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Joan-Shepard-Chroniken: Der Anfang vom Ende - Teil I

von Taia
GeschichteSci-Fi, Liebesgeschichte / P18 / Gen
Commander Shepard Garrus "Archangel" Vakarian James Vega Jeff "Joker" Moreau Kaidan Alenko Liara T'Soni
03.09.2013
29.01.2014
47
182.111
12
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20 Reviews
 
 
03.09.2013 3.031
 
**Die Geschichte beginnt in ME3 kurz nachdem Kaidan als Spectre auf die Normandy gekommen ist.**
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Kaidan starrte auf das Datenpad in seiner Hand und dann wieder auf die geschlossene Türe ihres Quartiers. Er wollte sie sehen, er sollte sie sehen, aber er hatte das ungute Gefühl, dass es schlechtes Timing war.
Trotzdem, er musste sie sehen. Es war einfach viel zu lange her, das er das letzte Mal mit ihr richtig Zeit verbracht hatte, ohne dass Worte aus seinem Mund gepurzelt waren, die er eigentlich nicht hatte sagen wollen und sie auch nicht so gemeint hatte.

Oh Gott, es war so dermaßen lange her, als er sie das erste Mal auf Horizon wieder gesehen hatte und damals war es wirklich seltsam gewesen.
Er hatte sie im Grunde nicht richtig sehen können, sie hatte ihren Helm nicht abgesetzt und so konnte er nur in diese hellgrünen Augen starrten ohne sie richtig in Augenschein nehmen zu können, ob sie noch die war, die er kannte, oder nicht.
Wie sehr er sie in diesem Moment darum gebeten hätte, den Helm abzunehmen, aber er hatte ihr nur vorgeworfen, warum sie sich nicht gemeldet hatte, warum sie ausgerechnet für Ceberus arbeitete.
Im Nachhinein wusste er selbst nicht mehr genau, wieso er das zu ihr gesagt hatte. Es waren für ihn zwei verdammte Jahre, nach ihrem Tod, vergangen und wie aus dem Nichts stand sie plötzlich vor ihm, nachdem ein Kollektorenschiff fast die gesamten Kolonisten entführt hatte.
Er hatte sie vermisst, mehr als das und er wollte nichts sehnlicher, als ihr zu glauben, dass sie es auch wirklich war.
Es hätte nicht viel gebraucht, um ihn zu überzeugen, aber sie behielt diesen beschissenen Helm auf, auf ihrer Rüstung das Ceberus-Symbol und hinter ihr zwei Ceberusmitarbeiter, was hätte er da viel davon halten sollen.
Einzig ihre Augen und ihr Name wiesen sie als den Menschen aus, der sie war und das war ihm zu wenig. Viel zu wenig.
Ein Lächeln von ihr und er wäre ihr überall hin gefolgt.
Eines von der Sorte Lachen, die selten und nur verdammt schwer von ihr zu ergattern waren.
Er hatte ihr helles, klares lachen  viel zu selten auf der früheren Normandy, von ihr gehört.
Er hatte eine halbe Ewigkeit gebraucht, um heraus zu finden, über was sie lachte und es war dann auch noch schwierig genug, die ernste, verschlossene, geschäftsmäßige Miene, die sie steht’s zur Schau trug, für wenige Sekunden verschwinden zu lassen.
Aber es hätte ihm genügt.

Nach Horizon waren wieder viele Monate vergangen, bis er sie erneut gesehen hatte.
Diesmal ohne Helm, in ihrer Uniform, ohne Streifen.
Er wusste, dass sie seit Monaten unter Hausarrest stand, hatte aber keinerlei Möglichkeit gehabt, zu ihr zu kommen.
Als das Verteidigungskomitee ihn zu sich gerufen hatte, war Kaidans Instinkt angesprungen und er wusste, dass es nicht mehr lange dauern konnte, bis die Reaper angreifen würde. Er spürte es unbewusst, dass irgendetwas nicht stimmte.
Als er wieder aus dem Raum trat, stand sie einfach vor ihm und er nahm den Rest der Anwesenden nicht mehr war. Er starrte sie an und tausend Gedanken schossen ihm durch den Kopf.
„Shepard.“ Das einzige Wort, was er in diesem Augenblick heraus gebracht hatte, nur damit sie sich zu ihm umdrehte und er hätte sie am liebsten umarmt.
Sie hatte mit einem Lieutenant gesprochen und beim Umdrehen wanderten ihre Augenbrauen nach oben.
„Kaidan.“
Er starrte sie nur an, stellte fest, dass die dünne Linie einer Narbe, die über ihren Nasenrücken bis zu ihrer Wange verlaufen war, mittlerweile fehlte.
