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Baalsfeuer

von Linaria
GeschichteFantasy / P12 / Gen
Moiraine Damodred
18.09.2013
18.09.2013
1
1.310
 
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Disclaimer: Das Setting des Rads der Zeit und die Charaktere gehören Robert Jordan. Mir gehört nur der Charakter von Amalia. Inspiriert wurde diese seltsame Begegnung dadurch, dass ich mich fragte, wann und von wem Moiraine gelernt hat, Baalsfeuer zu weben. Hier ist meine Version. Die Geschichte spielt zwischen "Das Auge der Welt" und "Die große Jagd". Viel Spaß beim Lesen!
(Falls ich bei dem Disclaimer etwas vergessen habe, weist mich bitte darauf hin. Das hier ist meine erste Fanfiktion, die ich auf dieser Seite hochlade.)




Der Wind zupfte an Amalias kurzen braunen Haaren und brachte die Blätter in dem kleinen Wäldchen westlich von Fal Dara zum Rascheln. Noch vor zwei Wochen waren die Bäume tot aussehende Skelette gewesen, ehe sich der Frühling endlich Bahn gebrochen hatte. Amalia war sich relativ sicher, dass dieser Frühlingsanfang auf einen ganz bestimmten Tag datiert werden konnte. Was genau ihn ausgelöst hatte – nun, das war Spekulation. Noch.

Sie nahm einen weiteren tiefen Atemzug, hüllte sich in die typische, vertraute Gelassenheit einer Aes Sedai. Sie würde einfach an den Baum gelehnt stehen bleiben, nicht unruhig auf und ab gehen oder zwischen die Bäume starren. Sie war Aes Sedai und sie hatte ihre Selbstbeherrschung noch niemals so sehr gebraucht wie jetzt.

Ihre knochentiefe Müdigkeit half nur wenig gegen die Unruhe in ihrem Inneren. Nach Monaten, in denen sie vergeblich versucht hatte, Mazrim Taim gefangen zu nehmen, hatte ein aus Verärgerung und Frustration unternommener Ritt in die Fäule ihr die unerwartete Nachricht über einen geplanten massiven Angriff in Schienar eingebracht. Sie hatte nicht gezählt, wie häufig sie die Pferde gewechselt hatte während des wahnsinnigen Rittes von Saldaea nach Schienar, immer entlang der Grenze zur Fäule, wo es zu warm für Schnee war. Und das alles nur, um ein paar Stunden zu spät an Tarwins Pass anzukommen. Ihre Erleichterung über den Sieg dort war nur allzu bald einem neuen Schrecken gewichen.

Plötzlich berührte kalter Stahl ihren Hals. Saidar füllt sie und einen Herzschlag später blockierte ein Gewebe aus Luft die Klinge.
„Wer seid Ihr?“ Äußerlich ungerührt blickte Amalia auf, sah in kalte blaue Augen und ein kantiges Gesicht. Soweit, so gut.

„Möge Euch das Licht leuchten, al`Lan Mandragoran,“ sagte sie ruhig. „Ich bin Amalia Sedai von der Grünen Ajah. In Malkier nannte man mich die Retterin von Aminra. Ich danke Euch, dass Ihr gekommen seid – und Eure Aes Sedai mitgebracht habt.“ Anders als Lans Schritte waren Moiraines über den Wind hinweg hörbar. Die kleine Aes Sedai in ihrem Kleid aus blauer Seide war von dem Leuchten Saidars umgeben. Amalia zog soviel Macht an sich, wie sie halten konnte. Moiraine war ein winziges bisschen stärker in der Einen Macht, aber Amalia war älter und erfahrener, daran gewöhnt, die Eine Macht als Waffe einzusetzen.

„Die Retterin von Aminra. Diesen Titel habe ich lange nicht mehr gehört,“ murmelte Moiraine in ihrer melodischen Stimme, während ihr Behüter sein Schwert mit einer entschuldigenden Verbeugung zurückzog.
„Ich konnte nicht sicher sein, dass niemand außer Lan die Nachricht lesen würde und ich bin davon ausgegangen, dass nur noch sehr wenige leben, die sich an diesen Titel erinnern. Manchmal kann man nicht vorsichtig genug sein und es gibt Dinge, die nur Aes Sedai etwas angehen.“

Moiraine hob eine Augenbraue und Amalia verschränkte die Arme, zwang sich zur Ruhe.
„Warum bist du in die Fäule geritten, Moiraine? Warum die Fäule, obwohl sich Agelmar und seine Männer an Tarwins Pass einer Übermacht gegenüber sahen? Warum bist du in die Fäule geritten, nur mit zwei jungen Frauen und drei Bauernjungen?“

„Ich habe noch nie alle meine Handlungen erklärt,“ entgegnete Moiraine kühl. „Das sind meine Angelegenheiten. An Tarwins Pass wurde auch in meiner Abwesenheit ein Sieg errungen. Und du warst auch nicht dort, Schwester. Ich frage mich –“
Wortlos griff Amalia in die Innentasche ihres Mantels und holte einen schmalen, elfenbeinfarbenen Stab hervor, bei dessen Anblick Moiraine abrupt abbrach. Amalia lenkte einen Strom Geist hinein. Nur wegen dieses Stabes hatte sie sich an Tarwins Pass erneut in den Sattel geschwungen, zu einem weiteren Gewaltritt.

