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Lone Ranger – Zwei Gesichter

GeschichteAbenteuer / P12 / Gen
03.09.2013
10.01.2014
9
10.097
 
Alle Kapitel
17 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
03.09.2013 1.818
 
Hey :)
Hier ist das neue Kapitel, dieses Mal etwas länger als ich sonst so schreibe und ich hoffe euch gefällt es und es ist spannend zu lesen ;)
Ich weiß aus Erfahrung, dass der Großteil der Leser keine Reviews hinterlassen, aber bitte schreibt mir doch welche. Ich freu mich über jedes einzelne und so kann ich die Geschichte für euch alle verbessern :)
Bis zum nächsten Mal ;)
Lg Skyscraper 98 ♥
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Wenn böse Vorahnungen Realität werden


„Mira, Sie müssen jetzt schlafen gehen“, sagte Anne zu mir.
„Ich werde das Licht schon selber ausmachen, gehen Sie nur“, antwortete ich gelassen und sie tat was ich sah nach einer kurzen Verneigung.
Ich hatte bis gerade in meinem Buch gelesen.
Nun ja, es gab nicht viel zu lesen. Es war schließlich ein Kinderbuch und den größten Teil der Seite nahmen die Bilder ein, die Bilder von den Rangern, frei und ungezähmt in der Wüste, auf der Suche nach Gerechtigkeit.
Ich legte das Buch auf meinen Nachtisch und stand aus dem Bett auf. Ich trug ein rosafarbenes Schlafgewand, was bis zum Boden reichte und hatte meine Haare zu einem langen Zopf geflochten. Das einzige, was ich noch an mir trug war das Medaillon meiner Mutter.
Seit dem Tag als sie von uns gegangen ist hatte ich es nicht mehr ausgezogen. Das Bild im Inneren des Schmuckstücks, von unserer kleinen Familie erinnerte mich immer an die schönen Zeiten von damals, doch auch an diesen Tag, der mein Leben für immer verändert hatte.
Es war der Tag vor meinem sechsten Geburtstag. Meine Mutter hatte mir bereits angekündigt das ultimative Geschenk für mich zu haben, und da hatte sie mit Amigo ja auch Recht gehabt.
An diesem Tag ist meine Mutter ausgeritten, sie meinte sie hätte einen dringenden Auftrag zu erledigen gehabt für die Hochzeit von ihr und meinem Vater. Der ganze Palast hatte sich gefreut wie ein Honigkuchenpferd, dass es nun endlich so weit war und der Hochzeit nichts mehr im Wege stand. Zumindest dachten das alle.
Die Zeit verging und die Uhr schlug zehn. Mitternacht ging vorüber und der nächste Tag brach an.
Wir saßen am Frühstückstisch, mein Vater und ich. Er spielte nervös mit seiner Gabel herum, schenkte mir keinen einzigen Blick.
Er hatte am letzten Abend bereits einen Suchtrupp losgeschickt gehabt, der nun wieder eingetroffen war. Sein engster Vertrauter kam schleichend und stumm zugleich in den Saal. Er ging hinüber an die andere Seite des Tisches zu meinem Vater und berichtet leise, was sie gefunden haben.
In dem Moment blickte mein Vater nach oben. Blickte mit weit aufgerissenen, trauererfüllten Augen zu mir und ich hörte wie die Gabel zu Boden fiel und ihr klirrendes Geräusch beim Aufprall im Raum schallte.
In dem Moment wusste ich: Sie war tot.
Mein Geburtstag am nächsten Tag war nie das gleiche gewesen wie die Jahre davor. Ich war immer erfreut gewesen über das Lachen meiner Mutter, wenn sie mir etwas Gutes tun konnte. Ihre strahlend weißen Zähne und ihre funkelnden blauen Augen wenn ihr Gesicht strahlte und die braunen Locken, die ihr nach vorne fielen.
Meine Mutter war eine wunderschöne Frau gewesen und hatte das größte Herz, was man hätte haben können. Das Volk hat sie geliebt, der Palast hat sie geliebt, wie hätte ihr jemand etwas antun können?
Ich nahm mir die große, schlanke Kerze, die auf einer schneeweißen Kommode stand und eine Streichholzschachtel.
Dann stellte ich mich an das Fenster, das nicht zum Hof ausgerichtet war, sondern an das kleine Nebenfenster. Dort war es ruhig und friedlich und man konnte sowohl das Dorf in der Nacht sehen, als auch die anderen Räume des Palastes, wo noch helles Licht zu sehen war.
