Mit den Augen der Vernunft

von - Leela -
GeschichteMystery, Angst / P12
GB Jake Mysteria Prime Evil Scared Stiff Tracy
08.09.2013
08.09.2013
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„So! Das ist also der »kleine Auftrag«, von dem du gesprochen hast!“ bemerkte Tasha, als sie zusammen mit Jake über die Farm hetzte.
      „Als mir am Telefon gesagt wurde, daß in der Scheune ein Geist gesehen wurde, dachte ich auch nicht, daß gleich Prime Evil mit seiner Mannschaft die ganze Farm zerlegt!“ keuchte Jake außer Atem.
      Es war mittlerweile schon ein paar Stunden her, daß sie den Notruf erhalten hatten, und seitdem bemühten sie sich, einen Geist nach dem anderen zu busten. Fibface hatten sie bereits erwischt, Fangster war ihnen zum Opfer gefallen, Bratarat war in’s Geisterreich zurückgeschickt worden - wodurch Prime Evil ein wichtiger Berichterstatter fehlte - und Long John Scarechrome hatte es auch bereits erwischt.
      Seit einiger Zeit hatten sie sich aufgeteilt: Eddy und Tracy jagten Mysteria und Sir Trancealot nach, und Jake und Tasha versuchten, Apparitia und Haunter zu erwischen.
      „Sonst hätte ich dich auch nicht mitgenommen!“ fuhr Jake im Rennen fort.
      „Was soll das denn heißen?“ gab Tasha zurück. „Jake, da!“
      Gerade noch sah Jake einen grünen Schatten um das Haupthaus herum verschwinden. „Apparitia!“
      „Ja! – Hinterher!“
      Gemeinsam sprinteten sie los, kurz vor dem Eingang rief Tasha aber: „Ich mache sie auf mich aufmerksam! Halte du dich bereit!“
      „Tasha…“ rief Jake besorgt, doch da lief sie bereits in die andere Richtung um das Haus herum, Apparitia entgegen. Jake fluchte leise. „Dummes Mädchen!“ Dann setzte er ihr nach und verschanzte sich etwas im Hintergrund, um nicht die zweite Zielscheibe für die Geisterlady abzugeben, die nicht zu unterschätzen war.
      Tasha rannte in’s Freie neben dem Haus und blieb abrupt stehen, so als hätte sie nicht mit Apparitia gerechnet.
      Die Geisterlady kam direkt auf sie zu, und nach einer Überraschungssekunde mischte sich ein boshafter Ausdruck in ihre Augen. „So! Jetzt werden dir deine Freunde nicht mehr helfen können!“ proklamierte sie.
      Tasha machte kehrt und rannte in die Richtung zurück, aus der sie gekommen war. Ihr Opfer mußte noch ein Stück näher kommen… Sie rannte an Jake vorbei, der durch die Hausecke und dem Gebüsch davor gut geschützt war.
      Apparitia setzte ihr nach und mobilisierte dabei ihre Kräfte. Blaue Schlieren wirbelten um ihre Finger und verkündeten einen Schlag, der ausreichend sein konnte, um ihre Gegnerin zu vernichten. Sie lachte siegessicher. „Das wird dir nichts nützen, Kleine…!“
      In dem Moment sprang Jake zwischen sie und Tasha und richtete den Dematerialisator auf sie. „Du wirst ihr nicht den geringsten Schaden zufügen!“ Er betonte jedes Wort, und noch während dessen drückte er ab.
      Deutlich überrascht wurde Apparitia von der vollen Wucht getroffen, und ehe sie ihre Macht einsetzen konnte, löste sich ihr Körper auf.
      Tasha hatte einige Meter weiter gestoppt und drehte sich nun zum Geschehen um.
      Apparitia schickte Jake einen bitterbösen Blick. „Dafür wirst du büßen…“ Das war das letzte, was sie sagen konnte, bevor sie sich ganz auflöste.
      Jake atmete schwer durch; zu tief saß noch der Schock.
