Numb

GeschichteDrama, Familie / P16
Dr. Percival Ulysses "Perry" Cox Jack Cox Jordan Sullivan
04.09.2013
04.09.2013
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04.09.2013 1.757
 
Titel: Numb
Interpret: Linkin Park

Link: http://www.youtube.com/watch?v=I2REZSj4XnE


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I'm tired of being what you want me to be
Feeling so faithless, lost under the surface,
Don't know what you're expecting of me
Put under the pressure of walking in your shoes .


Mit einem lauten Krachen warf Jack die Tür hinter sich ins Schloss und ging schnellen Schrittes den Flur entlang und hämmerte dann ein paar mal mit der Faust gegen den Fahrstuhlknopf.
Konnte das beschissene Ding nicht etwas schneller kommen?
Am Ende kam Perry noch auf dumme Ideen, wie ihm zu folgen oder....
Noch während ihm dieser Gedanke durch den Kopf schoss wusste Jack, dass er sich etwas vormachte.
Er würde ihm nicht nachlaufen.
Nicht Perry Cox.
Das hatte er noch nie getan, nicht bei seiner Mum und erst recht nicht bei ihm.
„Penner.“, murmelte Jack gereizt, während er in den Fahrstuhl trat, warf jedoch noch einen Blick zurück zur Wohnungstür.
Nichts rührte sich.
Natürlich tat es das nicht.
Jack presste die Lippen zusammen und starrte die sich schließende Fahrstuhltür so finster an, dass sie, wenn sie leben würde, sicher tot umgekippt wäre.

Ein Teil von ihm fragte sich, worüber er sich eigentlich aufregte.
Der Streit war genauso abgelaufen wie jeder andere auch.
Perry wollte, dass er Medizin studierte, Jack nicht.
Perry mochte seine Freundin nicht, Jack wollte nicht Schluss machen.
Eins kam zum anderen, seine Mutter verzog sich irgendwann genervt mit einem Glas Scotch ins Nebenzimmer und seine Schwester fuhr zu einer Freundin.
Aber verflucht, was erwartete sein Vater eigentlich von ihm?
Das er sein ganzes Leben nach ihm ausrichtete?
Medizin studierte, zum Alkoholiker wurde...?
Vermutlich war es genau das.
Perry wollte, dass sein Sohn so wurde wie er; eine Ein-Mann-Armee gegen die ganze Welt.

Caught in the undertow, just caught in the undertow
Every step that I take is another mistake to you
Caught in the undertow, just caught in the undertow.


Als die Fahrstuhltür sich endlich öffnete, trat er schnell hinaus, würdigte den Portje keines Blickes und ging hinaus auf die Straße.
Die Kälte schlug ihm in Gesicht und der Wind zerzauste ihm das dichte, dunkelblonde Haar und kleine, kalte Schneeflocken verfingen sich darin, setzten sich wie kalte Küsse auf seine Haut und sorgten dafür, dass sich eine Gänsehaut auf seinen Armen bildete.
Kurz überlegte er, zu seiner Freundin zu fahren, entschied sich dann jedoch dagegen.
So, wie er im Moment drauf war, war er für niemanden eine gute Gesellschaft - nicht einmal für sich selbst und auch, wenn er wie sein Vater nicht gut darin war über seine Gefühle zu reden und ihr bestimmt viel zu selten sagte, wie wichtig sie ihm war - er wollte sie nicht in seine Probleme mit hineinziehen.
Perry hatte damit nie ein Problem gehabt; er hatte von Anfang an deutlich gemacht, was er von Jack als Sohn erwartete.
Er sollte Football spielen, viele Frauen aufreißen und Medizin studieren.
Ein zynisches Lächeln erschien auf Jacks Gesicht und wenn er in diesem Moment in einen Spiegel geschaut hätte, hätte er nur seinen Vater gesehen.
Dabei hatte er es wirklich versucht.
Er hatte Football gespielt, bis sein Trainer ihn zur Seite genommen und ihm gesagt hatte, dass ein anderer Sport ihm vielleicht mehr Spaß machen würde.
Er hatte wirklich versucht, in Biologie nicht einzuschlafen, aber ihm lagen Geisteswissenschaften einfach mehr.
Und er hatte sogar mal einen One Night Stand gehabt, sich danach allerdings so schmutzig gefühlt, dass er nie wieder auch nur daran gedacht hatte.
Und dann war Summer in sein Leben getreten.
Aber natürlich - auch das war  in den Augen seines Vaters falsch gewesen und nach dem ersten Treffen hatte Jack sie nie wieder mit zu sich nach Hause genommen.
Er hörte auf, seinem Vater Dinge zu erzählen, die ihm wichtig waren - er würde doch nur einen Fehler darin finden.


