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Grippewelle beim PPD

KurzgeschichteHumor, Freundschaft / P18 / Gen
Lilly Rush Scotty Valens
02.09.2013
02.09.2013
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Es klopfte.

„Hi, Kat!“ Lilly fuhr sich durchs Haar, versuchte es zu ordnen und scheiterte kläglich.

„Ich hab mich gerade hingelegt, muss wohl eingeschlafen sein. Oh, wo bleiben meine Manieren,
komm doch rein.“
Sie deutete ins Haus, draußen schneite es.

„Ich bringe dir nur die Martinez Akte, die hast du heute...wohl vergessen.“

Kat betrat das Haus, hängte ihre Lederjacke an eine Haken.
Entdeckte zwei Becher auf dem Couchtisch.
Es roch nach Kakao, im Raum schwebte noch etwas anderes, aber Kat konnte nicht genau sagen,
um was es sich handelte, nur, dass sie es von irgendwoher kannte.

„Oh, ich wollte nicht stören.“
setzte sie an, doch Lilly schüttelte den Kopf.
„Mein.. Besuch ist schon wieder gegangen. Mir geht es heute nicht so gut und... ich bekam... Hühnersuppe vorbei gebracht.“

Kat bemerkte Lillys legeres Outfit, die offenen Haare, das Rot auf ihren Wangen, den Glanz in ihren Augen.

„Hast du etwa Fieber?“ Kat war drauf und dran, ihr eine Hand auf die Stirn legen zu wollen.

„Fieber...“ Lilly lachte leise auf, beinah...ein bisschen hysterisch.

„Ja, das könnte man sagen, aber ich denke, ich werde mich davon erholen.
Ich komme auch Morgen zur Arbeit, Kat.“

„Gut, ich habe keine Lust auf eine Grippe, Veronica ist gerade wieder gesund geworden. Hier ist die Akte.“

Es polterte im oberen Stockwerk.

Kat hob fragend die Augenbrauen. Lilly rannte die Treppe hoch, riss eine Tür beinah aus den Angeln und verschwand. Man hörte leises Gemurmel, dann kam sie wieder herunter,
einen gehetzten Ausdruck im Gesicht.

„Sorry, die Katzen haben meine Schreibtischlampe umgestoßen. Kann ich dich noch zu einem Kakao überreden?“

Kats Spürsinn schlug Alarm. Irgendwas stimmte hier ganz und gar nicht.

„Ist wirklich alles in Ordnung mit dir, Lil? Seit Wochen läufst du aufm Revier herum wie auf rohen Eiern und zuckst bei jeder Berührung zusammen. Ich hab's genau gesehen, neulich, als Scotty
vor dir die Treppe zum Archiv runter wollte und ihr zusammen gestoßen seid, wärst du ihm fast an die Kehle gesprungen, du sahst aus, als würdest du gleich an die Decke gehen...“

Sie folgte Lil in die Küche, die hantierte nervös mit den Tassen.
„Was es auch ist, du kannst es mir ruhig sagen.“

Lilly seufzte.
„Wir haben uns gestritten, er hat sich entschuldigt, aber manchmal ist er so ein Idiot...“

Kat grinste und nahm den Kakaobecher.

„Wer-, ist etwa Eddie wieder da?“
wollte sie wissen und runzelte die Stirn, als wieder ein Rumpeln erklang.

„Mann, Nicky hat mich ja vor deinen Katzen gewarnt, aber was hast du da oben- zwei Pumas?!“

Lilly schnaubte, hielt sich den Mund zu, reichte ihr den Becher und Kat nahm einen Schluck.

„Naja, Pumas...“

Sie verschluckte sich, hustete.
Und plötzlich wusste sie es.
Sie wusste, woher sie diesen... Duft kannte.

„Es sind nur Katzen, Kat. Katzen und Kat... uh, das ist lustig.“

Lilly lachte lahm und Kat musterte sie von oben bis unten.

„Sag mal, dieser Kerl“ Kat musterte die Decke, lauschte, ob sie noch etwas hörte, doch es blieb still oben. „hast du ihm gehörig die Leviten gelesen?“

„Oh, das war gar nicht nötig, wie ich schon sagte, er hat sich entschuldigt.“

„Ja...“ Kat klemmte die Unterlippe zwischen die Zähne.
„wie war der Sex?“

Lillys Becher fiel scheppernd zu Boden und sie konnte einen guten Blick auf das rote Gesicht ihrer Freundin werfen.

„Wie um Himmels Willen kommst du auf die Idee, ich hätte mit irgendjemandem Sex gehabt?!“
stammelte Lilly und bemühte sich, eifrig die Scherben wieder einzusammeln und den letzten Klecks Milch aufzuwischen.

„Naja, ich meine, du trägst keine Bluse, um ehrlich zu sein, sieht dein Pulli verdächtig nach einem Männersweater aus, deine Haare hab ich noch nie so gesehen, die sehen aus, als hätte sich jemand mit großem, intensivem Einsatz dran zu schaffen gemacht und ich will ja nichts sagen,
aber du hast da was...“

Sie deutete auf Lillys Nacken.