Ich stellte die Kerze auf die Fensterbank und entzündete eine kleine, tiefgelbe Flamme.
Jede Nacht stellte ich diese Kerze hier hin, nur um meiner Mutter zu zeigen, dass sie nicht in Vergessenheit gerät, damit sie ein Licht hat, der ihr den Weg leuchtet.
Ich wusste mein Vater zündete ebenso jeden Abend ein Teelicht an, doch da mein Zimmer oben im Turm war und das meines Vaters direkt unter mir konnte ich das nicht sehen.
Ich spürte nur die Wärme der Flamme direkt vor mir und blickte verträumt hinunter. Doch dann blieb mein Blick hängen.
Nämlich an dem Mann der aus unserem Gästezimmer schaute. Ich wusste es war John Ried, doch ich konnte diese Erkenntnis nicht ganz wahrnehmen, da ich ihn nun das erste Mal ohne Maske sah. Den ganzen Tag hatte er mich begleitet, hatte bei jeder Kleinigkeit die Ohren gespitzt und genau hingeschaut. Ich konnte von Glück schätzen, dass ich heute nicht ausreiten musste, ich wette er wäre mitgekommen.
Ich beobachtete ihn lange Zeit, wie er traurig in Richtung Dorf blickte. Ohne die Maske konnte ich erst erkennen, dass er eigentlich ein sehr attraktiver Mann war. Doch ich fragte mich was ihn so bedrückte?
Ich konnte verstehen, dass die Nachricht des Boten heute Abend sehr traurig war, alle hatten die Vorahnung gehabt, dass Butch das Dorf am Fluss überfallen würde, doch keiner hat diese Vorahnung irgendwie ernst genommen.
Hatte John irgendwas mit diesem Ort zu tun gehabt?
Eine weitere Stunde verging, wo er nur nach draußen sah und ich nur ihn beobachtete, während ich die Wärme des Feuers genoss. Es war November und mittlerweile ziemlich kalt draußen geworden, jeder war froh über die bisschen Wärme, die er kriegen konnte.
Ich fragte mich, was ich eigentlich hier tat. Wieso beobachtete ich diesen Mann?
Als noch weitere Minuten verging und es schon nach Mitternacht war, war ich kurz davor vor dem Fenster einzuschlafen, doch etwas hielt mich wach.
Es war ein Geräusch in der Ferne, welches ich nur zu gut kannte. Ich hörte wie die Pferde über den harten Boden mit ihren Hufen galoppierten und erschrak über die Erkenntnis wie viele es waren und noch viel mehr, dass sie immer näher kamen.
John Reid nahm die große Mannschaft in der Ferne nun auch wahr und blickte erschrocken hinauf zu mir.
Unsere Augen kreuzten sich nun das erste Mal ohne dass er eine Maske trug und ohne, dass er sich irgendwie verstellen musste.
Dann ertönte plötzlich ein Schuss und wir beide zuckten zusammen. John verließ augenblicklich das Fenster.
Ich rannte zu dem Hauptfenster des Turmes, wo ich alles überblicken konnte.
Die vielen Reiter auf ihren Pferden stürmten durch das Haupttor in den Hof. Sie hatten teilweise Wagen dabei, wo mir der Inhalt allerdings verborgen blieb.
Unsere Leute schwärmten aus und verteilten sich auf der Mauer. Sie schossen und schossen, doch es waren einfach zu viele.
Welche Frage mir nun die ganze Zeit durch den Kopf ging: War das ein Angriff von Butch?
Die Eindringlinge drangen immer weiter vor und stürmten schließlich in den Palast.
Als die Tür hinter mir plötzlich aufging erschrak ich mich.
„Keine Sorge, Madame“, sagte John als er hineinplatzte.
„Sie wissen schon, dass ich in einem dünnen Schlafgewand vor ihnen stehe“, gab ich zu Bedenken.
„Ich kann gerne mit den Männern dort unten tauschen“, sprach er.
Ich warf einen Blick nach unten zu den ungewaschenen, ungepflegten Trollen, die unser Zuhause angriffen.
„Es ist alles bestens“, erwiderte ich dann und ein Grinsen zeigte sich auf dem Mund des nun wieder maskierten Mannes.
„Was ist mit meinem Vater?“, fragte ich dann, „ihr solltet lieber auf ihn aufpassen, er ist der mit der Macht.“
„Tonto ist bei ihm“, antwortete John, auch wenn er genau wusste, dass ich davon nicht überzeugt sein würde.
