anderen Seite.
Seine Hände waren noch immer schnell, noch immer geschickt, zupackend, tröstend, liebevoll, vertrauensvoll, warm und weich... seine Hände.
Sie hatten ihn sein ganzes Leben begleitet und würden Dienst tun,
so lange er lebte. Sie würden nie in Ruhestand gehen.
So, wie er heute.

Und niemand aus seiner Einheit wusste Bescheid.

So hatte er es mit dem Commissioner besprochen, mit Will und Kat, die seinen Job übernehmen würden.

Er grinste.

Will Jeffries und Kat Miller zu gleichen Teilen einzusetzen, erlaubte es der
jungen Mutter, auf die verdiente Position zu rücken, ohne ihre Tochter vernachlässigen zu müssen,
welche ja mittlerweile auch den gröbsten Kinderschuhen entwachsen war.

John wollte nicht Schuld daran sein, dass eine weitere Familie zerbrach.
Seine eigene war schon ein zu hoher Preis gewesen.

Er nahm das gerahmte Foto seiner Tochter und seiner Enkelin vom Tisch und steckte es behutsam
in seine Aktentasche.

Dann griff er nach dem anderen Bilderrahmen und hielt ihn ins spärliche Licht der Stadt.

Kat Miller lächelte ihm entgegen, genau so enthusiastisch, wie sie es an dem Morgen getan hatte,
als er ihr seine Entscheidung mitgeteilt hatte, sie von der Drogenfahndung zu engagieren.
Er erinnerte sich an den Stolz in ihren Augen, an den Unglauben.

Genau so hatte sie wieder ausgesehen, nur ein wenig älter und weiser, als er ihr von seinem geplanten Ruhestand und der damit einhergehenden Beförderung erzählte.

„Aber... Boss... das kann nicht Ihr Ernst sein!“
Sie hatte sich zu den verschlossenen Jalousien umgedreht.
„Und ich dachte, ich hab irgendetwas angestellt, als Sie mich hier rein bestellten!“

John ging auf sie zu und lehnte sich an die Kante seines Schreibtisches.

„In gewisser Weise haben Sie das ja auch, Kat. Sie haben mich davon überzeugt, dass Sie das Zeug dazu haben, diesen Posten ausgezeichnet auszufüllen, mit Will's Hilfe, bis auch dieser seinen Platz im Schreibtischstuhl Ihnen räumen wird, wenn Veronica alt genug dafür ist, dass Sie hier allein das Kommando übernehmen können.“

Kat kratzte sich verlegen am Hinterkopf, schob eine Lamelle der grauen Jalousie zurück und warf einen traurigen Blick in den Bullpen zurück, bevor sie sich zu ihm umdrehte.

„Es tut mir leid, Boss, aber ich kann Ihr Angebot nicht annehmen! Ich...
ich fühle mich sehr geehrt, wirklich, aber diese Beförderung steht mir nicht zu.“

Sie ließ die Lamelle los.
„Sie wissen genau, wem es eigentlich zusteht, Ihren Platz einzunehmen, Sir.“

John trat neben Kat, legte ihr eine Hand auf die Schulter und führte sie zu einem seiner neuen Sessel hinüber und drückte sie ins Polster.

„Genau aus diesem Grund habe ich Sie ausgewählt, Kat. Sie behalten kühl und klar immer das große Ganze im Überblick. Sie sind emotional stabil und leben in einer geordneten Partnerschaft
mit Bell, Ihrer Tochter und Ihrer Mutter, eingebunden in eine wundervolle, engagierte Familie. Wenn man diesen Job und alle Facetten, die er mit sich bringt, verdammt noch mal ordentlich abliefern will, dann ist das von unschätzbarem Wert.“

Er sah das Rot auf ihren Wangen und sie senkte den Blick.

„Lil ist nicht... emotional instabil. Sie ist... Lil.“
erwiderte Miller geduldig ihre Kollegin verteidigend.
„Ich bin nicht einmal halb so ehrgeizig und gewissenhaft, wie sie.“

John ging zu seinem Stuhl zurück und legte Zeigefinger und Daumen an Schläfe und Wange.

„Und genau das macht Sie professioneller und geeigneter für diesen Job, als Rush.“
entgegnete er ruhig und sachlich.

„Von Rushs dummen Alleingang wegen ihrer Schwester einmal ganz abgesehen.
Macht sich nicht gut in der Personalakte, sowas. Und das wissen Sie genauso gut, wie ich.“

Er beugte sich über den Tisch und fixierte Miller mit seinen graublauen Augen,
in denen eine Spur grün zu finden war, über den Rand seiner Brille hinweg.

„Dann Will. Er ist länger dabei, als ich, er hat Sie schon einmal vertreten...“
Kat gestikulierte wild.