Ceberus, schoss es ihm durch den Kopf.
Die gleichen Augen, das gleiche Gesicht, die gleiche Stimme. Ihre Haare waren kürzer, zum Teufel, sie hatte früher viel dunklere Haare und jetzt passte die Farbe zu ihren Sommersprossen.
„Wie ist es gelaufen, Major?“
Er hatte Anderson erst gar nicht gehört, dann schoss sein Blick kurz zu ihm, ehe er während seiner Antwort wieder Shepard anstarrte.
Gott, sie war so wunderschön wie immer, ihre Präsenz so beeindruckend, wie immer.
„Ganz gut denke ich.“ Er hörte seine Stimme nicht, war viel zu gefangen von ihrer Anwesenheit.
„Major?“ Ihre Stimme war so angenehm weich. Diese fesselnde Stimme, hatte ihm während der Einsätze Befehle in sein Ohr geschrien und jede Nacht in seinen Träumen zu ihm geflüstert.
Anderson antwortete ihr, ohne dass er es wirklich wahr nahm.
„Ich bin im Moment schlecht informiert.“ Hörte er einen Vorwurf aus ihrem Tonfall heraus?
„Es tut mir leid Ma´am. Es war nicht meine Absicht.“
„Sie hatten sicher ihre Gründe.“ Meinte sie ihn oder die Allianz?
Gott er wollte ihr sagen, dass er sie hatte besuchen wollen, aber keine Chance dazu bekommen hatte. Er wollte sie sehen, schon vor Monaten, als er mitbekommen hatte, dass sie sich der Allianz freiwillig ergeben, ihr Schiff und ihre restliche Crew dem Militär übergeben hatte.
„Ja, vermutlich. Freut mich trotzdem sie zu sehen.“
Dann ging sie. Kein Lächeln, natürlich nicht. Sie war nicht der Typ dazu. Sie war immer ernst, immer taff, immer sachlich.
Ihre Art der Autorität und ihre Art sich Respekt von ihrer Crew zu verschaffen.

Minuten später griffen die Reaper an und er war mit dem Lieutenant auf die Normandy gehetzt um Shepard und Anderson abzuholen. Am Ende landete nur Shepard auf dem Schiff und Kaidan sah, wie Admiral Anderson ihr ihre Marken zu warf.
Sie war wieder im Dienst.
„Willkommen an Bord Shepard.“
Als die Normandy abhob, drehte er sich um und legte seine Waffe wieder auf die Werkbank. Er hörte den Commander hinter sich, die ziemlich energisch mit James diskutierte. Sollte er sich dabei einmischen? Wohl kaum.
„Was ist los?“ Hörte er sich fragen und Shepard drehte sich zu ihm um und wieder konnte er sich ein Lächeln nicht verkneifen und er wusste genau, dass sie ihm ansah, wie erleichtert er war, sie vor sich zu sehen.
„Wir müssen zur Citadel!“
„Quatsch! Das würde er nie befehlen!“ Warf der Lieutenant ein und Kaidan fragte sich ernsthaft, wieso er nur so respektlos mit ihr umging.
„Hat er gerade!“ Man konnte deutlich die Verärgerung in Joan Shepards Stimme hören und sie wies James nachdrücklich zurecht, ehe sie von einer einkommenden Nachricht von Admiral Hackett unterbrochen wurde.
Mars.
„Joker setzten sie Kurs zur Marsbasis.“
„Aye Aye, Ma´am.“ Hörte er den Piloten durch die Lautsprecher und freute sich darauf, ihn auf dem Schiff zu haben.
Er, genauso wenig wie der Commander selbst, wusste nicht, wie gut die Normandy besetzt war. Es war alles so dermaßen schnell gegangen, dass eine ausgebildete Mannschaft nicht beschafft werden konnte.
James und er hatten das Schiff während der Angriffe dem Trockendock regelrecht entrissen. Gott sei Dank funktionierten der Antrieb, die Waffen und die Lebenserhaltung einwandfrei.
„Edi?“  Shepards helle Stimme hallte durch die Shuttlebucht.
„Ja Commander?“
„Wo sind meine Sachen? Rüstung, Waffen, Kleidung und was ich sonst noch auf dem Schiff hatte?“
„Ihre Panzerung befindet sich in einem der Lagerkisten in der Shuttlebucht, ihre Waffen in einem der Lagerschränke. Ihre Kleidung befindet sich nicht mehr auf der Normandy, genau so wenig, wie die meisten persönlichen Gegenstände, Commander. Falls sie ihre Schiffsmodelle suchen, die sind auf dem gesamten Schiff verteilt, die Fische sind entfernt worden während ihr Hamster im Maschinenraum herumirrt… Es ist schön sie wieder an Bord zu haben, Commander.“
„Danke Edi, es ist schön wieder hier zu sein.“
Shepard schüttelte leicht verärgert den Kopf und fing an eine der obersten Kisten herunterzuziehen, die dann krachend auf dem Boden landete.
