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Lone Ranger – Zwei Gesichter

GeschichteAbenteuer / P12 / Gen
03.09.2013
10.01.2014
9
10.097
 
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Dieses Kapitel
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03.09.2013 926
 
Gefangen in einem Albtraum


Ich erwachte in der Nacht in der Wüste. Der kühle Sand unter mir brachte mich zum Zittern, doch zum Glück wärmte mich die kleine Decke über mir, die sonst dem großen Mann gehörte, der auf mich aufgepasst hatte als ich meine Kleidung wechseln musste. Er lag ein paar Männer weiter und ich sah, dass er fror, also nahm ich die Decke und legte sie zurück über ihn. Er gehörte nicht in diese Gruppe, das wusste ich. Nach außen hin wirkte er hart und gefühlskalt wie die anderen, doch er war sensibel und hatte ein Herz, nicht so wie der Rest hier.
Auf einmal hörte ich ein Ausschnauben eines Pferdes, doch nicht aus der Richtung wo die Pferde der Bande standen. Es kam aus nördlicher Richtung und dort stand ein prachtvolles Pferd in der Wüste. Schwarz wie die Nacht mit einer langen, seidigen Mähne, die sich in dem leichten Wind wiegte.
„Amigo“, flüsterte ich.
Auf leisen Füßen und Hufen liefen wir aufeinander zu und schmissen uns in den Sand.
Ich drückte mein Gesicht gegen seines während mir eine Träne die Wange hinunterlief.
„Du lebst“, sagte ich leise, „ich hatte Angst das Feuer hätte sich im Stall ausgebreitet.“
„Wie hast du mich nur gefunden?“, fragte ich und blickte ihm in die dunklen, runden Augen.
„Ach ist ja auch egal, Hauptsache du bist hier.“
Da wurde mir klar, dass er wieder gehen musste.
„Ich muss hier bleiben, mein Freund“, meinte ich traurig, „sie geben sonst das Signal zum Angriff.“
Er schnaubte leise.
„Du musst zurückreiten und John finden, ich muss ihm erzählen, dass Butch’s Männer im Keller des Palastes warten.“
Amigo wieherte und stand auf.
„Lauf Amigo“, sprach ich.
Daraufhin drehte er sich um und lief davon.
Als ich einen Ruf hinter mir hörte blieb mir die Spucke im Hals stecken.
Ich drehte mich um wo der kleine Mann, oder wie ich ihn lieber nannte der Wicht, die anderen weckt und alle begonnen in ihren Sachen zu kramen.
„Amigo lauf!“, schrie ich verzweifelt.
Doch dann hörte ich einen lauten Schuss hinter mir.
Ich drehte mich um und blickte wieder nach vorne und sah nur wie Amigos Bein zusammenknickte und er zu Boden fiel.
„Nein“, schluchzte ich
Ich stand auf und rannte ihm hinterher, wobei ich von einigen Männern überholt wurde, die sich dann über den Hengst beugten.
Auch Butch lief an mir vorbei und mit ihm fast die ganze Gruppe.
Bei Amigo angekommen, drängte ich mich zwischen den Männern durch, die sich laut unterhielten oder eher grölten.
Butch stand nur an der Seite mit verschränkten Armen und beobachtete  das Pferd genau. Er beobachtete MEIN Pferd.
Die Männer drängelten und ließen mich kaum durch, da begann ich sie zur Seite zu schubsen. Immer weiter und weiter kämpfte ich mich nach vorne vor, bis ich direkt vor dem Pferd stand.
Der Wicht fasste Amigo an die Wunde im Bein, worauf er anfing laut zu wiehern. Die Wut kam in mir hoch als seine Klagelaute immer lauter wurden.
„Hey“, tippte ich dem Mann auf die Schulter.
Als er sich zu mir umdrehte holte ich aus und schlug ihm mit meiner Faust in sein verzerrtes Gesicht. Er fiel zu Boden und die Stimmen der anderen verstummten.
„Das“, sagte ich, „ist ein Lebewesen!“
Darauf folgte Gelächter.
Entgeistert blickte ich die Männer an. Sie zerrten an mir und schubsten mich aus dem Kreis hinaus. Ich landete mit meinem Hintern im Sand. Ich konnte nichts mehr tun.
Geknickt ging ich zurück zu dem Platz, wo ich gelegen hatte und setzte mich dort auf einen Stein.
Hinter mir hörte ich Fußstapfen jemand war mir gefolgt. Aufgrund meiner Fähigkeiten, die ich mir antrainiert hatte, konnte ich Leute anhand ihres Schrittes erkennen, und dieser war kaum nicht zu erkennen.
Butch setzte sich neben mich auf den Stein und blickte hinaus auf die karge Wüste.
„Du hast das nicht getan, weil dieses Pferd ein Lebewesen ist“, sagte er kühl.
„Was weißt du schon“, erwiderte ich, „du hast weder Herz, noch Gefühle.“
„Sage so etwas nicht“, sprach er, „ich habe sie geliebt.“
„Wen?“
„Eine ganz besondere Frau.“
Ich war überrascht, dass seine Aussage so wahr klang, als würde sie wirklich aus seinem Herzen kommen.
„Was verbindet dich mit diesem Pferd?“, fragte er und ich bemerkte das aufgesetzte Mitgefühl.
„Ich werde dir nicht sagen, wer sein Reiter ist“, stellte ich klar.
Er atmete verärgert aus.
„Er soll nur das kriegen, was er verdient“, krächzte er.
„Den Tod?“, fragte ich und blickte den Gauner mit leerem Blick an.
„Meine Rache“, sagte er, „und dann den Tod.“
Ich nickte.
„Ich wusste es“, wiederholte ich mich, „du bist genau der, für den dich alle halten!“
Ich stand auf, doch er hielt mich am Arm zurück während er sich ebenfalls erhob.
„Ich habe den Tauschvorschlag gestern Abend abgeschickt“, redete er erklärend.
Ich verengte die Augen. „Was stand in dem Brief?“
„Dein Vater soll seinen Posten an mich abtreten.“
„Das wird er nicht tun“, meinte ich.
„Ein Vater tut alles für das Leben seiner Tochter“, sagte er gehässig.
„Du hinterlistiges Ding von Mann“, fluchte ich.
„Wenn dies nächste Woche über die Bühne geht, werde ich auf schnellstem Weg heiraten“, erläuterte Butch.
Ich schaute ihn verwirrt an.
„Am 1.Mai werde ich mit meiner Frau gemeinsam regieren“, legte er fest und zog seine Mundwinkel nach oben.
Der 1.Mai. Mein 18.Geburtstag.  

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Hallo meine Leser :)
Ich habe mich beim letzten Kapitel sehr über eure lieben Reviews gefreut und hoffe diese wieder zu erhalten :)
Das Kapitel ist etwas kürzer, aber ich hoffe trotzdem auf gespanntes Lesen.
Viel Spaß ;)

Lg Skyscraper 98 ♥
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