Von Katern und lustigen Huren

von baronesse
KurzgeschichteHumor / P16
Bronn Shae Tyrion Lannister
10.09.2013
10.09.2013
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Dies ist mein Beitrag zum Fandom Turnier, Runde 1.
Die Vorgaben:
# Genre entweder Humor oder Drama
# Schlagwörter: Brücke, Lärm, Fäschung, Seitenhieb, Realist, Vorschlag
# ein Charakter sagt: "Du solltest dich langsam mal entscheiden"
# ein anderer: "Mach das verdammte Licht aus!"
# ein dritter bricht aus einem frei wählbaren Grund in hysterisches Gelächter aus
# es muss regnen
# weniger als 1500 Wörter (Word sagt mir 1267)

Viel Spaß beim Lesen!


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Es regnete. Es gab nichts ärgerlicheres, als wenn man eine Schlacht plante und es den lieben langen Tag regnete. Als hätten die Sieben beschlossen, dass dieser Krieg den Bach runterfließen sollte.

Matschiger Grund verringerte die Standfeste der Soldaten um ein Vielfaches, kleine Bäche wurden zu reißenden Flüssen und ein gewaltiges Problem beim Vorrücken, wenn man lange Märsche durch den strömenden Regen unternehmen musste um eine Brücke zu finden, wo vorher niemals eine nötig gewesen war. Schon seit drei Tagen campierten sie nun diesseits eines kleinen Baches, während die Wölfe auf der anderen Seite heulten und hoffentlich ebenso im Morast versanken. Vielleicht ertranken sie sogar, das wäre ja noch besser.

Die gesamte Armee der Lannisters troff und tropfte. Unmut machte sich breit.
Aufgeweckt vom Lärm setzte sich Tyrion Lannister, der Gnom, in seinem Zelt auf. Er bereute es augenblicklich. Woher hatte er nur solch einen Kater? Sein Blick fiel auf ein paar umgekippte Karaffen. Nein, das wäre ja zu naheliegend. Schnaubend erhob er sich und tappte nackt zur Truhe, auf der die Flaschensammlung stand. Was hatten sie bloß getrunken, Seefeuer? Beim Versuch das Etikett zu lesen, rollte es sich von unten auf. Erst wollte er die Nässe dafür verantwortlich machen, dann sah er genauer hin. Dornischer Wein, nein sicher – eine Fälschung, das war alles!

Kein Wunder, dass er davon Kopfschmerzen bekommen hatte. Dornischer Wein war schon schlimmer als dornische Frauen und dann noch ein gefälschter dornischer Wein – was für ein Herumgepansche!

Während er sich die Stirn rieb und über sich selbst fluchte, fiel Tyrions Blick auf die Frau, die noch schlief. Richtig, Bronn hatte ihm gestern eine Hure gefunden. Löblicher Bronn.
Vorsichtig wankte Tyrion zurück zum Bett. Wie es sich für eine Hure gehörte war sie nackt (nackte Huren waren immer noch die Besten) und unter der Decke schaute mehr als genug Haut hervor. Einzig ihren Kopf hatte sie tief unter der Decke vergraben.

Ob das ein Zeichen war? War sie furchtbar hässlich? Verunstaltet? Hatte sie überhaupt einen Kopf? Nein, daran würde er sich erinnern, oder nicht?

Unsicher zupfte er an der Decke. Schwarze Haare kamen zum Vorschein. Ein Ruck und ihr Gesicht zeigte sich. Markante, aber ebenmäßige Züge. Sie wirkten fremdländisch. „Mach das verdammte Licht aus“, herrschte sie ihn an. Den Akzent konnte er nicht einordnen.

„Schätzchen, das ist Tag“, belehrte er sie. Allerdings hatte sie Recht, das Licht stach ganz schön. Die Augen zusammenkneifend suchte er nach seiner Hose. Auch die half leider nicht gegen seine Kopfschmerzen. Er ließ die Hure unter der Decke und machte er sich an die Aufgabe die Flaschen zu prüfen. War nicht irgendwo noch ein Rest Wein, Gepansche hin oder her?

Bronn trat ins Zelt, als Tyrion gerade einen Schluck gefunden hatte und die Flasche mit nach hinten gelegtem Kopf leerte.
„Fängst du schon an?“, erkundigte sich der Söldner.
„Besser zu früh als zu spät.“

„Es liegt eine nackte Frau in deinem Bett.“
„Das habe ich auch schon gesehen.“
„Musst du sie schöntrinken?“
„Ich weiß nicht… wer ist sie überhaupt?“ Tyrion schüttelte ein paar weitere Flaschen. Als er alle durch hatte, war der Deckel der Truhe frei geräumt und er konnte sie aufklappen. Tatsache! Innerlich jubelnd – aber nicht zu laut, wegen seinen Kopfschmerzen – zog er ein kleines Fläschchen hervor und kippte es herunter ohne daran zu riechen. Damit versaute man sich nur das Erlebnis.

„Shae, die lustige Hure.“ Bronn, immer hilfreich, beugte sich vor um das Fläschchen zu betrachten.
Es war wirklich winzig, also verzichtete Tyrion darauf dem Söldner auch etwas anzubieten. Immerhin bezahlte er den Mann dafür, dass er sich selbst Alkohol besorgen konnte!

