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Kleine Geschichten aus Suikoden 2

GeschichteDrama / P12 / Gen
Flik Jowy Nanami Riou
08.09.2013
31.07.2014
3
3.825
1
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08.09.2013 872
 
Vorgaben:

- Genre: Drama
- Wörter: Brücke, Fälschung, Seitenhieb, Lärm, Vorschlag, Realist
- 1. muss sagen: „Du solltest dich langsam mal entscheiden.“
- 2. Charakter muss sagen: „Mach das verdammte Licht aus!“
- Wetter: Regen
- 3. Charakter muss in hysterisches Gelächter ausbrechen
- max 1500 Wörter

~*~

Bereuen

Es regnete, als ich auf der Brücke am Eingang von Radat stand und in den von der Finsternis der Nacht geschwärzten Fluss sah, der sich unter mir hindurch schlängelte. Der Lärm um mich herum ging im Rauschen des Wassers unter. Es war mir auch einfach nur egal. Schließlich wollte ich hier nicht sein. Nicht hier stehen und über dieses Land entscheiden.

Meine Gedanken kehrten in eine Zeit zurück, wo mein Leben noch in Ordnung war. Es wirkte auf mich, als wäre es nur ein wunderschönes Märchen, das man Kindern erzählte, wenn sie nicht einschlafen konnte. So voller Harmonie und Liebe. Doch sie war vorbei. Ich stand alleine hier.

Nanami und Jowy hatten mich verlassen. Und all die Menschen, die hinter mir standen, sahen in mir jemanden, der ich doch eigentlich nur in ihren Vorstellungen war. Schließlich war ich nur ein kleiner Junge, der vor kurzem noch ein Teil der Jugendarmee gewesen war.

„Du solltest dich langsam einmal entscheiden“, so oft hörte ich diesen Satz von meinem Strategen namens Shu. Dauernd nur entscheiden. Doch egal welchen Vorschlag ich nahm, es würden Menschen dabei sterben.

Ich erinnerte mich an die Zeit, wo Nanami mich noch darum bat, dass wir gemeinsam flohen und im Nachhinein betrachtet, hätte ich das tun sollen. Ich hätte mit ihr einfach weggehen sollen. Dann wäre sie jetzt noch am Leben.

Ruhig folgte ich dem Lauf des Flusses mit meinem Blick. Erkannte die Leichen, die darin trieben und niemals gerettet werden würden, weil sie in der Republik Toran verschwanden und dann sah ich ihn wieder vor mir: Luca Blight.

Wie er mich mit seinen wahnsinnigen Augen musterte und sein Schwert in den nächsten Leib schlug. Die Bewohner krochen vor ihm, als er sie tötete und dann geschah es. Er begann zu lachen. Hysterisch und laut. Sein Lachen drang bis tief in mein Mark und brannte sich in meinem Geist fest, wie ein lebenslängliches Mal.

Immer wieder ertönte sein Lachen. Seine bestialische Grausamkeit und als ich ihm dann gegenüberstand, lachte er erneut. Obwohl er besiegt war und ich kurz davor war ihn zu töten, lachte er. Immer noch so hysterisch, wie wenn er die Bewohner des Stadt-Staates abschlachte.

Wir waren in seinen Augen alle nur Schweine, die man töten musste. Und dennoch wurde er schließlich von diesen Schweinen umgebracht. Aber nicht ohne zu lachen. Nicht ohne ein letztes Mal noch hysterisch zu lachen.

Als er starb, hatte Nanami gehofft, dass Jowy nun zu uns zurückkommen würde. Auch ich hegte diesen Wunsch, doch ich war zu sehr Realist, um daran zu glauben. Wir waren dadurch, dass wir uns dem Stadt-Staat anschlossen dazu verdammt, hier zu bleiben. Nie wieder würden wir zurück nach Highland gehen können.

Es war so lächerlich, wodurch ich mich einfach von dem Fluss abwandte und davon schritt. Ich musste hier weg und vergessen, was dieser Krieg mir alles genommen hatte. Der Verrat von Jowy und der Friedensvertrag, der sich als Fälschung herausgestellt hatte.

Warum musste ich hier stehen? Die Bewohner lebten in ständiger Angst und ich konnte ihre gedämpften Stimmen hören, als ich durch die Straße ging: „Mach das verdammte Licht aus. Sie müssen nicht wissen, dass wir hier sind. Wer weiß, ob man uns überfallen will.“

Obwohl ich Highland bis an seine Grenzen zurück getrieben hatte, lebten die Menschen immer noch in Angst. Sie wollten einfach noch nicht an den Frieden glauben. Es war lächerlich und töricht auch nur ansatzweise daran zu glauben, dass sich dieses Land jemals von dem Krieg erholen würde.

„Riou?“, ich hörte die besorgte Stimme von Flik, als ich an den Stadtrand trat und seine breite Gestalt als Schatten wahrnahm. Er trat in das Licht des Gasthofes und sah mich besorgt an.

Er und Viktor waren die Einzigen, die mich von Anfang an kannten. Sie hatten mich damals aus dem Fluss gezogen und auch wenn ich zuerst ein Gefangener ihres Lagers gewesen war, so hatten sie mich in keiner Sekunde schlecht behandelt.

„Das Land braucht dich. Du musst stark sein“, die Worte waren wie ein Seitenhieb, wobei ich trocken schluckte und nur nickte. Ja, ich musste für das Land stark sein. Aber wer würde das für mich sein? An wen könnte ich mich wenden, wenn ich meinem besten Freund gegenüber stand? Wenn sich unsere Waffen erneut kreuzten?

Die Erinnerungen an früher, als wir alle Drei so glücklich vereint waren, trieben mir Tränen in die Augen. Ich hasste mein Leben dafür, wie es sich entwickelt hatte. Immer musste ich glücklich und voller Hoffnung sein, obwohl ich manchmal einfach am liebsten schreien würde. Ich konnte nur weinen, wenn es regnete, wie in diesem Moment. Die Tropfen meinen Körper durchnässten und somit die Tränen versteckten.

„Kommst du zurück zur Burg? Shu möchte mit dir sprechen“, ich hörte, dass Flik meinen Gemütszustand wahrnahm, dennoch nickte ich und trat an seine Seite. Noch einmal sah ich zurück. In Richtung Highland. Warum musste ich damals gehen? Ich hätte einfach Zuhause bleiben sollen, dann würde ich jetzt nicht alleine sein…

Jowy und Nanami, bitte verzeiht mir…

Ende
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