I've become so numb
I can't feel you there.
I've become so tired,
So much more aware
I'm becoming this
All I want to do,
Is be more like me,
And be less like you


Und irgendwann hatte er angefangen, innerlich abzuschalten, wenn sein Vater mal wieder mit ihm und der ganzen Welt unzufrieden war.
Und meistens gelang ihm das auch.
Aber als er ihm heute gesagt hatte, dass er Soziologie und Politik studieren wollte war sein Vater total ausgerastet.
Zuerst hatte Jack nur stumm dagesessen.
Er hatte seinem Vater ins Gesicht gesehen, während dieser sich mal wieder in einem seiner schier endlosen Vorträge verlor
und hatte nach dem Mann gesucht, den er als Kind so verehrt hatte und den er irgendwo, tief in sich drinnen, immer noch verehrte.
Der Mann, der ihn auf seinen Schultern getragen und der mit ihm gespielt hatte.
Der ihn mit zur Arbeit genommen und ihm dort alles gezeigt hatte.
Bei dem er gemerkt hatte, wie stolz er darauf war, sein Vater zu sein.

Jack hatte keine Ahnung wo er eigentlich hin ging.
Er hatte die Hände in den Jackentaschen vergraben und starrte düster auf die Steinplatten unter seinen Füßen.
Der Schnee knirschte leise unter seinen Fußsohlen und seine Schritte hinterließen feine Abdrücke im Boden.
Warum kam sein Vater nur nicht damit zurecht, dass er seinen eigenen Weg gehen wollte?
Warum war es für ihn so schwer zu akzeptieren, dass er einfach nur er selbst sein wollte und sich nicht mehr von ihm in irgend welche vorgegebenen Formen pressen lassen wollte?


Can't you see that you're smothering me?
Holding too tightly, afraid to lose control
'Cause everything that you thought I would be,
Has fallen apart right in front of you.


„Vermutlich, weil er nicht sehen will, dass das keine typische Teenagerrebellion ist, sondern dass das wirklich du bist.“, flüsterte eine leise, ehrliche Stimme in seinem Kopf und Jack schnaubte leise.
Ja, das würde zu Perry passen.
Jack wusste, dass sein Vater ziemlich lange kämpfen musste bis er seinen Vater dazu gekriegt hat, dass er Medizin studieren durfte.
Für Perry war das ein Traum gewesen.
Und es war auch ein Traum für ihn gewesen, dass sein Sohn irgendwann einmal ein genauso guter Arzt werden würde wie er selbst.
Er wusste, dass seine Eltern viele Pläne für ihn geschmiedet hatten; das Medizinstudium, wo er seine Zeit als Assistenzarzt verbringen könnte – sie hatten alles durchgeplant.
Nur an eins hatten sie nicht gedacht.
Das ihr Sohn vielleicht kein Arzt werden wollte.
Seine Noten waren gut und er wäre zugelassen worden (die Zulassungsprüfung hatte er machen müssen) und als er seinen Eltern eröffnet hatte, dass er angenommen worden war, waren sie so lange begeistert gewesen, bis er erklärt hatte, dass er abgelehnt hatte.
Er hatte gesehen, wie alles in seinem Vater zusammengefallen war und ein Teil von ihm hatte sich geschämt und wollte alles zurücknehmen, wollte das verdammte Medizinstudium anfangen, nur damit sein Vater vielleicht doch noch einmal stolz auf ihn sein würde.
Schlussendlich war er froh darüber, dass er sich nicht dazu gezwungen hatte, aber der Ausdruck, mit dem sein Vater ihn bedacht hatte, hatte mehr weh getan als alles andere, was er hätte machen können.
Das zumindest konnte man Perry Cox zu gute halten – er hatte keins seiner Kinder jemals geschlagen.
Aber manchmal fragte Jack sich, ob er eine Ohrfeige nicht gern in Kauf genommen hätte, wenn sein Vater dafür nur ein einziges mal stolz auf ihn wäre.