„Wie auch immer Ihr seid eurem Vater wichtiger als sein eigenes Leben“, verriet er, „er hat mich nach oben geschickt.“
„Aber wie sollen wir hier raus kommen?“, fragte ich dann energisch, weil ich wusste die Männer durchliefen gerade den ganzen Palast.
Er blickte nur starr hinter mich und nickt leicht in die Richtung.
Ich drehte mich wieder um zu dem Fenster als mir klar wurde was er meinte.
„Und Sie sind sich sicher, dass Sie sich das trauen?“, fragte ich frech.
„Hey, es geht um Sie nicht um mich, Ich muss Sie…“
Er wurde unterbrochen als die Tür aufschlug und drei Männer hineinplatzten.
Ein Parfum auf meinem Tisch fiel zu Boden und zerbrach, doch das hielt sie natürlich nicht auf.
„Da ist das Mädchen!“, sprach der eine Mann aus.
Es war der kleine Mann aus der Scheune, der mich als Junge ausgelacht hatte. Das hieß Butch war ebenso hier.
Sie liefen auf mich zu und John stellte sich zwischen uns.
Er versuchte zwei gleichzeitig zu halten, doch einer konnte an ihm vorbei und packte mich grob am Arm und begann an mir zu ziehen.
„Jetzt stell dich nicht so an“, jammerte er.
„Ich kann auch nichts dafür dass du so schwach bist“, keifte ich.
„Frech und schön zugleich, das liebe ich an Frauen“, redete er.
Die Wut brodelte in mir, worauf ich mein Bein nach oben schwang und ihm von unten gegen das Kinn trat.
„Kunstturnen“, meinte ich“, äußerst nützlich.
Auf einmal hörte ich nur noch wie John laut aufstöhnte und mit zusammengekrümmtem Körper zu Boden glitt.
Empört schaute ich die beiden Männer an.
„Was seid ihr denn für Männer?!“, schrie ich.
„Wir wollen nur unser Ziel erreichen“, antwortete ein großer, muskulöser Kerl mit gelben Zähnen während die beiden auf mich zuschritten.
„Mira“, sagte John mit qualvoller Stimme vom Boden aus während er sich die Hände in den Schritt hielt, „das Fenster…!“
Die Männer schauten sich verwirrt an, doch ich drehte mich sofort um und hievte mich mit den Armen nach oben.
„Nein stopp, haltet sie auf!“, rief der eine, doch ich sprang ohne ein Anzeichen von Angst. Angst ist mir noch nie so oft über den Weg gelaufen.
Mit einem lauten Stöhnen prallte ich auf dem dünnen Heu, was unten lag auf.
Ich drückte mich mit den Armen nach oben und schaute über den Hof. Überall tote Untertanen, Feuer und tote Pferde.
„Amigo?“, fragte ich leise, immer noch geschwächt von dem Aufprall.
Doch dann sah ich etwas durch die Luft fliegen. Ein kleines, klitzekleines Streichholz.
Dann fiel mir wieder ein, dass ich auf Heu lag. Blitzschnell stand ich auf während ich durch einen Sprung von dem feuerfangenden Material flüchtete.
Erneut landete ich auf dem Boden. Mit meinen Ellenbogen auf dem harten Stein.
Erschöpft blieb ich dort liegen. Ich versuchte immer wieder aufzustehen, doch meine Kräfte mussten sich erst wieder regenerieren.
Ich sah wie zwei Stiefel auf dem Boden vor mein Gesicht traten.
„John?“, fragte ich hustend.
Ich spürte wie zwei Arme unter mich griffen und mich hochhoben.
Scheinbar war es vorbei, alles war überstanden.
Doch als ich dann in das mit Dreck überdeckte Gesicht des Mannes, welcher mich auch noch in seinen Armen hielt, fühlte ich wie mein Herz pochte.
„Butch“, spuckte ich ihm ins Gesicht, „lass mich sofort wieder runter du Dreckssack!“
„Ich glaube du brauchst ein wenig Schlaf“, sagte er entspannt.
Er hielt ein Tuch vor meinen Mund und obwohl ich mich versuchte zu werden wurde ich immer müder, bis mir schwarz vor Augen wurde.
Das letzte was ich gesehen hatte war sein Lächeln gewesen, schadenfroh und verzerrt wie immer.
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