Noceur

von blaugrau
GeschichteRomanze, Freundschaft / P18
Ashton Irwin Calum Hood Luke Hemmings Michael Clifford OC (Own Character)
02.09.2013
05.11.2019
20
49.445
14
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Dieses Kapitel
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02.09.2013 3.158
 
Weiblich, gut aussehend, atmend

Ich wachte auf. Angeblich wurde das, was man in der ersten Nacht im neuen Zuhause träumte, wahr. Ich hoffte es nicht, denn mein Traum wandelte von dem Mann, der mich angegriffen hatte und dem, der mir geholfen hatte. Ich fürchtete mich vor beiden, da bestand kein Zweifel.

Nachdem ich mir ein Kleid angezogen hatte, suchte ich aus meinem Schmuckkästchen noch eine Kette heraus sowie Ohrringe. Letzteres kostete beinahe zweitausend Dollar. Ich wollte nicht unbedingt so teure Sachen haben, aber Amber bestand darauf, da sie fand, dass mich das besser aussehen ließ. Und mein Dad stimmte ihr mal wieder zu.

Ich suchte mir noch Schuhe aus, da ich durch mein Fenster gesehen hatte, dass das Wetter gut war. Mit meinem Laptop unter dem Arm lief ich nach unten, begrüßte kurz meinen Vater und Amber, welche am Esstisch saßen und frühstückten, dann setzte ich mich nach draußen in den großen Garten auf die Wiese in einen Gartenstuhl, legte den Laptop auf meinen Beinen ab und klappte ihn auf.

Schnell öffnete ich mein Mailprogramm, denn da würde ich nun brauchen. Eigentlich benutzte ich den Laptop kaum, außer für die Schule natürlich. Manchmal war es ganz gut, wenn man so für Referate recherchieren konnte. Ansonsten nutzte ich ihn aber kaum. Für was auch? Das Internet hatte seine schlechten Seiten, es war gefährlich.

Ich tippte eine neue Nachricht ein, die dann meine Freunde sehen konnten. Das neue Haus ist riesig und die Farbe der Fassade ist das letzte! Schnell schickte ich Mail in die Welt hinaus und seufzte dann leise, so als ob das harte Arbeit gewesen war, dabei hatte ich nur etwas eingetippt. Ein winziges Lächeln zierte meine Lippen als ich darüber nachdachte, wie dumm das eigentlich von mir war. Es war ja nur eine Mail und keine Doktorarbeit.

Das WLAN war schon an unserem Haus angeschlossen, jedoch war es ungesichert, da mein Vater zwar viel Ahnung von Politik hatte, aber keine von technischen Dingen. Und an Amber sollte man da am besten gar nicht denken. So kam ich ungestört ins Internet ohne nach einem Passwort fragen zu müssen. Nur mal so aus Neugierde sah ich hinein, ob auch andere Menschen unser WLAN nutzten.

Ich versuchte es in anderen Städten auch immer, einfach nur um kostenlos ins Internet zu kommen, doch selten hatte jemand ein ungeschütztes WLAN. Es überraschte mich also nicht, als plötzlich mehrere Namen von Geräten, die gerade dank uns online waren, erschienen. 5SOS, was auch immer das war, nutzte es zum Beispiel gerade.

Ob das ein geheimer Notruf war? Ich schüttelte den Kopf und strich den Gedanken aus selbigem. Sowas klang doch echt absurd. Statt mir über diesen komischen Namen Gedanken zu machen, schloss ich meine Kopfhörer an und hörte etwas Musik. Ich liebte Ed Sheeran, seine Stimme war einfach perfekt. Außerdem mochte ich Miley Cyrus, aber das neuste Musikvideo mochte ich nicht, ich fand es viel zu aufreizend.

Wenn mein Vater das Video sehen würde, würde ich nie wieder ihre Musik hören dürfen. Ich seufzte leise bei dem Gedanken daran. Nach einer Weile schaltete ich meinen Laptop wieder aus und ging wieder ins Haus. Auf meinem Weg legte ich den Laptop auf den kleinen Tisch im Wohnzimmer und ging dann in die Küche um mir etwas Wasser zu holen.

Amber kaufte für uns beide immer dieses furchtbar gesunde Wasser, ich trank kaum etwas anderes mehr, denn sie kontrollierte es fast schon. Sie verbot mir viel, obwohl wir nicht einmal mehr verwandt waren. Ich setzte mich mit meinem Glas nach draußen, wieder auf den Gartenstuhl und atmete die frische Luft ein. Es war schon schön, doch so ganz hatte mich mein neues Zuhause noch nicht überzeugt.

