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"Die Zukunft gestalten wir zusammen"

von LenjaKa
GeschichteAbenteuer, Familie / P18 / Het
Balin Dwalin Fili Kili OC (Own Character) Thorin Eichenschild
06.09.2013
07.06.2020
137
506.376
35
Alle Kapitel
445 Reviews
Dieses Kapitel
17 Reviews
 
 
06.09.2013 3.143
 
Vorwort:

Liebe Leser,

dies ist die Fortsetzung der FF „Ich warte auf dich“. Denjenigen, die die Geschichte (noch) nicht kennen, würde ich raten sie vorher zu lesen, um besser in die Welt von Lenja, Thorin & Co. hinein zu finden. "Ich warte auf dich"

Das Genre ist wie bei der letzten FF eine bunte Mischung. Dennoch meine ich, mit „Familie“  ganz gut zu liegen. Aber sie besteht auch aus Romanze, Humor und Abenteuer.

Die Geschichte setzt dort an, wo die letzte aufgehört hat.
Im Fokus stehen nach wie vor Thorin und Lenja. Manchmal wird sich der Blick einer anderen Person aus ihrem Umfeld besser zum Erzählen eignen.
Mir ist bewusst, dass viele nach der ersten Geschichte nun mit einigen Erwartungen ans Lesen gehen. Ich weiß nicht, ob die Fortsetzung dem gerecht wird/werden kann. Dieses Risiko gehe ich gern ein. Immerhin schreibe ich, weil es mir Freude bereitet. Wenn nur eine Person mit mir diese Freude teilt, habe ich mein Ziel erreicht. Aber natürlich würde ich mich freuen, wenn diese Geschichte eine ähnliche Resonanz wie ihre Vorgängerin erreicht. Kommentare und E-Mails werden immer beantwortet!

Nun bleibt mir nur noch euch allen viel Spaß beim Lesen zu wünschen. Falls ihr länger nichts Neues von mir hört, schaut einfach auf meinem Profil nach.

Vorhang auf für „Die Zukunft gestalten wir zusammen“!

Eure LenjaKa
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1 - Von königlichen Hefebällchen

War sie heute Morgen eigentlich mit dem rechten oder linken Fuß zuerst aus dem Bett getreten? Hatte sie es anders als sonst gemacht oder bildete sie es sich nur ein, dass die Götter sie heute auf eine besondere Prüfung schicken wollten? Dabei hätte doch alles so schön sein können. Der Morgen fing doch gar nicht verkehrt an.

Lenja war sich nicht sicher, ob es die ersten Sonnenstrahlen oder Thorins Haare waren, die sie wach gekitzelt hatten. Eigentlich war es auch nicht wichtig. Der Tag versprach ein ereignisreicher, aber dennoch wundervoller zu werden. Ein wenig verschlafen hatte sie sich an die Brust ihres Mannes geschmiegt. Noch einmal die wenige Zweisamkeit genießen bevor der Alltag sie zu fassen bekam. Seitdem sich ihr Babybauch deutlich abzeichnete, ging sie zwar keiner Tätigkeit mehr nach, wie sie es sonst jahrzehntelang als Goldschmiedin getan hatte. Dennoch waren einige Dinge zu erledigen. In nicht allzu ferner Zukunft sollte die Krönung stattfinden. Und nicht zuletzt für diesen wichtigen Tag in Thorins und ihrem Leben musste alles stimmen. Schlafstätten für die Gäste mussten hergerichtet werden. Vorräte mussten aufgefüllt werden. Sicher, dies war die Aufgabe der vielen Bediensteten. Aber dennoch blieb ein Gefühl von Verantwortung, welches sich nicht einfach verscheuchen ließ. Thorin hatte es ihr gegenüber zwar nicht geäußert, aber Lenja fühlte sich für diesen Teil der Organisation mitverantwortlich. Wie sollte sich ihr Mann auch noch um solche Dinge kümmern, wenn er doch bereits jetzt, wenn auch ohne Krone, ein ganzes Königreich zu führen hatte? Immerhin übte sie in ihrem Zustand und wohl auch als Resultat ihrer Stellung keine Tätigkeit mehr aus. Das bisschen Mithilfe bei den Vorbereitungen kam Lenja also gerade recht. Viel zu oft hatte sie in letzter Zeit dagesessen und nicht gewusst, was sie mit ihrer freien Zeit anfangen sollte. Auf Dauer erschien es ihr merkwürdig und auch nicht richtig tatenlos in den Tag hinein zu leben. Sie war es nicht gewohnt. Und wenn sie ehrlich zu sich selbst war, erschien es ihr auch unpassend. Sie wollte nicht anders behandelt werden als alle anderen Zwerge. Nur, weil sie mit dem rechtmäßigen Thronfolger verheiratet war. Nur, weil sie sein Kind unter ihrem Herzen trug. Für viele mochte dieser leise Widerstand seltsam anmuten. Doch Lenja hatte ihre Schwierigkeiten in den Tagesablauf einer baldigen Königin hinein zu finden. Schon jetzt sehnte sie sich manchmal zurück in ihr altes Leben. Als einfache Zwergin, der kaum jemand Beachtung schenkte. Auch heute standen Dinge an, denen sie nicht ausschließlich etwas Positives abgewinnen konnte.

