Other Conflicts

GeschichteRomanze, Familie / P16
Asahina Futo Asahina Louis Asahina Tsubaki
06.09.2013
24.04.2017
9
12.139
1
Alle Kapitel
7 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 Datenschutzinfo
06.09.2013 1.821
 
Chapter_1

Manchmal fragten sich die fünf Schwestern, ob ihr Vater als Kind nicht zu heiß gebadet wurde. Nicht nur, dass er durch die Welt reiste und sie genauestens erkundete, nein. Auf einer dieser Reisen hatte er seine große Liebe gefunden, die er nun ehelichen wollte, aber das war nicht alles. Die Schwestern würden sich nie in sein Liebesleben einmischen, aber die Angetraute in spe hatte ebenfalls Kinder, die nun zu den Schwestern ziehen sollten. An sich hatten sie ja kein Problem damit, aber es waren sage und schreibe dreizehn Stiefgeschwister – Stiefbrüder –, von denen nur zwei eigene Wohnungen hatten. Wie sich die fünf jungen Frauen sich mit elf Männern arrangierten sollten, das war hier die Frage.
Die Frage stellte sich besonders die doppelte goldene Mitte der Schwestern. Sugawa Kuro war nicht nur die drittälteste – drittjüngste – Schwester, sondern auch die Mitte von ihren beiden Drillingsschwestern Akemi und Kyoko. Kuro hatte nicht viel mit Männern zu tun, im Grunde genommen gar nichts. Die Schule, auf die sie zusammen mit Kyoko ging, war eine reine Mädchenschule, und ihr Vater war ja auch nie vor Ort. Doch die Frage stellte sie sich nur im Geheimen und war wie immer. Zusammen mit Kyoko waren die beiden vom Charakter her die kompliziertesten Schwestern.
Das passte zu den beiden, denn sie waren eineiige Zwillinge, Akemi war leider nur der zweieiige Zwilling zu den beiden. Einen Abbruch tat das der Beziehung der Drillinge aber nicht. Von der Aura ähnelten Kuro und Kyoko sich sehr stark, doch ihre Charaktere waren völlig unterschiedlich. Kyoko war die ruhigere und höflichere Schwester, Kuro dagegen war vorlaut und eigen. Abgesehen von Kuro hatten die meisten Probleme, mit Kyoko umzugehen, die recht wortkarg war. Die beiden brauchten einfach keine Worte, um sich zu verstehen.
Chikako war die älteste der Schwestern, kümmerte sich um ihre vier jüngeren Schwestern und hatte ihr Studium in Psychologie abgelegt. Bei Streitereien blickte sie am besten durch und schaffte es immer, unter alle Ruhe zu bringen und einen Kompromiss, der für jeden von Vorteil war, zu schließen. Seit die Drillinge und die jüngste Schwester in der Lage waren, sich selbst zu versorgen, übernahmen diese vermehrt die Hausarbeit, sodass Chikako bei einem renommierten Psychologen in der Praxis arbeiten konnte. Mittlerweile war sie nur noch abends und nachts anwesend.
Der älteste Drilling Akemi war ganz anders als Kuro und Kyoko – Letztere war demnach der jüngste Drilling. Sie strahlte sehr viel Lebensfreude aus und brachte sich engagiert im Haushalt ein. Leider war sie auch um einiges tollpatschiger und verletzte sich sogar an den kleinsten Dingen. Ein Problem damit hatte sie jedoch nicht, sondern hatte dafür immer Pflaster dabei. Zum Glück half sie immer mit, sonst müssten ihre Schwestern hungern oder wegen einer Lebensmittelvergiftung ins Krankenhaus, denn nur sie konnte ordentlich kochen. Obwohl Kuro Kyoko näher war, passte Kuro mit Argusaugen auf die leichtgläubige, tollpatschige Akemi auf.
Am jüngsten war Sachi, die noch zur Mittelschule ging, und Kuro ständig auf den Geist ging. Sachi war mitten in der Pubertät und verhielt sich dem entsprechend. Besonders das Idol Asakura Fuuto hatte es ihr angetan. So deklarierte sie sich selbst als größter Fan, plärrte seine Songs lauthals, krumm und schief mit und kassierte dafür Kuros Gebrüll, welches das ganze Haus wackeln ließ. Sobald es um ihr Idol ging, galt für Sachi ohne Rücksicht auf Verluste. Dass sie sich somit mit anderen Fans in Wolle bekam, wenn Asakura Fuuto eine neue CD in die Läden brachte, erklärte sich von allein.
Apropos Sachi – »Sachi, mach diesen Scheiß aus!« Kuros laute Stimme schallte durch die verschiedenen Etagen, bevor ihre jüngere Schwester erst richtig loslegte.
