Annoying the Lawyer

GeschichteRomanze / P18 Slash
Harvey Specter Michael "Mike" Ross
08.09.2013
16.03.2014
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08.09.2013 1.559
 
Nur noch das bloße rascheln von Papier war an diesem späten Arbeitstag zu hören. Die Fenster waren schwarz. In der Ferne konnte man die vielen kleinen Lichter der Stadt erkennen. Ein Wort nach dem anderen fand einen Weg in Mike Ross' Hirn. Sie bohrten sich hinein und verlieben dort. Er blätterte um. Noch mehr Worte. Seine Augen huschten über die Tinte und versuchtes etwas zu finden. Mike wusste noch nicht genau was. Es war wieder einmal einer dieser langweiligen und langwierigen Abende, in denen er in einer Tonne Papierdokumenten einen Paragraphen finden sollte, oder zumindest eine Regelwidrigkeit, ein Schlupfloch oder irgendetwas, das ihnen in ihrem derzeitigen Fall weiterhelfen sollte.
Das traurige war, dass er die Texte nicht überfliegen konnte. Nein. Da er nicht genau wusste nach was er suchte, musste jeder Satz einzeln verinnerlicht werden.
Nach so einer Aufgabe glaubte Mike oft sein Kopf würde explodieren. Immerhin saugte sein Gehirn das gelesene Wissen auf wie ein Schwamm. Wenn er wollte könnte er seinem Vorgesetzten den gesamten Stapel aufsagen wie ein Gedicht.

Da war es! Mike las den Satz noch einmal um sicher zu gehen. Jawohl! Endlich! Endlich hatte er etwas hilfreicher gefunden. Mit dem richtigen Stück Papier in der Hand sprang er auf und wollte los. Dabei stieß er einen Becher Kaffee auf seinem Schreibtisch um. Er fluchte, stellte den Becher wieder auf, wischte nervös auf dem nassen Schreibtisch herum und beschloss dann kurzerhand, dass es wichtiger war, möglichst schnell zu Harvey zu gelangen.

Die meisten Angestellten waren bereits nach Hause gegangen. Als er Rachel, der Anwaltsgehilfin, ein paar Gänge vor Harvey's Büro über den Weg lief, schnappte er ihr den Thermobecher mit Kaffee aus der Hand und trank sofort daraus.
"Hey!!!", rief sie ihm hinterher. Er entschuldigte sich, blieb aber nicht stehen.
Vor dem Büro seines Chefs ließ er den Becher in einen Mülleimer plumpsen und stürmte in den Raum.

"Harvey! Ich hab 'was gefunden!"
"Anklopfen ist wohl nicht Ihr Ding.", bemerkte Harvey trocken.

Mike hatte ein entzückendes Lächeln im Gesicht. Wie ein Kind, das gerade einen Dollar in seiner Hosentasche gefunden hatte. Siegessicher stapfte er auf seinen Vorgesetzten zu, der entspannt in seinem Drehsessel saß und Brandy trinkend aus dem Fenster sah.
Der Jüngere legte das entdeckte Papier auf den Schreibtisch. Mit einem kurzen Blick, ohne es anzufassen, hob Specter die Augenbrauen.

"Was sind das für Flecken?"
"Ähm das.. das ist Kaffee. Ist mir vorhin umgekippt.", antwortete Mike nervös und strich das Papier etwas glatt. Es hatte zusätzlich zu den Flecken auch einige Knicke.
Aufmerksam beobachtete Harvey seinen Schützling. Trotz des dunklen Stoffes seines Billig-Anzuges, waren auch im Lendenbereich einige Kaffeeflecken zu erkennen. Er verfolgte Mike's Hände mit seinem Blick, als diese versuchten das Stück Papier wieder ansehnlicher zu machen, was ihm natürlich nicht gelang. Harvey bemerkte, wie zittrig seine Finger waren. Mike schien mit seinen Händen heute nichts anfangen zu können. Gleich nachdem er das Dokument wieder losgelassen hatte, schnellten die Hände zurück zu dem Bund seiner Hose, danach in die Hosentaschen, wieder heraus und schließlich verschränkte er sie und seine Füße begannen stattdessen zu wippen.