„Herrin, ich habe Euch ein Bad eingelassen. Ich hoffe, es ist zu Eurer Zufriedenheit“, riss sie die zaghafte Stimme einer jungen Zwergin aus ihrer Trance als sie an diesem Morgen noch im Nachthemd in Richtung ihres eigenen Schlafgemaches aufbrach.

Auch wenn sie dort nicht lange verweilte und die Nächte für gewöhnlich eine Tür weiter bei ihrem Mann im Bett verbrachte, war die Kammer in den letzten Wochen bereits für ein weiteres wichtiges Ereignis hergerichtet worden. In nicht mehr als drei Monaten sollte das Kind, welches die Zwergin unter ihrem Herzen trug, das Licht der Welt erblicken. Bis dahin sollte sich die werdende Mutter auch in ihrem eigenen Reich rund um wohlfühlen. Eine Kammer mit großem Himmelbett, vielen Kissen in bunten Stoffen, einem geräumigen Schrank und mehreren Truhen für ihre stetig wachsende Kleidung, einem Frisiertisch und ein großes Fenster, das dem Raum das nötige Licht spendete. Man hatte alles in die Wege geleitet, um den baldigen König unter dem Berge zufrieden zu stellen. Selbst eine Wiege wartete etwas abseits bereits auf den gemeinsamen Schatz. Eigentlich ein wahrhaft schöner Ort, um ihr Kind zur Welt zu bringen und die erste Zeit im Wochenbett verbringen zu können. Täglich begab sie sich bereits jetzt in ihre Kammer. Doch viel länger als zur Ankleide befand sie sich kaum an jenem Ort. Eher selten zog sie sich tagsüber hierher zurück. Meistens nur, wenn sie nicht schlafen konnte oder wenn sie aufgrund einer inneren Unruhe allein sein wollte.

„Ich danke dir, Visna. Aber bitte, nenn mich nicht immer Herrin.“

„Ist in Ordnung, Eure Majestät.“
Mit leicht erröteten Wangen nickte die Angesprochene nur kurz, sammelte hastig ein paar frische Kleidungsstücke zusammen und folgte Lenja in den Baderaum.

