Grow Up - die Geschichte von dem Jahr in dem in Hogwarts das Trimagische Turnier stattfand

von baronesse
GeschichteFantasy, Freundschaft / P12
Adrian Pucey Alicia Spinnet Cedric Diggory Fred & George Weasley OC (Own Character) Viktor Krum
01.09.2013
30.06.2014
41
100247
11
Alle Kapitel
69 Reviews
Dieses Kapitel
6 Reviews
 
 Datenschutzinfo
 
 
Dieses Kapitel wurde freundlicherweise betagelesen von Bumble85 und Br0tlaib. Vielen Dank euch!


„Ganz schön viele Bücher!“
Leo ließ meine Tasche auf den großen Koffer fallen und zerrte dann an dem Gepäckwagen, bis er sich endlich aus der Schlange löste und losrollte.

„He, sei vorsichtig damit“, mahnte ich meinen Bruder. Er war in der Lage, mein ganzes Gepäck hier auf dem Bahnhof zu verstreuen und ich hatte keine Lust, dass die Muggel gleich alle auf meine Unterwäsche starrten. Die magischen Utensilien waren schlimmer, wie zum Beispiel den Käfig mit unserem gemeinsamen Uhu Hermes. Den hielt ich aus Sicherheitsgründen fest in der Hand, bei Leo wusste man ja nie.

„Musstest du unbedingt die halbe Winkelgasse mitnehmen?“, beschwerte er sich bei mir.

„Das ist Schulzeug“, gab ich beleidigt zurück. Ich bin zwar in Gryffindor, genau wie er, aber ich nahm die Schule sehr ernst. Da dies das erste Jahr war, in denen wir nur noch unsere UTZ Kurse belegten, brauchten wir auch nur noch dafür Bücher. In meinem Fall hieß das eine Menge. In Leos ein paar weniger.

„Kaum zu glauben“, kommentierte mein Bruder. Sein Koffer war nicht kleiner als meiner, aber er hatte auf eine zusätzliche Tasche verzichtet. Hauptsächlich, weil ich die paar Bücher, die er brauchte, auch noch eingepackt hatte. Er hätte sie sonst Zuhause vergessen.

„Na komm, wir haben noch ein wenig Zeit, aber ich will nicht zu den letzten gehören.“ Die Uhr zeigte halb elf, also hatten wir noch genug Zeit uns durch den Bahnhof King’s Cross zu schlagen und uns Plätze im Hogwarts Express zu suchen. Mum und Dad hatten dieses Jahr den Sommer mit uns in Griechenland verbracht, wie häufig, aber nur wenig Lust gehabt nach England zu fliegen, als sie die Wetterberichte gesehen hatten. Also waren Leo und ich allein nach London gereist. Das war okay, wir waren 16, alt genug,  auf uns selbst aufpassen, beziehungsweise passte ich auf Leo auf. Für meinAlter war ich ziemlich vernünftig, sagte man mir ständig. Deshalb machte sich eigentlich nie jemand Sorgen um mich, obwohl Leo eine Stunde älter war.

„Auf wen bist du denn so scharf?“, stichelte mein Bruder, während er den Kofferwagen hinter sich her zog. Unglaublicherweise hatte tatsächlich alles drauf gepasst, so dass ich nur Hermes zu tragen hatte.

Ich zuckte mit den Schultern. Es gab da eine kleine, geheime und heftige Schwärmerei, aber da bestand keine Chance, dass er jemals merken würde, dass ich da war. Leider hatte sich mein Magen nämlich ausgerechnet Cedric Diggory ausgesucht, um flau zu werden und zu flattern. Er war der Schwarm unseres ganzen Jahrgangs. Jeder stand auf Cedric.

„Er ist bestimmt schon da. Vertrauensschüler“, zog Leo das letzte Wort in die Länge. Er wusste natürlich Bescheid – es ist unmöglich, vor seinem Zwillingsbruder etwas geheim zu halten. Also wusste er auch, dass ich immer noch etwas geknickt war, nicht ausgewählt worden zu sein. Ich war ein wenig schüchtern, das musste ich zueben, aber ich wäre eine großartige Vertrauensschülerin geworden. Ich ging Dinge sehr ernsthaft an, und hatte all die Ordentlichkeit geerbt, die meinem Bruder abging. Aber stattdessen durfte sich Roooose, Rosieposie, darum kümmern, dass alle rechtzeitig im Bett lagen und keiner Unfug trieb und ein Badezimmer mit Cedric teilen! Nein, ich war nicht neidisch. Gar nicht. Na gut, ein bisschen.