In aller Seelenruhe stellte Harvey sein Glas am Tisch ab. Die Eiwürfel klickten leise, als sie gegen den Rand stießen. Er beugte sich über den Tisch und als wäre es giftig, griff er mit nur zwei Finger nach dem Zettel und las die Zeilen, die sein Angestellter mit einem gelben Leuchtmarker gekennzeichnet hatte. Dieser schien, angesichts der langsamen Bewegungen seines Gegenübers, zu vibrieren.

"Und?? Was meinen Sie?", platzte es aus Mike heraus.
Gemächlich legte Harvey den Zettel wieder auf den Tisch.
"Gut."
Mike wartete auf mehr und breitete seine Hände fragend aus.
"Gut? Mehr nicht?"
Harvey zuckte mit den Schulter.
"Wie wäre es mit 'nett'?"
"Nett??? Ich hab verdammt nochmal die letzten Stunden gefühlte zehn tausend A4 Seiten gelesen und das einzige was Ihnen einfällt ist 'gut' und 'nett'????"
"Soll ich Ihnen etwa eine Medaille umhängen weil Sie Ihren Job machen?"
Mike verschlug es die Sprache. Mehr bekam er wohl für seine Arbeit nicht zu hören.

"Denken Sie, wir können es verwenden?", fragte Mike, während sein Fuß unaufhörlich auf den Boden trippelte.
"Das werden wir morgen sehen."
"Darf ich mitko-"
"Nein."
"Aber ich-"
"Nein!"

Mike stöhnte. Zu den interessanten Kundengesprächen durfte er nach wie vor nicht mitkommen. Nun begannen seine Finger im Takt des Fußes auf seinen Arm zu tippen. Harvey verzog das Gesicht. Er stand auf und ging um den Schreibtisch. Als er näher kam, fing Mike an, an seinen Fingernägeln zu kauen. Der Ältere sah ihm streng, aber mit einem amüsierten Grinsen im Mundwinkel in die Augen. Mike sah zurück, konnte mit dem Blick seines Chef's allerdings nichts anfangen.

"Nehmen Sie die Finger aus dem Mund.", tadelte Harvey den Jüngeren und schlug ihm die Hand weg.
Wieder fingen Mike's Hände nervös an zu wandern. Letztendlich ruhten sie auf seiner Hüfte. Seine Zehen tanzten noch immer.

"Wie viel Kaffee haben Sie heute getrunken?", fragte der Ältere.
"Ähhh... villeicht sieben? oder acht?"
Weit nicht so schlimm, wie erwartet, dachte sich Harvey.
"Und dann etwa zwanzig RedBull."
Specter's Augen weiteten sich. Er betrachtete Mike's Körper. Jeder Muskel zuckte und verlangte nacht Bewegung.

Harvey ging ans andere Ende seines Büros, in der sich seine Mini-Bar befand. Mike sah ihm hoffnungsvoll nach. Ein kühles Bier könnte er jetzt gut gebrauchen. Er war etwas enttäuscht als ihm sein Chef ein Glas Orangensaft brachte, das sogar noch mit Wasser verdünnt war. Er hielt ihm das Glas unter die Nase, mit der Aufforderung, es zu leeren. Mike rümpfte die Nase.

