Bleiben oder gehen?

von kwieen64
GeschichteHumor, Schmerz/Trost / P16
John Stillman Kat Miller Lilly Rush Nick Vera Scotty Valens Will Jeffries
17.09.2013
19.02.2014
34
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http://en.wikipedia.org/wiki/Susanna_Thompson

Damit auch die Leser/innen meiner Geschichte eine Vorstellung von Diane Yates haben, die den "Rachefeldzug" nicht kennen, habe ich oben einen Link hinterlegt. Mir macht es den Einstieg ins Kopfkino immer leichter, wenn ich eine Vorstellung von den Protagonisten habe.

Ich freue mich, dass ihr auch in meine abgeschlossene Geschichte reinlest und würde mich noch mehr freuen, wenn ihr mir dazu ein paar Zeilen hinterlassen würdet, wie sie euch gefallen hat.




John winkte sie in sein Büro und schloss die Tür „Lil, ich möchte Ihnen eine Freundin vorstellen, Diane Yates.“ Eine attraktive Endvierzigerin lehnte an seinem Schreibtisch, musterte sie ungeniert von Kopf bis Fuß und fragte provokativ: „Ist das die Frau, die du gemeint hast, John?“

Ha, EINE FREUNDIN vorstellen! Seit wann hatte John Freunde beim FBI? Und seit wann tauchten die hier so unvermittelt auf? So, so, in Philly auf dem 18. angefangen – genau wie Stillman! „Sie hat für Frauen einen Weg freigeholzt.“ Das konnte sich Lil lebhaft vorstellen! „Jetzt quatsch‘ keinen Blödsinn, Jonny. Alle wollten sie mich begrapschen, doch dann wurde ich übergangen, wenn es um Beförderungen ging.“ Diese Frau gefiel ihr, unschlagbar schlagfertig und ließ sich von keinem Kerl die Butter vom Brot nehmen.

Vor allem, wie eng war denn diese Freundschaft, wenn sie ihn „Jonny“ nannte? Fragen über Fragen…Lilly schmunzelte vor sich hin. Und seit damals hatte sich für Frauen hier nur wenig geändert… Was Agent Yates da erzählte, kam ihr unheimlich bekannt vor. Die Typen wollen alle, na ja fast alle, nur das Eine und bei der Beförderung wirst du dann übersehen, weil dir die entscheidenden zehn Y-Chromosomenpunkte fehlen. Same procedure as years ago. Unfassbar!

Diane hatte das einzig Richtige unter diesen Umständen getan, sie war zum FBI gewechselt. Dort kam es mehr auf die Fähigkeiten als auf die Kurven an. Vielleicht war das der einzige Weg für eine Frau, ihren Begabungen entsprechend, in diesem Laden Karriere zu machen. Aber ganz weg von hier, alleine, ohne die vertrauten Kollegen und Freunde – das wäre nichts für sie. Ausserdem musste sich jemand um die alten, ungelösten Fälle kümmern und wer, wenn nicht Scotty und sie, würde das tun?

Das FBI, präziser Agent Yates, interessierte sich für einen Raubüberfall mit Todesfolge auf einen Steuerberater im Amwood Park letztes Jahr. Warum, wollte sie nicht verraten, aber das würde Lil auch noch rauskriegen. "Verschlusssache." lautete der knappe Kommentar. An diesem Fall musste etwas Besonderes sein...



Professionell hatte Yates sie gleich im FBI-Computer gecheckt und wusste über die Sache mit Moe Kitchener Bescheid. Wie meinte sie das, dass Lilly kein Durchschnittsleben führte?

Respekt, hinter ihrer abweisenden, schnoddrigen, teilweise sogar menschenverachtenden Art verbarg sich eine kluge Frau und scharfe Beobachterin. Vor ihr musste Lil sich in Acht nehmen, sie konnte hinter jede Fassade blicken.