Ich sah mich um und mein Blick landete bei dem Haus neben uns. Es war schon etwas älter, zumindest sah es so aus. Ein kleiner Balkon war auf der Seite, die ich gerade ansah. Während ich das Haus weiterhin musterte und verbittert feststellen musste, dass es schönere Farben an den Wänden hatte als unseres, obwohl es nur ein verbleichtes braun war, bemerkte ich, wie sich etwas bewegte.

Meine Augen landeten wieder bei dem Balkon und ich sah, wie sich jemand gegen den Türrahmen zum Zimmer lehnte. Als ich die Person ansah, erschrak ich. Das war der Mann von gestern Nacht! Oh nein, er war mein neuer Nachbar! Wie sollte ich nur je wieder ruhig schlafen können? Der Umzug zerstörte mein Leben, das hier war mein Tod.

Er hatte mich wohl auch erkannt und so wie er aussah, beobachtete er mich schon eine Weile. Seine Piercings glitzerten etwas im Sonnenlicht und seine Tattoos waren noch deutlicher zu sehen. Er sah schrecklich aus. Dad würde nun sagen, dass dieser Mann niemals einen Job bekommen würde und man so etwas gesetzlich verbieten sollte, aber Dad war nun mal nicht hier.

Ich erinnerte mich wieder an seinen Namen: Luke. Er sah mich grinsend an, wie ein Löwe es bei seiner Beute tat. Gänsehaut zierte nun meine Arme und das sicherlich nicht wegen der Temperatur. Schnell stand ich auf und ging ins Haus, so als würde das etwas an der Tatsache ändern, dass er neben uns wohnte.

Vielleicht hatte ich ja auch Glück und er war nur zu Besuch dort? Ich kannte ja unsere ganzen neuen Nachbarn noch nicht. Das sollte sich aber noch ändern, denn mein Vater würde ein kleines Fest schmeißen. Genau wie ich diesen Gedanken vollendet hatte, trat Amber neben mich. Missbilligend sah sie mich an. „Geh einkaufen“, wies sie mich in einem kalten Ton an, was mir verriet, dass mein Vater nicht hier war.

„Wo ist Dad?“, fragte ich Amber leise und sie sah mich nur desinteressiert an. „Er erledigt einige Sachen auf dem Rathaus, trifft sich mit dem Stadtrat“, erzählte sie mir dann und nannte mir noch die Adresse vom Supermarkt. Natürlich nützte mir das überhaupt nichts, also musste ich die Adresse noch bei Google Maps an meinem Handy suchen.

Der Laden lag am anderen Ende der Stadt, zu Fuß würde man fast fünfzig Minuten benötigen, mit dem Auto nur die Hälfte. Da ich aber noch keinen Führerschein hatte, musste ich wohl oder übel laufen. Kaum war ich aus dem Haus getreten, lief mir ein Schauer den Rücken herunter. Was, wenn mir wieder jemand begegnete? Ich hatte Angst, keine Frage.

Ich spürte Ambers feixenden Blick in meinem Rücken. Sie hatte mir Geld mitgegeben und eine Liste, also lief ich jetzt von unserem Hof. „Hi“, rief mir ein Mädchen zu. Sie stand auf der anderen Straßenseite und kam nun auf mich zu gesprungen. Sie sprang wirklich über die Straße. Laufen war ihr wohl zu langweilig. Ihr breites Grinsen ließ sie gleich höflicher wirken.

„Hi“, tat ich es ihr gleich, als sie vor mir stand. „Ich bin Rita und du musst Jasmin sein, ja?“, stellte sie sich vor und wartete gar nicht erst meine Antwort an, sondern redete einfach schnell weiter. „Mir ist langweilig, hast du irgendwas vor?“ Abwartend sah sie mich an und ich sah sie entschuldigend an. „Ich muss einkaufen gehen, tut mir sehr leid“, meinte ich höflich.

Sie zuckte mit den Schultern: „Der nächste Supermarkt ist ziemlich weit weg und du siehst nicht so aus, als hättest du ein Auto. Weil du läufst, meine ich.“ Sie kicherte etwas aufgedreht und ziemlich gut gelaunt. „Ich kann dich fahren“, schlug sie vor, „Ich hab eine Beschäftigung und du bist schneller. Außerdem lernst du damit gleich die coolste Person in der Stadt kennen. Nämlich mich!“

Sie lachte, allerdings klang es nicht eingebildet, sondern einfach nur wie ein Witz. Ich musste grinsen und stimmte ihr ohne lange zu überlegen zu. „Okay, ich fände es sehr nett, wenn du mich fahren würdest“, nickte ich und ich folgte ihr über die Straße zu einem orangenen Jeep. Ob der Wagen überhaupt zugelassen war?