Also würdigte ich Leo keines weiteren Blickes und trat durch die Mauer, die Gleis 9 ¾ vor den Muggelaugen verbarg.

Der Bahnsteig war bereits voller Eltern und Kinder, kleiner Geschwister, die mit großen Augen zum Zug starrten, der seit einer halben Stunde bereit stand, Erstklässler, die sich nicht von ihren Eltern lösen, aber gleichzeitig nicht aussehen wollten, als würden sie noch an Mamas Hand hängen. Ältere Schüler flitzten fröhlich in und aus dem Zug, sicherten sich Abteile, begrüßten lautstark alte Freunde und versuchten sämtliches Gepäck mitzubekommen. Es war also der ganz normale Wahnsinn.

„Vorne oder hinten?“ Ich drehte mich doch wieder zu Leo um, der nach mir aufs Gleis kam. Ich konnte ihm nie lange böse sein. Egal wie verschieden wir waren, er war doch der engste Freund und Vertraute, den ich hatte.

Leos Augen glitten über das Gleis. „Um… Mitte?“, schlug er dann vor. Vermutlich nur, um mir zu widersprechen. Oder nein – da kam Kenneth auf uns zu. Kenneth Towler war der männliche Vertrauensschüler der Gryffindor und hatte aus unerfindlichen Gründen ein Auge auf mich geworfen. Vermutlich weil ich die einzige unseres Hauses war, die bei den Prüfungen bislang besser abgeschnitten hatte als er. Kenneth war so jemand, der sehr ehrgeizig und zielstrebig war, aber gleichzeitig hielt er den Druck der Prüfungen kaum aus und brach jedes Jahr schon im Frühling zusammen.

Nein, ihm wollte ich wirklich nicht begegnen. „Okay“, antwortete ich daher rasch und suchte mir die nächste Tür zum Zug. Leo wuchtete die Tasche als erstes vom Wagen und reichte sie mir. Mit Tasche und Eule bewaffnet machte ich mich auf den Weg durch den Wagon um ein leeres Abteil zu suchen. Es war noch relativ früh, daher fand ich rasch eines, blockierte es indem ich meine Sachen ablegte und kehrte dann zur Tür zurück um Leo mit den beiden Koffern zu helfen.

„Kalinichta Elli“, hauchte mir jemand entgegen, der gerade aus dem vorderen Zugteil kam.

„Hi Heather“, grüßte ich meine Mitschülerin. Sie fand es derart aufregend, dass Leo und ich zur Hälfte griechischer Abstammung waren, dass sie das halbe fünfte Schuljahr damit verbracht hatte Leo zu bearbeiten mit ihr auszugehen. Er hatte sich geweigert bis sie es aufgegeben hatte. Danach hatte sie begonnen einen auf Griechisch zu begrüßen. Das sollte wohl cool sein. Wir hatten ihr bislang nicht gesagt, dass sie eine gute Nacht wünschte.

„Geh doch mal aus dem Weg, du – oh, Heather“, mein Bruder wuchtete ihr beinahe den Schrankkoffer auf die Zehen. „Tschuldige.“

Etwas pikiert sah die Blonde ihn an, dann verschwand sie den Gang hinunter.
„Tja, bei der hast du es dir übel verscherzt“, kommentierte ich und führte ihn zu unserem Abteil.

„Das ist mir so was von egal, weißt du das?“

„Eigentlich sieht sie ja nicht schlecht aus“, beobachtete ich sie kritisch. Heather Fawcett war eigentlich das, was viele als gutaussehend bezeichnen würden. Sie war ziemlich groß und schlank, und trotzdem hatte sie aus unerfindlichen Gründen eine große Oberweite. Mir war das schleierhaft. Ich selbst nahm auch einfach nicht zu, aber das sah man auch oben herum.

„Sie könnte eine Veela sein und ich hätte kein Interesse an ihr“, verdrehte Leo die Augen. Er machte sich allein auf den Weg um den zweiten Koffer zu holen. Hermes gab ein protestierendes Kreischen von sich und ich machte mich daran in der Tasche nach Eulenkeksen zu suchen.

„Hallo Helena.“

Ich musste mich nicht mal umdrehen um zu sehen, wer in mein Abteil getreten war. Nur Miranda McDonald hatte so eine hohe, piepsige Stimme. Auch war sie die einzige aus Gryffindor, die mich immer noch Helena nannte, obwohl sie wusste, dass ich den Namen hasste.

