Unstillbare Begierden

GeschichteDrama, Romanze / P16 Slash
Akira Shiki
05.09.2013
06.09.2013
4
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Mein Name ist Akira und ich bin Student der Universität von Tokyo, der besten in ganz Japan. Ich bin jetzt 21 Jahre alt und in meinem Leben hat sich viel getan. Ich will dir die Geschichte erzählen, um dir zu zeigen, dass nicht alles so ist, wie es scheint....

Ich war beinahe 18 Jahre alt, als sich alles für immer veränderte. Ich erinnere mich an den Tag, als sei es gestern gewesen. Ich war Oberstufenschüler in einer der besten Schulen von Japan gewesen, es war mein letztes Jahr. Ich bin schon immer ein sehr beliebter Junge gewesen, die Mädchen auf den Fluren starrten mich an und flüsterten miteinander, wenn ich an ihnen vorbeiging und erröteten, wenn ich sie grüßte. Doch nach einem sehr schmerzhaften Erlebnis wurde ich stiller. Ich zog mich zurück und habe versucht, niemanden mehr in mein Herz zu lassen was auch beinahe perfekt funktionierte. Ich hatte einige feste Freundinnen gehabt, aber die Beziehungen dauerten nie länger als zwei, drei Monate, es war immer ich, der sie beendete. Ich hatte mich nie wirklich für sie interessiert gehabt, ich war bloß gelangweilt gewesen und habe jemanden gebraucht, mit dem ich spielen konnte. Diese Mädchen waren so naiv, sie wussten, dass ich mit ihnen in naher Zukunft brechen würde, aber sie haben immer wieder versucht mich zu überzeugen, dass sie „die Eine“ für mich wären. Ich lies sie fallen, wenn die Beziehung zu etwas ernstem wurde.
Es langweilte mich, jedes mal die selbe Prozedur: das Mädchen weint, versucht, mich mit Sms und Anrufen zurückzugewinnen und – da dies nicht funktionierte – mir dann die Hölle heiß zu machen – doch das war mir egal. Du könntest sagen, dass ich so etwas wie ein Playboy war, ich hatte die Beziehungen nur zum Vergnügen. Ich war der Typ Kerl, vor dem dich alle warnen.
          Zurück zu dem besagten Tag. Ich hatte gerade vor zwei Tagen mit einem dieser Mädchen Schluss gemacht, sodass sich wieder einmal das Maul über mich zerrissen wurde, während ich das Fenster neben meinem Sitzplatz anstarrte und gähnte. Die Glasscheibe fungierte wie ein Spiegel, und ich betrachtete mich. Ein junger Mann blickte mich an, er war groß, um die 1,85 Meter, dünn, hatte blond-weiße Haare und intensiv blaue Augen. Er trug eine Kette mit einem „Metallkärtchen“, welches wie eine winzige Pokerkarte aussah. Sie war wie ein Talisman für ihn, welchen er nie abnahm. Er erinnerte mich bis heute an meinen besten Freund Keisuke – und an seinen grausamen Tod. Ich packte das Kärtchen und drückte es fest. Ich vermisste ihn sehr. Er war die selbstloseste, unschuldigste Person gewesen, die ich je kennengelernt habe und kennen lernen werde.
Nach seinem Tod wurde ich zu einer anderen Person, ohne Emotionen, ausgenommen Hass.
Ich versank in meinen Gedanken, als meine Klassenkameraden plötzlich ruhig wurden, ganz still. Das war noch nie zuvor vorgekommen und so wurde ich aufmerksam. Ich blickte hoch und folgte dem Blick der anderen zur Tür – und keuchte auf.
Ein junger Mann stand im Türrahmen, sein athletischer Körper ganz in schwarz gekleidet. Er war groß, sogar größer als ich, hatte ein schwarzes, enges T-Shirt an, welches in einer schwarzen Lederhose steckte, die in dunklen Stiefeln endete. Darüber trug er einen langen Ledermantel, mit einem hohen, zur Seite gefalteten Kragen. Die Ärmel reichten bis zur Mitte seines Oberarms und eine Reihe von weißen Kreuzen umsäumten den Rand, jedoch steckten die Arme ab der zweiten Hälfte des Unterarmes in langen, schwarzen Lederhandschuhen. Zudem trug er breite Armbänder aus Leder, welche mit Nieten versehen waren, und zwei Ketten mit Kreuzen um den Hals.