Jedoch wirkte Rita nett und vertrauenswürdig, ich konnte mir nicht vorstellen, dass sie etwas Illegales machen würde. Nein, sie war einfach nur nett. Ihre blonden Haare passten perfekt zu ihr, sie war richtig hübsch und allgemein hatte sie eine Figur, für die einige Mädchen morden würden.

Sie trug eine schwarze Leggins, bei der man die Form ihres Hinterns gut erkennen  konnte, dazu ein weißes, bauchfreies Oberteil. Ihre blonden Haare steckten teilweise unter einer schwarzen Cap mit dem CocaCola-Zeichen, in ihren Ohrlöchern steckten schwarze Ohrringe in der Form von Pistolen und an ihrem Arm hing ein Band aus Leder. Ihre Schuhe waren neongelbe Vans mit schwarzen Flecken, die aussahen wie die eines Leoparden.

Der Jeep war offen und ich kletterte schnell auf den Beifahrersitz. Rita ließ sich auf den Fahrersitz fallen und startete den Motor. „Wie alt bist du?“, fragte sie mich. „Siebzehn“, antwortete ich ihr, „Aber ich gehe in die letzte Klasse.“ „Du hast eine Klasse übersprungen?“, fragte Rita mich fast schon ungläubig. Ich nickte.

„Cool“, meinte sie, auch wenn ich nicht glaubte, dass sie das so cool fand, „Wir kommen dann vielleicht in eine Klasse. Es wird ja immer in der letzten Klasse gemischt.“ Davon hatte ich nichts gewusst, aber ich nickte einfach mal. „Das wäre toll, sonst kenne ich niemanden hier.“

Rita fuhr von der Einfahrt auf die Straße und folgte dieser dann. „Woher kennst du eigentlich meinen Namen?“, wollte ich von ihr wissen. Immerhin kannte Luke gestern auch meinen Namen, aber er hatte ihn ja gehört. Und dass Amber so laut gesprochen hatte, dass selbst Rita meinen Namen auf der anderen Straßenseite verstanden hatte, das bezweifelte ich nun wirklich.

„Spricht sich schnell rum, wenn jemand Neues hier ist“, meinte sie und beendete somit das Thema, auch wenn ich mich nun mit dem Gedanken beschäftigte, ob Luke etwa das herumerzählt hatte. Warum sollt er? Und wussten dann auch alle davon, was in der letzten Nacht oder besser gesagt am letzten Abend geschehen war? Viele Fragen tauchten in meinem Kopf auf, doch es gab einfach keine Antwort. Und zu fragen traute ich mich nicht, weil dann vielleicht die Erinnerungen wieder in mir hochkommen würden und ich dann noch mehr Angst empfinden würde.

„Kennst du schon viele Leute hier?“, fragte mich Rita und ich schüttelte still den Kopf, ehe ich leise antwortete: „Nein, ich kenne nur dich.“ Ein Blick von Rita traf mich und sie sah mich so an, als würde sie von Luke wissen. Ach was, sie wusste von Luke. Das war eine Tatsache. „Und Luke“, fügte ich leise hinzu. Rita nickte nun langsam, während ihr Blick wieder auf der Straße landete.

Einige Autos fuhren an uns vorbei, kamen uns entgegen. „Halt dich von  Luke fern“, sagte Rita dann auf einmal und brach die Stille, „Es ist nicht gut, wenn er Zeit mit dir verbringt oder dich erst einmal etwas kennen lernt. Er sollte nicht einmal dein Gesicht gesehen haben.“ Eine Gänsehaut bedeckte meine Arme und ich schluckte. Was sollte das bedeuten? Ich hatte ja so schon Angst vor ihm, aber das klang echt unheimlich.

„Wie…Wie meinst du das?“, hakte ich fast schon flüsternd nach. Meine Stimme war kaum noch vorhanden. Rita sah mich nicht einmal an, während sie den Wagen steuerte und mir antwortete: „Luke kennt deinen Namen. Das ist der erste große Fehler, der passieren konnte.“ „Es ist nicht meine Schuld“, protestierte ich, was echt nicht passend zu meinem Charakter war, schließlich war ich so nicht erzogen worden.

