Other Conflicts

GeschichteRomanze, Familie / P16
Asahina Futo Asahina Louis Asahina Tsubaki
06.09.2013
24.04.2017
9
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Other Conflicts


Prelude

»Ähm, kann mich hören?« Mit geneigtem Kopf blickte die junge Frau in die Kamera und wedelte fragend mit ihrer Hand.
»Ja. Und sehen auch«, antwortete eine männliche Stimme.
»Ja?« Sie strahlte und kicherte leise. »Ähm, ja dann. Ich weiß nicht, was ich sagen soll.« Ratlos legte sie ihre Hände auf ihren Bauch, der deutlich verriet, dass sie Kinder erwartete. »Hallo an euch. Meine Frauenärztin sagt, es werden drei Mädchen. Drei kleine Krümel, ist das zu glauben? Von dem Mann, den ich liebe … Äh, ich schweife ab. Schatz, können wir das nochmal machen?«
»Nein, das ist schon dein sechster Versuch. Das bleibt jetzt so.«
»Oh Menno«, schmollte sie, »das ist gemein. Na gut. Wisst ihr, ihr drei, ich liebe euch jetzt schon über alles und ich hoffe, dass wir uns eines Tages dieses Video gemeinsam angucken können und über meine Unfähigkeit hier lachen können und nicht, weil ich dann nicht mehr da bin. Die Ärzte im Krankenhaus sagen, dass ich eure Geburt höchstwahrscheinlich nicht überleben werde. Eine zu große Anstrengung für meinen schwachen Körper. Schade, ich würde euch zu gerne kennenlernen. Vielleicht ist eine von euch ja wie ich oder wie mein Schatz. Ob sie uns wohl ähnlich sehen werden?«
»Vielleicht. Untereinander werden sie sich aber ähnlich sehen«, wurde ihr geantwortet.
»Euer Vater, den ihr hier im Hintergrund hört und die Kamera hält, wird sich um euch kümmern, wenn ich nicht mehr da bin. Meine Zeit ist fast vorbei und ich habe mein Leben genossen, also tut das auch und trauert mir nicht hinterher. Das zermürbt euch nur.«
Im Hintergrund klingelte lautstark das Telefon. Murrend und schwerfällig stand die junge Frau vorsichtig auf. Leise konnte man sie energisch ins Telefon sprechen hören, bis sie es offensichtlich zurück auf die Station knallte und zurück kam. »Nein, ich bin nicht an einem blöden Katalog interessiert«, murrte sie und ließ sich zurück in ihren Sessel fallen. »Das hast du auch gefilmt? Oh Mann, Schatz!«
»Was ist daran so schlimm?«
Kindisch blies sie ihre Wangen auf und entließ sie langsam wieder aus ihrem Mund. Sie zupfte etwas an ihrem weiten Pullover herum und kuschelte sich dann hinein. »Du bist blöd. Hört ihr das? Euer Vater ist blöd.« Sie streckte ihm die Zunge heraus, »aber ich liebe ihn trotzdem. Und glaubt ihm später nicht, wenn er sagt, dass alle Kerle scheiße seien und keiner gut genug für euch ist. Wenn es nicht klappt, dann sollte es wohl nicht sein, aber das wird euch formen und zu wunderbaren Frauen machen.« Kurz dachte sie nach. »Was ist eigentlich, wenn jetzt ein Junge dabei sein wird? Ach, egal. Nee, Moment, wenn einer von euch doch ein Junge sein sollte: Schau nicht jedem Rock hinterher, sondern sei ein Gentleman!«
»So wie ich.«
»Genau!« Sie fuchtelte aufgeregt mit ihrer Hand herum. »Folgt dem Beispiel eures Vaters. Er ist der beste Gentlemen, der auf dieser Erde wandelt. Oh, äh, ich benutze mal wieder Stilmittel. Nochmal: Euer Vater ist der beste Mann auf dieser Welt und ich bin froh, dass ich ihn habe.« Plötzlich fing sie an, eine ruhige Melodie zu summen, die ihr selber nach einigen Augenblicken die Tränen in die Augen trieb.
»Es tut mir Leid, ich habe gelogen«, schluchzte sie herzzerreißend. »Ich will nicht sterben, aber ich wollte euch nicht verlieren. Vielleicht kenne ich euch nicht, aber seid mir wichtiger als mein Leben. Hört ihr? Erreicht das im Leben, was ich nicht mehr kann. Ich bitte euch – zumindest eine von euch. Schatz, tu nichts Dummes, wenn ich nicht mehr da bin. Nimm ihnen bloß nicht auch noch den Vater, dann schicke ich dich höchstpersönlich in die Hölle. Die Kinder sollen einen Vater haben, einen, der sie liebt. Sie sollen nicht bei Fremden aufwachsen. Nicht, weil sie nicht durch Blut miteinander verbunden wären, sondern weil wir jetzt auch schon über die Liebe verbunden sind. Liebe ist kostbar. Liebe ist gefährlich. Sie ist niemals perfekt und man kann auch Pech haben. Man muss da einfach drüber stehen und weiter gehen. Gerade eure erste Schwärmerei, eure erste Liebe, wird vermutlich nicht für immer halten. Macht euch nichts daraus, das passiert fast jedem. Ich habe auch schon für viele geschwärmt, bevor ich euren Vater kennen gelernt habe. Doch ich weiß, dass es für mich keinen Besseren als ihn gibt. Ihr werdet das auch erleben und solange dies nicht geschieht, denkt an meine Liebe für euch, ja? Ich fühle euch in meinem Bauch. Merke, wie ihr lebt und wachst. Wenn ihr in der Nacht tretet und mir den Schlaf raubt. Aber ich mache euch keine Vorwürfe. Das macht jedes ungeborene Kind und ist total normal. Außerdem schlafe ich ja auch schnell wieder ein.«
»Im Gegensatz zu mir.«
Verheult zuckte sie mit den schmalen Schultern und lächelte verunglückt. »Was kann ich dafür, wenn du so einen schlechten Schlaf hast und nach dem Aufwachen nicht mehr einschlafen kannst? Ich empfehle dir doch immer einen Entspannungstee, aber du willst das ja nicht trinken. Dadurch schläft man wunderbar.«
»Das Zeug stinkt wie die Pest. Das kommt mir definitiv nicht in den Magen.«
»Selber Schuld. Ich schlafe immer wie ein Baby. Und dann in deinen Armen, einfach perfekt! Hm, was kann ich euch noch sagen, was ihr von mir persönlich wissen solltet? Ich habe schon gesagt, dass ich euch über alles liebe, oder? Ja, oder? Naja, ich wiederhole es lieber zu viel als gar nicht, richtig, Schatz?«
»Du redest so viel am Tag und wiederholst dich, ohne es zu merken«, kam es belustigt zurück.
»Blödmann«, schmollte sie beleidigt, ehe sie sich aufrichtete und ihren Schatz ein bisschen mit der Hand zu sich winkte. »Du Schatz«, sagte sie leise und senkte ihren Kopf, »ich vermisse dich jetzt schon.« Ein Schniefen war zu vernehmen und die junge Frau rieb sich mit der Hand über die Augen. »Ich will nicht fort. Nicht fort von dir. Nicht fort von meinen kleinen Krümeln. Ich werde sie nicht einmal kennenlernen können.«
Die Kamera wurde abgelegt und man sah, wie sich ihr Schatz sich auf sie zubewegte. Beruhigend legte er seine Arme um die weinende Frau.
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