„Die lustige Hure“, wiederholte der kleine Lannister und fuhr mit der Zunge über seine Zähne. Sieben Himmel, das brannte! Eigentlich ziemlich angenehm…
„War sie so lustig?“, erkundigte er sich bei Bronn.

„Woher soll ich das wissen? Ich war ja nicht eingeladen zu euer kleinen Feier!“
Der Seitenhieb war deutlich. Tyrion konnte sich lebhaft vorstellen, dass der Söldner, wenn er schon keine eigene Hure fand (und das war in einem Heerlager immer schwierig, bei dem Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern), wenigstens einer zuschauen wollte, aber bei allen Perversitäten, die man ihm nachsagte, war Tyrion doch niemand, der diese Art Voyeurismus hätte haben wollen. Denn wenn schon, dann schrieb der gute Geschmack doch vor, dass er Bronn zuschauen sollte, nicht umgekehrt.

Immerhin konnte Bronn zwei gleichfarbige Augen, einen völlig normal großen Kopf und eine anständige Körpergröße vorweisen. Huren taten für Gold zwar vieles, aber manchmal hatten sie merkwürdige Vorlieben – als ob die Körpergröße etwas darüber aussagte, wie groß ein Mann in anderen Belangen war.

„Ich bin Realist.“ Sollte heißen, er war sich bewusst, dass seine Kopfschmerzen noch viel schlimmer wurden, wenn er nicht langsam weiteren Wein bekam.
„Heißt?“, Bronn hatte sich entspannt an eine der Zeltstangen gelehnt. Seine Augen verweilten dreist bei der nackten, schlafenden Hure. Tyrion konnte es ihm nicht verübeln, der Anblick war weitaus ansehnlicher als sein eigener.

„Wenn du eingeladen wärest“, Tyrion stolperte über seine Schuhe, die auf dem Boden herum lagen und griff haltsuchend nach dem nackten Fuß auf dem Bett, der prompt zur Seite gezogen wurde, so dass er aufs Bett fiel. Kopfschüttelnd richtete er sich wieder auf und beschloss, dass auf dem Bett sitzen die sicherste Variante war. „Wenn du eingeladen wärest, mit wem würde sie dann schlafen?“ Sein Blick wanderte die nackten Beine entlang zum emporgereckten Hinterteil. Wirklich bezaubernd, mit Haut wie frischer Milch. Wo hatte Bronn sie nur gefunden?

„Mit mir.“
Das mochte er ja so an Bronn! Dem Söldner fehlten die Manieren der Gecken, die sonst um ihn herum scharwenzelten und kaum verbergen konnten, wie abartig sie Tyrion fanden. Da der Zwerg selbst wusste, wie er aussah (es gab schließlich Spiegel), konnte er es ihnen nicht verübeln, aber Bronns Ehrlichkeit, so rüde sie war, war doch erfrischend.

„Mit dir!“, bestätigte er also. „Sie würde sich auf deinem hübsch großen Körper räkeln und keinen Blick auf den hässlichen Gnom werfen, der ihr mehr bezahlen könnte, aber leider so furchtbar hässlich ist und bestimmt auch nur einen mitleidenswerten kleinen Schwanz hat.“ Er warf einen Blick an sich herunter. Unter der dünnen Hose sah man nicht viel von ihm. Hoffentlich hatte er wenigstens gestern Nacht seinen Spaß gehabt.

„Wenn er so klein ist, musst du Entschädigung zahlen“, kam der Vorschlag von Bronn.
„Raus mit dir“, Tyrion hatte keine Lust, sich von noch jemandem Spott anzuhören, es reichte, wenn er selbst zu dieser Waffe griff um sein Leben zu ertragen.

Bronn salutierte lässig und schlenderte hinaus.
„Bronn!“ Bei dem Lärm presste sich die Hure das Kissen enger an ihren Kopf.
Der Söldner schaute fragend durch den Zelteingang.
„Komm wieder.“ Draußen regnete es noch immer, also war Bronn ziemlich schnell mitten im Zelt und tropfte den ordentlich ausgelegten Boden voll. Der sollte eigentlich verhindern, dass Lord Lannister nasse Füße bekam.

„Raus, komm rein, wieder raus? Du solltest dich langsam mal entscheiden.“
„Ich will, dass du gehst. Aber wiederkommst. Mit Wein. Viel Wein“, präzisierte Tyrion seine Entscheidung, die er gerade gefällt hatte. Bei irgendwas musste Bronn ja von Nutzen sein, wenn Tyrion in dem strömenden Regen schon keinen Beschützer brauchte. Vor dem Regen schaffte er es so gerade sich selbst zu verteidigen.

„Aye, viel Wein. Solange du zahlst, bringe ich dir auch einen Harem“, grinsend verschwand Bronn.

„Ich bin bescheiden. Eine reicht“, murmelte Tyrion ihm hinterher und drehte sich um, so dass er die Schlafende betrachten konnte. Eine Hure. Ihr Oberschenkel zuckte und kam schließlich neben seinem zum Liegen, als sie sich umdrehte.

Plötzlich brach er in hysterisches Gelächter aus. Er hatte wieder eine Hure. Vater würde sie umbringen, wenn er es erfuhr. Bis dahin war sie hoffentlich ihr Gold wert, was immer er ihr dafür bezahlte.
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