„Hamster?“ Stieß Kaidan verwirrt hervor.
Fische?
Er wusste selbst, dass es der am wenigsten günstigste Moment war, um über den Geschmack ihrer Haustiere zu diskutieren, aber es rutschte ihm einfach raus.
Hatte dieses Schiff etwa Platz für einen verdammten Zoo?
Und was zum Teufel war EDI? Seit wann fragte der Commander eine AI nach solchen Sachen und seit wann sagte eine AI solche Dinge?
„Um den kümmere ich mich später.“
Murmelte Shepard ohne aufzusehen, hatte mittlerweile die dritte Kiste geöffnet und wühlte in dem darin befindlichen Inhalt nach ihrer Panzerung.
Der Major warf James einen Blick zu, der ebenso perplex wirkte und nur mit einer Schulter zuckte.
„Ah… da ist sie ja.“ Stieß der Commander erleichtert aus und hob ihre Brustplatte aus dem Gewühl vor ihr.
„Edi, wie lang brauchen wir bis ETA?“
„Eine Stunde und fünfundzwanzig Minuten, Commander.“
Sie legte ihre Panzerung auf einen der Tische und sah zu den beiden Männern, die immer noch wie angewurzelt da standen.
„Fertig machen. Ihr beide begleitet mich auf den Mars… Weiß der Teufel, was uns da erwartet, außerdem ist wohl kein anderer vernünftiger Militär an Bord.“ Befahl sie, während eine Hand über das N7 Symbol auf der Oberfläche ihrer Panzerung glitt.
Sie hatten die Rüstung verändert, als hätte jemand geahnt, dass Shepard sie bald wieder brauchen würde.
Vielleicht hatte es sogar Anderson persönlich in Auftrag gegeben.
„Natürlich Ma´am.“ Salutierte James und verschwand um sich seinerseits eine passende Panzerung zu besorgen. Das persönlichste, was jeder auf dem Schiff bei sich hatte, war die Kleidung die sie am Leib trugen, alles andere war auf der Erde zurück geblieben.
Keiner hatte auch nur die entfernteste Möglichkeit dazu gehabt, zu packen oder sich von seiner Familie zu verabschieden.
Kaidan konnte nur hoffen, dass es seinen Eltern gut ging, dass sein Vater auf seine Mutter aufpassen würde, dass sie vielleicht sogar von der Erde evakuiert werden konnten.
Nach einem weiteren Blick zu dem Commander, drehte er sich um, ging zu einem der Waffenschränke und suchte nach der Pistole, die Shepard zumindest, bis zu ihrem Tod immer gerne auf eine Mission mitgenommen hatte.
Er fand sie im zweiten der insgesamt vier Fächer und nahm sie heraus.
Allein die Tatsache, dass diese Waffe hier war, war ihm Indiz genug, dass sie sie wohl in der vergangenen Zeit auch benutzt hatte.
Die Waffe war überholt und gereinigt und musste nur noch geladen werden. Munition gab es nicht viel auf dem Schiff, aber sobald sie auf der Citadel ankommen würden, könnten alle nötigen Vorräte aufgestockt werden, inklusive der Mannschaft.
Für den Mars würde es schon reichen, hoffte er und griff nach den Munitionspacks, im untersten Fach, dann drehte er sich um.
Shepard hatte mittlerweile ihre gesamte Panzerung auf dem Tisch verteilt und überprüfte die Verschlüsse.
Er stellte sich neben sie und legte Waffe und Munition an den Rand des Tisches. „Hier. Du benutzt sie immer noch, oder?“
Sie sah auf und ihre Augen flackerten leicht. „Ja. Danke… Mach dich fertig.“
Noch bevor sie eine Möglichkeit hatte, sich wieder abzuwenden, frage Kaidan sie. „Was ist EDI?“
„Eine KI.“ Antwortete sie schlicht und wendete sich wieder dem Tisch zu.
„Eine KI!“
Stieß er hervor.
War das ihr Ernst? Eine Künstliche Intelligenz auf der Normandy! Wieso war sie noch hier, wieso hatte die Allianz sie nicht gelöscht?
Es war ein viel zu großes Risiko eine KI auf einem Schiff zu haben!