Die Rothaarige wusste noch nicht, wie sie ihrer Zofe diese Förmlichkeit abgewöhnen konnte. Sie mochte die Dunkelhaarige sehr gern. Doch man merkte der jungen Frau an, dass sie in ihrem kurzen Leben auf diese Rolle trainiert wurde. Ein Mädchen aus gutem Hause, welches eine strenge Erziehung genossen hatte und dennoch einen klaren Verstand besaß. Doch leider war sie auch sehr in den alten Traditionen verwurzelt, was es nicht einfacher machte die Hierarchie zwischen ihr und ihrer Herrin im Stillen zu unterwandern. Andersherum ahnte Lenja auch, dass zu wenig Distanz die andere Zwergin verschrecken könnte. Zumal sie auch nicht wusste, wie Thorin diese Vertrautheit zwischen den beiden Frauen auf Dauer bewerten würde. Er wusste zwar, dass sein Weib nicht viel vom höfischen Hierarchiedenken hielt, aber als baldige Königin war sie sich nicht sicher, ob ihr Mann einen freundschaftlichen Umgang gut heißen würde. Sie hatte es Thorin versprochen wenigstens nach außen hin alles zu versuchen eine gute Königin zu sein. Was auch immer eine gute, tadellose Königin sein mochte. Ein leichtes Stechen in den Schläfen erinnerte Lenja daran, dass auch an diesem späten Nachmittag „Unterricht“ anstand. Balin war seit mehreren Tagen dabei sie auf ihre Rolle als Königin vorzubereiten. Mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Im Groben gingen sie nach einander die verschiedenen Abläufe der Krönung durch. Solange bis Lenja jede Minute auswendig können würde. Ihr Onkel hatte alles zusammen mit Thorin bis ins kleinste Detail geplant gehabt. Nun war es an ihr, ihre Rolle an jenem wichtigen Tag in Fleisch und Blut aufzunehmen. Manchmal durfte sie dann auch mit ihrem Mann im Thronsaal Trockenübungen durchführen. Aber dies war eher selten, da die Zwergin es nicht sonderlich mochte, wenn andere Zwerge sie auf dem Weg dorthin interessiert musterten. Sie hatte stets das Gefühl, dass man ihr auf den Bauch starrte. Und dieses Gefühl mochte sie momentan nicht sonderlich.

Für den Moment aber gehörte ihre volle Aufmerksamkeit dem hübschen runden Babybauch. Ihrem Bauch.


**


„Alles in Ordnung, meine Liebe. Der kleine Schatz scheint sich rundum wohl in deinem Bauch zu fühlen. Alles so, wie es sein sollte. Du kannst dich entspannt zurücklehnen.“

Rimma war an jenem Vormittag zu Lenja gekommen. Vorsichtig hatte sie nach dem Kind auf dem runden Bauch getastet, die werdende Mutter gewogen und die kleinen Erschütterungen mit einem Schmunzeln vernommen als sie mit zu kühlen Fingern der anderen Frau zeigen wollte, wie sie am besten ihren Bauch stützte, wenn das stetig größer werdende Gewicht sie alsbald nicht mehr auf dem Rücken schlafen ließ.

„Du hast aber ein ganz munteres Schätzchen in deinem Bauch. Aber bald sind die Turnübungen schneller vorbei als er oder sie gucken kann. So schnell wie das Kind wächst, bleibt schon bald kaum noch Platz in Mamas Bauch, um Purzelbäume zu schlagen. Aber auch den stärker werdenden Tritten und Hieben kann eine Mutter etwas abgewinnen. Als ich mit Gimli schwanger war, habe ich mich manchmal gefragt, was das Kind in meinem Bauch veranstaltete. Es hätte wahrlich nur noch ein lautes Rumpeln aus den Tiefen gefehlt. Immer, wenn ich mich abends schlafen legen wollte, wurde der Kleine wach und hat einen Radau gemacht. Glóin war von vornherein überzeugt, dass ich einen Sohn erwartete. Ein Zwergling, der schon in diesem frühen Stadium fleißig handwerkte und buddelte, konnte doch nur ein Junge sein. Da hat mein lieber Mann aber Glück gehabt, dass es am Ende dann doch keine kleine Gimla geworden ist.“

Beide Frauen lachten als Visna in Lenjas Schlafgemach eintrat.

„Die Schneiderinnen sind da, Herrin. Soll ich sie hineinlassen?“

„Schneiderinnen? Geht es etwa um dein Kleid für die Krönung? Also, wenn das so ist, dann würde ich zu gern noch ein bisschen bleiben. Immerhin habe ich heute keine weiteren Verpflichtungen. Meine beiden Männer werden auch ohne mich den Tag bestreiten können. Und wenn sie Hunger haben, müssen sie sich eben etwas einfallen lassen. Das tut den beiden auch ganz gut, wenn ich sie nicht ständig bemuttern muss“, meinte Rimma als die junge Zwergin die zwei Schneiderinnen auf Lenjas Geheiß in die Kammer ließ.