„Ich weiß. Jasmin, ich warne dich: Halte dich von Luke fern! Du bist ein Mädchen, du bist das, was er will“, flößte sie mir ein. Ich schluckte erneut, ehe ich den Mut und die Kraft aufbrachte die Worte zu sagen, die ich sonst nur von anderen Mädchen aus meiner alten Schule gehört hatte: „Ich…Ich bin sein Typ?“ Nicht dass ich Ahnung von Liebe oder Jungs hatte, Gott nein, ich doch nicht, aber ich hatte das oft in der Mädchentoilette gehört oder in der Umkleide bei Sport.

Rita lachte auf. „Alles was weiblich ist, gut aussieht und atmet ist sein Typ.“ Mit einem Mal war meine Angst weggeblasen. „Ich sehe nicht gut aus“, sagte ich und Rita lachte leise auf: „Oh Schätzchen, du hast keine Ahnung!“ Sie parkte den Wagen auf einem Parkplatz vor dem Supermarkt. Ich hatte gar nicht bemerkt, wie schnell die Zeit vergangen war. „Also…Du meinst, dass Luke…mich will?“, fragte ich zögerlich und unsicher. Wie drückte man sowas aus? Ich wusste es nicht.

Die Blonde sprang aus dem Wagen und ich tat es ihr gleich. Schnell lief ich neben ihr her, die Türen des Ladens öffneten sich automatisch und ich sah mich kurz um. Es war ein ganz normaler Supermarkt, etwas kleiner als ein normaler vielleicht, aber ansonsten sah es hier so aus wie überall. Wir liefen durch den Laden und arbeiten die Liste ab, das Thema Luke war vergessen.

„Für was brauchst du das denn alles?“, fragte Rita neugierig, als wir am Ende an der Kasse standen und alles auf das Band legten. Sie selbst hatte sich eine Packung Kekse mitgenommen und einen Energy Drink, wobei sie nicht so wirkte, als hätte sie die Energie nötig. Die Blondine war aufgedreht und trommelte mit ihren Fingern auf dem schwarzen Band herum, sodass sie selbst mich etwas nervös machte, aber ich sagte wie gewohnt nichts.

Schnell bezahlte ich, dann steuerte Rita den Wagen auch schon wieder über den Parkplatz, wobei ich mir etwas Sorgen machte, dass sie gegen ein Auto fahren könnte, denn sie rannte einfach los und stellte sich dann auf eine Stange des Einkaufwagens. Tatsächlich kamen wir bei Ritas Auto an ohne dass ein anderes Auto beschädigt wurde. Schnell räumten  wir die Einkäufe in den kaum vorhandenen Kofferraum ein.

Wir fuhren wieder zurück und unsere Unterhaltung war echt lustig, Rita war nett. Doch ich merkte auch, dass sie anders war als ich, sehr viel anders. Sie war aufgeregt, sprach schnell und trommelte immer wieder mit ihren Fingern auf dem Lenkrad herum. „Heute ist eine Party von einem Freund von mir“, sagte die Blonde dann, als wir gerade vor meinem Haus auf der Straße hielten. „Ich treff mich dort zwar mit einer Freundin von mir, aber desto mehr desto besser“, meinte Rita grinsend und sah mich an.

„Kommst du mit?“, fragte sie und ich zögerte kurz. Ich war noch nie auf einer richtigen Party gewesen. „Nein, ich…ich kann nicht“, sagte ich und schüttelte den Kopf. Rita legte den Kopf schief, so als hätte sie mich durchschaut. „Ach komm schon“, jammerte die Blonde und sah mich flehend an. Eine Party passte nicht zu mir, ich würde mich nur blamieren. Andererseits würde ich doch auch nicht sehr oft die Chance bekommen, schließlich mochten mich einige Leute nicht, weil ich ihnen zu brav war.

„Ich glaube, ich hab nichts Passendes zum Anziehen“, versuchte ich mich trotzdem heraus zu reden, doch Rita sagte sofort, dass sie mir etwas leihen würde. Obwohl ich eigentlich ablehnen wollte, sagte ich nichts. Mein Vater würde es mir sowieso nicht erlauben. Rita half mir noch die Einkäufe zur Haustür zu tragen, dort klingelte ich schnell und wartete darauf, dass jemand die Tür öffnete, während Rita das Haus anstarrte.

