Die Tabu-Nacht

von baronesse
KurzgeschichteHumor, Romanze / P16
Fred & George Weasley Hermine Granger Ronald "Ron" Weasley
06.09.2013
06.09.2013
1
2661
2
Alle Kapitel
3 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
 
„Strich“, riet Fred.
„Linie“, warf George ein.
Ron schnarchte.

Hermine warf ihrem Spielpartner einen irritierten Blick zu, dann fuhr sie mit der Zeichnung fort. Der Sinn des Spiels bestand zwar darin, Punkte zu bekommen indem der eigene Teampartner es richtig erriet und nicht die Gegner, aber alle drei Weasley schienen mit den Spielregeln so ihre Probleme zu haben. Fred und George schienen immer dasselbe zu denken und waren unfaire Gegner. Vor allem, da Ron absolut nie zu wissen schien, was Hermine ihm beschrieb und die Hälfte der Begriffe aus der Muggelwelt ihnen überhaupt nicht bekannt waren.

Seufzend setzte sie noch ein paar Striche ans Ende und hoffte, dass man so langsam erkannte, was es war.
„Funken?“, drehte George den Kopf um ihre Zeichnung aus der richtigen Perspektive zu betrachten. Hermine tippte energisch mit dem Stift auf das Pergament. Herrje ihr Dummköpfe, nicht nur die kleinen Striche, alles!

Wenn es eines gab, was sie nicht konnte, dann war das zeichnen. Hätte sie mal ein anderes Spiel als Tabu XXL mitgenommen, aber die Variante fand sie mit ihren Eltern lustiger. Sie hatte nicht geahnt, dass es mit den Weasleys so viel anstrengender werden würde, dabei hatten sie sich nur ablenken wollen während Harry im Krankenflügel lag.

„Eine Kreuzung“, kam es von Fred.
„Siehst du schlecht?“, konterte George. „Ist da ein Kreuz?“
„Sie würde ja wohl kaum ein Kreuz malen, so einfach ist das nicht.“
„So kompliziert kann dieses Spiel auch nicht sein. Kreuzung!“

Hermine schüttelte ihren Kopf und tippte erneut genervt auf ihre Strichsammlung.
„Ein Weg, der sich gabelt“, überlegte Fred jetzt.
Hermine gab es auf und zeichnete noch rasch ein paar weitere Striche dazu. Jetzt muss das ja wohl jeder erkennen…

„Häh, was ist das neben dem Weg?“, beide Weasleys verdrehten ihre Köpfe. Es war ein Wunder, dass sie nicht gegeneinander stießen. Ron schnarchte laut auf, schmatzte und schlief dann stumm weiter.

Hermine beschloss den Zwillingen nur noch eine Minute zu geben. Dann gab sie entnervt auf.
„Das ist ein Besen“, erklärte sie unwirsch und zerknüllte das Pergament.

Die sommersprossigen Gesichter zeigten keine Erkenntnis.
„Warum hast du nicht Feuerblitz draufgeschrieben“, wollte George wissen.
„Man darf keine Buchstaben verwenden“, fauchte Hermine.
„Wer sagt das.“
„Die Regeln.“
„Echt?“
„Die hast du uns nicht gesagt“, war Fred sich sicher und unterstützte so seinen Bruder.

Seufzend schob Hermine die Spielepackung von sich. Manchmal, aber wirklich nur manches Mal, war die Zaubererwelt anstrengend.
George schnappte sich die Tröte und ließ sie vor Rons Ohr pfeifen.
Erschrocken fuhr der hoch. „Mum?“

Sogar Hermine musste ein wenig grinsen. „Geh schlafen, Ron.“
„Gute Idee. Ich gehe auch“, schloss George sich an und ließ erneut die Tröte losgehen.
Ärgerlich packte Hermine die Karten in die Packung und hoffte, dass der Laut nicht bis in die Schlafsäle drang. Es war ihre Pflicht als Vertrauensschülerin darauf zu achten, dass kein Lärm mehr gemacht wurde. Eigentlich hätte sie schon längst alle ins Bett schicken sollen, aber sie machte sich Sorgen und konnte verstehen, dass es den anderen auch so ging.

„Spielen wir weiter?“
Hermine ordnete gerade Karten und sah fragend auf.
„Nur du und ich?“, wollte sie von Fred wissen. Warum eigentlich nicht. Laut den Regeln brauchte man bei Tabu zwar mehr als zwei Mitspieler, aber das Raten konnte dennoch Spaß machen. Und vor allem, dachte sie sich, wenn sie es nur noch mit einem Zwilling zu tun hatte und Ron endlich weg war. In letzter Zeit nervte er und sein kindisches Gehabe nur noch.