**


„Sag nichts! Rimma, untersteh dich!“

Lenja konnte den stetig anwachsenden Schalk in Rimmas Augen förmlich sehen als diese sie mit einem breiten Grinsen auf den Lippen beobachtete. Der Stoff für das Kleid war wirklich von höchster Qualität. Er schimmerte in einem satten Blau, welches durchaus vortrefflich zu Thorins Augenfarbe passte. Doch die beiden Schneiderinnen konnten weder Lenja noch die Hebamme überzeugen. Ihnen war ein furchtbarer Fehler unterlaufen. Und dieser trat nun nach und nach zu Tage. Das Kleid ging nicht über den Bauch. Es war zu eng. Viel zu eng. Wenn die Anprobe eins zu Tage beförderte, dann diese Erkenntnis. Das erste Mal seit langem war Lenja sprachlos. Sie wusste nicht, ob sie laut lachen oder tiefst betrübt sein sollte. Vor über einem Monat hatten die beiden Zwerginnen ihren Körper abgemessen. Auf mehrmaliger Nachfrage hatte man der baldigen Königin versichert, dass man das Kleid nach vorn hin sehr üppig halten würde. Der Bauch könne wachsen und trotzdem würde das Gewand perfekt sitzen. Tja, die Realität sah nun aber anders aus. Sichtlich verwirrt, waren auch die zwei Schneiderinnen als der Stoff an Lenjas Bauch nicht rutschen wollte. Rimma hatte sich von der Bettkante aus sichtlich beherrschen müssen nicht loszuprusten als ihre Freundin mit sorgenvollem Blick auf einem Holzschemel stehend auf die werkelnden Zwerginnen hinunterschaute.

Sollte sie nun ungemütlich werden oder den beiden Frauen noch einmal eine Möglichkeit zur Besserung geben? Egal, wie sie sich entscheiden würde, entweder war sie die hysterische oder die einfältige Königin. Ein Klopfen an der Türe ließ Lenja ihre Gedankenspiele kurzzeitig unterbrechen.

„Herrin, eine Zwergin möchte Euch sprechen. Sie sagt, dass sie eine alte Bekannte von Euch sei“, begann Visna und versuchte ihre Überraschung zu überspielen als sie Lenja in ihrer momentanen Aufmachung sah.

„Wer ist es denn, Visna?“ Lenja war sichtlich bemüht ihren Ärger über den Fehler der Schneiderinnen zu verstecken.

„Ihr Name ist Jódis.“

„Mahal sei Dank! Schick sie schnell herein.“


**


„Tja, das kommt dabei heraus, wenn so junge Hühner schwangeren Zwerginnen etwas an den Leib schneidern sollen. Wenn ihr mich fragt, dann haben die Küken keine Lebenserfahrung, um überhaupt zu wissen, wie sehr und schnell so ein Bäuchlein wachsen kann. Aber mich fragt ja keiner.“ Rimma hatte es sich auf Lenjas Bett bequem gemacht und schaute zu, wie Jódis versuchte die Situation zu retten.

Die beiden Schneiderinnen waren von Lenja freundlich aber bestimmend des Raumes verwiesen worden. Mit Jódis an ihrer Seite hoffte sie dem kleinen Unglück nun zügig entkommen zu können. Eigentlich war die dunkelblonde Zwergin zu Lenja gekommen, um sie zum Geburtstag ihrer Tochter Jóna einzuladen. Die bald Zehnjährige hatte es sich so sehr gewünscht, dass auch Lenja zum Essen vorbeikommt. Aber allein hatte sie es sich dann doch nicht getraut den langen Weg zu den königlichen Gemächern zu bestreiten. Somit war ihre Mutter dem Wunsch nachgekommen und wollte bei ihrer Bekannten aus alten Zeiten vorstellig werden. Es war wohl der Wink der Götter, dass ausgerechnet sie als gelernte Schneiderin zu diesem Zeitpunkt vor der Tür stand.

