Remeber me... or not? (Makai Ouji)

GeschichteDrama / P16 Slash
03.09.2013
03.09.2013
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Erinnere dich!
Das ist alles woran ich noch denken kann. Bitte, ich flehe dich an, erinnere dich endlich an mich.
Warum hast du alles vergessen?
Warum sehe ich alles noch vor mir, als wäre es gestern gewesen?
Wenn du schon vergisst, warum kann ich dann nicht auch meine Erinnerungen an dich löschen?
Es tut so weh. Wenn ich dir in die Augen sehe, dann erkenne ich dich darin wieder, doch die Augen die mich so verwirrt anblicken, erkennen in mir nichts wieder. Für dich bin ich ein Fremder geworden. Ich bleibe nur an deiner Seite, weil ich weiß das du dich erinnerst.
Irgendwann musst du doch erkennen, wie sehr wir uns geliebt haben. Als ich in deinen Armen lag, da hatte ich alles was ich brauchte. Da war Sicherheit, Wärme und Zuversicht. Du hast mich aus einer Welt gerissen, die so kalt und grausam war, dass ich beinahe für immer den Verstand verloren hätte.
Doch ob Dämon oder nicht, dir war das immer egal gewesen.
Ohne irgendwelche Fragen zu stellen, hast du mich einfach in deine Arme geschlossen und ich wusste, dass ich ein zu Hause gefunden hatte. Endlich war da jemand, der mich so in seine Arme schließen konnte, wie ich eben war. Warum nimmst du mir das alles?
William... bitte irgendwo in dir müssen doch die Erinnerungen an das sein, was wir früher alles erlebt haben. Wie wir zusammen gelebt haben. Wie ich in deinen Armen gelegen habe. Wie konntest du das denn alles vergessen? Am liebsten würde ich dich nehmen und einfach an dir rütteln, damit du zu Verstand kommst. William, quäl mich doch nicht so sehr.
Müde wende ich mich von dir ab, weil ich deine Nähe nicht mehr ertrage. Wie gerne würde ich wieder in deinen Armen legen. William... du musst dich an dein Leben erinnern. An das Leben, das du geführt hast bevor du gestorben bist. Solomon... so haben wir dich früher immer genannt und ich will meinen Solomon wieder haben. Auch wenn man dich jetzt William nennt, weiß ich das deine Seele in ihm schlummert. Hörst du? Ich werde warten bis du geweckt wirst und dann wird alles wieder werden wie früher. Wenn deine Erinnerungen erst wieder da sind, dann wird alles so wie es war.

Seufzend will ich wieder in mein Internatszimmer gehen, doch ich werde von William aufgehalten. Fest sieht er mir in die Augen, was mir wieder das Herz schneller schlagen lässt. Diese leuchtend grünen Augen, aus denen du mich früher immer so sanft angesehen hast. Warum sieht mich William dann so kalt an? Ich begreife das einfach nicht.
Nimm mich doch endlich wieder in die Arme, so wie es früher auch war. "Ich weiß ehrlich nicht, was du dir davon erhoffst, Dantalion", knurrt William mich an, seine Hand krallt sich dabei in meinen Oberarm und ich senke meinen Blick. Ihm noch weiter in die Augen zu sehen und dich darin zu erkennen, dass ertrage ich einfach nicht mehr. "Du weißt genau, dass ich deine Stimme haben will. Jetzt wo es um die Wahl des Vertreters von Luzifer geht und du Stimmrecht hast, ist es doch nur logisch das jeder deine Stimme haben will." Eigentlich ist es eine Lüge.
Ich will nicht seine Stimme, die ist mir doch vollkommen egal. Alles was ich will, ist Solomon wieder zu erwecken und ihn wieder zu haben. Früher hat er sich auch immer um mich gekümmert und was dann passiert ist... Es tut mir doch leid.
Ist das deine Art mich zu quälen? Tust du das, weil du mir weh tun willst? Dabei war es doch deine Idee und nicht meine. Du hast mich darum gebeten und jeden Tag leide ich unter den Erinnerungen daran. Aber du? Du versteckst dich in dem Körper eines Jungen, wirst widergeboren und verschließt dich einfach vor allem was ich für dich getan habe und was wir erlebt haben.
William schnaubt und lässt mich dann los. "Immer wieder redest du von dieser Wahl. Und von diesem Solomon, dessen Widergeburt ich sein soll. Aber was wenn ihr euch täuscht? Wenn ich das gar nicht bin und ihr in mir den vollkommen Falschen seht? Dantalion... woher willst du wissen, dass ich dieser Solomon bin? Das ich sein Blut in mir trage?"
Wenn William nur wüsste wie ähnlich er dir ist. Nicht nur, dass er aussieht als wäre er dir aus dem Gesicht geschnitten, nein er ist genauso stur wie du. In wie vielen Leben habe ich dich bisher schon getroffen? Vom sturen Jungen bis zum liebevollen Erwachsenen, haben wir beide alles zusammen erlebt. Aber das hier ist bei weitem eine Herausforderung, das muss ich dir lassen.
Willst du dich verstecken? Ich möchte dich verstehen, Solomon. Begreifst du nicht, wie sehr du mir fehlst? Und nicht nur mir. Sieh dich doch um. Wir alle suchen nach dir, warten auf dich und du?