»GET READY TONIGHT!«
»Und nimm gefälligst Gesangsunterricht! Da kriegt man ja Ohrenkrebs!« Wütend schnalzte Kuro mit der Zunge und ließ sich wieder auf ihr Bett fallen. Sie saß gerade eben, da klopfte es an ihre Tür.
»Kuro, kommst du bald herunter? Die Asahina-Brüder kommen bald an. Hilfst du beim Tisch decken?«, fragte Akemi durch die Tür, ehe diese schwungvoll geöffnet wurde.
»Bin schon auf dem Weg«, murrte die Jüngere der beiden.
Akemi hielt sie auf. »Wie wäre es mit einer Hose?«
Kuro sah an sich hinunter und rauschte zurück in ihr Zimmer, wo sie eine schwarze Jeans aus dem Kleiderschrank riss und sich überzog. »Jetzt können wir. Was ist mit Kyoko?«
»Die hilft mir unten. Im Gegensatz zu mir schneidet sie sich ja nicht beim Gemüse schneiden.«
»Du bist halt ein Tollpatsch.«
»Danke.«
»Kein Ding.« Kuro drückte auf den Fahrstuhlknopf und zupfte sich ihr Zopfband aus den Haaren. Mit etwas zu viel Volumen schmiegten sich diese um ihr Gesicht, sodass Kuro sie glatt strich. Das Zopfband verschwand hinten in ihrer Hosentasche.
Akemi drückte den Knopf für den ersten Stock. »Und, freust du dich?«
Unwirsch zuckte ihre Schwester mit den Schultern. Ihr war es nicht gerade lieb, von nun an mit männlichen Mitbewohnern zu leben, aber ansonsten kümmerte es sie nicht. Etwas daran ändern konnte sie nicht und das Haus war schließlich groß genug für alle. »Ich hab Hunger.«
Mit einem Ping stoppte der Fahrstuhl im richtigen Stock und der Geruch von Essen strömte durch die Räume. Kyoko stand in einem eleganten Kleid und einer schwarz gerüschten Schürze in der Küche und legte gerade das Messer zur Seite. Neben ihr waren volle Schalen mit verschiedenstem Gemüse. Die Schürze hing sie kurz darauf an einen der Haken an der Seite des großen Kühlschrankes. Dann entfernte sie die große Spange aus ihren Haaren, drehte sie wieder ein und befestigte sie mit einer edlen Haarnadel, die ebenfalls auf der Arbeitsfläche lag.
»Oh, die ganz teure Haarnadel aus Venedig«, stellte Kuro fest und holte das gute Geschirr aus der alten Holzvitrine. Ohne Eile und mit viel Sorgfalt stellte sie alles auf dem Tisch ab. Haargenau drehte sie alles, bis es perfekt war. Obwohl man eher damit rechnete, dass Kyoko und Akemi ordentlicher waren, war dies nicht der Fall. Diese beiden waren Chaoten sondergleichen, während Kuro einen Hang zur Perfektion, was das betraf, aufwies.
Kyoko griff sich währenddessen ein Buch aus dem Regal, setzte sich auf das Sofa, um das Buch aufzuschlagen und begann zu lesen. Akemi holte eine große Wokpfanne aus dem Küchenschrank, damit sie das Gemüse und das im Kühlschrank bereit gestellte Fleisch anbraten konnte. Kurz darauf brutzelte es kräftig. Man konnte nur hören, weil Sachi endlich den Krach ausgeschaltet hatte. Zufrieden und schief summend betrat sie auch den großen Wohnraum, der in Küche, Esszimmer und Wohnzimmer unterteilt war. Ohne Umschweife schaltete sie den großen Fernseher an. Sofort schallte wieder die Stimme ihres Idols durch den Raum.
Schlagartig drehte Kuro sich um und stöhnte laut. Wenn sie jemanden noch weniger leiden konnte als die schief singende Sachi, dann war es dieses Möchtegernidol Asakura Fuuto. Sie fiel nicht auf dieses Schmierentheater herein. Kuro würde einen Besen fressen, wenn sein Fernsehimage tatsächlich sein echter Charakter war. »Sachi, mach den Mist aus oder mach etwas Kultivierteres an.«
»Warum sollte ich?«, gab die jüngste des Hauses schnippisch zurück.
Akemi tippte Kuro an. »Papas neue Frau hieß doch Asahina, oder?«
»Ja, warum?«
Ihre Schwester dachte kurz nach. »Bei mir auf der Schule ist ein Asahina-san. Man kennt ihn auch an anderen Schulen. Sein Name ist Asahina Iori.«
»Richtig«, sagte Kyoko plötzlich knapp. Damit meinte sie, dass er zu den Asahina-Brüdern gehörte, nicht, dass er auf anderen Schulen bekannt war. Er war es zwar, denn ein gut aussehender Junge war immer ein Topthema auf einer Mädchenschule, aber für sowas interessierte Kyoko sich nicht, die unberührt weiterlas und auf die nächste Seite blätterte. Selbst das sah bei ihr unheimlich elegant aus, wie alles, was Kyoko tat. Es lag an ihrer Ruhe.