„Hi Miranda“, antwortete ich daher gelassen. Ihr Hass auf ihren Namen war nämlich beinahe ebenso groß, und so kam sie ständig mit einem neuen Spitznamen daher, wie sie genannt werden möchte. Die meisten ignorierten das und nannten sie schlicht Mira, einzig ihre allerbeste Busenfreundin Rose tat ihr den Gefallen. Als wir in die Ferien gefahren war, wollte sie noch Mäkki genannt werden. Keine Ahnung als was sie nun wiedergekommen war, doch da die gute Rose wohl ihren Vertrauensschülerpflichten nachkommen musste, hatte Mira niemanden, mit dem sie sich ein Abteil teilen konnte.

Es war daher nicht überraschend, dass die Piepsstimme als nächstes fragte: „Kann ich mich zu euch setzen?“

In dem Moment kehrte Leo mit dem zweiten Koffer zurück. „Klar“, antwortete er für mich, bevor ich mich überhaupt entschieden hatte. Aber wie konnte ich Miranda auch wieder hinausschieben? Jeder wusste ja, dass Leo und ich keine große Clique an Freunden hatten. Wir spielten kein Quidditch, daher hatten wir dem Großteil unseres Jahrgangs aus Gryffindor schon nichts zu sagen, und obwohl Mira ziemlich nett war, konnte sie doch ziemlich nervig werden und hing so eng an Rose, dass man sich bei ihnen immer wie das fünfte Rad am Wagen fühlte. Nun, vielleicht erging es einem bei Leo und mir ja ähnlich.

Mira bedankte sich und verschwand um ihren Koffer zu holen. Vermutlich war sie mit ihrer ganzen Familie gekommen, die zwar alle Muggel waren, aber sämtlich hoch begeistert davon, eine Hexe in der Familie zu haben Dadurch bekamen sie ein paar Mal im Jahr Kontakt zur aufregenden magischen Welt.

„Mach nicht so ein saures Gesicht“, wies Leo mich an. „Mira ist ja wohl allemal besser als Kenneth. Und ER kommt sowieso nicht vorbei.“

Ich zog eine Grimasse. Cedric würde auf seinem Rundgang durch den Zug sicher mal durch den Gang laufen, aber dass er auch nur einen Blick auf mich werfen würde, war höchst unwahrscheinlich. Ich seufzte, weil ich meinem Bruder Recht geben musste.

Hermes gab endlich Ruhe, als Mira zurückkehrte. Sie brachte Rose Gepäck mit, doch da die höchstwahrscheinlich viel zu beschäftigt wäre (sie nahm ihren Posten als Vertrauensschülerin sehr ernst) war das nur von Vorteil. Somit war unser Abteil fast zugestellt. Kenneth konnte nicht auf die Idee kommen sich hier einen Platz zu suchen.

„Und, wie waren eure Ferien so?“, begann die Piepsstimme eine Unterhaltung. Der Zug hatte sich in Bewegung gesetzt, aber Mira schien froh, ihrer Familie endlich entflohen zu sein und machte keine Anstalten zu winken.

Leo zuckte die Achseln. Er wusste, dass er gar nicht erst damit rechnen musste, dass ich antwortete. Wenn es nicht gerade im Unterricht ist, oder Leo gegenüber, bin ich ziemlich still. Ich rede nur, wenn Leo nicht da ist, und ich es wirklich muss. Oder wenn es unhöflich wäre, nichts zu sagen.

„Wir waren in Griechenland bei unseren Großeltern. Eigentlich wie jedes Jahr“, erzählte Leo für mich mit.

Mira sah ein wenig neidisch aus. Ich wusste nicht viel über ihre Familie. Sie hatte so viele Geschwister, dass man sich deren Namen kaum merken konnte, und ihr Vater war Postbote, also tippte ich darauf, dass die McDonalds es sich nicht leisten konnten im Sommer in den Urlaub zu fahren.

„Dann seid ihr gerade erst zurück? Sieht man euch gar nicht an.“ Mira selbst hatte einen Sonnenbrand auf der Nase, trotz des englischen Wetters. Leo und ich bekamen dagegen nie Farbe. Unser griechisches Erbe hat da absolut nicht durchgeschlagen, wir wirken immer etwas blass, selbst wenn wir ein paar Monate im Süden waren.

„Nein, wir sind schon eine Woche wieder da. Mussten ja in die Winkelgasse und all so was. Außerdem sind die Eulen nicht bis nach Athen gekommen“, Leo grinste etwas. „Und Elli war so scharf auf ihre ZAG-Ergebnisse, dass sie schon ganz ungeduldig geworden ist.“

Ich warf meinem Bruder einen bösen Blick zu. Ich geb ja zu, Schule ist wichtig! Aber ich will auch nicht als Streber gelten.