      Tasha kam derweil näher und schmunzelte. „Du hast dir richtig Sorgen gemacht, oder? So wie du dazwischen gegangen bist…“
      Jake sah auf. Doch anstatt eines Lobes maß er sie mit einem tiefgründigen Blick. „Mach’ das nie wieder!“
      Tasha warf hilflos die Arme in die Luft. „Es hat doch gewirkt!“
      „Wenn dir etwas passiert, verspeist Eddy mich zum Frühstück! Himmel, weißt du überhaupt, was du da gemacht hast? Das war gefährlich!“ Jakes Stimme stand kurz davor, sich zu überschlagen.
      „Entschuldige, ich dachte, der Job sei gefährlich!“ implizierte Tasha.
      „Wenn wir allein unterwegs sind, ist das eine Sache!“ argumentierte Jake. „Wenn ich aber für dich noch die Verantwortung übernehmen muß…“
      „Komm’ mal wieder runter, Jake!“ ließ sich Tasha vernehmen. „Ich bin kein kleines Kind!“
      „Du hast dich aber gerade wie eins benommen! Himmel, ich hatte Angst um dich!“
      Tasha lächelte. Jetzt war es raus.
      Jake atmete ruhig durch und versuchte, sich wieder zu beruhigen.
      „Gut!“ ließ sich Tasha leise vernehmen. „Dann weißt du ja, wie es mir ständig geht, wenn ihr unterwegs seid. – Wollen wir weitermachen? Wir haben noch genug Geister, die wir eliminieren müssen!“
      Jake hatte schlucken müssen bei ihrer kleinen Bemerkung. Und so nickte er nur.

Eddy und Tracy hatten sich entscheiden müssen. Während Mysteria im Schutz der Hofgebäude geblieben war, war Sir Trancealot auf die Weiden hinausgeritten. Die beiden Ghostbuster konnten nicht einschätzen, welche Aktion schlauer gewesen war. Auf der einen Seite stand Trancealot jetzt schutzlos, auf der anderen Seite gaben Eddy und Tracy gute Zielscheiben für ihn ab. Bei Mysteria war es genau umgekehrt.
      „Was machen wir jetzt, Tracy?“ fragte Eddy.
      „Zusammenbleiben!“ riet der Gorilla.
      „I-ich hatte nicht vor, mich zu trennen.“ stotterte Eddy. „Aber hinter wem sollen wir jetzt herjagen? Trancealot ist mir eindeutig zu gefährlich!“
      „Mysteria auch!“ ließ sich Tracy vernehmen und deutete zu den Gebäuden.
      „Du hast Recht! Sie hat so gute Versteckmöglichkeiten. Was machen wir denn jetzt?“
      Tracy dachte gerade über die Möglichkeiten nach, als das Unheil aus einer ganz anderen Richtung kam.
      „Oh Gott, oh Gott, oh Gott…“ Die staksigen Schritte von Scared Stiff waren auf den Pflastersteinen zu hören, als er den Hof überquerte, und dabei auch an den Ghostbustern vorbei mußte. „Oh Gott, oh Gott…“ Fast rannte er Eddy dabei über den Haufen.
      Der sprang reflexmäßig zur Seite und wirbelte um die eigene Achse. „Hey…“
      „Das wird Prime Evil nicht gefallen.“ murmelte Scared Stiff zu sich selbst.
      Eddy sah ihm irritiert nach und reagierte damit zu spät auf sein Umfeld, registrierte nicht, daß Trancealot inzwischen näherritt, und die Unachtsamkeit des Ghostbusters ausnutzte, um seine Trancelanze auf ihn abzufeuern.
      Zwar hatte Tracy den Geist bereits in’s Visier genommen, doch als der Strahl seines Dematerialisators ihn traf, hatte er Eddy bereits getroffen, der daraufhin auf der Stelle zusammenbrach und in Tiefschlaf versank.
      Ein helles Lachen war alles, was Trancealot ihnen übrig ließ, als er und sein Pferd dematerialisierten.
      „Oh, oh…“ Tracy überlegte fieberhaft, wie er Eddy wieder aufwecken konnte, doch da nutzte Mysteria die Gunst des Augenblicks. Sie materialisierte in einem Nebel direkt hinter ihm. Tracy drehte sich geschockt um, und bekam so keine Gelegenheit mehr, sich um Eddy zu kümmern.
      Mysteria lachte. „Das wird Prime Evil freuen!“ Mit einer Handbewegung schickte sie dünne Nebelschwaden auf Tracy los, die sich wie Fesseln um ihn legten und ihm seine Bewegungsfreiheit nahmen.
