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Wo die Liebe hinfällt....

von RadioCity
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P12 / Gen
Alex Johannson Saskia Berg Thure Sander
01.09.2013
08.06.2016
11
15.045
1
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31 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
01.06.2016 1.450
 
Guten Tag, auch hier geht es heute weiter, da ich in letzter Zeit viele Anfragen bekommen habe, ob und wann es auch hier ein neues Kapitel gibt. Also hier und heute gibt es das neue Kapitel, ich hoffe es gefällt euch und ihr schreibt mir eure Meinung. Liebe Grüße.




Nur Sekunden nach dem Schuss rollte ein Projektil klirrend den Mittelgang der Brücke entlang, kam ins Trudeln, drehte sich noch einmal um die eigene Achse und stoppte kurz vor Saskias Füssen. Die Brücke war von Stille erfüllt, keiner wagte etwas zu sagen, ja gar zu atmen oder sich zu regen. Vorsichtig trat Saskia einen Schritt vor, um das Projektil aufzuheben. Nachdenklich drehte sie es zwischen ihren Fingern hin und her.
"Haben die Wolfgang erwischt?", sprach Alex flüsternd die unausgesprochende Frage aus, die wie ein Damoklesschwert über der Brücke schwebte.
"Ich hoffe nicht", seufzte Saskia schwer, das Projektil betrachtete sie noch immer andächtig. Sie kannte diese Art von Munition, sie gehörte zu einer Munition, die sie nur zu gut kannte. Auch Marten warf einen interessierten Blick auf das Projektil, auch er erkannte es und seine Augen weiteten  sich. Staunend nahm er Saskia das Projektil aus der Hand und betrachtete es genauer.
"Eindeutig von einer Walther P99, unserer Dienstwaffe", murmelte er nachdenklich. Saskia nickte nur.
"Entweder kommt es aus der Waffe von Wolfgang oder von Kapitän Sander-", begann Saskia, wurde aber von Marten unterbrochen.
"Oder die Typen da unten haben den beiden die Waffen abgenommen-", führte Marten den Satz weiter, wurde aber auch unterbrochen.
"Oder die sind in unsere Waffenkammer eingebrochen", beendete Kai seufzend den Satz schließlich. Nachdenklich wog Saskia abwägend ihren Kopf hin und her. Stille erfüllte die Brücke und auch unter Deck schien es nun auf einmal still zu werden, es fielen keine Schüsse mehr, man hörte keine Stimmen mehr. Diese Tatsache gefiel Saskia gar nicht. Was spielten diese Menschen dort unten für ein Spiel? Was wollten die überhaupt von ihnen? Plötzlich näherten sich von unten her Schritte, das Hallen der Schritte wurde immer lauter und dann stoppten diese kurz vor der kleinen Treppe, die direkt hoch zur Brücke führte. Angespannt drehten sich vier Köpfe zur Treppe, keiner wagte zu atmen, keiner wagte zu sprechen. Wenn jetzt einer der Russen hochkommen würde, dann wären sie alle erledigt, dass war jedem einzelnen klar. Schwerfällig schleppte sich nun eine Person die Treppe hoch, keuchend schien sie sich am Geländer festzuklammern. Oder war es doch Wolfgang, der nun verwundet war? Keiner konnte die Person identifizieren, da sie sich alle zum Schutz nun in eine kleine Nische zurückgezogen hatten, von der man den Aufgang nicht einsehen konnte. Entschlossen schloss sich Saskias Hand um den Griff ihrer Dienstwaffe, die noch im Holster saß, doch sie war jederzeit bereit dazu, diese zu ziehen und zu benutzen, denn es ging hier um den Schutz ihrer Mannschaft. Auch die anderen taten es ihr gleich, damit jeder im Notfall sich verteidigen konnte. Wieder war dieses schwerfällige Keuchen zu hören, welches immer näher zu kommen schien. Auf ein Zeichen von Saskia zogen alle ihre Waffen, hoben diese in den Anschlag. Doch auch auf der Gegenseite war das mechanische Entsichern einer Waffe zu hören. Saskias Augen verengten sich bei diesem so vertrauten Geräusch, ihr Gegenüber war bewaffnet und würde wohl auch im Notfall auf sie schießen, doch auch er konnte nicht sehen, wo und wer sein Gegenüber war. Das war ihr Vorteil, sie waren zu viert, er nur allein.
"Entweder Sie kommen jetzt aus ihrem Versteck oder ich schieße", erhob der Unbekannte nun drohend seine Stimme, eine tiefe, männliche Stimme. Erstaunt weiteten sich bei Marten, Alex, Kai und Saskia die Augen, denn diese Stimme kannten sie ganz genau, aber mit ihm hatte keiner gerechnet.