Caught in the undertow, just caught in the undertow
Every step that I take is another mistake to you
Caught in the undertow, just caught in the undertow
And every second I waste is more than I can take.


Stolz.
Auf ihn.
Jack lachte.
Es war ein hohles, freudloses Lachen und er nahm aus dem Augenwinkel wahr wie eine Frau, die schräg hinter ihm ging, die Straßenseite wechselte.
Und wenn schon.
Was wusste diese Person denn schon?
Gar nichts.
Jack wusste, dass es Zeitverschwendung war über all das nachzudenken, aber er bekam seine Gedanken auch nicht zum schweigen.
Sie drehten sich weiterhin um seinen Vater und jetzt, da seine Wut über ihren Streit langsam verrauchte, fühlte er sich einfach nur leer und e begann zu frieren.
Vielleicht wäre es doch eine gute Idee zu Summer zu fahren...
Oder er stattete Sam einen Besuch ab, er hatte ihn schon länger nicht mehr gesehen.
Aber sowohl seine Freundin als auch sein bester Freund würden ihm an der Nasenspitze ansehen, dass irgend etwas nicht stimmte und dann würden beide ihn so lange nerven bis er am Ende
wirklich darüber sprach und darauf konnte er gerade wirklich verzichten.
Als betrat er kurzerhand das nächste Café und bestellte sich einen Kaffee, bevor er an einem der Tische am Fenster platz nahm und die Leute beobachtete, die draußen vorbei eilten.
Der Kaffee brannte angenehm warm in seinen Händen und er merkte, wie er langsam wieder auftaute.
Sein Blick löste sich von der Straße und er sah sich in dem Café um.
Im Grunde war es schäbig.
Der Putz blätterte an einigen Stellen von den Wänden, die Fliesen waren abgewetzt, auf seinem Tisch lagen noch ein paar einsame Krümel und in dem Aschenbecher lag eine nur halb aufgerauchte Zigarette.
Die weiße Tasse in seinen Händen hatte einen kaum sichtbaren Sprung an Rand, am Henkel fehlte ein kleines Stück und die Luft roch nach Kaffee, Nikotin und Schweiß.
Aber aus irgend einem Grund fühlte Jack sich wohl.

And I know
I may end up failing too,
But I know
You were just like me with someone disappointed in you.


Er seufzte leise und trank vorsichtig einen Schluck von seinem Kaffee, verzog dann jedoch das Gesicht.
Viel zu heiß.
Er fuhr sich flüchtig mit der Zungenspitze über die Lippen und stellte seine Tasse dann wieder ab.
Vielleicht hatte sein Vater recht.
Vielleicht würde er mit diesen Studiengängen gehörig auf die Nase fallen.
Aber das würde ihn sicher nicht davon abhalten es zumindest zu versuchen.
Ein kleines Lächeln stahl sich auf seine Lippen und sein Blick schweifte wieder aus dem Fenster.
Er wusste nicht alles, was seinem Dad während seiner Kindheit zugestoßen war, doch er wusste, dass das Verhältnis zwischen Perry und Jacks Großvater noch wesentlich schlechter gewesen war als das zwischen ihnen beiden.
Er wusste, dass sein Dad seinen Großvater nie zufriedengestellt hatte
Vielleicht fiel ihm diese Gemeinsamkeit ja auch irgendwann auf und vielleicht würde er dann stolz darauf sein, dass sein Sohn wie er selbst seinen eigenen weg gegangen war.
Das sein Sohn ihm doch nicht so unähnlich war wie er immer dachte.
Vielleicht.

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Und das wars :)
Ich hoffe, es hat euch gefallen und ich bin sehr au Rückmeldungen gespannt :)

Liebe Grüße :))
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