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Noceur

von blaugrau
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18
Ashton Irwin Calum Hood Luke Hemmings Michael Clifford OC (Own Character)
02.09.2013
05.11.2019
20
49.445
14
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02.09.2013 2.116
 
Luke

Ich stieg aus dem Auto, riss mir die Kopfhörer aus dem Ohr und betrachtete das Haus vor mir. Es sah zwar im Allgemeinen ganz nett aus, aber diese Farbe löste bei mir einen Kotzreiz aus. Der Maler gehörte verklagt.

„Jasmin, nun komm schon“, sagte meine Stiefmutter und strahlte mich an. Sie stand schon an der offenen Haustür, während mein Vater bereits im Inneren verschwunden war. Wir waren drei Personen, wieso also mussten wir in so ein großes Haus ziehen?

Wahrscheinlich hatte es meine Stiefmutter, Amber, rausgesucht. Würde mich nicht wundern. Ich fand es ja allgemein schon widerlich, dass mein Vater mit ihr verheiratet war. Sie war gerade einmal 27, also nur zehn Jahre älter als ich. Locker könnte sie meine Schwester sein.

Allgemein war ich mir sicher, dass sie nur hinter dem Geld meines Vaters her war. Er war Politiker und schon 52 und die letzten braunen Haare auf seinem Kopf verließen ihn still und heimlich, während die grauen nur so wuchsen. Unser Umzug nach San Georgia hatte mir überhaupt nicht gepasst, aber ich war so erzogen worden, dass ich meinen Mund nicht ungefragt aufmachte.

„Bin schon da“, murmelte ich deshalb nur leise, während ich schnell in meinen Ballerinas zu ihr lief. Die Farbe der Hauswände irritierte mich immer noch. Ob ich mich daran gewöhnen würde? Ich sah mich noch einmal um, ehe ich dann Amber ins Haus folgte. Die Straße sah eigentlich ganz nett aus, die Häuser sahen normal aus, aber unseres stach eindeutig heraus.

Das Haus war riesig, es gab tausende Räume und Gästezimmer für Ambers Freundinnen, es gab Räume für allesmögliche. Unsere alten Möbel waren zum Großteil ausgetauscht worden, alles sah neu und teuer aus. Wie ich es hasste.

Ich ging in mein Zimmer, fand dort schon Umzugskisten mit meinen Sachen. Ich hatte extra gesagt, dass ich mein Zimmer selber einrichten wollte, auch wenn Amber gemeint hatte, dass dafür der Umzugsservice da war. Schnell sah ich mich um.

Mein neues Bett stand eher etwas mittig im Raum, das Kopfende gegen die Wand, das Fußende stand einfach so im Raum. Zwischen dem Fußende und dem riesigen Schrank waren etwa vier Meter Platz, neben dem Schrank stand vor dem Fenster ein Schreibtisch.

Schnell suchte ich nach der Umzugskiste mit meinem Laptop. Nach einigen Minuten hatte ich ihn gefunden, stellte ihn auf den Schreibtisch und sah mich noch einmal im Raum um. Es sah eigentlich echt schön aus, davon abgesehen, dass ich weder das Haus noch die Stadt mochte.

„Jasmin?“, die Stimme meines Dads klang durchs Haus. „Ja?“, antwortete ich und ging aus meinem Zimmer. Das Zimmer war im obersten Stock des Hauses, ich war alleine hier oben, da mein Dad und Amber ihre Zimmer unten hatten. Und damit meinte ich nicht nur das Schlafzimmer, sondern auch das Arbeitszimmer, Hobbyräume und so weiter.

Was man eben alles überhaupt nicht brauchte, wenn man nicht damit angeben wollte. „Ich werde noch ins Rathaus gehen und Bescheid sagen, dass wir nun da sind. Außerdem hab ich heute noch ein Meeting, also kann es sein, dass ich erst später wiederkomme. Sieh dich doch schon einmal in der Stadt um oder stelle dich den Nachbarn vor. Wir werden noch eine Feier machen“, sagte er und ich nickte brav, auch wenn ich keine Lust dazu hatte.

Es waren Sommerferien und am liebsten würde ich nicht hier, sondern bei meinen Freunden sein. Doch leider lebten die am anderen Ende von Amerika und somit war die Chance sie zu sehen sehr gering.

Ich räumte noch etwas meine Kleidung ein, ehe ich nach draußen ging. Ich stand nicht besonders auf Kleider, aber Amber wollte, dass ich sie trug. Damit sah ich laut ihr mädchenhafter aus und somit auch besser. Sie kannte die Stadt schon, war hier aufgewachsen und saß somit auch schon mit einigen Frauen in ihrem Alter im Wohnzimmer.

Als ich nach unten kam, bekam ich Blicke zugeworfen, die mir schon wieder den Verdacht bestätigten, dass Amber mich hasste. Sie gab sich aber auch keine Mühe ihren Hass vor mir zu verstecken. Lediglich mein Vater schien völlig blind zu sein.