„Woher sollen sie es auch wissen. Am Ende meiner Schwangerschaft habe ich bald 20 Kilo mehr gewogen als zuvor. Auch wenn Jóna nicht viel größer und schwerer als andere Kinder war, brauchte ich Essen nur anzusehen, um zuzunehmen. Ich hatte ständig Appetit. Von den Leckereien, die ich mir damals täglich gegönnt habe, könnte ich heute kaum noch etwas anrühren. Ich habe meinen runden Bauch geliebt, aber die Gelüste...“ Jódis hatte die Nähte am Kleid aufgetrennt und begonnen nun mit Stecknadeln die ungefähren Maße abzustecken.

„Mit Gimli war es nicht anders. Zum Ende der Schwangerschaft habe ich noch einmal ordentlich zugelegt. Vorher war das gar nicht so schlimm. Meine Gelüste kamen erst gegen Ende. Manchmal habe ich Glóin mitten in der Nacht in die Küche gescheucht damit er mir etwas zu Essen holt. Ich konnte manchmal wirklich zum übel gelaunten Drachen werden, wenn mir etwas fehlte oder mir etwas nicht in den Kram passte. Und auch wenn ich mich als schönste Frau auf der Welt empfunden habe: ich war rund wie eine Tonne.“

„Ihr beide macht mir ja viel Mut“, brummte Lenja als Jódis ihr noch einmal prüfend das Maßband um den Bauch schlang.

„Rechne lieber noch ein paar Zentimeter extra drauf, Liebes. Nicht, dass Lenja plötzlich noch schneller kurviger wird als wir gucken können. Wenn ich mich an Dís erinnere, wie rund die Gute in ihren beiden Schwangerschaften gewesen ist. Man weiß ja nie, ob das in der Familie liegt. Vielleicht ist das ja normal, wenn kleine stramme Durins unterwegs sind, dass ihre Mütter dann Ausmaße annehmen, die die größten Kriegerhände kaum noch stemmen können. Aber bisher habe ich noch von kaum einem schwangeren Weib gehört, dass von ihrem Mann nicht als schön empfunden wurde. Thorin wird dich auch noch zum Anbeißen finden, wenn du wie ein großes Hefebällchen aussiehst.“

„Na warte!“

Ein Kissen surrte an Rimmas Kopf vorbei.


**


Leicht verärgert hatte Thorin den Weg in den gemeinsamen Wohnraum angetreten. Balin war vor Kurzem bereits das dritte Mal in seine Arbeitskammer eingetreten. Er konnte Lenja nicht finden. Sie war nicht wie besprochen zum Üben erschienen. Erst hatte der Zwerg noch gedacht, dass seine Nichte sich ein wenig verspätete. Immerhin war sie mit ihrem Bauch nicht mehr die Schnellste und hatte sich einen gemütlicheren Gang angewöhnt. Aber auch nach einer halben Stunde war sie nicht erschienen. So hatte sich Balin zu ihrem Gemach aufgemacht. Doch von Lenjas Kammerzofe hatte er nur freundlich zu hören bekommen, dass die Herrin nicht da sei. So war er zu Thorin aufgebrochen. Manchmal war Lenja bei ihrem Mann, wenn sie die Langeweile ergriff. Doch auch er wusste nicht, wo sein Weib war. Er konnte sich nicht vorstellen, dass Lenja ihren Onkel aus Überzeugung warten ließ. Vielmehr ging er davon aus, dass sie sich an der frischen Luft aufhielt und die Zeit vergessen hatte. Entweder auf einem der Balkone oder aber draußen vor den Toren im Rasen saß. So machte sich Balin auf die Suche nach seinem Bruder. Meistens war Dwalin an Lenjas Seite, wenn sie nicht von Thorin begleitet werden konnte. Doch sein Bruder wusste auch nicht, wo sich ihre Nichte aufhielt. Selbst nach gemeinsamer Suche hatten beide sie nicht finden können.

