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Lone Ranger – Zwei Gesichter

GeschichteAbenteuer / P12 / Gen
03.09.2013
10.01.2014
9
10.097
 
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03.09.2013 1.622
 
Ich wollte helfen, doch ich konnte nicht


Mit den Zügeln in meiner Hand führte ich die beiden Pferde in den Stall. Eines war braun und ein Stück kleiner als das große weiße Pferd. Es sah sehr prachtvoll aus und ich musste zugeben ich hätte es gern einmal geritten, doch das wäre sehr unhöflich also ließ ich es bleiben. Vorerst.
Ich brachte sie nach ganz hinten durch, wo noch zwei Boxen frei waren. Ich gab ihnen noch schnell was zu essen als ich warmen Atem in meinem Nacken spürte.
Ich drehte mich um und blickte in die treuen Augen meines Pferdes.
Mit einem Lächeln strich ich ihm liebevoll über die Nüstern. Ich wusste noch als ich ihn bekommen hatte. Meine Mutter hatte ihn aus Spanien geholt als er noch ein kleines Fohlen gewesen war und ihn mir zu meinem sechsten Geburtstag geschenkt. Ich wusste noch wie ich gefragt hatte, wie sein Name lautet und sie hatte nur gesagt „corazon de oro“, was so viel heißt wie „Treue Seele“. Doch der Name war mir damals zu lang gewesen, also trug er seitdem den Spitznamen „amigo“.
Ich begann ihn zu striegeln als der Stallbursche hinein kam. Er war ein Freund von mir und meinem besten Freund Christoph und ich hatte ihn über die viele Zeit, die ich hier verbrachte genau kennengelernt. Er wusste so ziemlich alles über mich. Alles.
„Was machst du denn schon wieder hier?“, fragte er grinsend, „du warst doch heute schon ausreiten.“
„Ich habe nur die Pferde der Gäste untergebracht“, erwiderte ich ruhig.
„Lass mal sehen“, meinte er und hüpfte um die Ecke, „wow, das ist mal ein Pferd.“
Ich blickte über Amigo hin drüber um zu schauen welches er meinte und ahnte eigentlich schon, dass er vor dem weißen stand.
„Ja, ich finde auch es sieht sehr prachtvoll aus“, sagte ich dann mit einem Lächeln.
Ich beobachtete die Miene von Robin als er seinen Kopf senkte und scheinbar in Gedanken viel.
„Was ist los?“, fragte ich leicht besorgt.
„Als ich auf dem Markt war wurde mir die Nachricht überbracht, dass Butch einen Angriff auf das Dorf am Fluss plant“, antwortete er mir mit leiser Stimme.
Entsetzen zeigte sich auf meinem Gesicht. „Wieso erzählst du mir das erst jetzt?!“, fragte ich energisch.
Ich beendete sofort das Striegeln und lief in den kleinen Nebenraum zu einem Schrank. Ich zog alles was ich an mir hatte bis auf die Unterwäsche aus und stopfte es in den kleinen Schrank. Stattdessen zog ich mir ein weites Oberteil und eine enganliegende Reithose an. Die Sachen waren dunkel, dreckig, und gehörten Männern.
Es war gut, dass meine Haare schon hochgesteckt waren, sodass ich nur den schwarzen Hut noch aufsetzen musste.
Ich rannte zurück zu der Box und holte Amigo raus.
„Willst du nicht einen Sattel?“, sagte Robin schnell.
„Nein, dafür ist keine Zeit“, merkte ich an, „es kann jetzt schon zu spät sein, wie konntest du mir das nur verschweigen?!“
„Ich dachte vielleicht ist es nur ein Gerücht!“, rief er.
Mit einem Hieb setzte ich mich auf Amigo und nahm das Zaumzeug in beide Hände.
„Und was wenn nicht?“, fragte ich ernst und trieb das Pferd dann zum Antritt, während ich noch ein letztes Mal meinen Blick auf den Jungen richtete.