Ich verließ also das Haus und sah mich draußen um. Es war bereits Nachmittag, fast schon Abend. Ziellos lief ich durch die Stadt, die wie ausgestorben schien. Nur wenige Menschen begegneten mir. Es wurde langsam dunkel und ich hatte beinahe die Orientierung verloren, als ich endlich wieder zu dem Park kam, den ich ziemlich am Anfang meiner kleinen Erkundungstour durchquert hatte.

In der Dunkelheit, vor der ich sowieso schon Angst hatte, sah er so düster aus, fast schon gefährlich. Ich schüttelte den Gedanken ab, lief einfach weiter im schwachen Licht der wenigen Straßenlaternen.

Etwa an der Mitte des Parks angekommen, begegnete mir ein Mensch. Normalerweise hätte ich mich gefreut, doch dieser Mensch war betrunken, ich konnte den Alkohol bis zu mir riechen und er war immerhin noch einige Meter von mir entfernt. In der Hoffnung, er würde einfach an mir vorbei gehen, lief ich weiter.

Er tat es aber nicht. Stattdessen torkelte er auf mich zu, riss an meinem Handgelenk und zog mich so dich an ihn heran, dass ich seinen stinkenden Atmen roch. Es war ein junger Mann, vielleicht zwanzig, er war stark und ich konnte mich nicht wehren. Wie auch? Ich war ja nur ein schwaches Mädchen.

In der rosaroten Welt, in der ich bisher gelebt hatte, war mir so etwas noch nie passiert. Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Mein Schrei blieb mir in der Kehle stecken, ich versuchte mich los zu reißen, doch es klappte nicht. Er versuchte mir seine Lippen auf meine zu drücken, doch in seiner Betrunkenheit klappte es nicht und er verfehlte sie.

Stattdessen landeten sie auf meinem Hals. Ich schrie leise auf, doch es brachte mir nichts. Der Park war leer, ich war schwach und der Mann betrunken. Wie das enden würde, das wusste selbst ich. So würde dann also meine Jungfräulichkeit drauf gehen, an einen betrunkenen Mann, gegen meinen Willen.

Auf einmal ließ mich der Mann los, ich stolperte nach hinten und stürzte auf den Boden. Die kleinen Steinchen rammten sich in meine Handfläche. Ich wollte gerade aufspringen, wegrennen, einfach irgendwohin, da bemerkte ich eine zweite Gestalt in der Dunkelheit. Der Mann von vorhin lag auf dem Boden.

„Bist du okay?“  Die Stimme ließ mich zusammen zucken. Die zweite Gestalt, auch ein junger Mann, kam näher zu mir und während ich auf dem Boden etwas nachhinten rutschte, ging er in die Knie. „Hey, du brauchst keine Angst haben“, sagte er langsam, „Zumindest nicht vor mir.“

Das Licht der Straßenlaterne traf ihn und ich sah ihn an. Er hatte eher blonde Haare, sein Gesicht war mehrmals gepierct und seine Arme waren tätowiert. Es würde mich nicht wundern, wenn er den anderen Mann geschlagen hatte um mich selbst zu vergewaltigen.

„Du bist die Neue, oder?“, fragte er langsam um mein Vertrauen zu gewinnen. Ich nickte, obwohl ich es sofort bereute. Er würde nun wissen, wo ich wohnte. „Komm, ich bring dich nachhause“, meinte er und hielt mir seine Hand hin. Ich biss mir auf die Lippe und schüttelte den Kopf: „Nein, nein danke. Ich…Ich schaff das schon alleine.“

Seine blauen Augen funkelten etwas erbost auf, er mochte es wohl nicht, wenn man sich ihm widersetzte. „Nein, schaffst du nicht“, sagte er durchdringend und ließ mich erneut zusammen zucken. Sein strenger Tonfall schüchterte mich etwas ein. „Wo einer ist, sind noch mehr. Er kam mit Sicherheit von einer Party, also laufen da noch mehr Typen wie er in der Stadt rum“, sagte er und sein Tonfall klang wieder etwas freundlicher.

„Ich…Ich schaff das schon“, sagte ich und stand auf ohne seine Hand zu beachten. In Wahrheit machte ich mir gerade fast in die Hose und weinte nur noch nicht, weil ich so geschockt war. „Nein, tust du nicht. Das weißt du und das weiß ich“, sagte er. Ich stand nun vor ihm, ängstlich und zitternd, aber ich versuchte das zu überspielen.

Schließlich war ich nicht umsonst in der Theatergruppe meiner alten Schule gewesen. Wir schwiegen alle beide und schließlich drehte er sich um. „Okay, Kleine, ich gehe jetzt. Entweder du kommst mit oder man findet dich morgen früh vergewaltigt hier im Park. Es ist deine Entscheidung, aber wenn ich du wäre, würde ich mit mir mitgehen.“

Damit ließ er mich stehen. Ich konnte sehen, wie er weiterlief, sich nicht umdrehte. Gut, dann war ich ihn los. Mein Plan, einfach zu warten bis ich alleine war und dann erst los zu laufen, wurde von einer Gruppe von lachenden Männern durchkreuzt. Sie sangen betrunken Lieder, zumindest klang es sehr danach.