Eigentlich war es nicht Lillys Art, indiskrete Fragen zu stellen, aber es brannte ihr einfach auf der Zunge nachzubohren, wie gut diese Yates und ihr Boss sich kannten. Freimütig erzählte Diane, dass ihretwegen seine Ehe in die Brüche gegangen war und hier dachten immer alle, es lag daran, dass er so ein Workaholic war. So viel also dazu, wie weit Spekulation und Wahrheit auseinander liegen können.



Lil grinste bei dem Gedanken, wie wohl ihre anderen männlichen Kollegen auf diese gutaussehende, aber messerzüngige, männermordende Bestie reagieren würden. So etwas waren die hier gar nicht gewohnt!

Gerade Nick mit seinen lockeren, aber einfältigen Machosprüchen, der sich für den größten Aufreißer aller Zeiten hielt, würde sie mit einer gezielten, rechten Geraden auf die Bretter schicken. Hoffentlich durfte sie dabei sein!  Will hingegen war klug genug, seine Chancen abzuschätzen und sich nicht provozieren zu lassen.



Ehe Lilly sich über Scottys Reaktion Gedanken machen konnte, stand der auch schon in der Tür. Gut, nun konnte er zeigen, was er drauf hatte. Wenn sie wetten müsste, würde sie auf Yates setzen.

Diane taxierte ihn von oben nach unten. Jetzt verstand Lil was mit der Redewendung „Mit Blicken ausziehen“ wirklich gemeint war. Vor dieser Frau sollte Valens sich in Acht nehmen! Wer ihn, wie sie, länger kannte, sah ihm an, dass er zunehmend unsicherer wurde und sich sichtlich unwohl fühlte. Diane setzte noch eins drauf, als sie ungläubig nachfragte: „Sie beide sind Partner?“ Lilly fühlte sich genötigt, zumindest knapp zu nicken, da er gar nicht reagierte.

Jetzt lief Yates zu Hochform auf. „Ich hatte mal was mit einem Latino.“ Herausfordernd lächelte sie. „Alles Gerede, leere Versprechungen!“ Was hatte diese Schlange wirklich vor? Lil merkte, wie Wut in ihr hochstieg. Was wollte die von ihrem Partner? Was bildete sich dieser dahergelaufene Möchtegernvamp eigentlich ein?

Dass einer wie Scotty ihr sofort wie hypnotisiert an den Lippen hing und sich einfach von ihr abschleppen ließ! Nein, ihn mit solch‘ billigen Tricks zu beeindrucken, war unmöglich. Aber dann traute sie ihren Ohren nicht. Scotty provokative Erwiderung: „Dann war’s nicht der richtige Latino!“ forderte ja gradezu dazu auf, ihm eine Chance für den Gegenbeweis zu geben!

Lillys Wutpegel stieg. Nur nichts anmerken lassen und bloß weg hier. Diane säuselte noch etwas von „schönen, braunen Augen“, weiter hörte Lil gar nicht mehr zu. Sie musste hier raus, bevor sie noch etwas sagte oder tat, was später nicht wieder gut zu machen war. Mit einem hastigen „Ich frag‘ mal nach, wer zu dieser Zeit im Amwood Park auf Streife war.“ rettete sie sich endlich aus ihrem Büro nach draußen.


Sie brauchte dringend frische Luft. Stinksauer und enttäuscht flüchtete sie auf den Hof. Wie eine Raubkatze pirschte Diane Yates sich an ihr Opfer heran, um es mit einem einzigen Satz einzulullen und besinnungslos zu machen, damit sie es anschließend mit Haut und Haaren  vernaschen konnte. Oder wie die berüchtigte Schwarze Witwe – erst lockte sie ihre Männchen an, bezirzte sie bis zum Vollzug des Aktes und dann fraß sie sie mit Haut und Haaren auf. Bitteschön…wenn es das war, was er wollte….aber dann musste sie nicht auch noch bei seiner Niederlage zusehen.