"Ich weiß das du der Richtige bist", flüstere ich leise. Meine Gefühle überkommen mich jedes Mal, wenn er mich so ansieht. Es ist als würdest du mich ansehen und mir sagen wollen, dass es dir leid tut. "Ich spüre es. Du bist von seinem Blut. Er lebt in dir und du musst dich doch nur erinnern. Bitte... Erinnere dich endlich. Ich werde nicht eher gehen, bis du dich nicht erinnerst."
Sanft rüttele ich an dem Jungen der vor mir steht.
Auf der einen Seite so vertraut, so fremd auf der anderen.
Benommen lasse ich William los, denn er weiß nicht wie nahe wir uns waren. Hast du nur mit mir gespielt? Was lief zwischen Sitri und dir? Zwischen Camio und dir? Ich weiß es nicht und es war mir immer egal. Doch wenn ich ihre sehnsüchtigen Blicke bemerke, dann sehe ich die gleiche Sehnsucht, die ich auch in mir spüre. Diese Leere die dein Tod in  uns allen hinterlassen hat.
Und ich bin schuld.
Ich weiß, du hast mich angefleht es zu tun, aber ich bereue es so sehr. Solomon, wie konntest du mir das aufbürden? Warum hast du das getan? Ich habe immer gedacht, wir würden uns lieben.

William reißt sich von mir los, bockt herum wie immer. Es ist so schwer für mich zu tun als wäre er ein Fremder für mich. "Du bist ein Sturkopf", flüstere ich leise. Sanft lege ich meine Hand auf seine Wange und sehe ihn einfach nur liebevoll an. "Dabei weißt du genau, dass es nichts bringt wenn du mir das ausreden willst. Ich will einfach nur deine Stimme und ich werde dich immer beschützen. Mehr will ich doch gar nicht. Ich will dich nur beschützen. Lass mich nur in deiner Nähe sein", flehe ich ihn beinahe an.
Das ist so erniedrigend für einen Dämon wie mich. Ich habe einen hohen Stand in der Hölle und krieche vor einem Mensch im Staub, nur weil du mich dazu bringst. Weil er aussieht wie du. Weil du es bist und dich nicht zeigen willst. Lieber ärgerst du mich und die anderen, weil du dich in seinem Körper verkriechst und so tust als wärst du nicht da. Oder macht dir das Spaß? Magst du es, den unbedarften Jungen zu spielen? Nochmal ein Leben anzufangen, ohne die ganzen Erinnerungen und ohne Voreingenommen zu sein?
Seufzend nehme ich meine Hand von Williams Wange und wende mich dann von ihm ab. Ich ertrage seine Nähe nicht, aber er will mich einfach nicht gehen lassen. Wütend krallt er sich wieder in meinen Oberarm und hält mich davon ab, zu gehen. Wenn der Junge wüsste mit wem er sich anlegt. Er weiß das ich ein Dämon bin, aber ernst nimmt er mich deswegen trotzdem nicht.
Schweigend bleibe ich stehen, weil ich nicht weiß was er von mir will. "Du kannst doch nicht einfach gehen", flüstert er leise. "Immer wieder lässt du mich stehen. Vorher bringst du mich durcheinander und dann bist du auf einmal total kalt und wendest dich von mir ab. Was soll das denn nur? Ich will das nicht mehr. Du kannst mich nicht einfach so im Regen stehen lassen. Immer wendest du dich von mir ab, immer dann wenn es mal ernster wird." Seine Worte treffen mich. Wenn William wüsste was ich damals für dich empfunden habe. Wie schnell mein Herz schlug, wenn ich in deinen grünen Augen versunken bin. Ich habe mich so gerne in deine Arme fallen lassen und was bleibt jetzt?
Ich stehe vor einem Jungen der keine Ahnung von meinen Gefühlen hat und auch noch darauf herum trampelt. Als wäre das aber noch nicht genug, macht William einfach weiter. "Du regst mich auf, Dantalion", flüstert er leise. "Genau wie die anderen auch. Sitri, Camio und auch du. Ihr alle wollt jemanden in mir sehen, der ich gar nicht bin. Ihr sucht alle nur nach diesem Solomon. Was mit mir ist, das ist euch doch eigentlich vollkommen egal. Und du bist der Schlimmste von allen. Auf der einen Seite bringst du mich durcheinander und wenn ich endlich begreifen will was da los ist, dann ziehst du dich wieder zurück. Findest du dein Verhalten mir gegenüber wirklich fair?"