Mit Alkohol kannte ich mich nicht besonders aus. Mit meinen alten Freundinnen hatte ich ein paar Mal etwas Bier getrunken und ein einziges Mal Wodka, aber das war nur ein kleiner Schluck und allgemein war ich noch nicht alt genug dafür.

Da mir aber die Gruppe eindeutig mehr Angst machte als der Mann von gerade eben, rannte ich ihm nach, was gar nicht so einfach war mit meinen Schuhen. Als ich auf seiner Höhe angekommen war, sah ich mich noch einmal nach der Gruppe um, die uns gefährlich nah war.

„Keine Panik, Kleine“, sagte er und es störte mich, dass er mich so nannte. Ich sah zu ihm auf, schließlich waren da mindestens zehn Zentimeter Unterschied. Er sah mich an, musterte mich etwas. „Wie ist dein Name?“, wollte er wissen. Ich schwieg, was ihn zum Grinsen brachte. „Komm schon, ich hab dich vorhin vor dem Typen gerettet und du sagst mir nicht mal deinen Namen?“

Ich sah hinunter auf den Weg. „Mir wurde beigebracht, dass man nicht mit Fremden redet“, sagte ich dann leise. Er sah mich etwas überrascht an, zog dann kritisch eine Augenbraue hoch. Ein Piercing reflektierte etwas Licht von der Straßenlaterne und ich fragte mich, wieso man sich so etwas machen ließ.

„Dein Ernst?“, wollte er wissen und seufzte dann, als ich nichts mehr sagte. „Okay“, meinte er; „Ich bin Luke. So jetzt, bin ich kein Fremder mehr. Du darfst mit mir reden, weißt du?“ Ich musste kurz etwas lächeln über das, was er sagte, aber ich schüttelte den Kopf. „Luke also? Passt nicht zu dir“, sagte ich leise und biss mir gleich darauf auf die Zunge.

Der Junge sah so aus, als würde er mich jederzeit umbringen können, wieso sagte ich so etwas? Doch scheinbar sah Luke es eher locker, denn er fragte mich, welcher Name denn besser zu ihm passen würde. „Ich…Ich weiß nicht“, stammelte ich etwas verunsichert.

„ Du musst nicht immer so unsicher sein, Jasmin. Ich tu dir schon nichts“, meinte er und seine Augen funkelten mich in der Dunkelheit an. „W-Woher kennst du meinen Namen?“, fragte ich erschrocken und starrte ihn an. „Hab heute mitbekommen, wie deine Mom dich gerufen hat“, meinte er und grinste zufrieden.

Es war also sein Plan gewesen mich zu verunsichern. „Sie ist nicht meine Mom“, stellte ich klar. „Sie sieht aber nicht aus wie deine Schwester. Obwohl…Vom Alter würde es vielleicht passen, aber niemals vom Aussehen her“, sagte er und sah mich fragend an.

Ich sollte nicht mit Fremden reden. Aber wie er schon gesagt hatte, er war kein Fremder mehr. Er war Luke. Aus irgendeinem Grund versuchte ich mich selbst davon zu überzeugen, dass es vollkommen in Ordnung war mit ihm zu reden. „Sie ist meine Stiefmutter“, erzählte ich also und Luke nickte langsam.

Wir verließen den Park und liefen durch eine Straße, ich sah schon das Straßenschild zu meiner Straße. Bald würde ich da sein, weg von ihm und im Inneren des Hauses. Endlich würde ich sicher sein. „Wie alt ist sie denn?“, fragte Luke und ich war etwas überrascht, dass er das fragte. Er kannte mich nicht einmal und fragte mich über meine Stiefmutter aus?

„27. Warum willst du das wissen?“, fragte ich ihn. Wir bogen in die Straße ein, in der ich wohnte. Ich konnte das Haus schon sehen, es waren nur noch zehn Meter, vielleicht etwas mehr. „Um zu wissen, ob ich sie ficken sollte, obwohl sie so ein Spießer ist“, erklärte mir Luke und ich zuckte etwas zusammen, als er das sagte.

Ich wusste ja, dass er kein guter Umgang für mich war. Sprachlos und schockiert stolperte ich zur Haustür, doch er hielt mich fest. Ich keuchte etwas panisch auf, doch er sah mich nur von oben herab an. „Du kannst dich morgen bei mir revanchieren, denke ich“, sagte er und grinste dreckig.

Mit diesen Worten drehte er sich um und verschwand in der Dunkelheit. Schnell drückte ich die Klingel, da ich noch keinen Schlüssel hatte. Amber sah mich genervt an und ließ mich rein. „Wo warst du denn so lange?“, fragte mein Vater mich streng. „Ich hab mich etwas in der Stadt umgesehen“, sagte ich schnell. Zum Teil stimmte es ja auch.
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