"Runter damit.", befahl sein Vorgesetzter.
Mike gehorchte und setzte das Glas an. Bei etwa der Hälfte klingelte auf einmal das Telephon. Vor lauter Schreck verschluckte sich Mike und goss, während des Hustenanfalls, die andere Hälfte des Saftes über den zwölf tausend Dollar Anzug seines Chefs. Sein Herz machte einen Sprung. Ob er ihn jetzt schlagen würde? Mike wusste, dass Harvey seine Anzüge heilig waren. Das Lächeln war aus seinen Mundwinkeln verschwunden. Mike starrte ihn mit aufgerissenen Augen und offenem Mund an. Starr vor Schreck und unfähig etwas zu sagen.
Harvey kam einen Schritt näher. Der Jüngere konnte sein Parfum riechen und spürte den seufzenden Atem an seinem Hals. Dann legte er seine Hände an Mike's Krawatte. Jetzt war es so weit. Er würde ihn erwürgen. Harvey könnte sich zweifelsohne bei einem Mordprozess wunderbar selbst verteidigen und sogar freisprechen lassen. Er würde damit also sogar durchkommen und Mike nahm es ihm nicht einmal übel.
Mike schloss die Augen und schluckte. Das war sein Ende.

Er fühlte, wie sich der Krawattenknoten langsam lockerte und einer von Harvey's Fingern kurz an seinem Kinn streifte. Als kein Druck auf seine Luftröhre folgte, wagte er einen kleinen Blick.

"Hey! Doch nicht mit meiner Krawatte!"

Harvey hatte sie sich genommen, um mit ihr die gröbsten Reste des Orangensaftes zu beseitigen. Als er fertig war ging er zum Schreibtisch und warf sie in den Müll.

"Ich habe Ihnen einen Gefallen getan. Das Teil war scheußlich."

Harvey stolzierte zu der Wand mit den Schränken und fischte seinen Zweitanzug heraus. Nachdem er den befleckten Zettel in die Arme seines Besitzer drückte, legte er den kostbaren Stoff auf seinen Tisch und begann sich die eigene Krawatte zu lockern.
Man sollte meinen, dass es egal wäre wenn, am Ende des Tages, ein paar Flecken auf der Kleidung wären. Man würde damit doch so oder so nur noch nach Hause fahren. Aber Harvey musste eben IMMER gut aussehen. Er meinte, er wäre es der Welt schuldig...

Wie gebannt starrte Mike auf seinen Boss, der sich gekonnt die Knöpfe seines Hemdes öffnete. Gerade als er den letzten Knopf erreichte und sein Oberkörper zu sehen war, bemerkte er in der Spiegelung seiner Bürofenster den gaffenden Angestellten. Ungeniert zog er sich sein Hemd aus, drehte sich um und sah Mike scharf an.

"Sonst noch was?"
Mike atmete scharf ein und schloss seinen Mund. Energisch schüttelte er den Kopf.
"Dann ab nach Hause, Puppy.", befahl er.

Mike überlegte kurz, ob er seine Krawatte noch aus Müll fischen sollte, entschied sich, ob des strengen Blickes seines Chefs, der seine Gedankengänge erkannt hatte, dagegen und huschte nach draußen. Mit der Hand am Türgriff zögerte er kurz.

"Tut mir leid wegen Ihres Anzuges.", murmelte er.
"Kein Problem. Ich stelle ihn Ihnen in Rechnung.", antwortete sein Boss.
Da war es wieder, das selbstverliebte Grinsen im Mundwinkel.

Die Augen verdrehend ging er aus dem Büro. Da er in die falsche Richtung abgebogen war, musste Mike noch einmal an dem gläsernen Büro von Harvey vorbei und war abermals versucht stehenzubleiben als er sah, dass dieser gerade nur in Unterhose da stand und sein frisches Hemd überstreifte.
Mike musste sich zusammenreissen um den Kopf wieder nach vorne zu richten und weiterzugehen.

Harvey war, durch sein Fenster, natürlich nicht entgangen, dass sein Schützling noch einmal hinter ihm vorbeiging. Diese Glasscheiben hatten eben gute und schlechte Seiten. Er musste abermals Grinsen, als er sich die neue Krawatte band.
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