Shepard drehte den Kopf wieder und ihr Blick bohrte sich regelrecht in seine Augen. Die geschwungenen Augenbrauen ließen sie immer grimmig aussehen, auch ohne dass sie sie zusammenzog, und mit der hellgrünen Iris dachte er immer an einen Falken, der ihn anstarrte, kurz bevor er zuschnappte.
„Ich vertraue ihr. Das sollte dir genügen, Major.“ Fuhr sie  ihn an und nach ihrem Blick, würde sich Kaidan hüten, das Thema jetzt noch einmal anzusprechen. Sie war ganz offensichtlich wütend und er konnte sie nur allzu gut verstehen.
Zuerst wurde sie Monatelang in einem Zimmer eingesperrt, nur um sie dann kurz vor den Reaperangriffen zu verhören und schließlich wurde sie auf ihr Schiff zurück geschickt um den Krieg gegen die Reaper zu führen und das ohne richtige Crew und mit einem halb auseinander gebauten Schiff.
Sie hatte schon vor Jahren die gesamte Galaxie davon zu überzeugen versucht, dass die Reaper kommen wurden und keiner hatte auf sie gehört, am aller wenigsten der Rat und genau da sollten sie nach dem Mars hin und um Hilfe bitte.
Kaidan hatte ein ungutes Gefühl dabei. Er wusste nur zu gut, wie sie sich ihnen gegenüber verhalten hatten, als sie sie davon zu überzeugen versuchten, dass die Sovereign ein Reaper war und diese die Citadel angreifen würde.
Nach kurzem zögern wendete er sich den geöffneten Kisten zu und versuchte seinerseits eine passenden Rüstungen zu finden.
Sobald sie auf der Citadel ankommen würden, würde er sich eine eigene besorgen, nahm er sich vor.
Während James auf der anderen Seite der Halle fündig wurde, seufzte Kaidan leise, als er eine annehmbare schwarze Plattenpanzerungen heraus zog und war froh, dass er nicht die gesamten Kisten durchsuchen musste.
Er hörte wie Shepard neben ihn trat, ihre Uniformjacke war mittlerweile geöffnet, und sah wie sie sich wieder vor beugte um an die schwarze, atmungsaktive und wärmeausgleichende Kleidung zu kommen, die jeder von ihnen unter der Panzerung trug.
Die Scharniere und Ecken der Rüstung würden sonst zu tief in die Haut einschneiden, es war ein besonderes Gewebe, das fast die gleiche Stabilität, wie die Panzerung selbst aufwies, aber wesentlich bequemer zu tragen war und die vielen Rüstungsteile sicher an ihrem Platz hielt.
„Edi, geben sie mir ein Update über die aktuelle Crew.“ Forderte Shepard energisch und warf ihre Jacke über die Kante der Kiste.
„Aktuell befinden sich insgesamt fünfundzwanzig Crewmitglieder an Bord. Außer Flight Lieutenant Moreau, Lieutenant Vega, Major Alenko und ihnen gehören alle zu dem Nachrüstungsteam, dass die Normandy umbauen sollte, Commander.“
Während Edi gesprochen hatte, zog Shepard ihr Shirt über den Kopf und ihre Marken schlugen klirrend gegen die metallene Wand der Kiste.
„Na großartig.“ Knurrte sie neben ihm und er sah unvermittelt auf.
Sein Blick blieb unbeabsichtigt an ihrem Rücken kleben und er erstarrte.
Ein Tattoo. Nicht, dass das er kannte.
Er hatte einige von ihr gesehen, vielleicht sogar alle, bei der ein oder anderen Gelegenheit, nicht dass er oft die Möglichkeit dazu gehabt hätte ihren halb nackten Körper zu bewundern.
Eine der wenigen Gelegenheiten hatte er erhalten, kurz nachdem sie sich kennen gelernt hatten.
Bevor sie Eden Prime erreichten hatte sich Shepard, wie Jenkins und er sich vor den Spinden in der Shuttlebucht umgezogen. Danach erhielt sie das Kommando über die Normandy und ihr eigenes Quartier und hatte somit ihre Privatsphäre.
Es fehlte einiges, nicht nur die Tattoos auf ihrem Körper, auch die Narben, ein Piercing, das einmal ihre Nase geziert hatte und drei weitere in ihrem rechten Ohr.
Ceberus hatte sie stärker verändert, als er gedacht hätte. Sie sah anders aus, viel, er zögerte kurz bis er sich für die richtige Wortwahl entschied.
Sie sah braver aus. Anständig. Zurückhaltend. Erwachsener?
Naja, sie war ja auch älter, oder nicht?