„Beim Licht und bei meiner Hoffnung auf Erlösung und Wiedergeburt schwöre ich, kein Wort zu sprechen, das nicht wahr ist.“ Der Eid senkte sich auf sie, stärker als Stahl. Der Strom der Einen Macht versiegte. „Ich bin keine Schattenfreundin.“
Auffordernd hielt sie Moiraine den Stab hin. Die Blaue sah sie an, die dunklen Augen kühl und abschätzend.

„Ist das der Eidesstab?“
„Es ist nicht der aus der Weißen Burg. Aber es ist ein Eidesstab. Schwöre darauf, Moiraine.“
„Ich habe die Drei Eide geleistet, als ich zur Aes Sedai erhoben wurde. Sie einmal zu schwören reicht vollkommen aus. Und ter´angreal gehören in die Weiße Burg. Sie zurückzuhalten kann harte Strafen nach sich ziehen.“
Amalia unterdrückte die in ihr aufsteigende Verärgerung. Wenn sie dieses Spielchen mitspielte, könnte sie bis Sonnenuntergang hier stehen, ohne auch nur einen Schritt weiterzukommen.

„Ich habe ein Jahrhundert damit verbracht, die Grenzlande zu schützen und den Schatten zu bekämpfen. Trollocs, Myddraal, Draghkar, Schattenfreunde. Sogar Schattenlords. Ich weiß, dass die Schwarze Ajah existiert, Moiraine, und dass sie nicht an die Drei Eide gebunden sind. Und du hast etwas zu verbergen. Ich weiß, was das Auge der Welt ist.“ Es war eine Vermutung, aber die plötzliche Anspannung um Moiraines Augen war eine Bestätigung.

„Also kann zumindest einer der Jungen die Eine Macht lenken. Und zwei Wochen später sitzt du immer noch hier. Keine von uns gehört zur Roten Ajah, Moiraine, aber wir beide wissen, welches Schicksal solche Männer erwartet. Schwöre mir, dass du keine Schattenfreundin bist, Moiraine, und wir können darüber reden.“

Moiraine sah sie nur an; Amalia konnte sich vorstellen, was in ihrem Kopf vor sich ging. Die Blaue – hoffentlich nur eine Blaue – wog ihre Chancen ab. Sie beide hielten noch immer an der Einen Macht fest und Amalia beobachtete Moiraine genau, jederzeit bereit, selbst mit dem Weben zu beginnen. Unerwarteterweise war es Lan, der das kurze Schweigen brach.

„Tai`shar Schienar.“
Moiraine atmete hörbar aus.
„Das Rad webt wie das Rad es will und wir sind nur Fäden im Muster.“ Sie streckte eine Hand aus, lenkte einen schmalen Strom Geist in den Eidesstab und sprach denselben Eid wie zuvor Amalia. Und dieselbe Bestätigung.

Amalia atmete tief durch und ließ Saidar los. Beinahe wäre es ihr lieber gewesen, Moiraine hätte den Eid verweigert. Jetzt fühlt sie sich, als würde ein Schwert über ihr hängen, jederzeit bereit, herabzufallen und ihren Schädel zu spalten. Einen Moment später verschwand das Leuchten um Moiraine.

„Warum dann, Moiraine? Wenn es kein Plan des Schattens ist, warum willst du einen Mann davor schützen, gedämpft zu werden?“
„Ich würde dir das Wissen lieber ersparen, aber dafür ist es zu spät. Der Drache ist wiedergeboren.“

Amalia nickte. In ihrem Hinterkopf war ein kleiner Teil von ihr damit beschäftigt, vor Angst zu kreischen, aber äußerlich war sie gelassen. Mochte das Licht sie doch zu Asche verbrennen, sie hatte es erwartet.
„Das hatte ich befürchtet. Möge das Licht uns beistehen. Was hast du mit ihm vor?“
Moiraine blinzelte.

„Was würdest du vorschlagen?“
„Jedenfalls nicht, ihn zu dämpfen,“ entgegnete Amalia trocken. „Ich habe den Karaethon Zyklus gelesen. Tod und Zerstörung, und wir müssen es zulassen. Blut und Asche!“
„Die Prophezeiungen müssen erfüllt werden. Was sein muss, muss sein.“
„Ich weiß. Erzähl mir mehr, Moiraine. Erzähl mir, warum du so sicher bist, den echten Drachen gefunden zu haben und was du mit ihm vorhast. Ich bin nicht sicher, was ich tun kann, um zu helfen, aber eines gibt es vielleicht. Ein Mittel, wenn du zu spät bist. Eine Möglichkeit, einen tödlichen Fehler ungeschehen zu machen. Es ist verboten und gefährlich, aber wenn der Drache wiedergeboren ist, steht die Welt auf dem Spiel. Andernfalls würde ich dieses Wissen nicht weitergeben.“

„Welches Wissen?“
„Ich habe dir bereits gesagt, dass ich ab und an Zusammenstöße mit Schattenlords hatte. Ich habe Gewebe gesehen, die sie gegen mich einsetzen wollten. Ich kenne eine Waffe, die selbst die Verlorenen fürchten. Baalsfeuer.“
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