Sanizra Amai (Partnerseelen) (Leseprobe)

von kojikoji
GeschichteRomanze, Fantasy / P16 Slash
09.09.2013
28.02.2016
5
10254
1
Alle
5 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
 
Leise tönte der Erste von zwölf Glockenschlägen durch das Dorf, als Nebelschleier durch die Siedlung schlichen. Die milchigen Schwaden tanzten im rötlichen Licht des Blutmondes und verdichteten sich immer mehr. Eine Gestalt huschte durch die Siedlung. Schlammspritzer zierten ihr Kleid aus heller Seide und verdunkelten das Ende der langen Schleppe. Sie lief so schnell ihre Beine sie trugen. Unbemerkt löste sich eine Strähne aus ihrer kunstvoll hochgesteckten Frisur. Statt auf die Makel ihres Äußeren zu achten, presste sie das kleine Bündel an ihre Brust und setzte eilig ihren Weg fort, ohne sich umzudrehen.
Ihre Schritte führten sie zielstrebig auf ein Gebäude im Zentrum des Dorfes zu, in dem sie eilig verschwand. Für einen Moment versteckte sie sich in einer der beiden Boxen. Hektisch blickte sie sich um, wobei in ihren Augen der Schein eines Feuers schimmerte.
Kurz legte sie ihren Zeige- und Mittelfinger an ihre Lippen, ehe sie diese zum Bündel aus edlem, blutrotem Stoff führte.
Ein Abschiedskuss.
Vorsichtig bettete sie es ins Stroh und verbarg es darin, nur um hastig wieder aufzuspringen.
Ohne sich umzublicken eilte sie aus dem Stall und flüchtete in die dichten Nebelschwaden.
Mit dem letzten Glockenschlag gellte der schrille Schrei einer Frau durch die Siedlung, ehe sich Stille über die Häuser legte.
In vielen Gebäuden wurde Licht entzündet und ein paar der Dorfbewohner tapsten in die Nacht hinaus.
Aus dem Stall in der Mitte des Dorfes plärrte urplötzlich die Stimme eines Babys.
Ein junges, frisch vermähltes Päärchen, welches das Haus neben dem Stall bewohnte, lief in das hölzerne Gebäude. Die Frau fand den Ursprung des Geschreis schnell, kniete sich vor das Bündel und schob ein Stück des edlen Geschmeides bei Seite. In einer Ecke, eingestickt in die rote Seide, stand der Name des Kindes. Als der Stoff lautlos wich, kam das Gesicht eines rothaarigen Babys zum Vorschein. Tränen perlten aus zusammengekniffenen Augen über die Wangen, sodass die Frau das Baby schweigend auf den Arm nahm und es sanft wiegte. Vorsichtig erhob sie sich und trug das Bündel unter dem missmutigen Blick ihres Gatten ins Haus.