Emily

von TaraT
GeschichteAbenteuer, Mystery / P12
Reim Lunettes Sharon Rainsworth Shelly Rainsworth Xerxes Break
14.09.2013
05.07.2016
17
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3.Emily



Als Xerxes plötzlich stehen blieb, wäre Reim fast gestolpert. Glücklicherweise fand er sein Gleichgewicht doch noch wieder und entdeckte dann, was seinen Begleiter zum Anhalten bewogen hatte. Einige Meter vor ihnen stand eine Person auf der Straße und Reim vermutete stark, dass es sich dabei um den illegalen Vertragspartner, des immer noch hinter ihn tobenden Chains, handelte. Er erschrak, als er feststellen musste, dass es sich dabei um ein Kind handelte. Der Brillenträger schätze das Alter des Mädchens auf vielleicht neun bis zwölf Jahre. Im Dunkeln der Nacht war ihr Aussehen nicht genau erkennbar, doch er vermutete, dass sie lange blonde Haare und helle Augen hatte. Dazu trug sie ein ebenfalls helles Kleid, das recht schlicht aussah und am Hals mit einer großen Schleife verziert war.

Reim empfand es als schrecklich, wenn es sich bei den Contractors um Kinder handelte. Welche, furchtbare Tragöde musste es im Leben dieser so jungen Menschen gegeben haben, dass solch böse Wesen Zugang zu ihren Seele fanden?

Das Mädchen kam langsam näher und als Reim sich umwand, musste er zu seinem Schreck feststellen, dass auch der Chain sich beruhigt hatte und nun schleichend näher kam.

„Xerxes. Hey, Xerxes. Das Ding… es kommt näher.“

Als keine Reaktion von seinem Freund kam, blickte er ihn an und was er sah, erschrecke ihn fast genau so sehr, wie der Chain hinter ihm. Sein Begleiter schien völlig erstarrt zu sein. Mit weit aufgerissenem Auge, starrte er das Mädchen an und als sie nur noch wenige Schritte von ihnen entfernt war, sank er vor ihr auf die Knie, zu schwach, um sich weiter auf den Beinen halten zu können.

„Lady… Emily…“

Es war nur ein Hauch von einem Flüstern, doch dadurch wurde Reim klar, dass Break das Mädchen irgendwo her kennen musste. Was ihn ziemlich überraschte, da er wusste, dass sein Begleiter früher in einer Zeit gelebt hatte, die schon mehrere Jahrzehnte zurücklag.

Eigentlich hätte er das junge Mädchen aufhalten sollen, als es noch näher an den Knienden herantrat und sich nach vorn beugte, um ihm etwas ins Ohr zu flüstern, doch die Spannung zwischen den beiden war so gewaltig, dass es  Reim einfach unmöglich war, einzugreifen.

Das Auge des Weißhaarigen weitet sich bei ihren Worten noch weiter, wenn das überhaupt möglich war und starrte blind an ihr vorbei, in eine Leere, die Reim einen Schauder über den Rücken jagte. Das blonde Mädchen hüpfte daraufhin, mit einem Kichern, das kaum noch etwas Menschliches hatte, nach hinten und der Chain hinter ihnen, lies wieder diesen schauerlichen Schrei erklingen.

Der Braunhaarige drehte sich zu ihm um und sah, wie der Chain sich aufbäumte und mit beiden Krallenhänden auf sie herabzustürzte. Da Break immer noch keine Anstalten machte, sich zu bewegen, packe Reim ihm am Arm und zerrte ihn zur Seite.

„Jetzt reiß dich zusammen!“, schrie er ihn an, nachdem der Lärm, des splitternden Bodens neben ihnen, verklungen war.

Verwirrt, so als würde er gerade aus einem Traum erwachen, sah Xerxes ihn an.

„Reim…“

Zu gern hätte gewusst, was in seinem Gegenüber vorging, doch das war wirklich kein geeigneter Zeitpunkt.

„Keine Zeit für Gespräche. Komm endlich!“, ging er ihn daher grob an.