Seine Präsens erfüllte den gesamten Raum und verdrängte alles andere. Seine Erscheinung rief ein Gefühl der Angst und Ehrfurcht hervor, das war deutlich zu spüren. Als er den Kopf hob und bedächtig sein rabenschwarzes Haar aus den Augen strich, schrie ein Mädchen erschrocken auf – sie waren von einem stechenden, dämonischen Rot.
          Doch dies war nicht der Grund für mein aufkeuchen gewesen, oh nein! Meine Gedanken rasten und meine Finger umklammerten Keisukes Medaillon so fest, dass die Knöchel weiß hervortraten. In meinen Augen wurde ein wildes Funkeln sichtbar und unwillkürlich fletschte ich meine Zähne. Der Mann, der dort im Türrahmen stand, war niemand geringeres als der gefürchtete „Il Re“, was italienisch ist und „der König“ bedeutet, der größte Drogen- und Mafiaboss, der gefährlichste Einzelgänger, der stärkste und schlimmste Feind aller des japanischen Untergrunds – und der Mörder Keisukes.
Mein Herz raste, ich biss mir so fest auf die Zunge, dass sie blutete und der metallische Geschmack breitete sich in meinem Mund aus. Jeder einzelne Muskel meines Körpers war angespannt, bereit, sich auf ihn zu stürzen, ihn zu töten. Er schien irgendetwas gespürt zu haben, denn er drehte seinen Kopf ruckartig zu mir und seine blutroten Augen fixierten mich, während er auf einen Tisch zuging. Als sich unsere Blicke trafen, war die Luft plötzlich geladen, eine knisternde, gefährliche Spannung erfüllte jede Zelle meines Körpers und meine Mitschüler hielten die Luft an. Meine Nerven waren zum zerreißen gespannt und ich starrte ihn voller Hass an. Er hielt für einen Moment in seiner Bewegung inne und kniff seine Augen zusammen, sein Blick wanderte von meinem Gesicht hinunter zu meiner Hand, die das Amulett umklammerte, und wieder zurück. Ich erwartete, dass er etwas sagen würde, dass er etwas tun würde, doch er drehte sich mit einer provokanten Lässigkeit wieder weg und wählte einen Platz schräg hinter mir. Ich wusste nicht, ob er mich erkannt hatte, oder ob er sich überhaupt noch an das Ereignis erinnern konnte. In dem Moment trat der Lehrer ein und die anderen warfen mir und dem Fremden noch einen Blick zu, dann setzten sie sich.
          Der Lehrer stellte den Neuling als Shiki vor und erzählte uns, dass er von einer anderen Schule käme und nach einem Jahr Auszeit nun einen Abschluss machen wolle. Shiki hat kein einziges Wort gesagt gehabt, nur stumm dagesessen und den Lehrer desinteressiert angeschaut, was ihn aus dem Konzept brachte. Dieser Kerl hatte allgemein etwas.... etwas an sich, was einen stocken und unsicher werden lies. Ein undefinierbares Gefühl breitete sich in mir langsam aus und ich fuhr mir mit der Hand durch mein Haar. Es war nicht nur Hass, der in mir brodelte wie ein Vulkan kurz vor seinem Ausbruch, sondern es schwang noch etwas eigenartiges mit, etwas, das nicht wirklich zu passen schien. Ich haute mit meiner geballten Faust leise auf den Tisch und knurrte. Dieser Mistkerl würde büßen für das, was er Keisuke angetan hat! Ich trug zu der Zeit immer ein Messer mit mir herum, denn es geschah leider viel zu oft, dass Menschen auf offener Straße bedroht, ausgeraubt und angegriffen wurden. Nur hatte auch diese Vorsichtsmaßnahme Keisuke nicht retten können. Mein Körper bebte vor Wut und ich knirschte unwillkürlich mit den Zähnen. Doch dieses Mal wird es seine Dienste erweisen, sich tief in Shikis Fleisch fressen und in seinem Blut baden.
Langsam drehte ich meinen Kopf nach rechts über die Schulter und schaute dorthin, wo Shiki, Il Re, saß. Überrascht stieß ich Luft aus und riss meine Augen für einen Moment lang auf. Shiki blickte mich aus seinen roten Teufelsaugen seelenruhig an, ohne auch nur irgendwelche Emotionen zu zeigen, er wirkte wie eine lauernde Raubkatze, bereit, seine Beute zu töten. Ich kniff zähneknirschend meine Augen zusammen und drehte mich wieder der Tafel zu. Meine Gedanken rasten. Hatte er mich etwa schon die ganze Zeit beobachtet?
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