      Er versuchte, sich dagegen zu wehren, hatte gegen diese Art von Barriere allerdings keine Chance.
      „Wunderbar!“ freute sich Mysteria. „Das wird mir Prime Evils Gunst sichern!“ Sie schickte immer mehr Nebelfäden los, die sich jetzt auch um Tracys Füße legten und ihn mehr und mehr kampfunfähig machten.
      So sehr er sich auch dagegen wehrte, es gelang ihm nicht, sich aus den Fesseln zu befreien.

„Was genau will Prime Evil eigentlich hier?“ fragte Tasha, als sie zusammen mit Jake nach Haunter suchte. „Ich meine, diese Aktion muß doch einen Grund haben!“
      „Ich weiß es nicht.“ erwiderte Jake. „Ich weiß nur, wir sind ihm bei was auch immer ganz schön in die Quere gekommen!“
      „Eigentlich müßte er doch wissen, daß euer Aufeinandertreffen vorprogrammiert ist, sobald er sich irgendwo auf dem Planeten blicken läßt.“ meinte Tasha.
      „Deswegen war er ja auch so frustriert!“ Jake konnte sich trotz der prekären Situation ein Lachen nicht verkneifen.
      Sie liefen gerade an einer Hecke entlang, als Jake plötzlich stolperte und zu Boden ging.
      „Jake…“ rief Tasha erschrocken auf, da erkannte sie, daß Jakes Sturz nicht von ungefähr kam: Haunter hatte sich in der Hecke verborgen und ihm gezielt ein Bein gestellt. Wie paralysiert blieb sie stehen, als sie sich dem Geist gegenübersah.
      Haunter grinste, dann zog er seinen Käscher hervor und vergrößerte ihn.
      Tasha konnte der Attacke nur knapp mit einem gewagten Sprung ausweichen, und landete so ebenfalls bäuchlings auf den Steinen, was sie in eine ähnlich schlechte Ausgangslage brachte wie Jake.
      Haunter wollte sich nun erst um Jake kümmern, hatte aber die Rechnung ohne den Ghostbuster gemacht.
      Jake hatte die Zeit genutzt um sich zu sammeln, und als Haunter nun aus dem Gebüsch sprang, drehte er sich blitzschnell auf den Rücken, und fast im selben Moment sprühte er dem Jäger eine Ladung Geistervernichtungsspray in’s Gesicht.
      Haunter riß die Arme hoch, doch es war zwecklos. Der Geist war erledigt. „Wie ärgerlich…“ Das waren seine letzten Worte, bevor er seine unfreiwillige Reise in’s Geisterreich antrat.
      Jake atmete erneut durch. Dann sah er aus seiner liegenden Position zu Tasha herüber. „Alles in Ordnung?“
      Tasha sortierte ihre Gelenke. „Ja!“ meinte sie, während sie sich aufrichtete. „Und du?“
      „Gib’ mir einen Moment zum Durchatmen.“
      Tasha sparte sich eine verbale Antwort darauf, schnappte ihrerseits nach Luft, dann ging sie zu ihm herüber und half ihm auf die Füße.
      Sie wechselten einen Blick.
      „Gut!“ sagte Jake. „Wir haben die zwei erledigt!“
      „Jetzt müssen wir Prime Evil finden!“ meinte Tasha verheißungsvoll.
      „Ja. Und das ist um so gefährlicher. Wir können ihn nicht dematerialisieren!“
      „Wir müssen mit Eddy und Tracy zusammenarbeiten. Sonst haben wir keine Chance.“ prophezeite Tasha. „Komm’, vielleicht brauchen die beiden noch unsere Unterstützung!“
      Jake nickte.

Tracy gab nicht auf, doch alles was er erreichte war, daß er das Gleichgewicht verlor. Mit voller Wucht stürzte er zu Boden, fiel allerdings weich, da er genau auf dem schlafenden Eddy landete.
      Mysteria lachte herzlich, als sie die Szene beobachtete.