"Kapitän Sander?", fragte Saskia äußerst überrascht und ließ ihre Waffe sinken. Auch Kai, Marten und Alex nahmen ihre Waffen aus dem Anschlag, doch keiner wagte sich aus dem so sicher scheinenden Versteck. Energische Schritte kamen nun näher und nur Sekunden später spähte der Kopf des vermissten Kapitäns Thure Sander um die Ecke. Ein erstickter Schrei entkam Alex's Kehle und auch Saskia schlug entsetzt die Hand vor dem Mund. Blass, eingefallende Wangen und eine klaffende Wunde am Hinterkopf zeichneten ihn, kraftlos stützte er sich an einem der Tische auf der Brücke ab. Erleichtert atmete Thure auf, seine Mannschaft war noch vollzählig, gesund und nicht in der Gewalt der Russen. Reaktionsschnell zog Marten Sander aus dem Mittelgang der Brücke in die kleine Nische, in der die anderen Crewmitglieder verweilten, denn es waren wieder Schritte zu hören, Schritte und Stimmen, die der Brücke bedrohlich nahe kamen.
"Alle runter", kommandierte Thure. Gemeinsam tauchte die Crew ab und alle knieten am Boden.
"Wo kommen Sie denn jetzt her?", fragte Saskia Thure flüsternd, während sie nebeneinander am Boden knieten. Sie versuchte ihn zu stützen, da er scheinbar viel Blut verloren hatte und etwas schwächelte.
"Das ist eine lange Geschichte, aber erstmal müssen wir dieses Kapitel hier zu einem glücklichen Ende führen", seufzte Thure schwermütig, dabei blickte er Saskia direkt in die Augen. Ein Blick, der sie aufwühlte, der die Schmetterlinge in ihrem Magen aufscheuchte und nicht mehr beruhigen konnte. Und doch musste sie sich trotz ihrer starken Gefühle zusammenreißen und professionell bleiben.
"Waren die Russen hinter Ihnen?", fragte sie mit rationaler Professionalität.
"Ja-", keuchte Thure nur und verzog schmerzvoll das Gesicht, die Kopfverletzung machte ihm zu schaffen. Ermutigend tätschelte Saskia seine Schulter, er dankte es ihr mit einem schwachen, aber ernst gemeinten Lächeln. Doch sie waren noch in allerhöchster Gefahr, denn die Stimmen kamen unaufhaltsam näher. Sie waren nun so nahe an die Brücke herangekommen, dass jeder hören konnte, welche Sprache sie sprachen: Russisch.
"Wir müssen hier raus, sonst sitzen wir in der Fall", raunte Thure seiner Wachhabenden zu. Zur Bestätigung drückte er zärtlich ihre Hand. Saskia musste hart schlucken, diese Berührungen brachten sie um den Verstand. Und es folgte wieder einer dieser Momente, wo die Welt um einen herum still zu stehen schien. Man vergass alles um einen herum und versank in den Augen seines Gegenübers, doch Saskia musste sich zusammenreißen, auch wenn es schwer fiel.
"Wir können hier durch die Tür nach draussen gelangen und wenn es notwendig ist dort das Feuer eröffnen, denn an Deck der Albatros II sind wir denen klar überlegen", murmelte Saskia nachdenklich und wartete Thures Meinung ab.
"Gut so machen wir es", willigte er nach einer kurzen Bedenkzeit ein, dankbar, dass wenigstens Saskia scheinbar einen kühlen Kopf behielt. Stumm machte er den Rest der Crew auf sich aufmerksam und deutete rasch und ohne viele Handbewegungen den bestehenden Plan an. Es war kein Widerstand erkennbar, denn keiner hatte einen besseren Plan. Auf Thures Zeichen öffnete Saskia die Seitentür, die von der Brücke aus nach draussen an Deck führte. Eine raue Windboe schlug ihr entgegen, die Ostsee peitschte aufgebracht ihre Wellen gegen den Bug der Albatros. Feiner norddeutscher Sprühregen benetzte das kurzärmelige, weiße Hemd der Uniform. Fröstelnd hob Saskia ihren Blick gen Himmel, dicke, graue Wolken legten sich schwerfällig über den Himmel. Wie sehr sie die deutsche Ostseeküste auch liebte, dieses Wetter machte sie mitunter depressiv. Wie gern hätte sie jetzt ihre warme Allwetterjacke gehabt, doch es gab kein zurück mehr. Schnell trat sie aus der Tür, damit auch die anderen ihr nachfolgen konnten.
"Hier nehmen Sie meine Strickjacke, damit Sie nicht frieren", murmelte Thure besorgt und reichte ihr seine gefütterte Strickjacke, doch nun trug er nur noch ein kurzärmeliges Hemd. Zögernd blickte sie auf die Jacke und dann auf seine nackten Unterarme.
"Nun ziehen Sie sie schon an, ich werde es überleben", schmunzelte er, denn er hatte ihr Zögern ganz genau beobachtet. Dankbar streifte sie die Jacke über, die sie sofort in ein Gefühl von Wärme, Geborgenheit und Sicherheit einhüllte.
"VORSICHT! ALLE RUNTER", schrie Kai, der noch nicht durch die Tür getreten war, gegen den brüllenden Wind an. Instinktiv duckten sich alle weg und nur Sekunden später zischte an den Köpfen ein weiteres Projektil vorbei. Flach atmend lagen Thure und Saskia nebeneinander auf dem regennassen Boden. Das Projektil war an der Reling abgeprallt und kam nun langsam auf die beiden zugerollt. Vorsichtig streckte Saskia ihre Hand danach aus, dies war das zweite Projektil des Tages, welches sie in der Hand halten musste.
"Die werden nicht so schnell aufgeben", murmelte Saskia beunruhigt. Thure hob sein Gesicht gen Himmel und wendete sich dann Saskia zu, auf seinem Gesicht war Entschlossenheit zu sehen, seine Augen waren zusammengekniffen, einzelne Haarsträhne klebten nass auf seiner Stirn.
"Wir werden auch nicht aufgeben. Das schwöre ich Ihnen", erwiderte er entschlossen.
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