„Was machen wir eigentlich mit dem da?“ Fred deutete auf die lilane Puppe, die sie bislang nicht ausgepackt hatten.
„Das ist Knoten Knut“, erklärte Hermine.
„Wer?“
„Für diese Karten“, sie holte die mit der violetten Rückseite wieder hervor. „Quasi wie Pantomime, aber du nimmst Knoten Knut und stellst den Begriff mit ihm dar.“

„Okay, gib mal her“, Fred schnappte sich die Puppe und zog eine Karte.
Hermine ordnete den Rest und schob eine Weile Dinge auf dem Tisch gerade, dann beugte sie sich konzentriert vor. Fred grübelte noch immer über die Karte.
„Das wird eine lange Nacht“, bemerkte Hermine spitz.

„Den Begriff kenne ich nicht“, schnell schob er die Karte unter den Stapel zurück.
Hermine argwöhnte, dass er nur keine Ahnung hatte, was er damit machen sollte, aber er war zu schnell. Er würde ihr wohl nicht verraten, welcher Begriff es gewesen war. Es gab allerdings wirklich eine Menge, die den Weasleys nicht geläufig waren. Immerhin war das Spiel für Muggel entworfen und die Weasleys eine reinblütige Zaubererfamilie.

„Nimm eine andere“, sie lehnte sich zurück. Der Tag war anstrengend gewesen, aber sie glaubte nicht, dass sie so schnell schlafen konnte. Fred war eigentlich genau der richtige Partner, wenn man sich ablenken wollte und wenn sie ehrlich zu sich selbst war, konnte man mit ihm und seinem Zwilling eine Menge Spaß haben. Sie sahen die Dinge nicht so ernst wie sie selbst, vor allem Regeln, aber ihr Herz hatten sie am rechten Fleck und das ließ sie so manches Mal dubiose Praktiken übersehen, wenn es um Fred und George ging.

Schließlich waren ihre Nasch und Schwänzleckereien wirklich witzig, selbst wenn man wie Hermine nicht guthieß eine Möglichkeit zu geben den Unterricht zu versäumen. Sie erinnerte sich an eine Diskussion mit Fred über eben jenen Umstand. Damals hatte er ihr gesagt, dass es nicht seine Schuld war. Er war nicht für die Motivation verantwortlich, er schuf nur eine Möglichkeit. Die Entscheidung, dem Unterricht fern bleiben zu wollen, indem sie eine Krankheit vortäuschten, lag bei dem Schüler, der die Leckereien nahm. Er konnte es ebenso gut lassen, niemand zwang ihn. Das war einleuchtend und so hatte Hermine sich damit abgefunden.

Fred legte die Karte verdeckt auf den Tisch und setzte sich Knoten Knut auf den Schoß. Schließlich griff er nach dessen rechten Arm, führte ihn zu den Beinen und dann hoch und wieder runter.
Hermine runzelte die Stirn. „Roboter?“, schlug sie vor. Fred schüttelte den Kopf.
„Diener?“
Wieder ein Kopfschütteln.

Fred nahm seine andere Hand und zog Knuts Kopf ein wenig zurück. Außerdem gab er ein Stöhnen von sich.
„Was tust du da? Du darfst keine Geräusche machen!“
„Oh, schuldige“, Fred biss sich auf die Lippen und grinste breit. Er bewegte Knuts Arm jetzt schneller und blickte Hermine aufmerksam an.

„Krampf?“, rätselte diese. „Schnelligkeit? Schnelle Bewegungen? Schreiben – Schnellschreiben!“
„Was?“, Fred unterbrach sich und schaute auf Knoten Knut. Dann fing er noch mal von vorne an. Für Hermine sah es genauso aus wie vorher.

Diesmal hielt er sich an die Regeln und schwieg. Man hörte nur das leise Knistern des Feuers, welches im Kamin brannte und Regen, der an die Scheiben prasselte. Der Gemeinschaftsraum der Gryffindors war wie immer gemütlich und heimelig. Momentan war Hermine völlig in das Spiel versunken, so dass in ihr kein Platz für Sorgen war. Genau, wie sie es wollte.

„Ich geb auf. Was ist es?“
„Masturbieren“, erklärte Fred.
„Mastur-“, Hermine blieb der Mund offen stehen. Blitzschnell griff sie nach der Karte. „Das steht da garantiert nicht!“ Entrüstet versuchte sie zu lesen, was denn wirklich dort stand ohne dass Fred sie ihr wegnehmen konnte.