      Eddy jedoch war durch den Sturz aus dem Tiefschlaf gerissen und schreckte hoch. Er schnappte geschockt nach Luft, als er Mysteria in unmittelbarer Nähe erblickte, unterdrückte aber gerade noch einen Schrei. Die Geisterdame kam noch immer nicht aus dem Lachen heraus, wodurch sie nicht bemerkt hatte, daß Eddy mittlerweile wieder zu sich gekommen war. Diese Chance nutzte der Ghostbuster sofort, ebenso wie den Umstand, daß er aus seiner unter dem Affen begrabenen Position lediglich die Möglichkeit hatte, an Tracys Ghostpack zu gelangen. Er bekam das Spectre Snare zu fassen, zog es unbemerkt zu sich hin und brachte sich in Position. Dann rief er: „Mysteria?“
      Verblüfft sah die Geisterdame auf.
      Jetzt hatte Eddy sie in der Position, in der er sie brauchte. Er schoß das Spectre Snare ab, und zu seiner großen Erleichterung saß der Schuß gut. Das Seil schloß sich um Mysterias Körper. „Na, wie gefällt dir das? Koste mal etwas von deiner eigenen Medizin!“
      Das Seil legte sich stramm um Mysterias Leib, und sie konnte sich nicht mehr bewegen. Verbissen versuchte sie, die Fesseln zu sprengen. Doch das besondere geisterresistente Material machte es ihr unmöglich, sich daraus zu befreien. Es gestattete ihr nicht einmal, sich in Nebel aufzulösen und so zu entkommen.
      „Tracy, ich weiß, es ist keine einfache Bitte, aber könntest du vielleicht irgendwie von mir runtergehen?“ bat Eddy derweil.
      Tracy schaute verzweifelt, dann brachte er sich in’s Schaukeln, bis er genug Schwung hatte, um mit Eddys Hilfe von seinem Partner herunterzurollen.
      Eddy setzte sich benommen auf. Im Nachhinein wußte er nicht mehr, wie er es geschafft hatte, aus der Position Mysteria gefangenzunehmen. Es mußte einer dieser Momente gewesen sein, in denen man nicht mehr nachdachte. Nun nahm er jedenfalls in aller Ruhe seinen Dematerialisator und grinste ruhig.
      Mysteria beobachtete seine Aktionen resigniert in dem Bewußtsein, daß sie nichts mehr dagegen ausrichten konnte.
      „Irgendwelche letzten Worte, Mysteria?“ fragte Eddy.
      „Fahr zur Hölle!“ stieß sie hervor.
      „Och! Nicht doch! Die Chance auf große Worte, und du führst Selbstgespräche!“ Mit diesen Worten drückte Eddy ab und schickte Mysteria zurück in’s Geisterreich. Dann kümmerte er sich um Tracy. Besorgt kniete er sich zu dem noch immer gefesselten Gorilla. „Tracy, was soll ich jetzt tun? Ich traue mich nicht, den Dematerialisator einzusetzen!“
      Allein bei dem Begriff schüttelte Tracy vehement den Kopf, um Eddy von der Idee ganz schnell abzubringen, bevor er sich doch noch dazu umentscheiden konnte.
      „Aber was machen wir dann? Wir müssen die Fesseln irgendwie lösen!“
      Noch während Eddy hilflos dasaß, kamen Jake und Tasha auf das Geschehen zu.
      „Eddy, Tracy, alles in Ordnung?“ rief Jake. „Oh mein Gott! Was ist passiert?“
      Sorgenvoll blickten Tasha und Jake auf den von violetten Schlieren umzogenen Körper von Tracy.
      „Mysteria hat ihn voll erwischt.“ erzählte Eddy. „Den Dematerialisator einzusetzen ist zu gefährlich!“
      „Das Geisterspray?“ fragte Tasha.
      Jake nickte. „Ja, das müßte gehen. Ich hoffe, nach der Aktion mit Haunter ist noch genug in der Sprühflasche drin!“ Er holte sie hervor, schüttelte sie und besprühte vorsichtig die Fesseln damit.
      „Es funktioniert!“ freute sich Tasha, als sie beobachtete, wie sich die Fesseln langsam auflösten.
      Nach einem Moment konnte Tracy sich wieder aufsetzen, und den Rest der Fesseln so abstreifen. Der violette Nebel verflüchtigte sich langsam.