„Das ist der Grund, weswegen er Ihnen in der ersten Zeit noch zur Hand gehen wird,
was den Papierkram und die offiziellen Aufgaben angeht. Aber ich bin sicher, auch das werden Sie schnell im Griff haben. Ich erinnere mich noch an Ihre Anfangszeit bei uns. Ihnen ist nicht ein einziger Anfängerfehler unterlaufen, Kat. Ich setzte auch diesmal auf Ihr Naturtalent.“

Miller rutschte ungemütlich auf ihrem Sitz hin und her.

„Was ist mit Nick? Mit Scotty?“
hauchte sie.

John presste die Lippen zusammen und schüttelte bedächtig den Kopf.

„Jetzt erzählen Sie mir nicht, Sie wüssten nicht genauso gut wie ich, dass beide nicht in Frage kommen! Beide sind Hitzköpfe sondergleichen und Vera steht unter ganz besonderer Beobachtung.
Er ist diesem Job weder körperlich noch geistig gewachsen- und das einmal ganz davon abgesehen, dass Nick immer auf der Straße bleiben möchte.
Und über Valens brauchen wir gar nicht zu reden.“

Kat sah noch nicht überzeugt genug aus.

Nun gut, dann also die Wahrheit.

„Stellen Sie sich einmal vor, einer seiner Detectives veranstaltet etwas unglaublich waghalsiges,
dummes...“

John schnaufte leise, die Hände öffneten und schlossen sich automatisch,
als er an seinen jungen Dummkopf von Detective dachte.

„... wie etwa die Verfolgung und Verhaftung des Vergewaltigers seiner Mutter im Alleingang.
Anschließend geht der Detective ins Gefängnis, spricht mit alten Kontaktpersonen, sorgt dafür,
dass der Mensch von den anderen schweren Jungs für einen Polizeispitzel gehalten wird,
und ein paar Wochen später ist der Typ tot!“

Miller atmete hörbar ein.

„Und damit das noch nicht reicht, erzählt der junge Mann seinem Vorgesetzten nichts davon, sondern meint, er sei Superman persönlich. Erst der Federführende vom anderen Revier kommt zu ihm und weiht ihn ein, um Schaden von seinen Detectives abzuwenden.“

Kat schüttelte stumm den Kopf.
John fuhr ganz ruhig fort:
„Dabei erfährt Scotty von Pierrson, dass seine beste Mitarbeiterin, nebenbei gesagt,
die Partnerin des jungen Mannes, auch noch in die Sache verwickelt ist,
weil sie Beweismittel aus dem Fall zum Schutz ihres Partners vorenthält.“

Kats Augen glichen Untertassen.

„Anschließend darf Scotty sich dann damit herum prügeln, dass diese zwei auch noch losziehen,
ohne seine Erlaubnis natürlich!, und mit einer nicht registrierten Waffe nach dem gewalttätigen Exfreund ihrer Schwester suchen, der selbige und ein kleines Kind in seiner Gewalt hat,
nachdem er obendrein noch Rushs Dienstwaffe an sich bringen konnte!“

Johns Blick war kalt und starr.

„Stellen Sie sich das mal vor, Kat.“

Die Angesprochene schluckte hörbar.
John sah an ihrem Gesichtsausdruck, dass sie von alldem keinerlei Kenntnisse gehabt hatte.
Ihr Glück.

„Jetzt sagen Sie mir noch mal, dass Sie der Meinung sind, Valens sei ein Kandidat.“

Langsam neigte sie bedauernd den Kopf von einer Seite zur anderen.

„Ich will Ihnen jetzt mal etwas verraten, Miller! Das wird kein Spaziergang für Sie.
Nicht mit diesen Leuten. Aber was Sie nie vergessen dürfen, ist, dass dies Ihre zweite Familie ist, für Sie und auch für die! Ich vertraue darauf, dass Sie sich der beiden im Besonderen und allen anderen natürlich auch annehmen, wie eine Mutter. Ich habe mich selbst immer als Ihr aller Vater gesehen und auch so gehandelt. Ich habe Sie beschützt, Ihre Schnitzer ausgebügelt, Ihre Wunden versorgt, Sie getadelt und geliebt, Sie Alle. Und ich bin stolz auf jeden Einzelnen von Ihnen.
Denn Sie sind mit Abstand die besten für diesen Job und füreinander da.
Und wie ein Vater seine Kinder aus dem Nest schubst, damit sie flügge werden, gebe ich Sie alle frei.“

Als sie diesmal schluckte, musste er es auch tun.
Verflucht, er hatte sich eigentlich geschworen, nicht auch noch sentimental zu werden.