Auch Kuro nickte. Selbst ihr kam der Name bekannt vor, aber wie ihre Schwester interessierte sie sich nicht dafür. Ihre angestrebte Uni war ihr definitiv wichtiger. In dem Moment vibrierte Akemis Handy, die vor Schreck den Pfannenwender fallen ließ. »Sachi, mach bitte den Fernseher aus. Kyoko, leg bitte das Buch weg. Und Kuro, sei bitte nicht so negativ. Chikako ist mit den Brüdern da und führt sie unten kurz herum, bevor sie nach oben kommen.« Hektisch scheuchte sie alle ordentlich in eine Reihe und steckte ihr Handy wieder weg. Obwohl sie im Raum die Älteste war, saß sie von allen am meisten auf den heißen Kohlen.
Langsam wurde aus laut. Die Geräusche kamen aus dem Treppenhaus, weil nicht alle in den Fahrstuhl passten. Chikako ging – noch immer in ihrem schicken Hosenanzug von der Arbeit – vor den vielen Brüdern voran. Bevor auch nur irgendjemand reagieren konnte, hatte Sachi schon jemanden erblickt und fing an, aufgeregt zu kreischen.
Kuro folgte ihr mit den Augen und erblickte augenblicklich das Übel. »Okay, wo ist die nächste Brücke? Oder die nächsten Bahngleise?« Ruckartig drehte sie sich um, damit sie verschwinden konnte, doch Kyoko hielt ihren Ärmel fest und schüttelte leicht den Kopf. »Hallo? Die wird jetzt die ganze Zeit so sein. Das hält man doch im Kopf nicht aus!« Die Gäste waren längst wieder vergessen.
Sachi stürmte los. »Asakura Fuuto-san, ich bin dein größter Fan!« Mit großen Augen sah sie ihr Idol an, das mitten im Wohnraum stand. »Moment mal, bist du ... bist du einer der Asahina-Brüder? Meine Wünsche wurden erfüllt!«
»Jaja«, unterbrach Chikako die Jüngste ruhig und schob sie etwas nach hinten. »Also, so hatte ich das aber nicht geplant. Sachi, vielen Dank.«
»Immer wieder gerne«, antwortete diese abwesend.
Die Psychologin schüttelte den Kopf. Jede der Schwestern war das gewohnt, während die jungen Männer ratlos herumstanden. »Nun denn, darf ich vorstellen? Mädchen, das sind Miwa-sans Söhne. Stellt euch vor und Kuro-« Die winkte  ab, sodass Chikako nicht weitersprechen musste. Immer schön freundlich sein, das war ihre Forderung.
Akemi sah sich um, bis ihr einfiel, dass alle darauf warteten, dass sie den Anfang machen sollte. »Es freut mich euch kennen zu lernen. Ich bin Sugawa Akemi, aber jeder nicht mich nur Ai, und hallo, Iori-san, wir kennen uns ja von der Schule. Also, auf ein gutes Zusammenleben.« Hastig verbeugte sie sich und hätte Kuro nicht blitzschnell reagiert, wäre sie definitiv auf die Nase geflogen.
»Tollpatsch«, murmelte ihre Schwester leise und richtete sie wieder auf. »Kuro«, meinte sie knapp und hob die Hand zum Gruß.
Kyoko dagegen verbeugte sich höflich, ohne das Gleichgewicht zu verlieren. »Sugawa Kyoko, es ist mir eine Ehre.« Es war selten, dass sie mehr sprach als Kuro, doch diese war auch noch von Sachi genervt.
Diese braucht kurz, um zu realisieren, dass sie noch fehlte. »Ich bin Sachi und ich bin froh, Asakura Fuuto-san endlich persönlich kennen zu lernen.« Etwas anderes hatte keine Schwester von ihr erwartet.
Somit waren die Asahina-Brüder an der Reihe. Chikako, die alle schon kannte, sah leicht säuerlich zu Kuro. Akemi hörte aufmerksam zu und lächelte jeden an, der gerade sprach, vergaß aber leider schnell wieder die Namen. Kuro wirkte desinteressiert, dennoch hörte sie genau zu. Kyoko ließ sich nicht anmerken, ob sie Interesse hatte, aber sie wirkte nicht so distanziert wie ihre Schwester. Sachi hatte sowieso nur Augen für Asakura – Asahina – Fuuto.
Review schreiben