„Ich fand die Farbe schon immer hässlich“, kommentierte sie die Wand und ich seufzte: „Schrecklich, nicht wahr?“ Dann wurde auch schon die Tür aufgerissen und mein Dad sah mich an. „Jasmin, da bist du ja“, meinte er lächelnd und sah dann Rita an. „Du hast schon eine Freundin gefunden?“, fragte er mich, dann hielt er der Blonden neben mir seine Hand hin: „Jeffrey Adams, Jasmins Vater.“

Rita schenkte ihm ihr hübschestes Lächeln, schüttelte die Hand und stellte sich dann vor: „Rita Miles, ich bin Ihre neue Nachbarin von gegenüber. Sie sind wirklich Jasmins Vater? Sie sehen eher wie ihr Bruder aus!“ Ich warf ihr einen entsetzten Blick zu, während sie sich sichtlich bei meinem Vater einschleimte. Dieser lachte nur und meinte: „Oh, vielen Dank, das ehrt mich natürlich.“ Unauffällig verdrehte ich die Augen.

„Ihr Haus ist wunderschön“, schleimte Rita weiter, „Ich stehe total auf die Farbe.“ Sie kicherte leicht und drehte sich eine Haarsträhne um ihren Finger, während sie meinen Dad anstrahlte, als würde er Liam Hemsworth höchstpersönlich sein. „Ja, die Farbe ist wirklich schön. Vielen Dank“, fiel Dad auch noch auf die Schleimerei rein und ich war kurz davor mir meine Hand ins Gesicht zu schlagen.

Meine Augen wanderten zu dem Haus neben an, Lukes Haus. Der Vorhang war zugezogen, ich konnte niemanden sehen. Allein das beruhigte mich schon einmal wahnsinnig. Ritas Worte von vorhin fielen mir wieder ein. Was, wenn er es wirklich auf mich abgesehen hatte? Wieso…Wieso sollte er? Ich war nichts Besonderes, ich sah nicht gut aus. Und ich passte schon mal gar nicht zu ihm.

„…und deshalb wollte ich fragen, ob Jasmin nicht heute bei mir übernachten könnte?“, beendete gerade Rita ihre reden und holte mich zurück zu dem Gespräch. Bitte was?! Ich sah sie etwas verwirrt an und mein Vater schien zu zögern. Er mochte es nicht, wenn ich woanders schlief. Er hielt es für unsicher und gefährlich. „Ich halte das für keine gute Idee“, sagte er gerade, da kam Amber zur Tür.

Sie lächelte uns falsch an, ehe sie ihre Arme um Dad legte. Scheinbar hatte sie die Flirterei von Rita mitbekommen. „Schatz“, sagte sie betont und sah Dad so unschuldig an, dass ich mich beinahe übergeben musste, „Lass sie doch! Seien wir doch froh, dass sie eine Freundin gefunden hat und außerdem“, ihr Blick wurde von unschuldig zu pervers geändert, „Außerdem hätten wir dann etwas Zeit für uns.“

Ihr Blick traf Rita, die wohl kurz davor war einen Lachanfall zu unterdrücken. Mein Dad fuhr natürlich voll drauf ab,  ekelhaft, wirklich, und nickte dann. Er stimmte Amber also so wie immer zu. Grr! „Dann geh doch schon mal hoch und hol dir ein paar Sachen für die Nacht“, meinte mein Dad und ich nickte widerwillig. Rita folgte mir, sie sah auf unserem Weg nach oben das Haus aufmerksam an und als wir dann schließlich in meinem Zimmer standen, stellte sie sich ans Fenster.

„Was brauche ich denn alles?“, fragte ich sie ratlos und Rita drehte sich wieder zu mir um. „Du hast noch nie bei jemandem übernachtet?“, fragte sie mich etwas erstaunt und ich zuckte mit den Schultern: „Als ich klein war, hab ich mal bei einer Freundin übernachten dürfen, aber dann hat mein Dad es mir nicht mehr erlaubt.“ Rita nickte langsam und zählte dann einige Dinge auf. „…und dann noch etwas zum Schlafen, falls wir doch noch bei mir schlafen werden. Ach ja, und was Heißes. Falls du was Heißes hast?“, sie sah mich fragend an.

„Wie meinst du das?“, fragte ich sie. Rita seufzte und meinte dann: „Ein kurzes Kleid mit weitem Ausschnitt? Enganliegend! Oder ein kurzer Rock, ein bauchfreies, knappes Oberteil?“ Ich schüttelte den Kopf. So etwas hatte ich nicht. „Wie gesagt, ich leih dir was“, meinte Rita dann, doch ich wollte wissen, für was ich das brauchen würde. „Wir gehen auf die Party, schon vergessen?“, strahlte mich die Blonde an. Es war also nur ein Ablenkungsmanöver, das mit der Übernachtung, damit ich mit ihr auf die Party ging. Ich schluckte, zum einen weil ich meinen Dad damit belog und zum anderen, weil das meine erste richtige Party sein würde.
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