„Kat, um in diesem Job zu überleben, bedarf es nicht nur Leidenschaft, Erfahrung, Engagement, Ehrgeiz und Feuereifer.“ , jetzt lächelte John sie aufmunternd an,

„Und ich weiß, dass Sie diese Eigenschaften durchaus besitzen!
Das sind nur einige Ihrer Qualitäten. Aber...“
er deutete auf das wieder verschlossene Fenster,
„... was Sie auszeichnet ist Ihr rationelles Gespür, Ihre innere Ruhe, Ihr scharfer Verstand,
der Sie Situationen kühl berechnen lässt, die andere aus emotionalen Gründen
nicht mehr klar überblicken.
Sie haben genug Erfahrungen im Feld gesammelt, um zu wissen, wie es da draußen läuft,
sind aber auch klug genug, zu wissen, dass alle Arbeit hier am Tisch auch ihr Ende findet.
Und dass ein Ende für sie wichtig ist, um das Beste aus sich heraus zu holen.
Das ist wichtig, um als Mensch, und es ist wichtig ein Mensch zu bleiben, Kat,
bei all diesem Irrsinn, der uns hier begegnet, mit dieser Belastung fertig zu werden.
Ich mache mir keine Sorgen um Sie, wenn ich Ihnen das Zepter übergebe.“
John nahm seine Dienstwaffe und legte sie vor sich auf den Tisch.

„Der Feuereifer ist die eine Seite, Kat. Aber es muss auch immer die richtige, kluge Person am anderen Ende der Kanone stehen, um eine Einheit wie diese zu leiten.“

Kat starrte die Waffe an, als spreche er chinesisch.

„Es ehrt Sie sehr, dass Sie Rush in Schutz nehmen. Glauben Sie mir, es sind ehrenwerte Motive,
die Sie dazu bringen würden, diese Beförderung abzulehnen- aber es sind nicht die Richtigen.
Enttäuschen Sie mich nicht, Miller. Entscheiden Sie, wie Sie immer entscheiden-
mit Herz und Verstand!“

Kat runzelte die Stirn und er sah es in ihren braunen Augen, dass er gewonnen hatte.

Gutes Mädchen. dachte John zufrieden. Er hatte die richtige Entscheidung getroffen.

Langsam entknotete Kat Miller ihre ineinander verschränkten Finger und strich ihre knitterfreie,
dunkelgraue Bundfaltenhose glatt.
Sie seufzte und stellte sich Johns geduldiger Warterei.

„Okay, Boss. Einverstanden.
Aber- ich habe da eine Bedingung.“

John lächelte vertrauensvoll.
„Natürlich.“
Er erhob sich gleichzeitig mit ihr und streckte ihr die Rechte hin.
„Alles, was Sie wollen, Kat.“

Sie ergriff sie mit einem hintergründigen Lächeln, schüttelte seine Hand mit dem ihr ganz eigenen, kräftigen Händedruck.

„Sie sagen es Rush und Valens.“

John legte den Kopf schief.
Miller war sogar noch besser, als er gedacht hatte.

„Selbstverständlich.“

Kat deutete kurz auf die Tür.
„Und, ich möchte, dass Sie gleich Nickie Boy hier herein bestellen.“

John konnte einen kleinen, ergebenen Seufzer nicht unterdrücken.

Kat grinste sprichwörtlich wie die Katze bei Alice im Wunderland.

„Und dann werde ich es ihm sagen!“

Stillmann rollte die Augen, ging aber zur Tür und öffnete sie.

„Detective Vera?
In mein Büro.
Nein, jetzt gleich, Nick!“
John lachte leise in sich hinein, als er sich an diese Szene erinnerte.

Dann öffnete er seine Schreibtischschublade und nahm zwei große, weiße Umschläge heraus.

Er strich abwesend darüber.

Er brauchte die Adressaten nicht zu lesen, er wusste auch so, wer darauf stand
und, wer als Absender angegeben war.

Er kannte sogar ihren Inhalt.

Nicht, dass er sie je absichtlich gelesen hätte, doch sie waren ihm eines abends,
als er sie mit nach Hause hatte nehmen wollen, aus der Tasche gefallen,
und da beide noch unverschlossen gewesen waren,
waren die Blätter durcheinander geraten und da kam er einfach nicht umhin...
sie zu sortieren.

Das Zustellen dieser Briefe würde seine Letzte Amtshandlung hier sein.

Denn was man in die Wege leitete, dass brachte man auch zu Ende.

Erst recht er. John Stillman.

Wer hätte je gedacht, dass er seine Polizeilaufbahn einmal als Postbote beenden würde...

Ein leises, katzenhaftes Lächeln, Kat Millers nicht unähnlich, aber doch von väterlicher Zuneigung begleitet, stahl sich auf sein Gesicht, als er die Umschläge und seine Jacke vom Haken nahm und sich auf den Weg machte.

Er warf noch einen kurzen Blick auf die wattierten Umschläge in seiner Hand.


Scotty

Lilly

Nein.

Nicht als schnöder Postbote.

Eigentlich fühlte er sich mehr...
wie der Weihnachtsmann.
Würde zu den anstehenden Feiertagen und dem Schnee vor der Tür passen.
Geschenkbote.

Oder vielleicht auch wie ein geflügelter Bote.
Mit Pfeilen im Köcher.

Er grinste.

Er seufzte und das Lächeln wurde strahlender, als sich die Türen des Aufzuges hinter ihm schlossen.












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