      „Was ist mit Apparitia und Haunter? Habt ihr sie erwischt?“ erkundigte sich Eddy nun.
      „Restlos!“ erklärte Jake. „Mysteria und Trancelot?“
      „Beide zurück im Geisterreich!“ meldete Eddy.
      „Phantastisch! Dann müssen wir jetzt Prime Evil finden und erledigen!“ resümierte Jake.
      „Scared Stiff läuft hier noch irgendwo rum!“ erwähnte Eddy.
      Tracy machte eine wegwerfende Geste.
      „Tracy hat Recht. Das ist unser kleinstes Problem!“ pflichtete Jake ihm bei.
      „Scared Stiff ist Berichterstatter für Prime Evil!“ erinnerte Eddy sorgenvoll. „Ich denke, das sollten wir nicht unterschätzen!“
      „Das stimmt auch wieder!“ überlegte Jake. „Trotzdem, wir sollten uns vorrangig um Prime Evil kümmern! – Wenn ich nur wüßte, wo er sich verschanzt haben mag? Seit wir kreuz und quer über den Hof gerannt sind, habe ich ihn nirgends mehr gesehen!“

Ebenso wie Prime Evil, war auch GB die ganze Zeit über unbeachtet geblieben. Das Ghostbuggy hatte inzwischen dort, wo die Ghostbuster ihn auf dem Hof abgestellt hatten, das Geschehen verfolgt. Dann hatte er beobachtet, wie das selbsternannte Oberhaupt der Geister den allgemeinen Tumult nutzte und sich zum Haupthaus zurückzog. In dem Moment dankte er dem Umstand, daß Jake geistesgegenwärtig, nachdem er festgestellt hatte, mit welchem Gegner sie es zu tun hatten, die Bewohner des Hofes in das Dorf geschickt hatte.
      Während die Ghostbuster die Jagd auf die anderen Geister aufnahmen, pirschte sich GB nun neugierig an das Haus heran, um irgend etwas in Erfahrung zu bringen. Zuerst war das gar nicht so einfach. Prime Evil konnte überall im Haus sein, und mindestens durch die Eingangstür paßte GB nicht hindurch. Er fuhr zum Hintereingang. Zwar kam er trotzdem nicht weiter in das Gebäude hinein, doch durch die offene Hintertür konnte er Prime Evils frustrierte Stimme hören.
      „Verdammt! Es muß hier doch irgendwo sein! Wenn Apparitia mich angelogen hat, kann die was erleben!“
      GB hörte erstaunt zu. Auf dem Hof mußte es also etwas geben, das für Prime Evil so wertvoll war, daß er es unbedingt haben wollte. Deswegen war er hier und verbreitete Chaos, Angst und Schrecken. Aber was konnte das sein?
      „Scared Stiff!“ Die markerschütternde Stimme von Prime Evil zerschnitt die Luft. „Scared Stiff! Du mißratener Blecheimer! Komm sofort hierher!“
      „Bin schon auf dem Weg, Meister.“ klang die verzagte Stimme des Robotdieners aus einem anderen Teil des Hauses.
      „Such’ Apparitia und bring’ sie zu mir!“ wies Prime Evil ihn an.
      „Sehr wohl, Meister des Bösen!“
      GB fuhr ein Stück zurück, so daß er nicht direkt in Scared Stiffs Blickfeld stand, als dieser das Haus verließ.
      „Du meine Güte.“ hauchte Scared Stiff, als er das Haus verließ. „So viel Aufhebens um ein Kochbuch!“
      „Kochbuch?“ formulierte GB lautlos vor Überraschung.
      – Dies war jetzt einige Zeit her. Und während die Ghostbuster den Geistern nachsetzten, stellte Prime Evil das Haupthaus auf den Kopf.
      GB dachte verzweifelt nach. Irgend etwas mußte passieren…

„Das Haupthaus!“ riefen Eddy, Jake und Tasha gleichzeitig.
      Tracy schlug sich ob seiner eigenen Blindheit vor den Kopf.
      „Natürlich! Wenn er etwas bestimmtes sucht, dann hatte er jetzt die Gelegenheit, während wir hier mit seinen Geistern gespielt haben!“ Jake sprang auf. „Wenn es nur nicht schon zu spät ist!“
      Die vier hetzten los.