„Ja, die ZAGs“, Mira schnitt eine Grimasse. „Du warst bestimmt super, Helena.“ Sie warf mir nur einen kurzen Blick zu, als erwartete sie schon gar keine Antwort von mir. Draußen prasselte Regen gegen die Scheibe. Spätsommer in London, adieu.

„Nein, stell dir vor, sie ist durchgefallen“, Leo kicherte. Bei ihm war es teilweise ganz schön knapp geworden. Bei mir weniger, musste ich das noch sagen?
„Durchgefallen?!“, Miras Stimme wurde noch piepsiger. Ihre blauen Augen wanderten von Leo zu mir und zurück, dann kicherte sie. „Das war nur ein Scherz, stimmt’s? Du bist beinahe so lustig wie die Weasleys, Leonidas.“ Ach ja, Leos Spitznamen ignorierte sie auch gekonnt. Das war eine dieser Angewohnheiten, die wir an Mira so nervig fanden. Und dass sie ständig von den Weasleyzwillingen sprach, als wären die beiden das Allertollste auf der Welt, obwohl fast jeder wusste, dass es nur ihre Taktik war um deren besten Freund Lee Jordan auf sie aufmerksam zu machen. Eine dämlichere Taktik war mir ehrlich gesagt noch nie untergekommen.

„Ich habe ganz gut bestanden“, mischte ich mich zu meiner Verteidigung kurz ein. Wer wusste schon, was Leo ihr sonst noch auftischen würde! Und auch wenn ich gewiss nicht damit hausieren gehen wollte, dass ich 10 ZAGs erhalten hatte, so wollte ich doch genauso wenig, dass man sich heute Abend am Gryffindortisch erzählte, Helena McCullough wäre irgendwo durchgefallen. Ich wollte Heiler werden, daher war es wichtig, dass ich einen exzellenten Abschluss machte in bestimmten Fächern.

„Ich nicht. Ich bin in Zaubertränke, Geschichte der Zauberei und Astronomie durchgefallen“, erzählte Leo mit einem breiten Grinsen. Ich konnte nicht verstehen, wie locker er damit umging. Allerdings wusste er auch nicht, was er nach der Schule machen wollte. Früher hatte er manchmal Medimagier gesagt, weil wir dann auch nach der Schulzeit viel zusammenbleiben würden. Aber eigentlich wusste er es nicht, und so sah seine Fächerwahl auch aus. Die Qualifikation für Verteidigung gegen die dunklen Künste hatte er nicht geschafft, also würden wir nur noch die Kurse Verwandlung, Zauberkunst und Kräuterkunde zusammen haben.

„Zaubertränke hab ich auch nicht geschafft“, kicherte Mira. Als ob das das amüsanteste überhaupt wäre! Sicher, Professor Snape mochte uns Gryffindor nicht besonders, aber ich hatte mich schließlich auch angestrengt und es geschafft.

„Meine Eltern waren ziemlich entsetzt. Sie haben das Notensystem zwar sonst nicht verstanden, aber dass ich in einer Prüfung durchgefallen bin, fanden sie gar nicht gut. Erst haben sie mir das Taschengeld gestrichen, aber als sie die Bücherliste gesehen haben, war das dann ganz schnell vom Tisch.“ Sie fing an, eine Geschichte aus ihren Ferien zu erzählen. Es ging um eine ihrer kleinen Schwestern. Ich schaltete ab und fing an aus dem Fenster zu schauen. Es hatte aufgehört zu regnen, aber auch über dem Norden hing eine dichte Wolkendecke. Wahrscheinlich würde es noch mal regnen, bevor wir ankamen.

Als die Abteiltür aufging, hatte ich mir gerade erlaubt mich einem kleinen Tagtraum hinzugeben, in welchem ich Cedric zufällig allein begegnete und er mir gestand, dass er sich heimlich schon lange in mich verliebt hatte. Es war aber nur die Hexe, die Süßigkeiten verkaufte. ‚Wie ist die eigentlich an ihren Job gekommen’, fragte ich mich. Dafür brauchte man bestimmt keine Qualifikationen, außer Süßigkeiten zu mögen. Die Frage war nur, was sie das restliche Jahr über machte, wenn der Hogwartsexpress nicht fuhr.