Mit einem Schnauben hatte sich Thorin schließlich hinter seinem Schreibtisch erhoben und den Weg in die gemeinsame Wohnstube angetreten. Balin hatte vermutet, dass sich Lenja doch in ihrem Zimmer aufhielt. Visna hatte ein wenig verloren gewirkt als er erneut bei ihr vorstellig geworden war. Röte war ihr ins Gesicht getreten, doch hatte sie ihn nicht durchgelassen. Wenn sein Weib nun auch noch ihre Zofe zum Lügen anstiftete... was war nur in Lenja gefahren, wenn dies stimmen sollte?

„Oh, mein König. Ihr seid bereits zurück?“ Visna war erschrocken vom Stuhl aufgesprungen und hatte sich hastig verbeugt.

„Ist sie hier?“ Ohne auf die Verwirrung der Frau einzugehen, deutete er auf die Tür zu Lenjas Schlafgemach. Sein Blick war fest. Visna konnte ihm nicht standhalten. Zaghaft nickte sie.

Mit einem Ruck hatte er die Tür geöffnet. Auf der Fensterbank saß Lenja und schaute aus dem kleinen Fenster hinaus in die Ferne. Die rechte Hand hatte sie auf ihrem Bauch platziert. Zärtlich streichelte sie über die runde Wölbung.

„Du trägst ja immer noch dein Nachthemd. Ist etwas geschehen? Ist etwas mit dem Kind? Warum hast du nicht nach mir schicken lassen?“ Thorins Ärger war sogleich in Besorgnis umgeschwungen als er sein Weib dort sitzen sah.

Mit einem dünnen Lächeln schüttelte diese nur den Kopf. „Mit unserem Baby ist alles in Ordnung. Rimma sieht keinen Grund zur Besorgnis. Aber ich hatte trotzdem keinen guten Tag... das Nachthemd zwickt wenigstens nicht...“

„Was ist denn dann geschehen? Balin hat dich gesucht und nicht gefunden. Warum hast du dich denn von Visna verleugnen lassen?“ Thorin hatte sich neben Lenja niedergelassen.

Sie seufzte. Nachdenklich schob sie ihre Unterlippe nach vorn. Im Moment fühlte sie sich nicht wie eine erwachsene schwangere Frau, sondern wie ein unglückliches kleines Mädchen.

„Ich konnte nicht mehr. Ich hatte keine Lust mehr. Nicht, nachdem was heute passiert ist. Ich will nur noch allein sein.“

„Und was ist nun geschehen?“

Langsam lehnte sich die Frau in den Arme ihres Mannes zurück.

„Versprichst du mir, ehrlich zu sein?“

„Ja. Aber dafür musst du jetzt endlich mit der Sprache herausrücken.“

Vorsichtig bettete sie Thorins Hand in ihrer, um sie anschließend auf ihren Bauch zu legen.

„In Ordnung. Ich versuche es dir zu erklären. Aber bitte streichel mir dabei den Bauch. Bitte. Immer schön in runden Kreisen.“

Der Angesprochene wusste nicht, wie ihm geschah. Seine Frau verhielt sich merkwürdig. Bald kindisch. Doch wenn er wissen wollte, was in sie gefahren war, wollte er dieser Bitte nachkommen. Zumal er gern ihren Bauch berührte.

„Findest du mich schön?“, fragend sah sie ihn an.

Verwirrt musste er blinzeln. Wie kam sie denn nur auf diese Idee, dass er sie nicht schön fand? Erst vor wenigen Tagen hatten die beiden das Lager miteinander geteilt. Lenja so zufrieden mit ihrem Bauch zu sehen, ließ auch sein Begehren förmlich in die Höhe schießen.

„Sicher. Du bist für mich wunderschön. Du müsstest doch wissen, dass ich dich zum Anbeißen finde.“ Ein Kuss berührte ihre rechte Ohrmuschel.

„Ja, aber das bestimmt nur, weil ich ein rundes Hefebällchen bin! Das Kleid ist nicht über den Bauch gerutscht. Du weißt doch. Heute war die Anprobe für das Krönungsgewand. Ich bin steckengeblieben. Einfach so. Nichts ging mehr! Weder rauf, noch runter. Thorin, das ist nicht lustig! Hör auf zu lachen!“
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