      „Und wie wollen wir ihn stoppen, wenn er noch hier ist?“ fragte Tasha.
      „Wenn ich das wüßte!“ meinte Jake unbehaglich. „Darüber machen wir uns Gedanken, wenn es soweit ist!“
      „Viel schlimmer finde ich den Gedanken, daß er nicht mehr da ist!“ bemerkte Eddy. „Das bedeutet nämlich, daß er gefunden hat, was er gesucht hat. Und dann möchte ich nicht wissen, was passiert!“
      „Eddy hat recht.“ pflichtete Jake bei. „Kommt schon, Leute, Endspurt!“
      Erst als das Haupthaus in Sicht kam, wurden sie langsamer und blieben draußen stehen, um die Lage zu sondieren.
      „Es ist so ruhig.“ stellte Tasha fest.
      „Ja. Zu ruhig.“ meinte Jake beklommen.
      „Ob er wohl schon entkommen ist?“ fragte sich Tasha.
      „Jake, was ist das da für ein Nebel?“ Eddy zeigte zu einem der Fenster.
      Erst jetzt fiel den anderen der leichte, kaum wahrnehmbare Nebel im Inneren des Hauses auf.
      „Keine Ahnung! Ich würde sagen, da hat jemand in der Küche am Herd gestanden.“ meinte Jake.
      „Jake, da ist aber das Wohnzimmer!“ korrigierte Eddy.
      „Seid mal leise…“ rief Tasha plötzlich. „Hört ihr das?“
      Man konnte es nur ganz dünn vernehmen, ein ganzes Stück weiter entfernt. „Argh! Laß mich hier raus! Du blödes Stück Rost!“
      „Das ist doch Prime Evils Stimme!“ meinte Jake verblüfft. Sie wechselten einen erstaunten Blick. „Kommt!“ Jake gab den anderen einen Wink und ging vorsichtig vor.
      Nacheinander, und unter größter Vorsichtig schlichen sie sich vor, bis die Stimme immer näher kam. Dies führte sie zu einem Anbau des Haupthauses: Der Garage. Als sie dort ankamen, erlebten sie die nächste Überraschung: Der Platz, auf dem sonst das Auto der Familie stand - mit welchem sie nun aus bekannten Gründen in’s Dorf gefahren waren - wurde nun von GB belegt!
      „Mann, bin ich froh, euch zu sehen, Jungs!“ Die pure Erleichterung sprach aus der Stimme des Ghostbuggys. Er war bis ganz nach vorne durchgefahren, soweit es ging, das Dematerialisierungsnetz ausgefahren, das Tracy ursprünglich für die Donnergeister gebaut hatte, und ihm gegenüber, durch das Netz arretiert an der Wand, klebte Prime Evil.
      „GB!“ entfuhr es Jake verblüfft, und mit einer ordentlichen Portion Stolz.
      „Argh!“ grollte Prime Evil unterdessen. „Ihr blöden Ghostäffer! Holt mich hier raus, und zwar sofort!“
      „Das könnte dir so passen!“ sagte Jake zu ihm. Dann drehte er sich zu den anderen um. „Wie schicken wir ihn jetzt bloß zurück?“
      „Jungs…“ jammerte GB.
      Jake drehte sich kurz zu ihm um. „Hältst du es noch einen Augenblick durch?“
      GB biß die Zähne zusammen. „Ich muß ja wohl…“
      „Meine Güte! Wie kommt es, daß Prime Evil sich nicht befreien kann? Ich dachte, ihm ist nicht so leicht beizukommen!“ bemerkte Tasha.
      „Das stimmt auch!“ erwiderte Jake. „Das Dematerialisierungsnetz soll den Geist eigentlich bei der leichtesten Berührung dematerialisieren. Erinnerst du dich noch, was ich dir erzählt habe? Prime Evil kann man so leicht nicht dematerialisieren. Aber GB muß in einem so günstigen Moment zugeschlagen haben, daß er Prime Evils Arme und Hände arretiert hat. Und wenn er die nicht bewegen kann, dann kann er keinen vernünftigen Gegenschlag leisten! Ich vermute sogar, daß das Netz ihm zumindest die Kraft entzieht.“
      „Das wäre gut! Daraus könnte man etwas machen. – Ich wüßte zu gerne, warum er hier ist!“ erinnerte Tasha.