Er besann sich schlagartig, dass er sie immer noch anstarrte und nur vage bildete sich der Gedanke in seinem Kopf, dass er wegsehen sollte, bracht es aber nicht fertig.
Wo zum Geier waren seine Manieren?
Sein Blick hing an dem Feuervogel, der sich schwungvoll über ihren gesamten Rücken zeichnete, als würde er jeden Moment abheben wollen.
Der Kopf begann zwischen ihren Schulterblättern, während sich die Flügel des Phönix teilweise um ihren Brustkorb schmiegten.
Die kräftigen Rottöne schimmerten durch das fahle Licht der Deckenbeleuchtung von tiefstem violette, bis blassem gelb in sämtlichen Rottönen.
Unter dem Bund ihrer Hose verschwand der untere Teil des Vogels und er konnte sich des Gedankens nicht erwehren, dass er gerne gesehen hätte, wie der Rest davon aussah.
Der Phönix aus der Asche, eine wundervolle Metapher für Shepard selbst, dachte er.
Sie drehte ihren Kopf in seine Richtung und Kaidan kniff kurz die Augen zusammen. Scheiße! Das war auf jeden Fall zu spät gewesen.
Als sie sich das langärmlige Oberteil über den Kopf zog, sah er sie wieder an und erkannte zu seinem völligen Entsetzen, ein schwaches Lächeln auf ihren Lippen.
„Entschuldige.“ Stieß er hervor und drehte sich weg. Ihm war plötzlich verdammt heiß.
„Ist doch schade, wenn es niemand bewundert, oder Major?“
Hörte er ihre Stimme hinter sich und er zog gequält die Augenbrauen zusammen.
Gott, sie konnte in seinem Gesicht lesen, wie in einem offenen Buch. Immer noch, nach all der Zeit und es ärgerte ihn maßlos, dass er anscheinend kein bisschen undurchschaubarer geworden war, für sie zumindest.
Sie ging wieder zu der Werkbank, auf der ihre Rüstung lag und Kaidan warf ihr einen Seitenblick zu. Nein! Du wirst da jetzt nicht  mehr hinsehen, Kaidan, auf gar keinen Fall, egal wie sehr du es willst, du siehst da jetzt nicht mehr hin!
Entschlossen wand er sich von dem Commander ab und fing seinerseits an, die neue Panzerung anzuziehen.
Ohne, dass es ihm auffiel, warf Shepard ihm ein oder zwei forschende Blicke zu, als er sich auszog und ihr schmunzeln blieb dabei unbeobachtet.
Irgendwie war sie froh, dass er hier war. Sie hatten in den letzten Jahren kaum miteinander gesprochen und wenn dann war es etwas holprig gewesen, aber sie waren dennoch alte Bekannte, Kampfgefährten und es schien ihr fast so, als hätte sich nicht allzu viel daran geändert.
Er wirkte wesentlich selbstsicherer, ein wenig autoritärer, als früher.
Naja, nur mit Däumchen drehen wurde man nicht zum Major befördert, dachte sie.
Er wusste, wie sie kämpfte und sie wusste wie er kämpfte und es würde nur kleine Andeutungen brauchen, damit er wusste, was sie von ihm wollte und das erleichterte die Mission um einiges.
James kannte sie zwar seit den Monaten, die sie auf der Erde war, aber sie hatte ihn nie richtig kämpfen sehen, wenn sie auch ungefähr wusste, wie er sein würde.
Sie hatte genügend Nahkampfübungen mit ihm gemacht, um zu wissen, was er konnte und was nicht, aber mit einer Waffe in der Hand war es doch ein Stück weit anders.
Bei Kaidan wusste sie, wie er mit einer Waffe war und wie ohne und so stark dürfte es sich nicht von früher unterscheiden.
Wahrscheinlich war er besser geworden, ebenfalls seine Biotik, vermutete sie.
Nach vierzig Minuten war sie mit ihrer Panzerung fertig, nach einer weiteren halben Stunde mit dem überprüfen und laden ihrer Waffen, dem überprüfen ihres Omnitools und der Schilde.
Sie nahm neben der Pistole noch eine der Schrotflinten mit und befestigte sie an ihrer Panzerung. Ein prüfender Blick und sie wusste, dass die beiden Männer ebenfalls so gut wie fertig waren.
Sie würden bald auf dem Außenposten auf dem Mars ankommen und wenn sie die verzerrte Übertragung von Admiral Hackett richtig verstanden hatte würde Liara dort sein.
Ein weiteres bekanntes Gesicht. Sie würde froh sein, die Asari wieder zu sehen, es war so viel Zeit vergangen.
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