‚Masturbieren’ stand in großen, deutlichen Buchstaben auf der Karte.
„Was hast du gemacht?“ Er musste einen ungesagten Zauber verwendet haben und sie hatte es nicht mitbekommen.
„Gar nichts“, versuchte Fred unschuldig zu schauen.
„Das ist ein Kinderspiel! Das Wort kommt da bestimmt nicht vor!“ Konnte sie ihm Punkte abziehen für so was?

„Hermine, entspann dich mal.“ Fred schleuderte Knoten Knut weg und lehnte sich zurück. „Das war ein Spaß.“
„Sehr witzig“, grummelte diese.
„Hier, ich hab uns was mitgebracht.“

Das klang schon besser. Also blickte Hermine ihn gespannt an.
Fred holte mit geheimnisvoller Miene eine Flasche aus seinem Umhang.
Sofort setzte sie eine strenge Miene auf. „Ferdinand Weasley! Es ist nicht erlaubt alkoholische Getränke nach Hogwarts zu schmuggeln!“

„Ich heiß doch nicht Ferdinand“, schnaubte Fred.
„Hm“, war Hermines unwirscher Kommentar. Es war ja auch egal, wofür Fred eigentlich die Kurzform war. Das war nicht der Punkt, auf den sie aus war!

„Das ist Feuerwhisky. Völlig harmlos. Explodiert nicht, macht keine Löcher in die Zunge und du weißt auch morgen noch deinen Namen. Das ist Odgens Feuerwhisky, zwar kein alter, aber auch kein Punsch.“
Hermine wollte lieber nicht so genau wissen, warum Fred sich mit Whisky auskannte. „Außer dass er Alkohol beinhaltet, ist er also völlig harmlos?“
„Genau.“ Fred war froh, dass sie verstanden hatte und nicht mehr auf ihn losging.

Allerdings hatte er nicht mit Hermines Hartnäckigkeit gerechnet. Sie setzte gerade zu einem langen Vortrag an, als er mit zwei Schritten bei ihr war und ihr die Flasche vor den Mund gezwungen hatte.
„He!“, Hermine verschluckte sich und fing an zu husten. „Man, brennt das Zeug.“

„Feuerwhisky“, Fred beäugte das Etikett und beglückwünschte sich zu seinem Fund. Das Zeug hatte er aus dem Raum der Wünsche, der manchmal eine wahre Fundkammer an Dingen war, die eigentlich verborgen werden sollten. Vermutlich hatte jemand das vor Filch verstecken wollen. Der Hausmeister hatte ein wahres Sortiment an diesen Flaschen, aus denen er immer trank, wenn er dachte, dass niemand zusah. Eigentlich hegten Fred und George schon lange den Plan, Filch eine zu stehlen, aber so war es natürlich einfacher.

Und Hermine hatte Recht. Es brannte wirklich!
„Muss das so sein?“, verlangte Hermine zu wissen, als Fred aufgehört hatte zu husten.
„Ist bestimmt nur der erste Schluck“, behauptete er dreist und genehmigte sich einen weiteren. Es wurde nicht wirklich besser, aber das sagte er Hermine natürlich nicht!

Und erstaunlicherweise passierte das, womit Fred Weasley niemals gerechnet hätte und sie verlangte tatsächlich nach einem weiteren Schluck.
„Solange es nur brennt“, erklärte sie. „Die Nacht ist noch jung.“ Damit wollte sie sagen, dass sie nicht schlafen konnte, weil sie sich Sorgen um Harry machte, der im Krankenflügel lag. Der Feuerwhisky flüsterte Fred andere Gründe zu.
„Keine Nebenwirkungen“, behauptete er im Brustton der Überzeugung.



Und wirklich. Er hatte noch nie davon gehört, dass Feuerwhisky solche Lücken auslösen konnte. Wie war Hermine kichernd auf seinen Schoß gekommen? Sie spielte mit Knoten Knut. Musste er raten? „Möpse“, schlug er vor. Seine Zunge war schwer. Hermine kicherte noch mehr. Was war nur mit seiner Zunge. Besser er trank noch einen Schluck.



Das Zeug machte wirklich keine Erinnerungslücken? Was hatte er dann in der letzten Zeit getan und wo war Hermines Oberteil? Wieso hatte sie sich seinen Umhang um den Körper gewickelt und machte Schlangenbewegungen?
„Jetzt rate endlich“, kicherte sie. „Oder gib mir zumindest noch einen Schluck.“
„Du bist eine wunderschöne Kobra!“ Nur das konnte die richtige Antwort sein.