      „Frag’ ihn doch.“ meinte Tracy.
      Tasha sah ihn perplex an.
      Jake verdrehte die Augen. „Er meint das ernst.“ seufzte er, um Mißverständnissen vorzubeugen.
      Tasha stand auf und straffte die Gestalt. Dann ging sie zu GB nach vorne und sah Prime Evil in die Augen. „Jetzt erzähl’ mal, weswegen bist du hier?“
      „Törichtes kleines Ding!“ gab Prime Evil zur Antwort. „Glaubst du allen Ernstes, das würde ich dir erzählen?“
      „Nun hört auf, hier Smalltalk zu führen!“ jammerte GB. „Ich kann bald nicht mehr! Laßt euch was einfallen!“
      Jake und Eddy zückten bereits die Dematerialisatoren.
      Jake atmete durch. „Wir müssen es versuchen! Durch das Gitter, du von rechts, ich von links!“
      Eddy nickte.
      Sie brachten sich in Position und schossen.
      Prime Evil lachte. „Damit seid ihr schon vor Urzeiten gescheitert!“
      Jake und Eddy gaben auf.
      „Wir müssen uns etwas anderes überlegen! Tracy!“ rief Jake. Sie stellten sich wieder zusammen, um zu beratschlagen.
      Indes hörten sie eine Stimme, die sie fast vergessen hatten. „Boss? Oh, Boss?“ rief Scared Stiff. Er kam gerade um die Ecke und sah das ganze Desaster. Erschrocken schnappte er nach Luft.
      „Na klasse!“ bemerkte Prime Evil. „Der unfähigste aller Geister. Und er ist noch hier!“
      „Oh, Boss… Ihr habt das Buch also nicht gefunden!“ kommentierte Scared Stiff.
      Prime Evil stand kurz davor zu explodieren. Automatisch versuchte er, mit seinen Augen einen vernichtenden Energiestrahl aufzubauen, doch selbst das gelang nicht mehr.
      Trotzdem schreckte der Robotergeist unwillkürlich zusammen.
      „Argh! Jungs!“ Das war GB, dessen Kraft nun endgültig zur Neige ging. „Ich… kann… nicht… mehr…“ Zum Entsetzen der anderen konnte GB die Kraft nicht mehr aufrecht erhalten, mit der er das Netz hielt; er brach unter der Last zusammen, so daß Prime Evil zu Boden stürzte.
      Die Ghostbuster standen geschockt da, nur Scared Stiff schrie auf, nahm die Beine in die Hand und floh.
      Tasha sah ihm perplex nach.
      „Was machen wir denn jetzt?“ schrie auch Eddy auf, der sich als erstes aus der Erstarrung löste.
      Prime Evil richtete sich gerade auf. Er ballte die Hände zu Fäusten und fixierte die Gruppe.
      Panisch suchten Eddy und Tasha Schutz hinter Jake und Tracy, die ebenfalls bedächtig zurückwichen.
      „J-j-jake…“ brachte Eddy stotternd hervor.
      „Tracy! Eine Idee…“ hauchte Jake verzweifelt.
      „Kein Oki Doki.“ war die entmutigende Antwort.
      Prime Evil richtete sich zu seiner vollen Größe auf und wollte seine ganze Energie auf die Ghostbuster loslassen. Doch der Versuch scheiterte schon in der ersten Instanz. Verblüfft sah er auf seine Finger, dann mischte sich seinerseits Verzweiflung in seine Züge.
      „Jake…“ hauchte Eddy.
      „Ich seh’s! Seine Energie ist tatsächlich so geschwächt, daß er nichts mehr ausrichten kann!“
      „Alles, was wir haben!“ ließ sich Tracy leise vernehmen.
      „Ja, probieren wir es noch mal.“ pflichtete Jake ihm bei. Er und Eddy nahmen erneut die Dematerialisatoren.
      Tracy bewaffnete sich mit dem Geisterentfernerspray.
      „Gib’ mir das Spectre Snare.“ bat Tasha.
      Jake nickte. Dann gab er den anderen Zeichen.