Natürlich verhalte ich mich nicht fair. Irgendwie erwarte ich doch von ihm, dass Solomon zurück kehrt und das sich William an alles erinnert. Schweigend zucke ich mit den Schultern, weil ich nicht weiß wie ich jetzt mit ihm umgehen soll. Es tut mir weh und am liebsten würde ich ihn einfach nur in den Arm nehmen. Ohne noch zu überlegen, schlinge ich meine Arme um William herum und drücke ihn an meine Brust. "Es tut mir leid, aber kannst du nicht verstehen wie ich mich fühle?", flüstere ich leise und streiche über seinen Rücken. Der kleine Junge hier in meinen Armen ist so zerbrechlich.
Er ist so anders als Solomon. Wenn ich in deinen Armen gelegen habe, dann warst du der Warme, der Starke der mir durch die Haare gestreichelt hat um mich zu beruhigen. Es reichte ein Wort von dir und ich wurde wieder ruhiger. Das ist auch bei  William so, auch wenn das eher unbeabsichtigt ist.
Ich muss lächeln und streiche sanft durch seine blonden Haare. Es fühlt sich gut an ihn so an mich drücken zu können. Und auch der kleine Raufbold wird ruhiger. "Für mich ist das alles auch nicht einfach", flüstere ich dann leise. "Du weißt wie nahe Solomon und ich uns gestanden haben und du bist nun mal sein Ebenbild. Ich weiß manchmal nicht wie ich mit dir umgehen soll. Auf der einen Seite möchte ich immer mit dir zusammen sein, aber wenn ich dich so an meiner Seite habe, muss ich auch immer an Solomon denken. Wenn die Erinnerungen in mir hoch kommen..." Ich breche ab, weil ich nicht weiter darüber reden kann und will. Solomon... du warst der Mann den ich über alles geliebt habe und ich wollte immer an deiner Seite sein. Als du mich darum gebeten hast dich zu töten, da ist mir eiskalt geworden. Am Anfang konnte und wollte ich das nicht tun, doch dann hast du mich überzeugt. Müde schließe ich meine Augen. Ich bin so erschöpft weil ich nach dir suche und weil ich mir wünsche, dass endlich alles so wird wie früher. Warum quälst du mich nur so?