„Fred, ist die Flasche wirklich schon leer?“, Hermines Gemurmel war undeutlich, gerade noch verständlich.
Er warf einen Blick auf den Feuerwhisky und schüttelte die Flasche. Tatsächlich. Ausgetrunken. Wann hatten sie nur das alles getan? Er warf einen Blick in die Gegend, was dumm war, da sein Kopf dabei anfing zu schwimmen. Das Feuer war heruntergebrannt. Es hatte aufgehört zu regnen und nur Dunkelheit gähnte jenseits der Fenster.
„Keine Sorge“, beruhigte Fred und hatte absolut keine Ahnung, was er da sagte. Die Flasche war doch leer und er hatte keinen Nachschub! „Ich weiß wo es neuen gibt!“ Was für eine dumme Idee, dachte er sich noch.



Hermine, die gegen eine Rüstung lief. Scheppern, das in seinem Kopf dröhnte.



Wie schwer es war, mit einem Zauberstab zu zielen. Die Worte wollten auch nicht mehr. „Allomor“ – „Lass mich.“ Hermine, die ihn beiseite schob.



Die verfluchte Katze. Sie rannten, jeder mit zwei Flaschen Feuerwhisky, durch die Gänge. Sein Versuch, sie zu beeindrucken, weil hier garantiert der abkürzende Geheimgang war. Es war eine Wand. Autsch.



Hermine blickte ihn besorgt an. „Geht’s?“
Er lag auf dem Sofa. Im Gemeinschaftsraum. Was für wirre Gedanken!
Als er sich aufrichtete, sah er die Flaschen. Also wirklich…?
Hermine beugte sich vor. „Die Nacht ist noch jung“, flüsterte sie.





Als Fred am nächsten Morgen mit höllischen Kopfschmerzen davon wach wurde, dass jemand eine Tabutröte neben seinem Ohr betätigte, lag er noch immer auf dem Sofa im Gemeinschaftsraum. Knoten Knut steckte vorne in seinem Schritt. Aus einigen der Karte war ein Kartenhaus gebaut.

„Harter Abend, was?“, George hob ein paar leere Flaschen in die Höhe und war so gemein, sie aneinander zu schlagen. Das klirrende Geräusch ließ ganze Welten in Fred explodieren. Leider schwebte auf den Fetzen, die übrig blieben, Hermines Gesicht und auf manchen der Anblick ihrer nackten Brüste. Merlin, was?

„Wir haben Tabu gespielt“, krächzte Fred und versuchte, sich aufzurichten. In seinem Schuh gluckerte es. Als er nachsah, traf seine Nase auf den Geruch von Feuerwhisky. Wenigstens haben wir nicht alle Flaschen ausgetrunken.

„Frühstück?“, bot George jovial an.
„Ich muss kotzen“, konterte Fred.
„Da mach ich nicht mit“, grinsend verschwand George durch das Porträtloch. Obwohl sie sonst so viel gemeinsam hatten, wusste Fred nicht, was sein Zwilling machen wollte oder wohin er ging und es war ihm auch herzlich egal. Was er wollte, war in sein Bett und drei Tage schlafen, bis er sich einigermaßen besser fühlte.

Auf dem Weg in den Schlafsaal traf er auf Hermine, die aussah wie eine Leiche und offensichtlich tapfer zum Unterricht wollte. Als sie Fred sah, wurde sie bleich um die Nase.
„Hermine, gestern Abend“, begann Fred tapfer.
„Tabu“, sagte Hermine.
„Tabu“, bestätigte Fred ihr. Er ging an ihr vorbei.

„Und“, rief Hermine ihm nach. „Du darfst auch die Worte Feuerwhisky, Knoten Knut und Schlangentanz nicht erwähnen.“
„Ist gut“, brummte Fred.

Schlangentanz?, überlegte er auf der Treppe. Dann grinste er. Er erinnerte sich. Nein, das würde er sowieso niemals erwähnen, das war privat und nur für ihn gedacht gewesen.



__________________________

So liebe Leser,
das war mein Ersatzwichtel-OS vom Hermine Granger Wichteln von gesichtslos. Die Vorgaben stammen von (damit mein Ersatzwichtelkind) DimitriBelikovsGirl, die sich das Pairing Hermine / Fred gewünscht hatte mit den Vorgaben: Tabu (das Spiel), Feuerwhiskey, lange Nacht, nur du und ich, Spaß

Ich habe mir die Freiheit herausgenommen, Tabu XXL in meinem OS zu verwenden, ich hoffe ansonsten habe ich alles gut getroffen und es hat gefallen!
Review schreiben