Der unfreundliche Tonfall funktionierte, denn der Nebel um Breaks Auge schien sich zu lichten und auch der Ausdruck in seinem Gesicht veränderte sich.

„Du hast ja eine richtige Kommandantenstimme, wenn du willst.“

Als er das leichte Grinsen auf Breaks Gesicht sah, hätte Reim ihm am Liebsten geschlagen, doch auch dafür blieb keine Zeit. Stattdessen, mussten die beiden einem Gesteinsregen ausweichen, den der nun einäugige Chain auf sie herabregnete.

Seite an Seite rannten sie die Straße entlang, wobei von dem seltsamen Mädchen weit und breit keine Spur mehr zu sehen war. Dafür kamen ihnen, nach wenigen Minuten, mehrere Mitglieder von Pandora mit ihren Chains entgegen. Sobald sie ihre Reihe durchquert hatten, eröffneten sie das Feuer. Was Kugeln bei diesem Wesen ausrichtete, wusste sie bereits, doch anders als beim ersten Mal, griff der Chain sie nicht an, sondern zog sich langsam zurück, bis er plötzlich verschwand. Vermutliche hatte sein illegaler Vertragspartner ihn zu sich gerufen. Die Mission war also vorerst gescheitert, da sie weder den Chain getötet, noch den Contractor hatten fangen können.

Ehrlich gesagt, war es Reim auch lieber so. Er war physisch, wie auch psychisch bald am Ende seiner Kräfte angekommen, außerdem war das eine Glas seiner Brille bei den Angriffen das Chains kaputt gegangen, so dass sich jetzt ein Riss durch sein Blickfeld zog, was wirklich lästig war. Erschöpft machten sie sich auf den Rückweg zurück zum Hauptquartier. Er würde wohl noch einen Bericht über den heutigen Tag schreiben müssen und dann endlich schlafen gehen. Warum griffen die meisten Chains nur immer in der Nacht an?

Auf dem Rückweg, warf Reim vorsichtig einen Blick zur Seite. Wie er vermutete hatte, war Break bereits wieder tief in Gedanken versunken. Sollte er wirklich die ganze Wahrheit in seinen Bericht schreiben? Das, was sich zwischen dem Weißhaarigen und dem Mädchen abgespielt hatte, war etwas Besonderes gewesen, soviel stand fest. Er hatte sie Lady Emily genannt. Aber Emily wer? Soweit der Brillenträger wusste, gab es in keinem der vier Herzogtümer eine Lady Emily.

Wenn Reim so über dieses Mädchen nachdachte, viel ihm auf, dass sie fast in Fräulein Sharons Alter war. Und wenn man nicht so genau hinsah, hatte sie auch so einige Ähnlichkeiten mit ihr. Vielleicht war Break daher so erschrocken gewesen? Aber das erklärte nicht, warum er sie Emily genannt hatte. Also verwarf er den Gedanken wieder.

Der Braunäugige seufzte innerlich schwer. Er würde wohl erst erfahren, wer dieses Mädchen war, wenn Xerxes bereit war, mit ihm darüber zu reden. Das war so eine Sache mit ihm, an die sich Reim längst gewöhnt hatte. Und bis dahin, würde er in seinem Bericht nur über ein Mädchen schreiben, dass vermutlich der illegale Vertragspartner war. Möglicherweise hatte er sich bei dem Namen ja auch verhört? Schließlich hatte der andere sehr leise gesprochen. Und Herzog Barma hasste falsche Informationen.



Es war einfach unmöglich. Unmöglich! Dieses Wort spuckte seit ihrer Begegnung mit dem Mädchen durch seinen Kopf. Und doch schien es möglich zu sein. Break hatte sie erst im zweiten Augenblick erkannt, da die vier Jahre, die er nicht an ihrer Seite gewesen war, sie verändert hatten. Und doch war sie noch immer das zarte Mädchen von früher.

Emily. Ein Name, der so viele Gefühle und Erinnerungen in ihm wach rief.

Emily Sinclair.
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