      Dies geschah innerhalb von Sekundenbruchteilen. Und noch während Prime Evil ungläubig dastand, gingen sie in die Offensive. Dann passierte alles sehr schnell: Als sie auseinandersprangen, schoß Tasha zuerst das Spectre Snare und hinderte Prime Evil an einer möglichen Flucht. Fast im gleichen Moment schossen Eddy und Jake die Dematerialisatoren ab. Tracy setzte mit dem Geisterspray nach.
      „Es klappt nicht.“ rief Jake nach einer Weile verzweifelt, als sie dem Geist noch immer nicht beikommen konnten.
      Prime Evil lachte. „So viel Energie habt ihr nicht, um mich ganz zu vernichten! Laßt mich nur erst wieder zu Kräften kommen! Dann gebe ich euch dafür die Quittung!“
      „Jake…“ rief Eddy mutlos. „Wir sind erledigt!“
      „Durchhalten!“ rief Jake mit zusammengebissenen Zähnen. „Wir geben noch nicht auf!“
      In der Zwischenzeit rappelte GB sich wieder auf. Er sondierte kurz das Geschehen, dann nahm er alle Kraft zusammen. Mit einem einzigen schwungvollen Schlag schlug er Prime Evil das Dematerialisierungsnetz in’s Kreuz.
      Dies zeigte endlich Wirkung! Die geballte Energie überraschte Prime Evil auf’s Äußerste, zu mehr als einem überraschten Blick kam er aber nicht mehr, denn das reichte aus, um den Herrn des Bösen zurück in die Geisterdimension zu schicken.
      Die Ghostbuster konnten noch gar nicht ganz fassen, was gerade passiert war, dann jubelten sie auf!“
      „GB! Du bist ganz große klasse!“ jubelte Tasha.
      „Ja, du bist der Held des Tages!“ pflichtete Eddy ihr euphorisch bei.
      GB freute sich über das Lob, doch er war noch viel zu erschöpft, um seinen Stolz auszukosten. Dennoch lächelte er.
      Alle brauchten eine kleine Atempause. Die Ghostbuster und Tasha setzten sich bei GB auf den Boden und atmeten ruhig durch.
      „GB, nun erzähl’ mal, wie ist es dir gelungen, Prime Evil an die Garagenwand zu heften?“ wollte Eddy wissen.
      „Prime Evil hat irgend etwas im Haus gesucht. Zuerst habe ich ihn mit Geistervertilgungsspray aus dem Haus in die Garage getrieben. Er war so mit seinem Frust beschäftigt, daß er mich nicht einmal wahrgenommen hat. Tja, und da habe ich dann zugeschlagen. Wie ein Insekt mit der Fliegenklatsche!“ erzählte GB.
      Die vier sahen sich erstaunt an.
      „Daher also der Nebel!“ erinnerte sich Eddy.
      „Ja!“ bestätigte GB. „Ich habe so viel reingesprüht, daß Prime Evil nicht mehr atmen konnte. – Nennt man das bei Geistern überhaupt so? Naja, jedenfalls hat er hier erst mal Zuflucht gesucht, um sich sammeln zu können. Er konnte gar nicht so schnell gucken, wie er sich an der Wand wiedergefunden hat. Den Blick hättet ihr mal sehen sollen!“
      Jake kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. „Phantastisch. Das war große klasse!“
      „Aber was hat Prime Evil hier gesucht?“ warf Tasha wieder ein. „Scared Stiff erwähnte ein Buch!“
      „Ja, und das ist wirklich merkwürdig!“ erzählte GB. „Wenn ich das vorhin richtig verstanden habe, sagte er etwas von einem Kochbuch!“
      Das Team wechselte einen verblüfften Blick.
      „Kochbuch?“ fragte Eddy ungläubig.
      Tracy kratzte sich am Kopf.
      Jake stand auf. „Wie sieht’s aus, Leute, geht’s wieder? Wir haben immer noch einen Geist zu busten!“
      Die anderen atmeten durch und standen auf.
      „Na, das wird ja wohl jetzt nicht mehr so schwierig werden!“ behauptete Eddy.
      „Du neigst zu Untertreibungen.“ lachte Jake.


(Anm. d. Aut.: Bezüge zu Cartoonfolge »Lösegeld für Eddie«)
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