Im leichten Galopp bewegte ich mich über den Hof und aus dem Palastgelände hinaus.
Niemand erkannte mich. Ich trug Männersachen und das Hemd war weit genug, um weibliche Kurven zu vertuschen. Mein Gesicht schützte der Hut so gut es ging.
Sobald ich ein paar Meter entfernt war bedeutete ich Amigo Vollgas zu geben. Amigo, war das schnellste Pferd was ich, und so ziemlich jeder andere je gesehen hatte. Ich wusste nicht ob es an seinen spanischen Wurzeln lag oder einfach nur weil das Band zwischen uns perfekt war, doch ich wusste er würde mich nicht hängen lassen. Denn wir waren ein Team, wir waren eins.
Ich habe jahrelang trainiert. Ich hatte Reittraining wie niemand anderes zuvor, habe Teile des Fechtens gelernt und konnte Englisch, Französisch und Spanisch sprechen.
Doch was für mich eigentlich viel wichtiger war, war das, was ich mir selber angeeignet habe. Ich habe mit Christoph die Kunst des Degens bis aufs Feinste erlernt und habe mir beigebracht mit einer Pistole genau zu zielen. Und das wichtigste: Ich habe mir beigebracht meinem Pferd zu vertrauen und Amigo beigebracht mir zu vertrauen. Denn ein Ranger ist nichts ohne sein Pferd.
Okay, ich war kein wirklicher Ranger, denn Mädchen durften seit ein paar Jahren keine Ranger mehr sein, doch es war einfach mein größter Wunsch.
Als wir dem Fluss näher kamen merkte ich wie der beißende Gestank mir in die Nase stieg: Rauch.
„Los Amigo, wir dürfen nicht zu spät kommen“, flüsterte ich mit zusammengebissenen Zähnen und drosselte das Tempo nicht.
Ich sah das Feuer am Horizont auflodern. Die Zeit bis zum Dorf schienen keine Sekunden, sondern Minuten zu sein, Stunden, Tage, Wochen, Jahre, ein Leben lang.
Bald hatte ich das erste Haus erreicht, woraus ich Schüsse hörte und danach nur noch beißende Stille. Vor dem Haus daneben lag ein Mann mit einem kleinen Mädchen in den Armen, tot und voller Blut. In dem nächsten waren die Fenster eingeschlagen und ich sah wie die Frau hindurchschimmerte. Auf gehangen, an einem Strick mit einer Wunde am Bauch.
Ich setzte vom Pferd ab und blickte mich um. Wie konnte jemand nur so etwas tun? Alles lag in Schutt und Asche, die Häuser waren zerstört, das Leben in diesem Dorf ausgelöscht.
Doch dann vernahm ich einen lauten Schrei und zuckte zuerst zusammen doch lief dann in die Richtung aus der dieser gekommen war.
Er führte mich zu einem recht großen Haus in diesem Dorf. Ich stellte mich an das Fenster und blickte hinein.
„Schön dich endlich wiederzusehen, Rebecca“, hörte ich die Stimme, die mich am ganzen Körper erstarren ließ.
„Was willst du noch von mir?“, erkannte ich die Frauenstimme, von der auch der Schrei kam und suchte die Person.
Ich entdeckte die Frau, sie lag auf dem Boden, hockte über einem kleineren, bewegungslosen Körper.
„Du sollst das bekommen, was ich deinem Sohn bereits geschenkt habe“, erwiderte er mit dem schmutzigen Lächeln, wofür er bekannt war.
„Nur zu“, schluchzte sie leise, „ich habe keine Angst.“
„Ach wirklich?“, sprach er und trat ein paar Schritte ins Licht.
„Ich habe keine Angst!“, schrie sie ihm ins Gesicht, worauf ich nur noch einen Knall hörte und sah wie die Frau neben ihren Sohn zu Boden viel.
Erschrocken zog ich die Luft ein, in dem gleichen Moment hörte ich das Geräusch einer Klinge und spürte diese danach leicht an meinem Hals.