Ertappt flogen Lils schmale Finger an die Stelle wo Nacken und Schultern sich trafen und rubbelten auf der Haut. „Nur... Schokolade.“

„Klar“, Kat trat näher, inspizierte ihre verlegene Freundin. „ich wette, das war echt ne süße Angelegenheit, Lil.“

Lillys blaue Augen schlugen Funken, fahrig strich sie sich den immer länger werdenen Pony aus dem Gesicht, zog die Kapuze des Sweaters enger um ihre Schultern, um die Stelle zu verdecken.
„Darum geht der Fleck auch nicht wieder weg. Das ist ein guter, alter Knutschfleck, Lil.“

Kat trank ihren Kakao aus und beobachtete Lilly von ihrer Position aus.
„Nun sag schon, wie war's?“

Lillys Blick glitt nur für eine Sekunde an die Decke und das sagte Kat alles, was sie wissen musste.

„Na schön, es war unglaublich, zufrieden?!“
ein kleines, strahlendes Lächeln erhellte Lilly Rush's Gesichtszüge und ließ sie jünger aussehen.

„Nur „unglaublich“ wie unglaublich oder wie in „unglaublich schön“. Ich meine, jeder weiß,
Versöhnungssex ist das beste, was einer Frau passieren kann, aber ich will hoffen,
er bringts auch sonst so...?“ spekulierte Kat und registrierte zufrieden die pinken Flecken auf Lillys Gesicht.

„Besser als unglaublich schön. Immer wieder ein Erlebnis. Der helle Wahnsinn.“
flüsterte sie, doch die „Katzen“ schienen sie trotzdem gehört zu haben.

„Die Pumas?“

„Oliv und Tripod hatten heute Thunfisch und Schokodrops. Zuckerschock, du weißt schon,
wie bei kleinen Kindern, denen man Süßigkeiten und Cola gibt...“
Lilly lächelte weiter.
„Was meinst du, weshalb ich sie oben eingesperrt habe.“

„Ja, sicher. Also erzähl mir mehr von diesem tollen Mann, den ich unbedingt kennen lernen muss.“
forderte Kat und legte den Kopf schief.

„Ah, Kat, erinnere mich daran, dass ich nie Mist baue und in deinem Verhörraum lande! Das ist hier in meinem Haus schon unangenehm genug!“ knurrte Lilly und betrachtete ihre Fußspitzen,
nur, um zu erkennen, dass sie einen Fehler beging, denn die steckten definitiv in Männersocken.

Sie sah Kat an.
War das Angst in ihren blauen Augen?

„Du sagst es doch niemandem, oder?!“
sie räusperte sich.

„He, ich bin deine Freundin. Ich will dich nicht ins Messer rennen lassen... außerdem,
das betrifft doch niemanden im Büro, oder?!“ Kats Blick war durchdringend.

„N... Nein, eigentlich nicht.“ Lilly drehte sich um und wusch Kats leeren Becher kurz ab.
„Kommt nicht wieder vor, das mit dem Blaumachen.“

„Ach, tröste dich, war nix los. Und Will und Scotty sind auch krank.Scheint ne wahre Seuche zu sein, Rüsselpest.“ meinte sie und legte Lilly eine Hand auf den Rücken.

„Liebst du ihn denn?“
fragte sie sanft aber bestimmt, laut und deutlich.

Lillys Schultern spannten sich an, aber dann drehte sie sich zu Kat um und ihr Gesicht hatte diesen leisen, verträumten, wissenden, glücklichen Gesichtsausdruck.
„Ja, Kat.“
Pause. Ein leises, nicht unglückliches Seufzen.
Als sei sie froh, es endlich mal loszuwerden.

„Ja, ich liebe ihn.“

„Das war dann wohl dein Computer, der vom Tisch gefallen ist. Willst du nachsehen gehen,
bevor auch der Rest deiner Einrichtung draufgeht?“
Kat deutete mit dem Zeigefinger der linken Hand nach oben.

„Du solltest dringend was für die armen Viecher tun, so... ne Runde Kuscheln, oder ihnen was vorlesen. Das hat Ronnie immer wieder runter gebracht vom... Zucker-Schock.“

Lilly nickte, schüttelte dann aber den Kopf. „Ich werde schon mit ihnen fertig, keine Sorge.“

„Dann viel Glück dabei. Ich muss jetzt los, noch Will besuchen. Hühnersuppe, du weißt schon.“
Kat nahm ihre Jacke vom Haken und ging zur Tür.

„Willst du auch noch bei Scotty vorbei? Ich meine... da hättest du doch eine tierisch weite Tour, und Ronnie wartet doch sicher schon Zuhause auf dich, nicht?!“
Lilly öffnete die Tür und sah sie fragend an.

Kat schürzte die Lippen.
„Ah, nein, ich denke, ich überlasse Valens seinem Schicksal. Ich bin sicher, seine Mutter hat ihn schon bestens versorgt, den alten Schurken.“

Auf Lils Gesicht breitete sich ein erfreutes Lächeln aus.
„Ich ruf ihn nachher mal an und frage, wie es ihm geht.“

Kat sah sie an.
„Mach das. Dafür sind Partner ja da.“

Sie wickelte sich den Schal um ihren Hals und schlug den Kragen ihrer Jacke hoch,
bevor sie die Treppe betrat.

„Ach,und Lil...“

Sie drehte sich langsam zu ihrer Freundin um, ein so breites Grinsen auf dem Gesicht,
dass es von einem Ohr zum anderen reichte.

„Danke für das Geld.“

Verständnislos sah Lil sie an.
„Wie bitte?“

„Na, die Kohle die ich gerade mit dir verdient habe. Ich werde Ronnie ein Katzenbuch dafür kaufen , glaube ich.“ sie zwinkerte Lilly verschwörerisch zu.

„Und jetzt lass Scotty mal wieder aus dem Schrank raus, bevor er sich noch den Hals bricht.“

Kat lachte den ganzen Weg nach Hause.



 
 
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