Leo hatte seinen Geldbeutel gezückt und eine Ladung Schokofrösche gekauft, und auf Miras sehnsüchtigen Blick hin schenkte er ihr eine Packung saurer Drops. Mir hielt er die Ansammlung hin und ich wählte sorgfältig aus. Wir sammeln die Karten, die dabei sind, aber gegeneinander. Das ist so eine Masche von unserer ersten Zugfahrt an. Es zählen nur die Frösche aus dem Hogwartsexpress. Und wir dürfen nur miteinander tauschen. (Das hat uns schon einige Feindschaften eingebracht in den ersten Jahren, wo das noch jeder tat.) Leider war das meiste, was ich auspackte, Karten die ich schon hatte. Etwas enttäuscht verstaute ich die Karten in meiner Tasche. Wir konnten später immer noch tauschen.

Ich lauschte eine Weile, wie Mira und Leo sich über Drachen unterhielten. Beide hatten Pflege magischer Geschöpfe und anscheinend würde auch Mira den UTZ-Kurs belegen. Abgesehen davon, dass sie ein wenig vom Thema abkam, als sie darüber spekulierte, wer denn noch dieses Jahr dabei sein würde („Lee hat bestimmt Pflege magischer Geschöpfe. Er mag Tiere. Er muss! Ganz bestimmt ist er dabei. Oder Leo? Sag schon. Weißt du was? Lee ist bestimmt dabei oder?“), war das Thema für mich nicht so interessant. Meine Wahlfächer in der dritten Klasse waren Wahrsagen, Arithmantik und Alte Runen. Bis auf Arithmantik hatte ich jedoch nichts davon weiterbelegt.

Als es dämmerte schneite Rose vorbei und schenkte uns allen eine kostenlose Belehrung, was die Regeln für dieses Schuljahr sein würden. Es waren natürlich dieselben wie im letzten Jahr auch, welche Überraschung. Danach wurde es Zeit sich umzuziehen. Leo wartete eine Weile auf dem Gang, bis Mira sich umgezogen hatte. Mir war es etwas unangenehm. Ich war die Anwesenheit meines Zwillings so sehr gewöhnt, dass ich mich fast mehr schämte, mich vor einem anderen Mädchen umzuziehen als vor ihm.

Vor allem als Mira mich kritisch fragte: „Sag mal, warst du überhaupt draußen in der Sonne?“

Ja, war ich. Stumm zog ich die Bluse der Schuluniform über, richtete die rotgoldene Krawatte und bedeutete dann Leo, dass er wieder hineinkommen könnte. Mira besaß die Feinfühligkeit eines Holzhammers und blieb einfach sitzen, während er sich Jeans und Pulli auszog. Da ich ihn kannte, hatte ich seine Uniform bereits herausgelegt. Ansonsten hätte er nun sicherlich den ganzen Koffer durchwühlt und alles auf den Kopf gestellt. Und dann verging so viel Zeit mit dem wiedereinpacken nach der Ankunft, dass wir die letzte Kutsche verpassten und laufen mussten. So war das nämlich im letzten Jahr.

„Wir sind da“, bemerkte ich leise, als ich Lichter draußen bemerkte. Erleichtert erhob ich mich und verstaute Leos Sachen für ihn. Besser war das.

„Endlich“, seufzte auch Mira. „Wo ist nur Rose. Ich schleppe ihr nicht ihren Koffer bis zu den Kutschen!“ Sie verschwand aus dem Abteil. Leo und ich wechselten einen Blick und seufzten einvernehmlich. Auch wenn er wesentlich lebhafter war als ich, so war Leo doch kein Mensch, der ständig in Gesellschaft sein musste – meine ausgenommen. Nach den Ferien mussten wir uns beide erst mal wieder daran gewöhnen beinahe rund um die Uhr unter Leuten zu sein.

Mira war von ihrer Suche noch nicht wieder zurück, als der Zug hielt, und wir warteten nicht auf sie. Wenn sie mit Rose zurückkam, war das wohl auch besser so. Wir fanden eine Kutsche ziemlich weit vorne, und bevor sie losfahren konnte, stieß noch Indira zu uns. Sie war in Hufflepuff und eigentlich ziemlich nett. Wegen ihres Akzents redete sie beinahe so wenig wie ich. Jetzt sah sie ziemlich bedrückt aus.

„Hallo Indira, wie geht’s?“, fragte ich sie freundlich. Unsere Kutsche setzte sich langsam in Bewegung.

„Guuut“, sagte sie mit einer Miene, als wäre gerade ihre Oma gestorben. Da sie sonst nichts weiter sagte, beschloss ich, auch nicht weiter zu fragen. Bestimmt würde ich es in den nächsten Tagen eh beim Frühstück erfahren – bei Klatsch und Tratsch waren meine Mitschüler immer sehr verlässlich.

Es wusste ja auch noch keiner von uns, dass es dieses Jahr alles anders werden würde…
Review schreiben