„Butch, hier ist jemand“, hörte ich die Stimme hinter mir, leicht verdümmlicht und dunkel.
Er wand seinen Kopf zu uns und bedeutete seinem Mann mit einem Handzeichen zu ihm zu kommen.
Zwei seiner Verbündeten saßen hinter ihm auf einer Bank, nur er stand vorne im Stroh.
„Lass los“, sagte er schlicht zu dem pummeligen Mann, der mir die Klinge an den Hals gehalten hatte.
Als er von mir abließ fasste ich mir an den Hals, ein bisschen Blut trat aus, jedoch nicht tragisch.
„Spionierst du uns nach, Junge?“, fragte Butch neutral.
„Ich bin nur zufällig vorbei gekommen“, sagte ich in dem gleichen Tonfall.
Daraufhin begannen die Männer hinter ihm an zu lachen.
„Sag mal hast du den Stimmbruch unterdrückt oder bist du mit einer Piepse stimme zur Welt gekommen?“, lachte ein kleiner Mann laut.
Weder noch….dachte ich mir, aber ignorierte es. Ich blieb ernst, doch ich bemerkte, dass Butch mich komisch ansah.
Er trat nah an mich heran, sodass ich seinen faulen Atem riechen konnte, als er sprach:
„Willst du dich uns anschließen?“, fragte er, „ich denke das wäre das este für dich“, meinte er mit diesem hinterhältigen Grinsen.
Ich sagte gar nicht und hielt den Kopf gesenkt. Er war so nah an mir, es war unmöglich, dass er das Parfum nicht roch.
„Nimm deinen Hut ab, Junge“, verlangte er.
„Nein“, gab ich klar und deutlich wieder.
„Nein?“, wiederholte er.
„Nein, Amigo“, sagte ich etwas lauter.
Was Butch nicht wusste: Mein Pferd war darauf trainiert zu kommen wenn es seinen Namen hörte.
„Du spielst mit deinem Leben, das weißt du hoffentlich.“
„Natürlich, haben Sie ein Problem damit?“, fragte ich provozierend.
Ich sah wie sich sein Nase verärgert rümpfte. Er trat zurück und befahl seinen Leuten aufzustehen.
„Nehmt ihn mit, wenn er nicht will, dann wird er wohl in der Wüste verenden.“
„Ich gebe dir noch ein bisschen Gedenkzeit“, sagte er zu mir gewandt, zwinkerte mit dem einen Auge und drehte mir dann den Rücken zu.
„Wehe ihr fasst mich an!“, zischte ich.
„Aw, hat das arme Jungchen etwa Angst?“, lachte der eine.
„Ich?“, fragte ich als ich die Hufen von Amigo heranpreschen hörte.
„Keineswegs“, redete ich als im gleichen Moment der schwarze Hengst in das Haus einfiel.
Ich sprang hinauf und drehte sofort um.
„Auf Wiedersehen, Butch“, verabschiedete ich mich höflich, „schön ihre Bekanntschaft gemacht zu haben.“
Ich ritt an den vielen Häusern vorbei.
Ich hörte hinter mir die Schüsse der Männer, doch sie waren bereits zu weit weg und ihre Pferde ebenfalls.
„Man sieht sich nicht nur einmal im Leben!“, hörte ich Butch’s Stimme durch das leere Dorf schallen als ich hinaus ritt.
Sie war wie ein Echo, das in einem leeren Raum verweilte, bis es schließlich nur noch in meinem Kopf weiterhallte.
„Danke mein Freund“, sagte ich und beugte mich hinunter zu Amigo.
Ich war froh wieder nach Hause kehren zu können, doch auch bedrück wegen zweierlei Sachen.
Zum einen, weil ich diese Menschen nicht retten konnte und zum anderen, weil Butch Cavendish wirklich frei war, und zwar scheinbar grausamer und machtgieriger als je zuvor.

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Das war mein zweites Kapitel :)
Ausnahmsweise früher als normal ;)
Ich hoffe ihr habt Spaß beim Lesen und hinterlasst mir ein Review.
Lg Skyscraper 98 ♥
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