Scotty sah seiner Partnerin entgeistert nach. Was war das denn wieder für ein Abgang? Warum ließ Lil sich von dieser Tussi vom FBI so herausfordern? Na ja, vielleicht läuft das bei Frauen so und er verstand mal wieder nichts davon. Hoffnungslos für einen Mann, da durchzublicken! Das hatte er längst aufgegeben.

Irritiert fühlte er förmlich, wie Diane ihn intensiv von der Seite musterte. "Hab‘ ich beim Rasieren etwas übersehen?“ Ihre Antwort verblüffte ihn „Mmmh nein, ich guck‘ nur. Ich denke, Sie würden auch sehr gut zu uns passen. Sie machen sich gut im Anzug und sicher können Sie auch gut katzbuckeln. – Migrant zu sein stört nicht.“ Was sollte denn das jetzt wieder werden? Aber im Prinzip – eine überlegenswerte Idee. Was hielt ihn hier? Und die Karriereaussichten beim FBI waren ganz andere… jedenfalls viel bessere, als wenn er weiter hier  bei der Mordkommission im Keller in verstaubten Akten wühlte.

Aber über dieses Angebot wollte er erst noch einmal ganz in Ruhe nachdenken. „Ja, das wäre eine Möglichkeit“ Schnell das Thema wechseln. „Was findet das FBI so interessant an diesem Fall?“ Aber Yates ging gar nicht auf seine Frage ein. Sie interessierte sich für ganz andere Dinge. „Wie arbeitet sich’s mit der Wasserstoffblonden?“ Super, es gibt keine Bessere, war sein erster Gedanke, aber das ging die ja nichts an.

Er stand auf und entfernte sich betont einige Schritte, um die Grenze klar abzustecken. „Lil und ich passen gut zusammen.“ Entgegnete er betont neutral. „Darauf wett‘ ich!“ Ihre Stimme triefte vor Ironie. „Nicht so, wie SIE denken.“ Wie machte sie das, dass er das Gefühl hatte, sich und Lilly verteidigen zu müssen?

Aber das reichte Diane noch nicht. Gezielt und erfahren packte sie ihn genau an der Schwachstelle aller Männer, der Eitelkeit. „Sind Sie nicht Ihr Typ?“ Leider hatte sie auch noch ins Schwarze getroffen, weshalb er nur noch ein abfälliges „Pff.“ zustande brachte. Gut, dass Lilly wieder zurückkam. Es gab Neuigkeiten in ihrem Fall und damit war das Thema vorerst vom Tisch.



Einige Zeit später riss ihn eine SMS auf seinem Mobiltelefon aus seinen Überlegungen. Erstaunt las er: „Essen heute abend 20:00 h? Nur wir beide! Sie wählen das Lokal aus, ich bezahle. Warte im Wagen. Diane“ Ohne zu zögern, bestätigte er die Einladung. Bis dahin konnte er ja noch über ihre, vermutlich in jeder Beziehung, verlockenden Angebote nachdenken.

"Ach, übrigens," unterbrach Lil seine Gedankenspiele, "früher ist mal was zwischen Yates und Stillman gelaufen...." "Ne richtige Affäre?" fragte er ungläubig. Sie nickte. "Hat sie mir so gesagt. Damit war Stillmans Ehe hin." Scotty lachte. "Allerhand."

Aber warum machte sie jetzt ihn an? Hatten Männer ab einem gewissen Alter ihr Verfallsdatum für sie überschritten oder weckte jedes männliche Wesen über 16 ihren Jagdinstinkt? Das würde er spätestens heute abend herausfinden.

Wie spät war es eigentlich? Er schaute zur Uhr, schon halb acht! Hastig schnappte er seine Jacke, verabschiedete sich von Lilly und stürmte eilig zur Tür, bevor die irgendwelche unangenehmen Fragen stellen konnte. Er hatte das Gefühl, es wäre keine gute Idee, ihr von der Verabredung zu erzählen.
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