Noch während ich darüber nachdenke, spüre ich wie William sich in meinen Armen verkrampft. Er will sich weg drücken, krallt sich aber im gleichen Augenblick in mein Hemd. "Du bist so ein Idiot. Ich schütte dir hier mein Herz aus und du denkst wieder nur an diesen Solomon. Siehst du denn wirklich nur ihn in mir? Ich bin aber nicht er... ich bin William und wie ich mich fühle, dass merkst du nicht einmal. Dabei habe ich auch Gefühle und die wollen auch wahr genommen werden. Warum ignorierst du mich einfach so? Das kann doch nicht dein Ernst sein. Immer redest du nur von diesem Solomon, bedeute ich dir denn gar nichts?" Seine Stimme zittert, was mich total aus den Gedanken  reißt. Perplex sehe ich ihn an. Bisher hat William doch nicht einmal an meine Existenz glauben wollen, also warum kommt er mir jetzt so? Diesen Jungen soll mal jemand verstehen.
William lehnt sich erschöpft an mich und schließt seine wunderschönen Augen. Sanft streiche ich wieder durch seine Haare und begreife langsam, dass ich wirklich Fehler gemacht habe. Auf meiner Suche nach dir, habe ich ihn vollkommen aus den Augen verloren, obwohl er doch genauso wichtig ist und so zerbrechlich. Er ist doch noch ein halbes Kind. "Es tut mir leid", flüstere ich leise und drücke ihn an mich. Warum bringt er mich nur so aus der Fassung?

Da ist es wieder.
Dieses Gefühl als würde ich den Boden unter den Füßen verlieren. Und das nur weil ich mich jetzt an ihn schmiegen kann und seine Nähe spüre. Ja... seine und nicht deine. Du willst dich ja noch nicht zeigen, aber er sucht nach meiner Aufmerksamkeit. Warum sollte er das ohne Grund tun? Jemand wie er, der nicht an Dämonen glauben will und der mich eigentlich nur beschimpft.
Lächelnd nehme ich das zarte Gesicht in meine Hände und sehe ihn sanft an. "William? Du musst mit mir schon über deine Gefühle reden. Bisher hast du mich doch immer nur angeschrien, da dachte ich, dass ich dir lieber aus dem Weg gehe. Eigentlich nerve ich dich doch nur, oder nicht?"
Benommen sieht er mich an, schüttelt dann aber den Kopf. "Unsinn", murmelt er leise. "Ich bin doch nur wütend auf dich, weil du immer nur von Solomon redest. Mich nimmst du doch gar nicht wahr und das obwohl du mir so wichtig bist. Ich will nicht im Schatten eines Mannes stehen oder immer nur deine Erinnerungen wecken. Du sollst mit deinen Gedanken auch mal bei mir sein und nicht bei einem anderen Mann, das will ich nicht. Was ist denn an ihm so viel besser als an mir?"
Im Grunde ist an dir nichts  besser als an ihm. Weil du doch in ihm lebst. Du schlummerst in ihm und die Erinnerungen müssen nur noch geweckt werden. Aber will ich das? William würde es verändern, denn er wäre nicht mehr der Junge den ich jetzt in den Armen halte. "An ihm ist nichts Besser als an dir", flüstere ich dann leise, während ich mich gar nicht von seinen Haaren  lösen kann.

Der Junge drückt sich enger an mich, schließt dann aber seine Augen. "Warum nimmst du dann nicht mich, Dantalion? Ich liebe dich, aber du bemerkst das einfach nicht. Du siehst immer nur Solomon und ignorierst meine Gefühle total. Können wir beide nicht für immer zusammen sein? Ich möchte auch einen Platz in deinem Herzen haben, aber als der, der ich bin", flüstert der Blondschopf und zittert dabei am ganzen Körper. Sanft lege ich meine Hand unter sein Kinn, damit er mich ansieht. Ich wollte immer das er sich erinnert. Bis vor ein paar Minuten wollte ich nur dich zurück.
Verzeih mir Solomon...
Bitte verzeih mir.
Sanft lege ich meine Lippen auf die des jungen Engländers, der sich mir zum ersten Mal so sehr öffnet. Vergib mir Solomon, aber bleib noch ein wenig verschwunden. Bleib noch länger dieser Junge, den ich jetzt im Arm habe. Du genießt es doch auch, oder nicht?
Du wärst doch längst wieder da, wenn du es nicht genießen würdest noch einmal von vorne anzufangen. Ich weiß das deine Kindheit nie leicht war. Machst du das deswegen? Willst du noch einmal Kind sein können?

Vergib mir...
Aber bitte, erinnere dich nicht... nicht so schnell...